GEBUNDEN AN DEN BESTIEN-ALPHA: Das Schicksal ist krank.

GEBUNDEN AN DEN BESTIEN-ALPHA: Das Schicksal ist krank.

last updateLast Updated : 2026-10-04
By:  Chi writesOngoing
Language: Deutsch
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Manchmal gibt einem das Schicksal nicht das, was man sich wünscht, sondern das, was man nie erwartet hätte. Claire hat ihr ganzes Leben lang als schwach und wertlos gegolten, weil sie sich nicht verwandeln kann. Doch als der Alpha, den sie liebt, sie öffentlich zurückweist, nimmt ihr Leben eine unerwartete Wendung. Ein Vertrag, der sie vor einem gewaltigen Schuldenberg retten soll, führt sie an die Seite des gefährlichsten Alphas, den sie je gekannt hat. Was als Vereinbarung beginnt, zwingt Claire bald dazu, alles zu hinterfragen, was sie über sich selbst, ihre Familie, ihr Rudel und die seltsame Bindung weiß, die sie zum Bestien-Alpha zieht.

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Chapter 1

Zurückgewiesen

PROLOG

„Hey, kleine Stärkste!“

Ich schnaubte leise und schüttelte den Kopf, während ich den Stoff in meinen Händen schrubbte. „Du nennst mich immer so, Herr Damian... Ich kann nicht die Stärkste sein und trotzdem feststecken und so Wäsche waschen.“

Herr Damian lächelte auf mich herab. „Das ändert trotzdem nicht, was du bist.“

Ein leiser Seufzer entkam meinen Lippen. „Heute ist mein achtzehnter Geburtstag, Herr Damian. Irgendwie scheint meine Familie ihn völlig vergessen zu haben... aber es ist okay für mich.“

Herr Damians Lächeln wurde sanfter. Er griff in seine Manteltasche und zog ein kleines, sorgfältig eingewickeltes Paket heraus. „Wie könnte ich jemals den Geburtstag meines stärksten Mädchens vergessen?“

Meine Augen weiteten sich, als er mir das Paket reichte. Ich ließ die nassen Kleider zurück in das Becken fallen und warf ihm plötzlich die Arme um die Schultern.

„Du hast dich an meinen Geburtstag erinnert?!“, quietschte ich und hielt ihn fest.

„Natürlich, Prinzessin“, kicherte er und tätschelte sanft meinen Rücken. „Warum sollte ich mich nicht erinnern? Das ist der Hauptgrund, warum ich heute herübergekommen bin – nicht nur, um mit deinem Vater zu sprechen.“

Eine einzelne, heiße Träne lief mir über die Wange. „Danke, Herr Damian... das bedeutet mir sehr viel. Niemand hat mir jemals Geburtstagsgeschenke gemacht außer dir, jedes einzelne Jahr.“

Herr Damian tippte mir beruhigend auf die Schulter. „Sei nicht zu hart zu deiner Familie. Sie sind immer beschäftigt, also vielleicht wollten sie es nicht vergessen—“

„Das ist eine Lüge, Herr Damian“, fiel ich ihm ins Wort, meine Stimme angespannt vor einer Mischung aus Traurigkeit und Resignation. „Sie haben Miras Geburtstag nie vergessen. Ich dachte, vielleicht würden sie heute, zu meinem achtzehnten, wenigstens etwas sagen... aber sie haben mir einfach mehr Hausarbeit als sonst aufgehalst.“

Ich wischte mir mit dem Handrücken die Augen und versuchte, es abzutun. „Es ist aber okay. Ich bin das jüngere Kind, also ist es vielleicht einfach so.“

Herr Damian nickte still. „Ich bin froh, dass du dein Herz dadurch nicht verbittern lässt, Claire.“

„Haben jüngere Kinder wirklich mehr Verantwortung als die älteren?“, murmelte ich, nahm ein weiteres Hemd zum Ausspülen auf und legte sein Paket sicher auf die trockene Bank neben mir. „Ich erinnere mich an Miras achtzehnten Geburtstag vor zwei Jahren. Sie haben ein riesiges Festmahl veranstaltet. Aber heute? Mutter hat mir nicht einmal ein Wort gesagt.“

„Hey, Damian!“

Die tiefe Stimme meines Vaters dröhnte von der vorderen Türöffnung, schnitt unser Gespräch ab, als er Damian winkte, hereinzukommen.

„Die Pflicht ruft“, sagte Herr Damian leise, drückte meine Schulter noch einmal sanft, bevor er sich zum Haus wandte. „Alles Gute zum Geburtstag, Claire.“

Sobald er außer Sichtweite war, wischte ich meine nassen Hände an meiner Schürze ab und griff eifrig nach dem Paket. Ich löste das Band, hob den Deckel – und mein Atem stockte mir.

Auf dem schwarzen Samt lag ein wunderschöner, leuchtender rosa-silberner Dolch, dessen Griff fein mit kunstvollen Wolfsrunen verziert war.

Mein allererster rosa Dolch!

Ein breites Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, und ich wickelte es schnell wieder ein und hielt es wie einen kostbaren Schatz an meine Brust.

„Warum stehst du da und grinst wie ein Idiot?“, bellte eine scharfe Stimme von der Veranda. „Was ist das neben dir?“

Ich zuckte zusammen und schob das Paket schnell hinter meinen Rücken, als Mira die Stufen herunterstolzierte. „Es ist nichts, Mira. Außerdem... heute ist mein Geburtstag, und—“

„Es interessiert niemanden, Claire“, fauchte Mira, warf ihr langes Haar über die Schulter und ging direkt an mir vorbei, ohne einen zweiten Blick. „Jetzt beeil dich mit den Kleidern. Ich brauche mein Kleid makellos für heute Abend.“

******

KAPITEL 1: Die Last der verborgenen Wahrheiten

******

Adrian funkelte mich an, seine Lippe verzog sich zu einem grausamen Grinsen, während er beinahe laut auflachte.

„Du könntest es niemals sein!", bellte Adrian.

Er wirbelte herum, um sich der riesigen Menge zuzuwenden, die sich um das Zeremonienfeuer versammelt hatte, seine Stimme dröhnte über das Gelände.

„Ich, Adrian, weise dieses nutzlose Geschöpf zurück!", verkündete er und zeigte mit dem Finger auf mich. „Sie ist nichts weiter als eine Sklavin der Familie, viel zu schwach, um irgendetwas in diesem Rudel zu bewältigen!"

Die Menge brach in Gemurmel aus. Adrian hob die Hände, seine Stimme dröhnte noch lauter.

„Ich wähle die einzige Frau, die würdig ist, an meiner Seite zu stehen, die mächtigste Königin, die dieses Rudel je gekannt hat … Mira!"

Mira klatschte langsam, ein triumphierendes Grinsen auf ihrem Gesicht, während sie vortrat und ihm die Arme um den Hals schlang. Sie hielten sich in einer langen, dramatischen Umarmung, bevor sie sich zurückzog und direkt auf mich zustolzierte, wo ich zitternd im Schatten stand.

„Was machst du hier?!", zischte Mira leise, ihre Stimme scharf genug, um Glas zu schneiden. „Ich dachte, ich hätte dich geschickt, um das Festmahl für die heutigen Gäste vorzubereiten!"

Ich zwang mich aufzustehen, meine Brust hob sich vor Verwirrung und Scham. „Ich … ich bin mit dem Kochen schon fertig. Alles ist vorbereitet. Ich bin nur runtergekommen, um …"

„Oh, halt den Mund!", fuhr Mira auf und schnitt mir das Wort ab. Sie wandte sich wieder Adrian zu und warf ihr langes Haar über die Schulter. „Sie war schon immer eine Schwächling, Adrian. Deshalb ist ihr Leben so ein erbärmliches Chaos. Sollen wir zur Feier zurückkehren?"

Adrian hielt seinen kalten Blick noch eine Sekunde länger auf mich gerichtet, bevor er seinen Arm um Miras Taille legte und sie wegführte.

Allein in der Dunkelheit stehend wusste ich, dass es Zeit war zu gehen. Ich schlich mich unbemerkt in die Nacht, musste zurück zum Haupthaus, um sicherzustellen, dass das Essen richtig aufgestellt war, bevor die Gäste ankamen.

Die einsame Straße zurück zum Anwesen war stockfinster und still. Ich war auf halbem Weg den Hügel hinauf, als ein gutturales Knurren durch die Bäume vibrierte.

Ich erstarrte. Zuerst versuchte ich, es abzutun. Was könnte um diese Stunde schon auf den leeren Straßen des Dunklen Rudels lauern?

Doch das Geräusch wurde lauter und verwandelte sich in ein erschreckendes, feuchtes Knurren.

Bevor ich mich überhaupt umdrehen konnte, sprang eine massive, schattenhafte Bestie aus dem Dunkel hervor und schoss direkt auf meine Kehle zu!

In Panik taumelte ich rückwärts, meine Hand sank instinktiv zu meiner Seite. Meine Finger schlossen sich um den Griff des rosa-silbernen Dolches, den Herr Damian mir gegeben hatte.

Als die Kreatur in mich krachte, stieß ich die Klinge mit aller Kraft in meinem Körper vorwärts!

WUMMS!

Der Dolch bohrte sich tief ins Fleisch. Heißes, schweres Blut spritzte über mein Gesicht und meine Arme, während das Monster schwer auf den Kies krachte, sich wild wand, bevor es vollständig still wurde.

Ich kroch rückwärts auf Händen und Knien, hyperventilierend, während dickes, purpurrotes Blut von meinen Händen und dem rosa Griff meiner Waffe tropfte. Entsetzen packte meine Brust. Ich warf den Dolch beiseite, drehte mich auf dem Absatz um und rannte den ganzen Weg nach Hause.

Ich stürmte in das leere Haus, zog meine blutbefleckten Kleider aus, wusch mich schnell und warf mich auf meine Bodenmatratze. Ich zog die schwere Bettdecke über den Kopf, vergrub mein Gesicht tief im Stoff, während mein Herz gegen meine Rippen hämmerte.

Was habe ich gerade getötet?!, wimmerte ich unter den Laken, zitterte unkontrolliert, bis der Schlaf mich endlich übermannte.

Am nächsten Morgen hallten laute, aufgeregte Stimmen durch den Flur und weckten mich aus meinem ruhelosen Schlaf.

„Wer könnte dieses riesige Raubtier getötet haben?!", rief ein Rudelkrieger draußen. „Es wurde von einem rivalisierenden Rudel geschickt!"

„Welches rivalisierende Rudel?", erwiderte eine andere Stimme. „Es muss das Silberrudel sein! Sie schicken Bestien, um unsere Grenzen zu testen, seit unser großer Krieger verschwunden ist!"

„Oh, du meinst unseren verlorenen Champion? Aber hör zu, dieser riesige Bär wurde mit einem rosa-silbernen Dolch erschlagen! Das bedeutet, der Krieger gehört zu unserem Dunklen Rudel! Wer könnte dieser geheime Held sein?!"

Dann erklang eine süße, widerliche Stimme aus dem vorderen Salon.

„Wer sonst könnte die Stärkste sein, wenn nicht ich?", prahlte Mira, ihre Stimme triefte vor arrogantem Stolz. „Natürlich hat die Mondgöttin mich erkannt und mich mit unglaublicher Macht gesegnet! Dieser Grizzlybär vom Silberrudel war nichts im Vergleich zu meiner Stärke!"

„Du hast diese Bestie getötet, Mira?!", fragte ein Rudelältester ungläubig. „Dieser rosa-silberne Dolch gehört dir?"

Ich hörte das Rascheln von Seide, während Mira mit den Hüften schwang, und Adrian zog sie fest an seine Brust.

„Deshalb hat die Mondgöttin sie für mich erwählt", verkündete Adrian stolz. „Sie ist die ultimative Kriegerin. Niemand besitzt eine Macht wie ihre."

„Sie ist die wahre Tochter der Cole-Blutlinie!", dröhnte die Stimme meines Vaters warm. „Ich bin so stolz, sie als mein einziges Kind zu haben!"

Einziges Kind?

Ein scharfer, heftiger Schmerz durchbohrte mein Herz. Ich taumelte einen Schritt zurück in mein Zimmer, umklammerte den Türrahmen, um mich zu stabilisieren.

Es war nicht das erste Mal, dass sie meine Existenz völlig ausgelöscht hatten. Weil ich mich nie in einen Wolf verwandelt hatte, betrachteten mich meine Eltern als beschämenden Defekt. Ein Bedauern.

„Einziges Kind, sagst du?", erklang eine vertraute, ruhige Stimme in scharfem Spott.

Es war Herr Damian.

„Und wo platzierst du Claire?", fragte Herr Damian kalt.

Mira schnaubte laut. „Sie gehört dorthin, wo sie hingehört, in den Dreck!"

Adrian hielt Mira fester und küsste ihre Schläfe. „Ich werde heute Abend eine vollständige Verlobungszeremonie abhalten. Ich will, dass das gesamte Territorium meine Frau sieht, die Kriegerin, die größte Luna, die dieses Rudel je haben wird!"

Mein Vater strahlte und legte seine Arme um Mira und Adrian. „Diese Vereinigung ist gesegnet!"

„Sie kann nicht gesegnet sein!"

Herr Damians Stimme durchschnitt den Raum wie ein Donnerschlag. Er trat in den Salon, einen langen, braunen Umschlag in der Hand.

„Sie kann nicht gesegnet sein, weil Mira NICHT deine bestimmte Gefährtin ist, Adrian!", warnte Herr Damian streng. „Wenn ihr mit dieser Verbindung fortfahrt, wird ein verheerender Fluch über dieses gesamte Rudel kommen!"

Miras Gesicht verzog sich vor Wut. „Was willst du damit andeuten, Damian?! Sagst du, mein langjähriger Freund soll stattdessen meine erbärmliche Schwester heiraten?!"

Damian blieb völlig gefasst.

Adrian höhnte und trat vor. „Ich werde niemals eine Schwächling heiraten. Mir ist egal, was irgendein altes Stück Papier sagt, ich wähle Mira! Wenn es dir nicht gefällt, Damian, dann heirate selbst, wen auch immer du für meine Gefährtin hältst!"

Ohne ein weiteres Wort nahm Adrian Miras Hand und führte sie hinaus zu den Gärten.

Herr Damian wandte sich den verbliebenen Ältesten zu, öffnete den braunen Umschlag und zog ein offizielles Dokument heraus.

„Ich weiß, wer letzte Nacht dieses Raubtier getötet hat", sagte Herr Damian, sein Blick wanderte durch den Raum. „Und ich weiß, wem dieser rosa Dolch wirklich gehört."

Mein Vater stieß ein abweisendes Lachen aus. „Meine Tochter hat bereits gestanden, dass der Dolch ihr gehört! Welche andere Person in diesem Rudel könnte überhaupt stark genug sein?!"

Damian blieb still, entschied sich, den Streit vor den anderen nicht weiter in die Länge zu ziehen.

Bevor jemand sein Fehlen bemerken konnte, schlüpfte er leise in das Schlafzimmer, in dem ich mich die ganze Zeit versteckt hatte. Er fand mich auf der Bettkante sitzend, meine Knie fest an die Brust gezogen.

„Dir gehört dieser Dolch", stellte Damian leise fest, während er den Raum betrat. „Warum hast du dich entschieden zu schweigen? Du weißt, dass ich nie an deiner Stärke gezweifelt habe … aber aus irgendeinem Grund weigerst du dich, zu beanspruchen, was dir gehört."

„Was bringt das, Damian?", fragte ich, schwang die Beine vom Bett und stand auf. „Selbst wenn ich behauptet hätte, ich hätte letzte Nacht diese Bestie getötet, hätte mir niemand geglaubt. In ihren Augen bin ich nur eine Schwächling. Ein Niemand. Ich habe keine Spur von Kraft in mir … ich kann nicht einmal das winzigste Knurren eines Wolfs erzeugen."

„Das stimmt nicht, Claire", beharrte Damian, trat näher und nahm meine Hände in seine. „Sie wissen nicht, wer du wirklich bist, aber ich weiß es. Ich kenne dich seit dem Tag deiner Geburt. Ich kenne die Macht, die in dir ruht … ich weiß, wozu du fähig bist."

„Oh, Herr Damian, bitte hören Sie auf mit Ihren Märchen", seufzte ich und bückte mich, um mehrere Bewerbungsschreiben aufzuheben, die über den Boden verstreut waren.

Damian kauerte sich hin und hob eines der Papiere vom Teppich auf. „Du bewirbst dich um eine Stelle?"

Ich nickte. „Ein Unternehmen hat mir eine befristete Stelle als Fotografin für eines der größten Modehäuser der Stadt angeboten."

Damian studierte den Briefkopf, bevor er das Papier auf den Schreibtisch legte. „Bist du sicher, dass du das bewältigen kannst?", fragte er, sein Blick suchte meinen.

Ich bot ein kleines, bitteres Lächeln. „Ist es wirklich so schwer? Es ist nur Fotos machen."

Damian schüttelte ernst den Kopf. „Das ist die WolfSleek-Firma, Claire. Das ist eines der größten, von Wölfen geführten Modekonzerne im Territorium. Und es gibt noch etwas, das du wissen musst …"

„Was?", fragte ich und hielt inne, während ich seinen Blick erwiderte.

„Der Besitzer ist Alpha Sleek vom Königlichen Rudel", warnte Damian, seine Stimme sank zu einem tiefen, gefährlichen Ton. „Sie sind unsere Feinde. Du kannst nicht für solche Leute arbeiten."

Ich schnaubte, mein Blick huschte zurück zur schwarzen Tinte, die auf den Vertrag gedruckt war. „Wir reden hier von tausend Dollar in nur zwei Wochen, Herr Damian! Mir ist egal, ob sie rivalisierende Wölfe oder eine Bedrohung für unser Rudel sind."

Ich wandte mich zum Badezimmer und sammelte meine Sachen ein. „Danke für die Warnung, Herr Damian, aber ich nehme diesen Job an. Er wird mir sehr helfen. Sehen Sie sich nur mein Leben an! Meine eigenen Eltern haben völlig vergessen, dass ich existiere. Ich muss für mich selbst sorgen."

„Ich habe dich unterstützt, Claire!", warf Damian ein, seine Stimme angespannt vor Gefühl. „Du kannst nicht zu dieser Firma gehen … wenn diese Leute erkennen, wer du wirklich bist …"

Ich erstarrte mitten in meiner Bewegung. Die Zähne zusammenbeißend, drehte ich mich zu ihm um. „Wer ich bin?!"

Damian wurde still. Er schloss die Augen, stieß einen schweren Seufzer aus und ließ langsam seine Hand in seine Manteltasche gleiten. Als er sie herauszog, hielt er ein kleines, in Samt gewickeltes Objekt.

„Du hast deinen rosa Dolch verloren", murmelte er leise. „Ich habe dir einen Ersatz besorgt. Denk daran, es ist die Tradition des Dunklen Rudels, immer einen zum Schutz zu tragen."

Ich atmete langsam aus, meine Wut schmolz dahin. „Sie sind die einzige Person, der ich wirklich etwas bedeute … danke, Herr Damian."

Er zog mich in eine warme, beschützende Umarmung. „Sei vorsichtig da draußen, Claire."

Pünktlich um 10:00 Uhr stand ich im schnittigen, hochmodernen Studio der WolfSleek-Firma.

Ich umklammerte meine schwere Spiegelreflexkamera fest, nahm meinen Platz am Rand des Laufstegs ein, während die hellen Studiolichter über mir summten. Ich justierte mein Objektiv, rahmte das Ende des Catwalks ein und wartete darauf, dass das erste Model heraustrat, um die neue Kollektion zu präsentieren.

Plötzlich machte mein Herz einen heftigen Sprung in meiner Brust.

Eine große, atemberaubende Gestalt trat auf die Bühne. Meine Augen hefteten sich auf ihn, als er seine ersten Schritte den Laufsteg hinunterging, sein kraftvoller, rhythmischer Catwalk beherrschte den ganzen Raum.

Für einen kurzen Moment vergaß ich völlig, wo ich war. Ich vergaß, den Auslöser zu drücken, fasziniert von seinen breiten, markanten Schultern und der gefährlichen Autorität, die von ihm ausstrahlte.

Bevor ich aus meiner Trance erwachen konnte, hielt er direkt vor meiner Plattform inne. Ein heftiges Klopfen landete scharf auf meinem Kopf.

„Du!", brüllte eine tiefe, befehlende Stimme über die Musik hinweg.

Ich keuchte und sah auf. Ich hatte nicht einmal bemerkt, wie er die Distanz zwischen uns geschlossen hatte. Der berauschende Duft von Sandelholz und Regen, der von ihm ausging, überwältigte völlig meine Sinne, sodass sogar das scharfe Stechen auf meinem Kopf zu Hintergrundrauschen verblasste.

„Dein allererster Arbeitstag, und du verlierst schon die Fassung?!", bellte er, seine Stimme hallte durch das Studio.

Gereizt streckte er die Hand aus und packte fest mein Handgelenk, doch in dem Moment, als seine Haut meine berührte, erstarrte er.

Sein Griff lockerte sich leicht, während seine Augen heftig in glühendem Purpurrot aufblitzten. Seine Lippen zuckten, seine Pupillen weiteten sich, während eine Welle der Erkenntnis über ihn hereinbrach.

Sein scharfer Blick wanderte über mich, musterte mein Gesicht, meinen Hals und hinunter zu meinen Stiefeln, bevor er sich wieder mit erschreckender Intensität auf meine Augen heftete.

„Wer bist du?!", verlangte er zu wissen, seine Stimme sank zu einem gefährlichen, urtümlichen Knurren, während seine glühend roten Augen sich in meine Seele bohrten.

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