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Chapter 2

Penulis: Ana Winter
last update Tanggal publikasi: 2026-06-08 20:01:16

## KAPITEL 2: Der Bote und die Maske

|| Ruths Sicht ||

Eine lange, schreckliche Minute lang lag ich einfach so auf dem kalten [Boden] und starrte den Baldachin an, während ich mir hundert verschiedene Ausgänge ausmalte, einer katastrophaler als der andere.

Exil. Öffentliche Schande. Für ein Jahrhundert in einen Turm gesperrt zu werden.

Ralph hatte noch nie die Hand gegen mich erhoben, aber das musste er auch nicht. Seine reine Enttäuschung war eine ganz eigene Strafe, und sich ihm zu widersetzen? Nur ein Narr würde das versuchen, und ich hatte mich gerade als der größte Narr in der gesamten Bad Blood Brotherhood erwiesen..!

Mit Angst und Zittern zwang ich mich auf. Ich spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht; der Schock half mir, mich zu fangen, und meine Hände zitterten so stark, dass ich mein Haar kaum hochstecken konnte. Ich wählte ein hochgeschlossenes, formelles Kleid und tupfte etwas mehr Parfümduft auf meine Handgelenke.

Der Weg zum Thronsaal war der längste meines Lebens. Ich stieß die Türen auf und zwang meine Lippen zu einem angenehmen, neutralen Lächeln, das ich nicht fühlte.

Der Raum war voll. Ralph saß auf seinem Thron, und sein Rat aus Ältesten und Betas flankierte ihn, während sich ihre alten, ernsten Gesichter wie auf Kommando mir zuwandten. Ich fühlte mich wie eine Maus in einer Wolfshöhle.

„Mein Alpha“, sagte ich, und meine Stimme war glücklicherweise fest. Ich nickte dem Rat leicht zu. „Älteste.“

Ralphs dunkle Augen hefteten mich an Ort und Stelle fest. Er sah nicht wütend aus.. er sah… berechnend aus, und das war so viel schlimmer.

„Ruth“, sagte er mit seiner tiefen, grollenden Stimme.

„Wir werden heute Abend Besucher haben“, verkündete er, nicht nur mir, sondern dem ganzen Raum. „Du wirst sicherstellen, dass das Packhaus für ihren Empfang mit einem formellen Abendessen vorbereitet ist, und deine Anwesenheit ist erforderlich.“

Das war nun wirklich nicht das, worauf ich mich eingestellt hatte.

„Natürlich. Aus welchem Rudel stammen unsere Gäste?“, fragte ich, während mein Kopf bereits Menüs und Sitzordnungen durchging.

Ein grimmiges Stirnrunzeln legte sich auf seine Lippen.

„Nein. Sie sind nicht von einem Rudel.“

Ich blinzelte.

„Nein? Wer dann…“

„Lykane.“

Ich hörte ein paar scharfe Atemzüge vom Rat, und mein eigener Atem stockte.

„Lykane?“, quiet奪e ich. „Warum? Sie haben uns seit Generationen nicht mehr mit Freundlichkeit behandelt!“

„Eine größere Bedrohung droht an unseren Grenzen“, erklärte Ralph, wobei sein Ton keinen Raum für Fragen über diese mysteriöse Bedrohung ließ. „Eine, die… ungewöhnliche Allianzen erfordert. Es vereinfacht die Sache, dass ihr Anführer mein.. Bruder ist.“

Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Herz stehen blieb. Die Welt geriet ins Wanken, und ich starrte meinen Ehemann an, diesen Mann, mit dem ich seit drei Jahren das Bett teilte.

„Dein… was? Du hast einen Bruder? Einen Lykaner-Bruder? Wie ist das überhaupt...?“

„Genug“, schnitt er mir das Wort ab, seine Stimme scharf und endgültig, und er winkte mit einer abweisenden Handbewegung ab. „Die Details sind nicht deine Sorge. Ich habe dich lediglich informiert, damit du nicht von ihrer… Eigenartigkeit aufgeschreckt wirst. Nun geh. Bereite dich vor.“

Er wandte sich bereits wieder seinem Rat zu und fertigte mich ab, als hätte er mir gerade erzählt, dass es Hühnchen zum Abendessen gäbe, anstatt gestaltwandelnde Monster, die mit ihm verwandt waren.

Ein Bruder? Ein Lykaner-Bruder? Die Fragen schrien in meinem Kopf, aber ein Gedanke, egoistisch und voller Angst, erhob sich über sie alle.

Ich machte einen zittrigen Schritt nach vorn.

„Ralph?“ Ich hasste es, wie klein meine Stimme klang.

Er drehte sich mit einem Aufflackern von Ungeduld in den Augen um.

„Was?“

„Die… die Leute, die du geschickt hast. Zu meinen Eltern. Sind sie… zurück?“ Ich hielt den Atem an.

Einen Moment lang sah er mich nur verwirrt an, und ich sah echte Verwirrung in seinem Blick. Er hatte es völlig vergessen.. das Schicksal, das er mir mit der Hilfe der Mondgöttin versprochen hatte, war ein so kleiner Fleck auf seinem Radar gewesen, dass es aus seinem Gedächtnis verschwunden war.

„Oh“, sagte er, als die Erinnerung dämmerte. „Ja. Sie sind vor einer Weile zurückgekehrt. Sie haben bestätigt, dass du zu Besuch warst, aber nicht lange geblieben bist.“

Er sagte es ganz flach, als bloße Tatsachenfeststellung, und wandte sich sofort wieder seinem Gespräch mit dem Beta neben ihm zu.

Sie haben es bestätigt?!!

Die Welle der Erleichterung, die über mich hereinbrach, war so intensiv, dass mir übel wurde. Ich schaffte es irgendwie, mich umzudrehen und hinauszugehen, wobei sich meine Beine wie auf Autopilot bewegten.

Ich war auf halbem Weg den Korridor hinunter, mein Kopf taumelte von der unmöglichen Mischung aus Lykaner-Brüdern und bestätigten Lügen, als ein junges Dienstmädchen zu mir herbeieilte und sich tief verbeugte.

„Luna Ruth Valehunter, ein Rabe kam für Sie“, sagte sie und hielt mir eine kleine, versiegelte Schriftrolle hin.

Ich nahm sie mit zitternden Fingern entgegen. Das Siegel war mir vertraut... das meiner Schwester. Ich brach es auf und rollte die Nachricht auseinander. In Seris' unordentlicher, eiliger Schrift stand dort geschrieben:

*„Habe gesehen, dass du ein Alibi brauchst. Du schuldest mir ein neues Ballkleid. Das von dem Händler in der Hauptstadt. Versuch erst gar nicht, zu knausern. In Liebe, Seris.“*

Seris. Natürlich.. Meine kleine Schwester mit den Blicken in die Zukunft hatte mich gesehen. Hatte meine Dummheit gesehen und mich gedeckt!

Ich lehnte mich gegen die Wand und lachte, bis mir Tränen in die Augen schossen. Ich war gerettet.. fürs Erste.

Später am Abend, versteckt in den Gärten mit meiner besten Freundin Eirlys, war die Angst schließlich weggeschmolzen und durch eine alberne, nervöse Energie ersetzt worden.

„Du hast was getan?“, zischte Eirlys, ihre Augen weit vor Entsetzen und Entzücken.

Sie war die beste Heilerin des Rudels, wild und furchtlos, und die einzige Person, der ich diesbezüglich vertraute.

„Ich weiß, ich weiß!“, flüsterte ich zurück und kicherte wie ein Teenager. „Es war verrückt. Er war… Eirlys, er war unglaublich. Und die Dinge, die er tun konnte… ich spüre es immer noch, auf die bestmögliche Weise.“

Wir hockten auf einer Steinbank und sezierten jedes verrückte Detail der letzten vierundzwanzig Stunden... den Fremden in der Taverne, Ralphs furchterregendes Verhör, die Lykaner-Bombe und Seris' Erpressung per Rabe.

„Lass mich das also richtig verstehen“, sagte Eirlys und zählte an ihren Fingern ab. „Du hast den mächtigsten Alpha im Reich betrogen. Sein anscheinend existierender Lykaner-Bruder kommt zum Abendessen. Und deine hellseherische Schwester ist jetzt deine Komplizin. Dein Leben ist eine romantische Ballade, die wunderbar, schrecklich schiefgelaufen ist.“

Wir lachten beide, während der Stress von uns abfiel, als sich ein Diener näherte und sich entschuldigend verbeugte.

„Luna Ruth Valehunter“, sagte er. „Die Besucher sind eingetroffen und der Alpha ist… er verlangt nach Ihnen. Er ist nicht erfreut darüber, dass Sie nicht im Packhaus sind.“

Mein Lachen starb augenblicklich, als die reale Welt wieder auf mich einstürzte. Zu meiner Verteidigung.. sie waren früher eingetroffen, als mir gesagt worden war.

„Mondgöttin, schenk mir Kraft“, murmelte ich, drückte Eirlys' Hand, bevor ich dem Diener hinterhereilte.

Ich hastete durch die überfüllten Flure, strich mein Kleid und meinen Gesichtsausdruck glatt. Ich konnte das tiefe Grollen unbekannter Stimmen hören, das aus der großen Halle drang. Ich holte tief Luft, setzte dieses beschwichtigende Luna-Lächeln auf mein Gesicht und stieß die Türen auf.

„Meine Entschuldigung für meine Verspätung, mein Alpha“, sagte ich, meine Stimme klar und fest, während ich in den Raum schritt. „Die Vorbereitungen dauerten…“

Die Worte starben mir im Hals und meine Füße bewegten sich nicht mehr, als die Luft mit einem scharfen Keuchen aus meinen Lungen wich.

Dort drüben, mitten in meinem Thronsaal, im Gespräch mit meinem Ehemann, stand er..!

Der Fremde aus dem Gasthaus.. derselbe Mann, mit dem ich so schamlos gefickt hatte!

Er war jetzt sauberer, trug elegante dunkle Kleidung anstelle von Tavernenleder, aber es gab kein Vertun mit diesen Augen und diesem Grinsen..;

Blind für das weltbewegende Erdbeben, das sich in meinem Inneren abspielte, drehte sich Ralph um.

„Ruth“, sagte er angespannt. „Endlich. Komm und lerne unseren… Gast kennen.“ Er gestikulierte mit angespannter Kieferpartie zu dem Mann hinüber. „Das ist Kaiser Leviathanhowl.“

Meine Augen waren in die des Fremden gefesselt... in Kaisers, und ich sah denselben Schock des Wiedererkennens in seinem Blick aufblitzen, der schnell von einer kühlen Belustigung maskiert wurde, als Ralph den finalen Schlag versetzte.

„Mein… Bruder.“

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