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Kapitel 4

Author: Mabby
last update publish date: 2026-08-26 19:26:15

Jaces Sicht

„Sir, Ihr Meeting beginnt in dreißig Minuten.“

Ich hörte jemanden von der Tür aus sprechen und richtete mich auf, wodurch die Blondine auf meinem Schoß wegen der fehlenden Vorwarnung zu Boden fiel.

„In Ordnung. Informieren Sie Jay und Brandon, dass wir in zehn Minuten losfahren“, sagte ich mit rauer Stimme.

Sie nickte und eilte hinaus.

Und damit hatte sie mir endgültig die Stimmung verdorben.

„Steh auf und verschwinde“, sagte ich zu der Blondine, deren Namen ich nicht einmal kannte.

Keine Überraschung. Es war schwer, sich ihre Namen zu merken.

„Warte, was?“, fragte sie völlig verwirrt.

Und sie saß immer noch auf dem Boden.

Wartete sie etwa darauf, dass ich ihr aufhalf?

Falls ja, sollte sie sich lieber darauf einstellen, gleich den Boden zu putzen.

„Du hast mich gehört“, sagte ich und wandte mich den Akten auf meinem Schreibtisch zu, die meine Aufmerksamkeit verlangten.

„Wir haben noch nicht beendet, was wir angefangen haben“, sagte sie und versuchte, sexy zu klingen.

Das machte mich nur noch wütender.

„Zwing mich nicht, mich zu wiederholen, Janet“, sagte ich und versuchte, die Ruhe zu bewahren, obwohl meine Geduld langsam am Ende war.

„Ich heiße Brittany“, quiekte sie.

Das war’s.

„Security, kommen Sie und schaffen Sie diesen Müll hier raus“, sagte ich in die AirPods in meinem Ohr.

„Das kann doch nicht dein Ernst sein!“, rief sie, während sie endlich aufstand und sich den Staub von der Kleidung klopfte.

Anscheinend hatte sie erkannt, dass sie den Boden wohl kaum so sauber bekommen würde, wie ich es erwartete.

„Sir“, sagte einer meiner Bodyguards von der Tür aus.

Ich nickte und bedeutete ihm, hereinzukommen.

Ich warf nur einen kurzen Blick auf die Blondine, und er verstand sofort.

„Kommen Sie mir nicht zu nahe. Ich kann mir selbst helfen“, sagte sie, schnappte sich ihre Handtasche und ging hinaus.

Doch nicht, ohne mir vorher einen Zettel zuzuschieben, auf dem vermutlich ihre Telefonnummer stand.

So viel zu ihrer angeblichen Wut.

„Bereiten Sie meine schwarze Limousine vor. Ich habe in wenigen Minuten ein Meeting“, sagte ich zu meinem Bodyguard.

Er nickte knapp und verließ das Büro.

„Wenn jemand anruft, wissen Sie, was Sie sagen müssen, richtig?“, fragte ich meine Sekretärin, während ich mein Büro verließ und die Tür hinter mir abschloss.

„Ja, Sir. Aber was, wenn Ihr Vater anruft?“, fragte sie leise.

Sie wusste genau, dass sie damit einen wunden Punkt getroffen hatte.

„Wie ich schon sagte: Sie wissen, was Sie zu sagen haben.“

Ich ging davon, bevor ich etwas sagte, das ich später bereuen würde.

„Komm schon, wir sind bereits spät dran“, hörte ich Brandon sagen, als ich aus dem großen Gebäude trat.

„Es ist ja nicht so, als könnten sie das Meeting ohne uns anfangen“, erwiderte ich mit einem Schulterzucken, während ich in die Limousine stieg.

„Trotzdem sollten wir nicht zu spät kommen. Das macht keinen guten Eindruck“, sagte er.

Ich verdrehte die Augen.

„Hör auf, so zu tun, als wärst du irgendein Heiliger. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du überhaupt nicht gehen willst“, sagte ich und drehte mich zu ihm um.

„Ich bin besser als dieser Großkopf hier. Er hat die ganze Zeit herumgejammert, dass du ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hast und so weiter. Anscheinend war er gerade kurz davor, zum Zug zu kommen, als du Jamie geschickt hast, um uns zu holen“, sagte er und bezog sich damit auf meinen kleinen Bruder, der ihm die Zunge herausstreckte.

„Ich habe dich nicht darum gebeten, mich daran zu erinnern“, sagte Jay.

Ich brach in Gelächter aus.

„Wie ironisch, dass ich mir selbst einen Strich durch die Rechnung gemacht habe“, sagte ich zwischen zwei Lachern.

„Heißt das etwa, dass ich der einzige vernünftige und anständige Kerl hier bin?“, fragte Brandon.

Jay und ich warfen ihm beide einen skeptischen Blick zu.

„Das liegt nur daran, dass du behauptest, du hättest eine Freundin, die du liebst. Es ist schon lustig, wie Lisa dich in einen liebeskranken Welpen verwandelt hat“, sagte ich.

„Das wirst du erst verstehen, wenn ein Mädchen dich von den Füßen haut“, erwiderte er und ignorierte die Blicke, die Jay und ich ihm zuwarfen.

„Ja. Wird nicht passieren“, sagte ich und schüttelte den Kopf.

„Sei dir da nicht so sicher. Schließlich hat das Mädchen damals in der Highschool genau das geschafft. Wie hieß sie noch mal? Ach ja, Paige“, sagte er.

Ich erstarrte.

„Stimmt, Bro. Du hast uns nie erzählt, was wirklich zwischen euch passiert ist“, mischte Jay sich ein.

Und genau in diesem Moment war meine gute Stimmung dahin.

„Wie ich bereits gesagt habe: Nichts. Wir hatten uns einfach auseinandergelebt und beschlossen, eine Pause einzulegen. Danach ist sie weggezogen“, murmelte ich und wandte mich von ihnen ab.

„Ja, klar. Trotzdem hängst du immer noch an ihr“, sagte Brandon, der mir kein Wort glaubte.

Aber ich konnte ihnen nichts sagen.

Ich konnte einfach nicht.

Ich erinnerte mich noch immer an jenen Tag, als wäre er gestern gewesen.

An den Tag, der mich bis heute verfolgte …

Rückblende

„Du kannst doch nicht einfach alles leugnen!“, schrie Paige mich an.

Tränen sammelten sich in ihren Augen. Sie zeigte mir ihren Schmerz, und ich wusste genau, wie sehr meine Worte sie trafen.

Aber ich konnte nach der Nachricht, odie sie mir gerade eröffnet hatte, einfach keinen klaren Gedanken fassen.

„Dann sieh mir dabei zu“, sagte ich beiläufig und ließ mich auf das Sofa neben meinem Schreibtisch fallen.

„Wir müssen eine Lösung für diese Schwangerschaft finden. Du kannst doch nicht erwarten, dass ich unser Baby abtreibe!“

Warte.

Wer hatte überhaupt von einer Abtreibung gesprochen?

Natürlich würde sie das nicht tun.

Aber ich konnte das einfach nicht.

Ich hatte eine Zukunft vor mir.

„Dein Baby, nicht unseres“, sagte ich.

Damit schockierte ich sowohl sie als auch mich selbst.

Ich liebte sie.

Aber ich konnte es einfach nicht.

Mein Vater würde das niemals akzeptieren, und ich konnte es mir nicht leisten, irgendetwas zwischen mich und meine Zukunft kommen zu lassen.

„Leugnest du im Ernst, dass du mit mir geschlafen und mich geschwängert hast?“, schrie sie und ließ die Tränen endlich über ihr Gesicht laufen.

In diesem Moment wollte ich sie in den Arm nehmen, mich entschuldigen, das Baby akzeptieren und gemeinsam mit ihr eine Lösung finden.

Doch irgendetwas hielt mich zurück und ließ mich wie angewurzelt stehen.

„Hör zu. Ich gebe zu, dass ich mit dir geschlafen habe, aber ich habe dich definitiv nicht geschwängert. Warum fragst du nicht deine zahlreichen Liebhaber? Vielleicht übernimmt einer von ihnen ja die Verantwortung dafür, dass er sein Sperma in dir hinterlassen hat“, sagte ich und versuchte, von ihren Tränen unbeeindruckt zu wirken.

Dabei brachten sie mich innerlich beinahe um.

Ich wusste genau, dass sie keine anderen Liebhaber hatte.

Keinen anderen Mann außer mir.

Aber ich musste einfach irgendetwas sagen.

Irgendetwas.

„Wovon redest du? Ich habe außer dir keinen anderen Freund“, sagte sie, während die Tränen unaufhaltsam über ihr Gesicht liefen.

„Oh, bitte. Erspar mir das alles. Wenn du mit diesem Drama fertig bist, geh und schließ die Tür hinter dir“, sagte ich.

Denn ich war bereits kurz davor, die Kontrolle zu verlieren.

Ich wollte die Warnungen meines Vaters einfach ignorieren.

Ich wollte sie umarmen, sie küssen, irgendetwas tun, damit sie aufhörte zu weinen.

Aber ich wusste, dass mein Vater nicht bluffte.

„Nur damit du Bescheid weißt: Wenn jemand fragt, wer für dieses Ding verantwortlich ist, das du da in dir trägst, und du auch nur versehentlich meinen Namen nennst, schwöre ich dir, dass ich leugnen werde, dich jemals gekannt zu haben. Und glaub mir, wenn ich sage, dass ich dir das Leben zur Hölle machen werde.“

Das waren meine letzten Worte, bevor ich ins Badezimmer ging und die Tür hinter mir schloss.

Doch bevor ich sie endgültig aus meinem Blickfeld verlor, sah ich noch den gebrochenen Ausdruck auf ihrem Gesicht.

Und in diesem Moment bereute ich jedes einzelne Wort, das ich gesagt hatte.

Aber ich konnte sie nicht zurücknehmen.

Ich hörte ihre Stimme und ihr Weinen nicht mehr, also nahm ich an, dass sie gegangen war.

Und das war sie.

Sie ging für immer.

Ich sah sie nie wieder …

Gegenwart

Ich suchte überall nach ihr.

Ihre Mutter war ohne sie völlig am Ende, und genau das verstärkte meine Schuldgefühle noch mehr.

Paige kam nie wieder zur Schule.

Ihre Mutter zeigte mir den Brief, den sie hinterlassen hatte, und da wurde mir klar, dass ich den größten Fehler meines Lebens gemacht hatte.

Ich musste einen Weg finden, ihrer Mutter zu helfen, ohne dass sie erfuhr, dass ich der Grund für all das war.

Bis heute sorge ich dafür, dass ich regelmäßig Zeit für sie finde.

Sie war seit diesem Vorfall nicht mehr dieselbe.

Aber ich schätze, es geht ihr besser, als es ihr ohne meine Hilfe gehen würde.

Jeden Tag sitze ich da und frage mich:

Wohin ist sie gegangen?

Hat sie ihr Kind zur Welt gebracht?

Hat sie es tatsächlich behalten?

Wenn ja, möchte ich wissen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.

Ob er oder sie mir ähnlich sieht.

Oder ihr.

Oder uns beiden.

Werde ich sie jemals wiedersehen?

Werde ich jemals die Chance bekommen, mich zu entschuldigen?

Lebt sie überhaupt noch?

Ich weiß, dass ich nicht so denken sollte, aber ich kann es nicht verhindern.

Seit jenem Tag gibt es in keinem sozialen Netzwerk auch nur eine Spur von ihr.

Ich habe so viele Privatdetektive beauftragt, aber am Ende konnten sie mir kaum oder gar nicht weiterhelfen.

Hin und wieder gebe ich meinem Vater die Schuld für all das.

Er wusste, dass sie schwanger war.

Und er zwang mich, sie zurückzuweisen.

Wieder einmal hatte er sein Geld benutzt, um seinen Willen durchzusetzen.

Heute weiß ich, dass das keine Entschuldigung ist.

Aber damals lebte ich von seinem Geld.

Wenn er seine Drohung wahr gemacht hätte, wäre ich plötzlich mit nichts dagestanden.

Trotzdem kann ich meinen Vater seit diesem Tag nicht mehr mit denselben Augen ansehen.

Ich hatte immer das Gefühl, dass er mich hasste.

Alles, was ihn jemals interessiert hat, war sein Geld.

Und jetzt, da ich mein eigenes Vermögen ganz allein aufgebaut habe, will er unsere Unternehmen zusammenlegen.

Aber das werde ich niemals zulassen.

Er kann meinetwegen zur Hölle fahren.

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