登入Kapitel 139Wer hat ihr das Zählen beigebracht?JONATHAN (Perspektive)Ich drehte das Telefon um und hielt es so, dass man es im gesamten Flur lesen konnte.Margot Foster las es aus einer Entfernung von etwa neun Metern. Ich beobachtete, wie ihr nach und nach die Farbe aus dem Gesicht wich – so, wie das Licht aus einem Raum schwindet, wenn jemand nacheinander die Fensterläden schließt.Y y y „Das ist nicht von mir“, sagte sie.„Es kam von derselben Nummer“, entgegnete Okoro. Sie hatte den Flur mit vier großen Schritten überquert und mir das Telefon aus der Hand genommen. „Das Gerät liegt in einem Beweismitteltütchen in der Küche des Bootshauses. Du bist seit drei Stunden in Gewahrsam.“„Dann ist es nicht mein Gerät.“ Margots gefesselte Hände zitterten in ihrem Schoß; Vivienne, die neben ihr saß, rührte sich nicht. „Ich habe zehn Nachrichten verschickt. Von null bis zehn. Ich habe sie selbst nummeriert. Eine Nummer elf gab es nie.“„Warum von null bis zehn?“, fragte Okoro. „Warum dies
Kapitel 138Der Befehl von obenJONATHAN (Sichtweise)Detective Superintendent Reilly entsprach so gar nicht meinen Erwartungen. Ich hatte mir einen Mann in einem tadellos gebügelten Anzug vorgestellt, mit einer Aktenmappe voller offizieller Stempel. Der Mann, der den Flur entlangkam, war Ende fünfzig, breit gebaut und trug einen vom Regen gesprenkelten Mantel; an seinem Hals baumelte ein Umhängeband, das gegen seine Krawatte schlug. Er sah aus, als hätte er eine lange Fahrt in einem Auto mit defekter Heizung hinter sich.Okoro erwartete ihn am Schwesternstützpunkt, die Arme vor der Brust verschränkt. Wir anderen blieben im Türrahmen von Harolds Zimmer stehen, und ich spürte, wie sich die Schulter meines Vaters neben mir anspannte.„Superintendent“, sagte sie. „Sie sind weit weg von Scotland Yard.“„Drei Stunden Fahrt, und ich habe nicht einmal für einen Snack angehalten.“ Er hielt einen versiegelten Umschlag hoch. „Eine Anweisung des Innenministeriums, unterzeichnet heute Nachmittag
Kapitel 137Die Briefe, die er aufbewahrteJONATHAN (Perspektive)Die medizinische Einrichtung lag am Rande einer Kleinstadt – ein niedriges Backsteingebäude mit einem Parkplatz und einem Verkaufsautomaten, der in der Eingangshalle vor sich hin summte. Wir kamen um halb acht an, nach neunzig Minuten Fahrt in zwei Autos, bei ausgeschaltetem Radio. Margot Foster fuhr in einem dritten Wagen mit – in Handschellen und in Begleitung eines Polizisten. Seit dem Vorfall im Bootshaus hatte niemand mehr mit ihr gesprochen. Einmal hatte ich bemerkt, wie sie durch die Heckscheibe zu meinem Vater hinübersah; sie wandte den Blick jedoch als Erste ab.Mein Vater ging neben mir den Flur entlang. Er blieb einen Schritt zurück – wie ein Mann, der noch nicht das Recht hat, auf gleicher Höhe zu gehen.Harolds Zimmer befand sich am Ende des Ganges; es war nur schwach beleuchtet, und ein Fenster gab den Blick auf den Parkplatz frei. Die Pflegekraft, die den ganzen Nachmittag bei ihm gewesen war, stand mit e
Kapitel 136 – Sechzehn MinutenJONATHAN (Perspektive)„Welcher Schlüssel?“, fragte ich.Margot deutete auf meinen Mantel. „Der eiserne. Der von deinem Großvater.“Ich holte ihn hervor. Im Licht der Lampe wirkte er kleiner als im Tresor – ein schlichtes, narbiges Stück Metall mit abgenutztem Griff und der eingestanzten Zahl 417. Ich hatte ihn nun schon zehn Stunden bei mir, und doch erwartete ich insgeheim immer noch, dass er in meiner Hand zu Staub zerfallen würde.„Der graue Schlüssel liegt in einem Beweismittelbeutel im Hafen von Brancaster“, sagte Okoro. „Calloway hielt ihn in der Faust, als wir ihn festnahmen. Falls Sie jetzt sagen wollen, dass man alle drei braucht, Dr. Foster, dann haben wir ein Problem.“„Nein, braucht man nicht. Sehen Sie sich das Telefon an.“Okoro hob es mit zwei behandschuhten Fingern auf und drehte es um. Auf der Rückseite, direkt unter dem Gehäuse, befand sich ein winziges Messingplättchen – ich hätte es für eine Herstellerkennzeichnung gehalten. In seine
Kapitel 135Die Frau in der VorratskammerJONATHAN (Perspektive)Okoro hatte ihre Waffe bereits erhoben, noch bevor die Stimme verstummt war. Zwei Beamte richteten ihre Taschenlampen auf die Tür der Vorratskammer; der Lichtkegel erfasste eine Frau, die aus der Dunkelheit trat. Sie hatte die Hände erhoben, die Handflächen nach außen gewandt – wie jemand, der gerade eine lange Darbietung beendet hat.Sie war in den Fünfzigern, von zierlicher, gepflegter Gestalt, mit kurzem grauem Haar und einem Gesicht, das einem sofort wieder aus dem Gedächtnis entgleitet. Sie trug einen dunkelblauen Mantel und praktische Schuhe. Um den Hals hing ein Schlüsselband, das in ihren Kragen gesteckt war – als hätte sie völlig vergessen, dass es dort war.„Bitte nicht“, sagte sie. „Ich bin der harmloseste Mensch in diesem Haus. Ich stehe schon seit vierzig Minuten in einem Schrank.“„Name“, sagte Okoro.„Margot Foster.“ Sie sagte es ganz schlicht. „Dr. Margot Foster, um es förmlich auszudrücken. Ich bin seit
Kapitel 134Die DosisJONATHAN (Perspektive)Mein Vater trat vor mich, noch bevor ich begriff, dass er sich überhaupt bewegt hatte. Nach siebenundzwanzig Jahren war dies die erste Handlung, die er vollzog – und ich spürte sie in meinen Rippen wie einen blauen Fleck.„Marcus“, sagte ich über seine Schulter hinweg. „Du warst hinter uns.“„Das war ich.“ Marcus blieb an der Türschwelle stehen; im Schein des Lichts wirkte sein Gesicht eingefallen. „Ich habe Okoros Leuten gesagt, ich würde vorausgehen und sicherstellen, dass der Weg frei ist. Das war gelogen. Ich musste hier sein, bevor irgendjemand sonst eintrifft.“ Er hob die Mappe ein Stück an. „Ich bin nicht bewaffnet und bin nicht hier, um jemandem zu schaden. Ich brauche nur fünf Minuten.“„Das Auto auf dem Weg“, sagte mein Vater. „Warst du das?“„Ich bin den Weg gekommen, den auch meine Mutter immer genommen hat. Hinter dem See gibt es einen Wirtschaftsweg.“ Er schluckte. „Mr. Hale, Sie wissen, wer ich bin.“„Imeldas Junge.“ Die Stim
Kapitel 5Catalina„Gehen Sie zurück und lassen Sie mich herein. Nur sie kann mich richtig verarzten.“„Boss, Ihr Vater hat uns strenge Anweisungen gegeben. Sie dürfen diesen Flügel nicht ohne Catalinas Erlaubnis betreten.“„Ich bin immer noch der Boss dieses Anwesens. Gehen Sie mir aus dem Weg, be
Kapitel 4Catalina„Catalina? Bitte öffne deine Augen. Sieh mich einfach an. Versuch, dich zu konzentrieren.“Ich öffnete die Augen. Das Erste, was ich sah, war eine blendend weiße Decke. Das gleichmäßige Piepen eines Herzmonitors hallte laut in dem kleinen Zimmer wider. Ich drehte den Kopf leicht
Kapitel 2Catalina„Das Essen ist fertig, Rodrigo“, sagte ich, meine Stimme durchdrang die Stille des Esszimmers.Ich stand am Kopfende des langen Mahagonitisches, meine Finger berührten sanft den Rand des makellosen Keramiktellers, den ich gerade zurechtgerückt hatte. Ich hatte alles genau so gede
Kapitel 1Catalina„Du musst sofort zum Anwesen kommen, Catalina. Sie lebt.“„Was?“, platzte es aus mir heraus, bevor ich es verhindern konnte. Wer lebte?„Deine Schwester, sie lebt.“Die Stimme meines Vaters klang durch den Telefonlautsprecher so sanft wie seit drei Jahren nicht mehr. Er wartete n







