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Die Schulden

last update Veröffentlichungsdatum: 28.06.2026 20:38:10

Maya starrte auf die weißen Seiten auf dem harten Holzboden. Ihr Atem stockte, als sie den fettgedruckten schwarzen Namen oben las. Es war Dante. Er war ein grausamer, gieriger Mann aus ihrer dunklen Vergangenheit. Maya sank auf die Knie und hob das Papier auf. Ihre Hände zitterten vor tiefer, kalter Angst. Julian kniete sich neben sie und berührte ihren Arm. Er fragte sie, wer dieser böse Mann sei. Maya sah ihren Verlobten mit großen, ängstlichen Augen an. Sie holte tief Luft und erzählte ihm
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  • Frech mit 20   Asche

    Das Feuer brannte nicht wie normales Holz. Es loderte wie tausend Stimmen gleichzeitig. Die Brücke verwandelte sich in schwarze Flocken, die in der heißen Luft trieben. Julian hielt meine Hand fest und warm. Wir standen auf den letzten Planken, während die Flammen unsere Füße umspielten. Die Hitze war stark. Sie entzog der Luft die Feuchtigkeit und ließ sie trocken zurück. Ich sah zu, wie die Welt verblasste. Die Stadt, die wir vorhin noch gesehen hatten, war verschwunden. An ihrer Stelle erstreckte sich ein Meer aus grauem Ruß bis zum Horizont.„Ist das das Ende?“, fragte Julian. Er beobachtete, wie die Glut im Wind tanzte.Ich blickte zum Himmel. Die riesige Hand war verschwunden. Das Streichholz hatte seine Wirkung getan. Wir waren allein in den Trümmern einer Geschichte, die keine weiteren Seiten mehr hatte. Ich spürte keine Angst. Ich spürte einen seltsamen Frieden. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich nicht Teil einer Verschwörung. Ich war keine Schneiderin in einem Laden. Ich

  • Frech mit 20   Ziel

    Der Schuss knallte laut und erfüllte den Raum. Ich spürte den Luftzug an meinem Ohr. Ich zögerte keine Sekunde. Ich packte die Frau am Handgelenk und zog sie hinter den schweren Schreibtisch. Julian war schon in Bewegung. Er sprang über das Sofa und stürzte sich auf den Mann im schwarzen Anzug. Sie stürzten hart zu Boden. Die Pistole glitt über das Holz und blieb neben dem Kamin liegen. Ich sah die Frau an. Sie war blass und zitterte. Sie wusste nicht, was geschah. Sie wusste nur, dass ihr ruhiges Zimmer zu einem Schlachtfeld geworden war.„Bleib hier“, sagte ich zu ihr. Ich stand auf und rannte los, um Julian zu helfen.Der Mann im Anzug war stark. Er kämpfte mit der Geschicklichkeit eines Soldaten. Er drängte Julian zurück und griff nach einem versteckten Messer. Ich überlegte nicht. Ich hob die silberne Schere auf, die noch auf dem Boden lag. Ich wollte ihn nicht verletzen, aber er ließ mir keine Wahl. Ich schwang die Klingen in einem weiten Bogen. Der Mann duckte sich und sah mich

  • Frech mit 20   Die Schere

    Die Dunkelheit zwischen den Seiten war nicht leer. Sie war ein dichtes Dickicht aus alten Worten und aufgegebenen Handlungssträngen. Ich klammerte mich mit aller Kraft an den Pappdeckel des Buches. Meine Finger schmerzten von der Anstrengung.Die Welt draußen war jetzt still.Ich konnte das leise Geräusch von Atmen hören.Es war der Leser.Er saß irgendwo in einem Raum auf einem Stuhl, den ich nicht sehen konnte.Ich zog mich hoch und blickte über den Rand des Einbandes.Direkt neben meinem Kopf schnitt eine riesige Metallschere durch das Papier.Die Klinge bewegte sich mit ruhiger Entschlossenheit.Sie schnitt durch die Geschichte des Buches.Ich sah ganze Städte verschwinden.Ich sah Figuren, gegen die ich gekämpft hatte, sich in dünnen grauen Rauch auflösen.Die Person, die die Schere hielt, war nicht der Autor.Es war jemand anderes.Sie hatte blasse Hände und lange Ärmel, die ihr Gesicht verbargen.Sie räumte das Chaos auf.Sie schnitt alles Überflüssige aus der Geschichte heraus

  • Frech mit 20   Der Name

    Die Wand fühlte sich kalt unter meiner Handfläche an. Ich starrte auf die roten Buchstaben meines Namens. Es war nicht einfach nur Tinte. Sie sahen aus wie frische Wunden auf der Oberfläche der Barriere. Die rote Farbe tropfte langsam zum Boden hinab. Ich beobachtete, wie die Tropfen eine Pfütze aus Licht bildeten.Julian stand neben mir. Er streckte die Hand aus und berührte die Wand. Seine Finger hinterließen einen roten Fleck auf seiner Haut. Er zuckte nicht einmal zusammen. Er sah mich mit einer ruhigen Konzentration an, die ich nicht teilen konnte.„Wir sind wieder in der Schleife“, sagte er leise. „Die Tür war ein Trick. Der Strand war ein Trick. Alles, was wir für real halten, ist nur eine Methode, uns vorwärtszutreiben, bis uns die Kraft ausgeht.“Ein Anflug von Wut durchzuckte mich. Ich presste meine Hände gegen die Wand. Ich wollte sie durchbrechen. Ich wollte den Ort finden, an dem die Mauern endeten. Ich wollte den Raum jenseits der Geschichte sehen.„Ich bin müde“, sagte

  • Frech mit 20   Der Biss

    Die Hand schmeckte nach Eisen und altem Papier. Ich biss so fest in die Haut, bis ich etwas Echtes und Warmes schmeckte. Ein Schrei zerriss den Himmel. Es war ein Laut, der die Sterne auf ihrer Bahn erzittern ließ.Die riesige Hand zuckte zurück.Ich wurde mitgerissen.Ich flog durch den dunklen Raum zwischen den Seiten. Der Wind peitschte mein Haar, und die kalte Luft brannte in meinen Lungen.Ich war keine Tinte.Ich war keine Figur.Ich war eine lebendige Frau, festgehalten von einer Macht ohne Gestalt.Die Hand schleuderte mich fort.Ich überschlug mich in der Luft und landete hart auf einem Boden aus poliertem Holz.Als ich aufblickte, erkannte ich den Raum sofort.Es war mein Schlafzimmer.Sonnenlicht strömte durch das Fenster.Die Nähmaschine summte auf dem Tisch.Alles sah normal aus, doch die Luft fühlte sich dünn und falsch an.Ich stand auf und ging zum Spiegel.Mein Gesicht sah müde aus, aber es war mein Gesicht.Ich berührte meine Lippen.Sie schmeckten noch immer nach Ei

  • Frech mit 20   Die Schreibfeder

    Das Meer aus Tinte erhob sich und kam auf uns zu. Es war dickflüssig und roch nach altem Metall. Der Boden des Ladens fühlte sich an wie ein Floß aus Papier. Ich blickte auf die Schreibfeder, auf der wir standen. Sie war eine scharfe Stahlspitze, die über dem schwarzen Ozean schwebte.Julian war außerhalb des Glases. Er streckte die Hand nach mir aus, doch er konnte die Barriere nicht durchbrechen. Seine Finger hinterließen Frostspuren auf der Scheibe.Ich blieb still stehen und hielt den Stift fest.Der Geschäftsführer wartete auf meine Unterschrift. Seine Augen waren Löcher im Gewebe des Raumes.„Wenn du den Vertrag unterschreibst, behältst du ihn“, sagte er und zeigte auf Julian. „Er bleibt, wie er ist. Er bleibt ein Mensch. Er bleibt am Leben.“Ich sah auf den Vertrag. Die Worte auf dem Papier bewegten sich. Sie handelten nicht nur von Miete oder einem Ladenlokal. Sie sprachen von Blut und Atem. Sie sprachen von den Schulden, die meine Eltern hinterlassen hatten.Diese Schulden wa

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