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Leute da

作者: Promise great
last update 公開日: 2026-06-05 13:49:10

Kapitel 5

Catalina

„Gehen Sie zurück und lassen Sie mich herein. Nur sie kann mich richtig verarzten.“

„Boss, Ihr Vater hat uns strenge Anweisungen gegeben. Sie dürfen diesen Flügel nicht ohne Catalinas Erlaubnis betreten.“

„Ich bin immer noch der Boss dieses Anwesens. Gehen Sie mir aus dem Weg, bevor ich es Ihnen befehle.“

„Wir gehorchen jetzt nur noch ihr. Sie müssen zurücktreten.“

„Ich verblute auf dem Boden. Machen Sie endlich die verdammte Tür auf!“

„Wir rufen einen Privatarzt für Sie.“

„Ich will keinen Arzt. Ich will meine Frau.“

„Sie will Sie nicht sehen.“

„Ich werde Ihnen eine Kugel ins Knie jagen, wenn Sie nicht sofort Platz machen.“

Ich saß auf der Bettkante und lauschte dem heftigen Streit, der durch den Flur hallte. Drei Wochen waren vergangen, und ich war erst vor Kurzem aus dem Krankenhaus entlassen worden. Papa hatte fünf seiner besten Männer abgestellt, um meine Türen zu bewachen.  Drei ganze Tage lang hatte ich mich wie ein Geist durch das riesige Haus bewegt und lautlos meine Koffer gepackt. Ich nahm nur mit, was mir wirklich gehörte. Der Stapel war überraschend klein. Jetzt stand Rodrigo wieder blutend vor meiner Tür.

„Lasst ihn rein!“, rief ich laut.

Die schwere Eichentür öffnete sich. Rodrigo stolperte ins Zimmer und presste ein durchnässtes Handtuch an seine Seite. Zwei frische Schusswunden sickerten dunkles Blut auf den Boden.

„Setz dich auf den Stuhl da drüben“, befahl ich und deutete in die Ecke.

„Es ist schlimmer, als es aussieht“, stöhnte er, als er sich setzte.

„Zieh dein Hemd aus“, sagte ich.

„Sie haben mich in der Nähe der Verladeanlagen überrascht“, erklärte er und verzog schmerzverzerrt das Gesicht.

„Ich habe nicht nach einer Geschichte gefragt. Bleib still.“

Ich holte meinen Erste-Hilfe-Kasten hervor und öffnete ihn auf dem Tisch. Ich griff nach der Stahlpinzette und stach direkt in das aufgerissene Fleisch.  Ich zog die erste Kugel sauber heraus und ließ das blutige Metall in eine Stahlschüssel fallen.

„Es tut mir leid.“

Die Worte entfuhren ihm leise. Sie klangen wie aus einer Fremdsprache. Es schien, als überraschte ihn die Entschuldigung selbst.

Ich hielt inne. Die Pinzette steckte noch tief in seiner zweiten Wunde. Ein kurzes, trockenes Lachen entfuhr mir.

„Es tut dir nur leid, weil du mich nicht töten konntest“, sagte ich trocken.

Ich zog die zweite Kugel heraus, verband seine Seite mit sauberen Bandagen und wusch mir die Hände am Waschbecken.

„Bringt ihn aus meinem Zimmer“, befahl ich den Wachen.

Sie packten seine Arme und zerrten ihn sanft fort. Ich starrte auf die Metallschüssel. Drei Jahre meines Lebens verschwendet mit Kugeln, leeren Entschuldigungen und absoluter Stille.

Mein Telefon klingelte laut auf dem Nachttisch. Ich nahm ab.

 „Catalina, die Gedenkfeier für deine Mutter ist morgen“, dröhnte die Stimme meines Vaters aus dem Lautsprecher.

„Ich weiß, welcher Tag morgen ist“, antwortete ich nur.

„Sei früh da. Die ganze Familie wird da sein. Blamiere mich nicht, indem du zu spät kommst“, befahl er.

„Ich werde pünktlich da sein.“

„Sorg dafür, dass Rodrigo mitkommt. Die Leute werden reden, wenn dein Mann fehlt.“

„Ich werde da sein“, wiederholte ich und ignorierte seine Aufforderung völlig.

„Dann sorg dafür, dass du da bist.“

Er legte auf. Er hatte völlig vergessen, dass morgen auch mein Geburtstag war. Ich hatte nichts anderes von ihm erwartet.

Ich hatte meine Koffer gepackt, noch bevor die Sonne aufging. Ich betrachtete den schweren Diamant-Ehering an meinem Finger. Ich zog ihn ab und legte ihn mitten auf meine Kommode. Dann schnappte ich mir meine Koffer und ging hinaus.

Das Haus war voller lauter Verwandter zur Gedenkfeier.  Ich stand still vor dem wunderschönen Porträt meiner Mutter.

„Immer noch ein Platz, der nie für dich bestimmt war, Catalina?“, höhnte Ernesto, als er mit einem Weinglas in der Hand an mir vorbeiging.

Langsam drehte ich den Kopf und sah meinem Vater direkt in die Augen. „Wenn du nur halb so viel Zeit damit verbringen würdest, deine Grenzen zu sichern, wie du damit verbringst, meine Bewegungen zu beobachten, würden deine Lagerhäuser nicht jeden Winter geplündert werden, Vater.“

Ernestos Gesicht verfinsterte sich augenblicklich. Er trat vor, seine Hand zuckte an seiner Seite, als wolle er mir nichts sehnlicher wünschen, als mir die Arroganz aus dem Gesicht zu schlagen. Doch sein Blick huschte nach links und erfasste die beiden massigen Wachen, die Alejandro hinter mir postiert hatte. Sie rührten sich nicht, ihre Hände ruhten flach auf ihren Holstern.

Er schluckte seinen Zorn hinunter, stattdessen verzog sich ein hässliches Grinsen zu seinen Lippen. „Genieß den Schutz, solange er währt. Die ganze Familie weiß, dass Rodrigo Valentina sowieso bevorzugt. Jetzt, wo deine Schwester endlich wieder da ist, wo sie hingehört, kannst du aufhören, so zu tun, als ob, und ihn gehen lassen. Du nimmst nur Platz weg.“

Ein scharfes, sarkastisches Lachen entfuhr mir, bevor ich es unterdrücken konnte.

„Schon komisch“, flüsterte ich und schüttelte den Kopf. „Vor drei Jahren hast du mich praktisch angefleht, diesen Mann zu heiraten, nur um eure kostbaren Familienbande vor dem Untergang zu bewahren. Aber jetzt, wo Valentina zurückgekrochen ist, bin ich plötzlich nutzlos für dich. Ihr seid alle so verzweifelt, mich loszuwerden.“

Ich nickte langsam und sah ihn ein letztes Mal an. „Viel Glück euch allen.“

Ich reagierte überhaupt nicht mehr. Mein Blick blieb starr auf das Foto meiner Mutter gerichtet, bis er weg war.

„Catalina, können wir reden?“

Ich drehte mich um.  Valentina stand direkt hinter mir.

„Was willst du, Valentina?“

„Nur ein paar Minuten. Lass uns in den Garten gehen.“

Wir traten hinaus in die kühle Morgenluft. Ich blieb am Steinbrunnen stehen und sah sie direkt an.

„Warum hast du wegen der Entführung gelogen, Valentina? Warum hast du ihm gesagt, du hättest meine Stimme gehört?“

„Weil du eine Lektion brauchtest.“

„Eine Lektion?“, fragte ich fassungslos.

„Ja. Ich habe es getan, um dich an deinen Platz zu erinnern. Anfassen, was einem nicht gehört, hat schwerwiegende Folgen.“

„Glaubst du, ich will dein elendes Leben?“, fuhr ich sie an. „Ich wurde von unserem Vater zu dieser Ehe gezwungen. Ich wollte nie deinen Platz. Ich wollte nie ihn. Ich habe sie angefleht, jemand anderen zu nehmen.“

Valentina zuckte lässig mit den Schultern.  „Dann hättest du dich lauter wehren sollen. Du hättest die Familie bedrohen sollen. Du hättest mitten in der Nacht fliehen sollen. Du hättest alles tun sollen, um da rauszukommen, anstatt die stille Opferrolle zu spielen, während ich alles verlor.“

„Du hast alles wegen deiner eigenen Gier verloren“, entgegnete ich.

„Ich habe den Mann verloren, den ich liebte!“, schrie sie. „Und du bist einfach so in meine Fußstapfen getreten, als wäre es nichts.“

„Ich bin in einen Albtraum geraten“, korrigierte ich sie. „Aber in einem Punkt hast du völlig recht. Ich hätte mich mehr wehren sollen. Und genau das tue ich jetzt. Ich lebe nicht länger dein Leben für dich. Du kannst ihn zurückhaben. Ihr zwei passt perfekt zusammen.“

Ich drehte ihr den Rücken zu und ging zurück zum Tor.

„Warte, Catalina!“, rief Valentina laut. „Sag mir eins: Weiß Rodrigo immer noch nicht, was vor elf Jahren bei dem Brand wirklich passiert ist?“

Ich blieb wie angewurzelt stehen.  Ich weigerte mich, mich umzudrehen und ihr ins Gesicht zu sehen.

„Es ist viel besser für ihn, wenn er es nicht weiß“, sagte ich deutlich.

Ich ging weiter und ließ sie allein im Gras stehen.

Mama und Papa warteten in ihrem Auto direkt vor dem Haus. Ich stieg auf den Rücksitz und wir fuhren direkt zum Flughafen. Sie begleiteten mich bis zur Sicherheitskontrolle.

„Hast du alles dabei?“, fragte Papa, als er meine Taschen abstellte.

„Ja, Papa. Alles ist im Koffer.“

„Das Haus in Paris ist komplett möbliert. Am Flughafen wartet ein Auto auf dich.“

„Das hättest du nicht alles machen müssen.“

„Doch“, beharrte er.

Mama streckte die Hände aus und hielt mein Gesicht in ihren warmen Händen.

„Du bist das Beste, was je durch unsere Familientüren gekommen ist“, sagte Mama mit Tränen in den Augen. „Auch wenn diese Familie zu blind war, es zu erkennen.“

 „Bitte weine nicht, Mama. Sonst muss ich auch weinen.“

„Ich werde dich so sehr vermissen.“

„Danke für alles, Mama“, flüsterte ich und hielt ihre Handgelenke fest.

Papa trat vor und küsste meine Stirn. Ich erinnerte mich daran, wie ich mir als kleines Mädchen immer einen Mann wie ihn gewünscht hatte, weil er der Einzige war, der die Menschen, die er liebte, so leidenschaftlich beschützen konnte. Ich hatte mir immer diese Geborgenheit gewünscht. Er war jetzt mein richtiger Vater.

„Mateo wird auch aus der Ferne geliebt werden“, versprach Papa und blickte auf meinen Bauch. „Du wirst das nie allein durchstehen, Catalina. Das schwöre ich.“

„Ich weiß, dass du uns immer beschützen wirst, Papa. Danke.“

Ich umarmte sie beide ein letztes Mal. Dann drehte ich mich um und ging in die belebte Abflughalle.

Ich suchte mir einen ruhigen Platz in der Wartehalle und zog meine Kappe tief ins Gesicht. Einen Augenblick später rannte ein Mann im schwarzen Anzug am Café vorbei.  Es war einer von Rodrigos treuen Leibwächtern. Ich zog meine Kapuze tief ins Gesicht und erstarrte auf meinem Platz, bis er im Gang verschwunden war.

„Flug 482 nach Paris beginnt jetzt mit dem Boarding“, verkündete der Lautsprecher laut.

Ich reihte mich in die lange Schlange ein. Ich hielt den Kopf gesenkt und drückte meine Tasche fest an die Brust. Die Schlange bewegte sich nur sehr langsam in Richtung Fluggastbrücke.

„Suchen Sie im internationalen Bereich! Sie muss hier sein!“

Die nur allzu vertraute Stimme rief hinter mir, und ich erstarrte augenblicklich.

„Chef, es sind zu viele Leute da.“

„Ist mir egal! Finden Sie sie sofort!“

Rodrigo. Hier.

Mein Herz hämmerte mir gegen die Rippen.

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