INICIAR SESIÓNKapitel 2
Catalina„Das Essen ist fertig, Rodrigo“, sagte ich, meine Stimme durchdrang die Stille des Esszimmers.
Ich stand am Kopfende des langen Mahagonitisches, meine Finger berührten sanft den Rand des makellosen Keramiktellers, den ich gerade zurechtgerückt hatte. Ich hatte alles genau so gedeckt, wie er es mochte, und hoffte auf einen ruhigen Abend, um den Sturm zu verarbeiten, der unser Leben getroffen hatte.
Rodrigo drehte sich nicht einmal um. Er war schon fast an der Haustür und richtete seine Manschetten, während Valentina kichernd neben ihm stand. Sie trugen beide dunkle, anthrazitfarbene Kleidung und wirkten mühelos und harmonisch.
„Wir gehen essen“, antwortete Rodrigo mit völlig emotionsloser Stimme. „Warte nicht auf mich.“
Er stieß die Tür auf, doch Valentina hielt inne. Sie trat zurück in die Diele, ihre teuren Absätze klackten leise auf dem Marmorboden, bis sie direkt neben mir stehen blieb. Sie beugte sich zu meinem Ohr, ihr Atem war warm und neckisch auf meiner Haut.
„Er hat dich nicht mal angesehen, Cat“, flüsterte sie mit giftiger Belustigung in der Stimme. „Warum nennst du ihn überhaupt noch deinen Mann? Ich tue dir einen Gefallen, indem ich zurückkomme. Unterschreib einfach die Scheidungspapiere und gib mir, was sowieso immer mir gehört hat.“
Bevor ich etwas sagen konnte, lachte sie leise auf, drehte sich um und ging zur Tür hinaus, um sich ihm anzuschließen.
Ich nahm meine Gabel, ohne sie anzusehen. „Du kannst von deinem Platz aus weiterreden, Valentina. Der Tisch ist ja nicht so breit.“
„Rück mal Platz, Catalina“, unterbrach Rodrigo mich sofort mit scharfer, autoritärer Stimme.
Endlich drehte ich den Kopf zu ihm, mein Griff um die Gabel verstärkte sich. „Mein Platz ist hier, neben meinem Mann.“
„Den Platz hast du nur, weil alle dachten, ich wäre tot, Schwester“, sagte Valentina leise mit gespielter Unschuld in den Augen. „Machen wir es nicht peinlich.“
„Steh auf“, befahl Rodrigo, sein Blick ließ mich wie angewurzelt stehen.
Ich schluckte meinen Stolz herunter, schob meinen Stuhl zurück und setzte mich auf den normalen Stuhl gegenüber. Valentina lächelte triumphierend und ließ sich neben ihn gleiten. Während sie sich zurechtsetzte, stieß sie absichtlich gegen mein Stuhlbein. Die plötzliche Bewegung überraschte mich, und der Stuhl rutschte unter mir weg.
Ich knallte mit einem lauten Knall auf den Parkettboden, ein stechender Schmerz durchfuhr meine Hüfte.
Valentina lachte sofort laut auf und hielt sich die Hand vor den Mund. „Oh Gott, Cat! Du bist so unglaublich tollpatschig. Alles in Ordnung?“
Sie drehte sich sofort wieder zu Rodrigo um, nahm ein Stück Toast aus dem Brotkorb und legte es ihm auf den Teller, als wäre nichts geschehen. Rodrigo sah mich nicht einmal an. Er schnitt weiter sein Steak und ignorierte völlig, dass seine Frau auf dem Boden lag.
Nach dem Frühstück fuhr ich zur Apotheke, um die Schwangerschaftstabletten abzuholen, die mir der Arzt verschrieben hatte. Als die Kassiererin meine Karte durch das Lesegerät zog, piepte es schrill.
„Es tut mir leid, Frau Salazar“, sagte die Angestellte und blickte auf den Bildschirm. „Die Transaktion wurde abgelehnt. Haben Sie eine andere Zahlungsmethode?“
„Das ist unmöglich“, murmelte ich und nahm die Karte zurück. „Könnten Sie es bitte noch einmal versuchen?“
Er ließ es erneut laufen. Derselbe Ablehnungston hallte durch den stillen Laden.
Ich verließ die Apotheke ohne die Vitamine und fuhr direkt zurück zum Anwesen. Ich fand Rodrigo im Arbeitszimmer vor, wo er auf seinem Laptop Finanzunterlagen durchsah.
„Rodrigo“, sagte ich und ging zu seinem Schreibtisch. „Meine Kreditkarte wurde eben in der Apotheke abgelehnt. Gibt es ein Problem mit dem Konto?“
„Ich habe es gesperrt“, sagte er, ohne vom Bildschirm aufzusehen. „Du gibst in letzter Zeit viel zu viel aus, und ich werde dir den Rest streichen.“
„Ich habe sie gestern nur für einen Krankenhausbesuch benutzt, weil mir schwindelig war“, erklärte ich, meine Stimme leicht verzweifelnd. „Ich muss meine Medikamente kaufen.“
„Dann such dir einen Job, wenn du zusätzliches Geld brauchst“, erwiderte er kalt und blätterte in seinem Ordner. „Ich finanziere deinen Lebensstil nicht länger.“
Bevor ich die Grausamkeit seiner Worte überhaupt begreifen konnte, kam Valentina summend ins Arbeitszimmer. Rodrigos ganzes Auftreten veränderte sich. Er griff in seine Brusttasche, zog eine elegante, schwarze Titankarte hervor und schob sie ihr über den Glastisch zu.
„Hier“, sagte Rodrigo mit sanfter Stimme. „Das ist Ihre neue Karte. Sie hat kein Limit. Kaufen Sie sich die ganze Stadt, wenn Sie wollen.“
Valentina schnappte sich die Karte mit beiden Händen und stieß einen entzückten Schrei aus. „Oh, danke, Rodrigo! Du bist der Beste!“
Ich drehte mich um und verließ den Raum, bevor mir die Tränen die Sicht völlig verschleierten.
Später am Abend kam ich von einer kleinen Klinik in der Straße zurück, wo ich mit dem letzten bisschen Bargeld in meiner Handtasche ein paar einfache Eisenpräparate gekauft hatte. Als ich mich dem Sicherheitstor der Einfahrt näherte, hörte ich Geschrei.
Rodrigo lief mit hochrotem Gesicht auf der Kiesauffahrt auf und ab und bellte wütende Befehle in sein Handy. Mehrere Wachen sprangen in schwarze Geländewagen und luden schwere Waffen in die Kofferräume.
„Mir ist es egal, was nötig ist!“, brüllte Rodrigo ins Telefon. „Ruft sofort die Anführer der vier Mafiafamilien an! Sagt ihnen, dass in dieser Stadt niemand mehr schläft, bis sie gefunden ist. Wenn sie auch nur einen Kratzer hat, brenne ich dieses ganze Gebiet nieder!“
Ich blieb am Eisentor stehen und umklammerte meine kleine Plastiktüte. Valentina war während eines luxuriösen Einkaufsbummels in der Innenstadt entführt worden. Ich stand da und sah zu, wie mein Mann in weniger als zwanzig Minuten die gesamte Ordnung der Stadt für eine einzige Frau lahmlegte.
Eine bittere Erinnerung überkam mich. Letztes Jahr hatte mich bei einem chaotischen Mafia-Dinner in Rom eine verirrte Kugel getroffen, die eigentlich ihm galt. Elf qualvolle Tage hatte ich in einem sterilen Krankenhausbett verbracht, an Maschinen angeschlossen, und mich gefragt, ob ich die Nacht überleben würde. Rodrigo hatte mich kein einziges Mal besucht. Er hatte mir nicht einmal einen Blumenstrauß geschickt.
Sein Handy klingelte erneut laut und durchdrang das Dröhnen der SUV-Motoren. Er presste es ans Ohr.
„Sprich mit mir!“, forderte er.
Die Person am anderen Ende sagte etwas, und ich sah, wie sich Rodrigos ganze Haltung veränderte. Die Anspannung in seinen Schultern löste sich und wurde von einer Welle purer Erleichterung abgelöst.
„Sie ist gefunden“, hauchte Rodrigo.
Er warf sich seinen Ledermantel über die Schultern und rannte auf das führende Fahrzeug zu. Die Reifen quietschten auf dem Schotter, als er aus der Einfahrt raste und verschwunden war, bevor ich überhaupt wieder Luft holen konnte.
Ich stand lange Zeit allein an dem massiven Tisch und sah zu, wie die schweren Eingangstüren ins Schloss fielen. Die Stille überkam mich erneut. Langsam setzte ich mich auf meinen gewohnten Platz und begann zu essen, was ich zubereitet hatte. Ich schluckte die Speisen hinunter, obwohl mir ein Kloß im Hals steckte.
In diesem leeren Raum fühlte sich die Last der letzten drei Jahre wie ein Schlag in meine Brust an. Die Worte meines Vaters vom Tag unseres Verlobungsessens hallten deutlich in meinem Kopf wider. Er hatte mir in seinem Arbeitszimmer gegenübergesessen, an seinem Getränk gewippt und mich dabei völlig durchschaut.
„Mit der Heirat mit Rodrigo kannst du endlich etwas wiedergutmachen, Catalina“, hatte er gesagt und meine gesamte Zukunft wie ein Geschäft behandelt. „Du hast genug Schaden angerichtet, indem du geboren wurdest und deine Mutter aus dem Leben gerissen hast. Das Mindeste, was du jetzt tun kannst, ist, den Pakt zu erfüllen und dieser Familie nicht länger zur Last zu fallen.“
Ich hatte damals zugestimmt, weil ich schwach war. Ich hatte törichterweise geglaubt, wenn ich ihm nur diesen einen Gefallen täte, würde er mich endlich so lieben, wie er Valentina geliebt hatte. Ich war mit dieser verzweifelten Hoffnung in der einen Hand und meinen tief vergrabenen Gefühlen für Rodrigo in der anderen zum Altar geschritten. Seit meiner Jugend hatte ich Rodrigo heimlich geliebt, eine stille Schwärmerei, die ich tief in mir verbarg, während er nur meine Schwester mit Aufmerksamkeit überschüttete.
Drei Jahre später war die Realität ein Witz. Rodrigo sah mich immer noch durch, als wäre ich aus Glas, und mein Vater hatte bereits einen riesigen Flyer auf seinen Social-Media-Seiten veröffentlicht, um seine Lieblingstochter von den Toten zurückzuholen. Er hatte für ihre Rückkehrparty heute Abend eine Luxusyacht gemietet. Rodrigo und Valentina waren zweifellos gerade auf dem Weg dorthin.
Und ich war nicht einmal eingeladen. Es gab nie einen Beitrag über seine andere Tochter auf seiner Seite. Und es würde auch nie einen geben.
Ich aß allein zu Ende, spülte das Geschirr, bis meine Hände vom kalten Wasser taub waren, schaltete das Licht aus und ging nach oben in mein Zimmer.
Ich konnte in einen leichten Schlaf fallen, aber eine Reihe leiser, rhythmischer Geräusche weckte mich kurz nach Mitternacht. Ich lag wie erstarrt im Dunkeln, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, während ich lauschte. Ein gedämpftes, atemloses Stöhnen drang deutlich durch die Wand, die mein Schlafzimmer von Valentinas Gästesuite trennte. Dann folgte ein weiteres, diesmal lauter.
Mein Puls setzte plötzlich aus.
Ich griff nach meinem Kissen und presste es fest auf mein Gesicht, um das Geräusch zu übertönen, doch die Laute schienen durch die Matratze zu vibrieren. Erst als sein eigener Vater uns beide vor wenigen Wochen bei einem Familienessen unter Drogen gesetzt hatte, hatte Rodrigo mich überhaupt berührt. Drei Jahre Ehe, und das war die einzige Nacht, in der er jemals in meinem Bett gewesen war. Selbst dann hatte er den ganzen Vorfall zu etwas Schändlichem gemacht, mich am nächsten Morgen angeschrien und mich eine Hure genannt, weil ich seinen veränderten Zustand ausgenutzt hatte.
Nie war er freiwillig in mein Zimmer gekommen. Doch heute Abend, mit einer Frau, die erst gestern angekommen war, lag er schon in ihrem Bett, bevor die Stadt überhaupt eingeschlafen war.
Ich biss mir so fest auf die Unterlippe, dass ich den kupfernen Geschmack von Blut schmeckte, während ich im Dunkeln an die Decke starrte. „Waren diese Wände schon immer so dünn?“, flüsterte ich in den leeren Raum.
Am nächsten Morgen stand ich bereits am Herd und wendete Eier, als Schritte die Treppe herunterkamen. Rodrigo und Valentina kamen Hand in Hand, ihre Finger ineinander verschlungen, in die Küche. Ich behielt eine ausdruckslose Miene, während ich das Essen auf den Tisch stellte und meinen gewohnten Platz neben Rodrigo am Kopfende des Tisches einnahm.
Valentina blieb neben meinem Stuhl stehen, ein süßes, aufgesetztes Lächeln auf den Lippen. „Catalina, hättest du etwas dagegen, wenn wir die Plätze tauschen? Rodrigo und ich waren gerade mitten in einem sehr wichtigen Gespräch auf dem Weg nach unten.“ yh
Kapitel 138Der Befehl von obenJONATHAN (Sichtweise)Detective Superintendent Reilly entsprach so gar nicht meinen Erwartungen. Ich hatte mir einen Mann in einem tadellos gebügelten Anzug vorgestellt, mit einer Aktenmappe voller offizieller Stempel. Der Mann, der den Flur entlangkam, war Ende fünfzig, breit gebaut und trug einen vom Regen gesprenkelten Mantel; an seinem Hals baumelte ein Umhängeband, das gegen seine Krawatte schlug. Er sah aus, als hätte er eine lange Fahrt in einem Auto mit defekter Heizung hinter sich.Okoro erwartete ihn am Schwesternstützpunkt, die Arme vor der Brust verschränkt. Wir anderen blieben im Türrahmen von Harolds Zimmer stehen, und ich spürte, wie sich die Schulter meines Vaters neben mir anspannte.„Superintendent“, sagte sie. „Sie sind weit weg von Scotland Yard.“„Drei Stunden Fahrt, und ich habe nicht einmal für einen Snack angehalten.“ Er hielt einen versiegelten Umschlag hoch. „Eine Anweisung des Innenministeriums, unterzeichnet heute Nachmittag
Kapitel 137Die Briefe, die er aufbewahrteJONATHAN (Perspektive)Die medizinische Einrichtung lag am Rande einer Kleinstadt – ein niedriges Backsteingebäude mit einem Parkplatz und einem Verkaufsautomaten, der in der Eingangshalle vor sich hin summte. Wir kamen um halb acht an, nach neunzig Minuten Fahrt in zwei Autos, bei ausgeschaltetem Radio. Margot Foster fuhr in einem dritten Wagen mit – in Handschellen und in Begleitung eines Polizisten. Seit dem Vorfall im Bootshaus hatte niemand mehr mit ihr gesprochen. Einmal hatte ich bemerkt, wie sie durch die Heckscheibe zu meinem Vater hinübersah; sie wandte den Blick jedoch als Erste ab.Mein Vater ging neben mir den Flur entlang. Er blieb einen Schritt zurück – wie ein Mann, der noch nicht das Recht hat, auf gleicher Höhe zu gehen.Harolds Zimmer befand sich am Ende des Ganges; es war nur schwach beleuchtet, und ein Fenster gab den Blick auf den Parkplatz frei. Die Pflegekraft, die den ganzen Nachmittag bei ihm gewesen war, stand mit e
Kapitel 136 – Sechzehn MinutenJONATHAN (Perspektive)„Welcher Schlüssel?“, fragte ich.Margot deutete auf meinen Mantel. „Der eiserne. Der von deinem Großvater.“Ich holte ihn hervor. Im Licht der Lampe wirkte er kleiner als im Tresor – ein schlichtes, narbiges Stück Metall mit abgenutztem Griff und der eingestanzten Zahl 417. Ich hatte ihn nun schon zehn Stunden bei mir, und doch erwartete ich insgeheim immer noch, dass er in meiner Hand zu Staub zerfallen würde.„Der graue Schlüssel liegt in einem Beweismittelbeutel im Hafen von Brancaster“, sagte Okoro. „Calloway hielt ihn in der Faust, als wir ihn festnahmen. Falls Sie jetzt sagen wollen, dass man alle drei braucht, Dr. Foster, dann haben wir ein Problem.“„Nein, braucht man nicht. Sehen Sie sich das Telefon an.“Okoro hob es mit zwei behandschuhten Fingern auf und drehte es um. Auf der Rückseite, direkt unter dem Gehäuse, befand sich ein winziges Messingplättchen – ich hätte es für eine Herstellerkennzeichnung gehalten. In seine
Kapitel 135Die Frau in der VorratskammerJONATHAN (Perspektive)Okoro hatte ihre Waffe bereits erhoben, noch bevor die Stimme verstummt war. Zwei Beamte richteten ihre Taschenlampen auf die Tür der Vorratskammer; der Lichtkegel erfasste eine Frau, die aus der Dunkelheit trat. Sie hatte die Hände erhoben, die Handflächen nach außen gewandt – wie jemand, der gerade eine lange Darbietung beendet hat.Sie war in den Fünfzigern, von zierlicher, gepflegter Gestalt, mit kurzem grauem Haar und einem Gesicht, das einem sofort wieder aus dem Gedächtnis entgleitet. Sie trug einen dunkelblauen Mantel und praktische Schuhe. Um den Hals hing ein Schlüsselband, das in ihren Kragen gesteckt war – als hätte sie völlig vergessen, dass es dort war.„Bitte nicht“, sagte sie. „Ich bin der harmloseste Mensch in diesem Haus. Ich stehe schon seit vierzig Minuten in einem Schrank.“„Name“, sagte Okoro.„Margot Foster.“ Sie sagte es ganz schlicht. „Dr. Margot Foster, um es förmlich auszudrücken. Ich bin seit
Kapitel 134Die DosisJONATHAN (Perspektive)Mein Vater trat vor mich, noch bevor ich begriff, dass er sich überhaupt bewegt hatte. Nach siebenundzwanzig Jahren war dies die erste Handlung, die er vollzog – und ich spürte sie in meinen Rippen wie einen blauen Fleck.„Marcus“, sagte ich über seine Schulter hinweg. „Du warst hinter uns.“„Das war ich.“ Marcus blieb an der Türschwelle stehen; im Schein des Lichts wirkte sein Gesicht eingefallen. „Ich habe Okoros Leuten gesagt, ich würde vorausgehen und sicherstellen, dass der Weg frei ist. Das war gelogen. Ich musste hier sein, bevor irgendjemand sonst eintrifft.“ Er hob die Mappe ein Stück an. „Ich bin nicht bewaffnet und bin nicht hier, um jemandem zu schaden. Ich brauche nur fünf Minuten.“„Das Auto auf dem Weg“, sagte mein Vater. „Warst du das?“„Ich bin den Weg gekommen, den auch meine Mutter immer genommen hat. Hinter dem See gibt es einen Wirtschaftsweg.“ Er schluckte. „Mr. Hale, Sie wissen, wer ich bin.“„Imeldas Junge.“ Die Stim
Kapitel 133Die Stimme am anderen Ende der LeitungJONATHAN (Perspektive)Ich sagte nichts. Ich konnte nicht. Siebenundzwanzig Jahre voller Trauer hatten sich in meiner Brust wie Beton verfestigt – und die Stimme am anderen Ende der Leitung hatte nun einen Riss mitten hindurch geschlagen.„Jonny“, sagte mein Vater noch einmal, ganz sanft. „Bist du noch da?“„Ja.“ Es klang nur wie ein heiseres Krächzen.„Gut. Leg nicht auf. Ich weiß, du möchtest es, und ich würde es dir nicht verübeln.“ Im Hintergrund war leise das Plätschern von Wasser zu hören, irgendwo rief ein Vogel. „Ich habe mir das jahrelang zurechtgelegt, aber nichts davon hat wirklich geholfen. Also sage ich es einfach direkt: Ich lebe. Es tut mir leid. Und ich bin nicht der Mann, der euch die ganze Woche über in Angst versetzt hat.“Okoro drehte sich auf dem Vordersitz um und formte lautlos mit den Lippen: *Halt ihn im Gespräch.* Sie hielt selbst ein Telefon am Ohr und gab Informationen an jemanden weiter. Neben mir war Catal
Kapitel 5Catalina„Gehen Sie zurück und lassen Sie mich herein. Nur sie kann mich richtig verarzten.“„Boss, Ihr Vater hat uns strenge Anweisungen gegeben. Sie dürfen diesen Flügel nicht ohne Catalinas Erlaubnis betreten.“„Ich bin immer noch der Boss dieses Anwesens. Gehen Sie mir aus dem Weg, be
Kapitel 4Catalina„Catalina? Bitte öffne deine Augen. Sieh mich einfach an. Versuch, dich zu konzentrieren.“Ich öffnete die Augen. Das Erste, was ich sah, war eine blendend weiße Decke. Das gleichmäßige Piepen eines Herzmonitors hallte laut in dem kleinen Zimmer wider. Ich drehte den Kopf leicht
Kapitel 3Catalina„Sie werden nicht schneller zurückkommen, Madam, wenn Sie auf und ab gehen.“Ich blieb stehen und sah Marco an, den Chef der Hauswache. „Ich kann nicht einfach auf dem Sofa sitzen, Marco. Was, wenn der Hinterhalt sie verfolgt hat? Was, wenn Rodrigo gerade mitten im Kreuzfeuer ste
Kapitel 1Catalina„Du musst sofort zum Anwesen kommen, Catalina. Sie lebt.“„Was?“, platzte es aus mir heraus, bevor ich es verhindern konnte. Wer lebte?„Deine Schwester, sie lebt.“Die Stimme meines Vaters klang durch den Telefonlautsprecher so sanft wie seit drei Jahren nicht mehr. Er wartete n







