LOGINMaya— Die erste Klausel, Maya, ist die Schweigeklausel, sagt Victoria, während sie aufsteht und um ihren Schreibtisch herumgeht.Ihre Absätze schlagen auf dem Parkett auf wie Sekunden, die in einem unerbittlichen Countdown verstreichen, und als sie vor mir stehen bleibt, ist sie so nah, dass ich ihr Parfüm riechen kann, eine Mischung aus Vanille und Leder, die eigentlich beruhigend wirken müsste, es aber nicht tut, weil dieser Duft nach Macht, Geld und allem riecht, was ich niemals besitzen werde.— Sie werden niemandem von unserer Vereinbarung erzählen, fährt sie fort und bohrt ihren grauen Blick in meinen. Nicht Ihrer Mutter, nicht Ihren Freundinnen, keinem Therapeuten, keinem Priester, niemandem. Absolut niemandem. In Gegenwart anderer Menschen werden Sie mich „Madame Kane“ nennen. Wenn wir allein sind, nennen Sie mich lediglich „Madame“. Meinen Vornamen verwenden Sie niemals, es sei denn, ich erteile Ihnen ausdrücklich die Erlaubnis dazu, wa
Unter ihrer HautMaya, ruiniert, unterzeichnet einen Vertrag über absoluten Gehorsam mit Victoria Kane, einer Luxusmagnatin, ebenso kalt wie verführerisch. Doch schon bald mischt sich eine dritte Frau ein: Léa, Victorias ehemalige Schützling, eifersüchtig und rachsüchtig. Léa will Victoria zurückerobern … oder Maya zerstören. Es folgt ein Spiel aus Manipulation, dreieckigem Sex, Tränen und geteilten Körpern. Zwischen der Herrin, die nicht mehr weiß, wen sie begehrt, der Sklavin, die sich verliebt, und der Rivalin, die die Flammen schürt, wird jeder Orgasmus zur Waffe. Doch am Ende ist es das Herz, das das Gesetz diktiert.MayaIch überprüfe meine Konten heute bereits zum zehnten Mal, doch die rote Zahl hat sich kein bisschen verändert; sie dreht sich in meinem Kopf wie ein Messer, das immer wieder in eine Wunde gestoßen wird, die einfach nicht heilen will, und ich weiß, dass ich kurz davorstehe, ins Bodenlose zu stürzen, denn die Miete ist seit zwei M
ÉlenaFünf Jahre später.Der Garten unseres Landhauses liegt unter der warmen Junisonne, in demselben Monat, in dem wir vor fünf Jahren geheiratet haben. Es ist ein altes Steinhaus, das wir vor drei Jahren nach monatelanger, geduldiger Suche gekauft haben, ein ehemaliger Bauernhof aus dem achtzehnten Jahrhundert, den wir mit viel Liebe renoviert haben, mit sichtbaren Holzbalken, die von längst vergangenen Zeiten erzählen, einem Gemüsegarten, den ich mit einer Leidenschaft pflege, von der ich selbst nicht wusste, dass sie in mir schlummerte, und einem großen Garten, der sanft zu einem kleinen Bach hinabführt, dessen Wasser über die Steine plätschert.Ein kleines Mädchen läuft durch das hohe Gras.Sie ist fünf Jahre alt, hat braune Locken, die bei jedem Schritt um ihr Gesicht tanzen, und ein Lachen, das kristallklar klingt. Sie heißt Lila.Sie ist vor vier Jahren in unser Leben gekommen, nach achtzehn Monaten des Wartens, zahlloser Behördengänge, Enttäuschungen und Hoffnungen, die immer
AdrianaDie Hotelsuite liegt in gedämpftem Licht. Dutzende Kerzen wurden überall von Sophie aufgestellt, die an alles gedacht hat, selbst an die intimsten Kleinigkeiten. Rote Rosenblätter bedecken die weißen Laken und bilden einen Weg bis zum Kopfkissen. Eine Flasche Jahrgangschampagner steht in einem Eiskübel, daneben warten zwei Gläser darauf, gefüllt zu werden. Die Stille der Pariser Nacht umhüllt das Zimmer wie ein Kokon aus Samt.Wir sind allein.Endlich allein.Nach Stunden voller Feierlichkeiten, Reden, Tänze und Lachen, nachdem wir Dutzende Hände geschüttelt und Dutzende Wangen geküsst haben, stehen wir nun einander gegenüber, fast wie in jener ersten Nacht. Der Lärm der Feier ist hinter uns verstummt und dem vertrauten Schweigen unseres Hochzeitszimmers gewichen.— Meine Frau.Ich flüstere diese Worte, und sie fühlen sich auf meinen Lippen neu an, fremd und zugleich köstlich, wie eine Frucht, die man zum ersten Mal kostet.— Meine Frau, antwortet sie, und ihr Lächeln ist so s
ÉlenaDer Tag bricht über Paris an, ein heller, milder Junitag, als hätte selbst der Himmel beschlossen, uns ein Geschenk zu machen. Das Licht ist vollkommen, golden wie flüssiger Honig, und strömt durch die Fenster unseres Hotelzimmers. Ich stehe vor dem großen Standspiegel in der Suite, die wir für die Nacht vor der Zeremonie reserviert haben, und betrachte die Frau, die mir daraus entgegenblickt.Sie trägt ein schlichtes, fließendes weißes Kleid, ohne überflüssige Verzierungen und ohne extravagante Spitze, aus einem leichten Stoff, der ihre Kurven sanft umspielt, ohne sie einzuengen. Um ihren Hals liegt eine dezente Perlenkette, die meiner Großmutter gehört hat, dazu passende Perlenohrringe. Ein leichter Schleier fällt über ihre Schultern und wird von einem antiken Kamm gehalten.Diese Frau bin ich.Élena Martin, die sich darauf vorbereitet, Adriana Vasseur zu heiraten.Léa, meine Trauzeugin, meine beste Freundin und mein Fels inmitten des Sturms, richtet ein letztes Mal meinen Sch
ÉlenaLéa hat einen intimen Abend versprochen, ohne Übertreibungen, und zum ersten Mal in ihrem Leben hält sie tatsächlich ihr Wort. Keine Stripper, keine peinlichen Aufgaben, keine Champagnerbar bis zum Morgengrauen. Nur wir, unsere engsten Freundinnen, versammelt in Léas Wohnung, die sie für diesen Anlass in einen warmen, behaglichen Kokon verwandelt hat, mit Lichterketten, Duftkerzen nach Vanille und Zimt und einer sorgfältig zusammengestellten Playlist, die alte Klassiker mit Liedern verbindet, die unsere Geschichte erzählen.Sophie ist ebenfalls da, lächelt und hält ein Glas Wein in der Hand, entspannter, als ich sie jemals erlebt habe. Irina ist wider Erwarten gekommen. Sie trägt ein schlichtes Kleid, hat jedoch ihre übliche Zurückhaltung für diesen Abend abgelegt, und ich sehe sogar, wie sie einige Tanzschritte macht, als ein altes russisches Lied erklingt, das sie offenbar auswendig kennt. Léa wirbelt von einer Gruppe zur nächsten, verteilt Komplimente und macht Witze mit eine







