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Der Biss

last update Veröffentlichungsdatum: 29.06.2026 19:31:39

Die Hand schmeckte nach Eisen und altem Papier. Ich biss so fest in die Haut, bis ich etwas Echtes und Warmes schmeckte. Ein Schrei zerriss den Himmel. Es war ein Laut, der die Sterne auf ihrer Bahn erzittern ließ.

Die riesige Hand zuckte zurück.

Ich wurde mitgerissen.

Ich flog durch den dunklen Raum zwischen den Seiten. Der Wind peitschte mein Haar, und die kalte Luft brannte in meinen Lungen.

Ich war keine Tinte.

Ich war keine Figur.

Ich war eine lebendige Frau, festgehalten von einer Macht o
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  • Frech mit 20   Die Schere

    Die Dunkelheit zwischen den Seiten war nicht leer. Sie war ein dichtes Dickicht aus alten Worten und aufgegebenen Handlungssträngen. Ich klammerte mich mit aller Kraft an den Pappdeckel des Buches. Meine Finger schmerzten von der Anstrengung.Die Welt draußen war jetzt still.Ich konnte das leise Geräusch von Atmen hören.Es war der Leser.Er saß irgendwo in einem Raum auf einem Stuhl, den ich nicht sehen konnte.Ich zog mich hoch und blickte über den Rand des Einbandes.Direkt neben meinem Kopf schnitt eine riesige Metallschere durch das Papier.Die Klinge bewegte sich mit ruhiger Entschlossenheit.Sie schnitt durch die Geschichte des Buches.Ich sah ganze Städte verschwinden.Ich sah Figuren, gegen die ich gekämpft hatte, sich in dünnen grauen Rauch auflösen.Die Person, die die Schere hielt, war nicht der Autor.Es war jemand anderes.Sie hatte blasse Hände und lange Ärmel, die ihr Gesicht verbargen.Sie räumte das Chaos auf.Sie schnitt alles Überflüssige aus der Geschichte heraus

  • Frech mit 20   Der Name

    Die Wand fühlte sich kalt unter meiner Handfläche an. Ich starrte auf die roten Buchstaben meines Namens. Es war nicht einfach nur Tinte. Sie sahen aus wie frische Wunden auf der Oberfläche der Barriere. Die rote Farbe tropfte langsam zum Boden hinab. Ich beobachtete, wie die Tropfen eine Pfütze aus Licht bildeten.Julian stand neben mir. Er streckte die Hand aus und berührte die Wand. Seine Finger hinterließen einen roten Fleck auf seiner Haut. Er zuckte nicht einmal zusammen. Er sah mich mit einer ruhigen Konzentration an, die ich nicht teilen konnte.„Wir sind wieder in der Schleife“, sagte er leise. „Die Tür war ein Trick. Der Strand war ein Trick. Alles, was wir für real halten, ist nur eine Methode, uns vorwärtszutreiben, bis uns die Kraft ausgeht.“Ein Anflug von Wut durchzuckte mich. Ich presste meine Hände gegen die Wand. Ich wollte sie durchbrechen. Ich wollte den Ort finden, an dem die Mauern endeten. Ich wollte den Raum jenseits der Geschichte sehen.„Ich bin müde“, sagte

  • Frech mit 20   Der Biss

    Die Hand schmeckte nach Eisen und altem Papier. Ich biss so fest in die Haut, bis ich etwas Echtes und Warmes schmeckte. Ein Schrei zerriss den Himmel. Es war ein Laut, der die Sterne auf ihrer Bahn erzittern ließ.Die riesige Hand zuckte zurück.Ich wurde mitgerissen.Ich flog durch den dunklen Raum zwischen den Seiten. Der Wind peitschte mein Haar, und die kalte Luft brannte in meinen Lungen.Ich war keine Tinte.Ich war keine Figur.Ich war eine lebendige Frau, festgehalten von einer Macht ohne Gestalt.Die Hand schleuderte mich fort.Ich überschlug mich in der Luft und landete hart auf einem Boden aus poliertem Holz.Als ich aufblickte, erkannte ich den Raum sofort.Es war mein Schlafzimmer.Sonnenlicht strömte durch das Fenster.Die Nähmaschine summte auf dem Tisch.Alles sah normal aus, doch die Luft fühlte sich dünn und falsch an.Ich stand auf und ging zum Spiegel.Mein Gesicht sah müde aus, aber es war mein Gesicht.Ich berührte meine Lippen.Sie schmeckten noch immer nach Ei

  • Frech mit 20   Die Schreibfeder

    Das Meer aus Tinte erhob sich und kam auf uns zu. Es war dickflüssig und roch nach altem Metall. Der Boden des Ladens fühlte sich an wie ein Floß aus Papier. Ich blickte auf die Schreibfeder, auf der wir standen. Sie war eine scharfe Stahlspitze, die über dem schwarzen Ozean schwebte.Julian war außerhalb des Glases. Er streckte die Hand nach mir aus, doch er konnte die Barriere nicht durchbrechen. Seine Finger hinterließen Frostspuren auf der Scheibe.Ich blieb still stehen und hielt den Stift fest.Der Geschäftsführer wartete auf meine Unterschrift. Seine Augen waren Löcher im Gewebe des Raumes.„Wenn du den Vertrag unterschreibst, behältst du ihn“, sagte er und zeigte auf Julian. „Er bleibt, wie er ist. Er bleibt ein Mensch. Er bleibt am Leben.“Ich sah auf den Vertrag. Die Worte auf dem Papier bewegten sich. Sie handelten nicht nur von Miete oder einem Ladenlokal. Sie sprachen von Blut und Atem. Sie sprachen von den Schulden, die meine Eltern hinterlassen hatten.Diese Schulden wa

  • Frech mit 20   Der Radiergummi

    Die weiße Leere drückte gegen meine Haut wie gefrierendes Glas. Der riesige Radiergummi ragte über mir auf, ein Block aus grauem Gummi so groß wie ein Berg. Er senkte sich mit einem leisen Zischen herab, das wie tausend sterbende Seufzer klang. Ich sah, wie Julian nach mir griff, doch sein Arm verwandelte sich in feinen weißen Staub, bevor er mich berühren konnte. Ich schrie, aber kein Laut kam heraus. Der Radiergummi löschte nicht nur meinen Körper aus. Er löschte meine Erinnerungen, meine Vergangenheit und jeden einzelnen Faden des Lebens, das ich aufgebaut hatte.Ich blickte auf die silberne Schere, die ich noch immer in der Hand hielt. Sie war das Einzige an diesem leeren Ort, das noch Farbe besaß. Die Klingen fingen das schwache Licht des verblassenden Himmels ein. Da wurde mir klar, dass der Radiergummi nur töten konnte, was er berührte. Wenn ich die Hand erreichen konnte, die ihn hielt, konnte ich vielleicht seine Bewegung stoppen. Doch die Hand war hinter Wolken aus weißem Sta

  • Frech mit 20   Beweise

    Das Licht der Lampe fühlte sich wie ein körperliches Gewicht auf meinen müden Augen aIch saß auf dem kalten Metallstuhl, meine Handgelenke waren von den Seilen wund gescheuerJulian stand im SchatteEr war nicht der Mann, der mich liebtEr war der Inspektor, der mich hinter Gitter bringen wolltEr ging im Raum auf und ab, seine Stiefel klickten auf dem harten BetonbodeJeder Schritt klang wie der Schlag eines Richters mit dem HammeEr blieb stehen und beugte sich über den TiscDer Geruch seines Kaffees war stark und bitte„Erzählen Sie mir von dieser Nacht“, sagte eEr nannte mich nicht MayEr nannte mich die VerdächtigIch blickte auf meine HändSie waren befleckIch wollte ihm sagen, dass es nur Tinte waIch wollte ihm von den Büchern, den Scheren und den Welten erzählen, die wie trockene Herbstblätter auseinanderfieleAber ich wusste, wie das klingen würdWie das Gerede eines Menschen, der den Verstand verloren haDas Gesetz kümmert sich nicht um Fäden aus Licht oder Autoren am Hi

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