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Kapitel 5 – Élena

Author: Déesse
last update publish date: 2026-07-23 06:05:44

Am Abend öffnet Thomas eine Flasche Wein, die er für einen besonderen Anlass aufgehoben hatte. Einen Pomerol von 2015, den er zu unserem dritten Jahrestag gekauft und nie geöffnet hat. Er ist stolz auf mich, sagt er, wiederholt er. Er küsst meine Stirn, meine Wangen, meine Lippen, und ich antworte mechanisch.

— Meine Freundin bei Volkov Industries! Meine Freundin, die für die heißeste Milliardärin von Paris arbeitet!

— Heiß? Ich dachte, du hättest sie nie gesehen.

— Die Fotos, in den Zeitschriften. Sie ist schön, findest du nicht?

Ich überlege. Schön. Das Wort ist zu schwach. Adriana Volkov ist nicht schön, sie ist etwas anderes. Magnetisch. Hypnotisch. Furchteinflößend.

— Ja, sie ist schön.

Thomas lacht.

— Vorsicht, ich werde eifersüchtig!

Er lacht weiter, er meint kein Wort davon. Warum sollte er eifersüchtig sein? Ich bin seit vier Jahren mit ihm zusammen. Ich bin normal. Ich schaue keine Frauen an.

Wir bestellen Sushi, schauen einen Film auf N*****x, trinken den Pomerol bis zum letzten Tropfen. Auf dem Sofa rückt Thomas näher, seine Hand gleitet über meinen Oberschenkel, wandert unter meinen Rock.

— Feiern wir das? flüstert er.

Ich sage Ja. Ich sage immer Ja.

Er küsst mich, knöpft meine Bluse auf, streichelt mich. Ich schließe die Augen. Und sehe graue Augen. Lange Finger. Einen roten Mund, der fragt: Können Sie gehorchen?

Ich reiße die Augen plötzlich auf. Thomas ist über mir, er sieht nichts, er spürt nichts. Er ist in mir, er stöhnt, er kommt, und ich bin woanders, in einem Büro hoch über Paris, einer Frau gegenüber, die mich ansah, als wäre ich der einzige Mensch auf der Welt.

Danach schläft Thomas ein, den Kopf auf meiner Schulter, der Atem gleichmäßig. Ich bleibe lange wach, starre an die Decke, spüre sein Gewicht auf mir, denke an die, die nicht da ist.

Warum habe ich an sie gedacht, während Thomas mich berührte? Warum hat ihr Bild diesen Moment intensiver gemacht, ... erregender?

Die Schuld breitet sich in meiner Brust aus, ein kleines stilles Tier, das nagt. Ich bin in einer Beziehung. Ich bin treu. Ich bin normal.

Warum brenne ich dann darauf, in dieses Büro zurückzukehren?

---

Kapitel 4 – Adriana

Ich kann nicht schlafen.

Das ist selten. Ich schlafe immer gut, acht Stunden pro Nacht, wie eine Uhr. Das ist Disziplin, wie alles andere. Schlaf ist eine Waffe, ein Werkzeug, kein Vergnügen.

Aber heute Nacht wälze ich mich in meinem Bett, lausche der Stille meiner Wohnung und denke an sie.

Élena.

Ihr Name dreht sich in meinem Kopf wie eine Ohrwurm. Élena, Élena, Élena. Ich spreche ihn leise aus, um zu hören, wie er in meinem Mund klingt. Er klingt gut. Sanft. Warm. Menschlich.

Ich stehe auf, gehe zum Fenster. Meine Wohnung liegt im sechzehnten Stock, mit Blick auf die Seine. Die Lichter der Stadt tanzen auf dem Wasser, und ich starre, ohne zu sehen.

Warum sie?

Ich habe Dutzende von Frauen gekannt. Schöne, kluge, mächtige, unterwürfige, dominante, vorübergehende, solche, die sich binden wollten. Ich hatte alles, sah alles, vergaß alles.

Aber diese hier habe ich eine Stunde gesehen und vergesse sie nicht.

Ich gehe zurück ins Bett. Ich schließe die Augen. Ich denke an ihren Blick, an diese Mischung aus Angst und Faszination. Ich denke an ihren Mund, an diese Unterlippe, die zitterte. Ich denke an ihre Stimme, an dieses Ja, das ihr fast gegen ihren Willen entrissen wurde.

Meine Hand gleitet zwischen meine Schenkel.

Ich sollte nicht. Das ist lächerlich. Das ist erbärmlich. Ich bin Adriana Volkov, ich fasse mich nicht an, während ich an eine Angestellte denke, die ich gerade eingestellt habe.

Aber ich tue es trotzdem.

Ich denke an ihre Augen, an ihre Angst, an ihre Unterwerfung. Ich denke daran, wie es wäre, sie vor mir auf den Knien zu sehen, sie betteln zu hören, sie immer wieder Ja sagen zu hören. Ich denke an ihre Hände, an ihren Mund, an ihre Haut.

Ich komme schweigend, mit zusammengebissenen Zähnen, die Faust auf dem Mund, um meinen Schrei zu ersticken.

Danach liege ich still da, beschämt, verwirrt, wütend auf mich selbst.

Morgen wird sie da sein. Morgen wird sie im Büro neben meinem sitzen. Morgen werde ich sie sehen, mit ihr sprechen, sie bei der Arbeit beobachten.

Morgen werde ich tun, als wäre nichts gewesen.

Weil ich Adriana Volkov bin und niemals etwas zeige.

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