MasukMeine Brust zog sich zusammen, als würde etwas darin zerrissen.
Die Finger, die mein Telefon umklammerten, begannen zu zittern. Owens kurze Nachricht füllte weiterhin den Bildschirm, jeder einzelne Buchstabe verwandelte sich in eine Klinge, die immer wieder auf mich einstach.
[Es tut mir leid, Emery, meine Liebe. Das wird meine letzte Nachricht sein. Ich bin wirklich ein Feigling. Vergiss mich. Ohne dich werde ich sicherer sein.]
Tränen liefen mir herunter, ohne dass ich sie zurückhalten konnte.
Hastig tippte ich eine Antwort. „Du fragst noch nicht einmal nach mir, Owen?“
Meine Finger bewegten sich so schnell, dass ich mich mehrmals vertippte. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass die Nachricht richtig war, schickte ich sie sofort ab.
Aber sie verwandelte sich nie in zwei Häkchen. Mein Herz sank erneut.
„Owen …“, flüsterte ich.
Ich drückte sofort auf die Anruftaste. Meine Hoffnung war einfach. Ich wollte nur noch ein einziges Mal Owens Stimme hören. Ich wollte glauben, dass das alles nur ein Missverständnis war, das wir gemeinsam klären konnten.
Doch die Stimme der Ansage in meinem Ohr zerschlug stattdessen diese letzte Hoffnung.
„Die von Ihnen gewählte Nummer ist nicht vergeben.“
Ich erstarrte. Owen hatte seine Nummer geändert?
Die Tränen, die ich zurückgehalten hatte, flossen schließlich nur noch hemmungsloser. Meine fünfte Verlobung war offiziell vorbei. Noch schmerzhafter als die vier davor. Wie verflucht konnte ich eigentlich sein?
Zwischen dem Schluchzen entkam mir ein leises Lachen. Es fühlte sich beinahe ironisch an.
Bevor ich diese Nachricht erhalten hatte, hatte ich in meinem Kopf noch Pläne geschmiedet. Sobald ich die Bestätigung hatte, dass Owen sicher in den Vereinigten Staaten gelandet war, würde ich Maximilian zur Scheidung zwingen.
Er hatte mich vielleicht in diese Ehe zwingen können. Aber ich war mir sicher, dass ich ihn früher oder später ebenfalls dazu bringen würde, die Scheidungspapiere zu unterschreiben.
Ich biss mir auf die Unterlippe. Obwohl ich ehrlich gesagt noch keine Ahnung hatte, wie.
Mein Blick wanderte zur Tür der Suite. Immer noch fest verschlossen. Kein Zeichen dafür, dass Maximilian zurückkommen würde.
Ich wischte mir die Tränen grob ab. Wenn ich weiter weinte, würde ich nur noch tiefer in der Verzweiflung versinken.
Ich hielt mein Telefon immer noch in der Hand. Es gab noch eine Option, die ich nicht ausprobiert hatte. Meine Hand wählte schnell die Notrufnummer.
Es läutete ein paar Mal, bis schließlich jemand abhob.
„Notruf. Wie können wir Ihnen helfen?“
Ich stand sofort auf.
„Hilfe!“, meine Stimme brach. „Ich bin entführt worden!“
Weniger als 15 Minuten später war ein lautes Klopfen von der anderen Seite der Suitentür zu hören.
Ich rannte sofort hin.
Die Tür öffnete sich von außen. Mehrere uniformierte Beamte betraten vorsichtig den Raum.
Meine Brust fühlte sich auf der Stelle so viel leichter an. Endlich. Endlich war jemand gekommen, um mich zu retten.
Einer der Beamten trat näher. „Sind Sie diejenige, die angerufen hat?“
„Ja!“, ich nickte hastig. „Ich wurde gezwungen, jemanden zu heiraten. Und ich bin hier eingesperrt worden!“
Der Beamte holte ein kleines Notizbuch heraus.
„Beruhigen Sie sich, Miss. Erzählen Sie uns alles von Anfang an.“
Ich erklärte alles, ohne ein einziges Detail auszulassen.
Owen, das Geisel-Video, Maximilians Drohungen, die erzwungene Hochzeit. Alles. Aber je länger ich redete, desto mehr veränderte sich der Gesichtsausdruck des Beamten. Er sah skeptisch aus.
„Also …“, sagte der Beamte langsam. „Sie sind rechtmäßig verheiratet?“
„Ja, aber—“[^1]
„Und Sie sind mit Ihrem Ehemann in dieses Hotel gekommen, ohne Handschellen zu tragen?“
„Das liegt daran, dass er gedroht—“[^1]
„Sie haben die Heiratsurkunde auch selbst unterschrieben?“
„Ja … aber ich wurde dazu gezwungen.“ Meine Stimme wurde leiser.
Der Beamte wechselte Blicke mit seinem Partner.
„Es tut mir leid, Miss, aber nach dem, was wir sehen können, sind Sie eine volljährige Frau, die in eine Kirche gegangen ist, die Dokumente unter ihrem eigenen Namen unterschrieben hat und den Ort dann zusammen mit ihrem Ehemann verlassen hat.“
„Das war nicht meine Entscheidung!“
„Gibt es irgendeinen Beweis dafür, dass diese Drohung wirklich stattgefunden hat? Eine Aufnahme, einen Zeugen, irgendjemanden, der gesehen hat, wie er Sie gezwungen hat?“
„Gibt es nicht. Aber ich lüge nicht.“ Ich ballte die Fäuste.
Die Beamten tauschten erneut Blicke aus, bevor sie sich wieder mir zuwandten.
„Wir verstehen, dass Sie unter viel Stress stehen. Aber ohne Beweise oder einen Zeugen ist es für uns sehr schwierig, daraus auf eine Entführung oder Nötigung zu schließen.“
Einer der Beamten nahm einen Ruf über sein Funkgerät entgegen. Er nickte ein paar Mal, bevor er mich wieder ansah.
„Wir haben auch etwas überprüft. Ihr Ex-Verlobter ist sicher in den Vereinigten Staaten gelandet.“
Das wusste ich bereits. Und ich hätte erleichtert sein sollen. Aber die Realität war genau das Gegenteil. Denn da Owen in Sicherheit war, klang die Drohung von Maximilian, die ich gerade gemeldet hatte, nun wie etwas, das in Wahrheit nie passiert war.
In den Augen der Beamten hatte er niemanden entführt oder getötet.
Ich eilte wieder auf sie zu.
„Bitte …“, meine Stimme wurde schwach. „Sie müssen mir glauben. Er ist von der Mafia. Er ist der Mafiakönig!“
Der Beamte, der mir am nächsten stand, lachte.
„Mafiakönig?“, er sah seinen Partner kichernd an. „Sie haben wohl zu viele Romane gelesen, was?“
Ein paar andere Beamte schmunzelten ebenfalls amüsiert.
Mein Blut kochte augenblicklich. Ich ballte meine Fäuste so fest, dass sich meine Nägel in meine eigenen Handflächen gruben. Sie dachten, ich dachte mir eine Geschichte aus.
Gerade als ich wieder argumentieren wollte, landete plötzlich eine große Hand auf meiner Schulter.
Mein Körper versteifte sich. Ich drehte mich langsam um. Maximilian stand bereits neben mir, wie aus dem Nichts aufgetaucht.
„Es tut mir leid“, sagte er und klang ehrlich entschuldigend. „Meine Frau hat eine Szene gemacht.“
Ich warf ihm einen scharfen Blick zu.
„Du—“[^1]
Bevor ich meinen Satz beenden konnte, zog mich Maximilian plötzlich an der Taille zu sich. Seine Lippen berührten vor den Augen aller Beamten meine Wange.
Ich erstarrte. Mein gesamter Körper verwandelte sich in Stein.
„Sie ist nur wütend“, fuhr Maximilian gelassen fort. „Ich habe sie am Tag unserer Hochzeit alleine gelassen, um zu arbeiten.“
Einer der Beamten lachte leise. „Ah, also nur ein Missverständnis unter Frischvermählten.“
„Mehr oder weniger.“ Maximilian lächelte sogar leicht.
Ich starrte ihn ungläubig an. Wie geschickt die Zunge dieses Mannes beim Lügen war. Und was es noch aussichtsloser machte: Alle glaubten ihm.
„Nun denn, wir machen uns dann auf den Weg.“
Die Beamten begannen, die Suite zu verlassen.
„Warten Sie!“, folgte ich ihnen instinktiv. „Bitte gehen Sie nicht! Er lügt!“
Ich hatte kaum ein paar Schritte gemacht, als mein Handgelenk zurückgerissen wurde. Sein Griff machte mich bewegungsunfähig.
Die Suitentür schloss sich erneut.
Maximilian hob mein Kinn mit seinem Finger an. Ich war gezwungen, direkt in seine dunklen Augen zu sehen.
„Ich habe dir gesagt, du sollst nichts Verrücktes tun, du freches kleines Kätzchen!“, schimpfte Maximilian.
Mein Herz hämmerte immer schneller. Ich schluckte schwer. Ich hatte das Gefühl, dass ich es nicht überleben würde, wenn ich heute Nacht an der Seite dieses Mannes blieb.
Bevor ich etwas sagen konnte, sprach Maximilian erneut.
„Wir fliegen jetzt zurück in die Vereinigten Staaten. Es ist nicht sicher für dich, zu lange hierzubleiben.“
Maximilian drehte sich um, offenbar um Lucas einen Befehl zu geben.
Instinktiv griff ich nach dem Saum seiner Jacke.
„Nicht sicher vor wem?“, fragte ich und starrte ihn direkt an. „Warum sieht ein Mafiakönig wie du … besorgt aus?“
Ich antwortete nicht. Stattdessen war mein Blick fest auf Maximilians entblößte Schulter gerichtet. Dort zog sich eine lange Narbe über seine Haut. Die blasse Linie hob sich stark von seinem kräftigen Körper ab. Dieser Mann vor mir musste schon viele Schlachten geschlagen haben.Ohne es zu merken, hob sich meine Fingerspitze. Fast hätte ich die Narbe berührt. Doch im letzten Moment hielt ich inne.„Du hast so viele Narben“, murmelte ich leise.Maximilian folgte meinem Blick. Seine Lippenwinkel hoben sich zu einem dünnen, stolzen Lächeln.„Ich nenne sie lieber Malzeichen des Sieges“, antwortete Maximilian gelassen.Ich schüttelte leicht den Kopf. „Wenn jeder Sieg so eine Spur hinterlässt, ist der Preis meiner Meinung nach zu hoch.“Maximilians graue Augen starrten mich einen Moment lang an. Der Blick war so tief, dass ich schnell wegweinte.Klopf. Klopf. Klopf.Ein Klopfen an der Tür durchbrach die Stille zwischen uns.„Tsk!“ Maximilian schnalzte leise mit der Zunge, eindeutig verärger
Ich erstarrte für einen Moment, mein Herz klopfte wie wild, während eine plötzliche Welle der Erleichterung mich überspülte. Dennoch überprüfte ich schnell die alte Holzschachtel, um sicherzugehen, dass im Inneren noch alles unversehrt war. Meine Finger zitterten, als ich den Deckel hob.„Mamas Skizzenbuch für die Hochzeitsdekoration ist noch da“, flüsterte ich leise, während meine Finger mit tiefer Zuneigung sanft über die vergilbten Seiten strich. „Papas Analogkamera und ihr Album über ihre Liebesreise sind auch vollständig. Es fehlt nichts.“Ich stieß einen langen Atemzug aus, meine angespannten Schultern entspannten sich endlich. Diese Gegenstände sahen alt und einfach aus, aber die Spuren meiner Eltern fühlten sich so lebendig an und wärmten meine Brust mit Erinnerungen.Ich öffnete diese Schachtel immer, wenn ich sie vermisste. Ich drückte sie fest an meine Brust.Maximilian stand immer noch hinter mir.„Du schuldest mir eine Entschuldigung, Babygirl. Und zwar jetzt sofort“, flü
„Wenn ich Ja sage, wirst du dich dann an meine Regeln halten?“Ich erstarrte.Die Worte verließen Maximilians Lippen ohne die geringste Spur von Humor. Sein Gesicht blieb vollkommen regungslos, als hätte er gerade nach der Farbe der Villenwände gefragt und nicht nach einem Ort, um eine Leiche zu verstecken.Ehrlich gesagt hatte ich nur geraten. Und doch hatte dieser Mann meine Vermutung bestätigt. Die feinen Härchen auf meinen Armen stellten sich auf. Mein Hals fühlte sich trocken an.Was für ein Mann bewahrt eine Leiche in seinem eigenen Haus auf?Ich schluckte schwer.„Was ... was hast du der Polizei gegeben, dass sie dein Haus nie durchsucht hat?“, fragte ich leise.Maximilians Gesichtsausdruck veränderte sich nicht.„Viele Dinge“, antwortete er knapp.Aber gerade weil seine Antwort so kurz ausfiel, ging meine Fantasie mit mir durch. Meine Augen weiteten sich.Bestechung? Drohungen? Oder ...Ich wagte nicht einmal, meinen eigenen Gedanken zu Ende zu führen.Maximilian drehte sich z
Maximilian hielt einen Moment inne. Sein grauer Blick blieb auf mir haften, aber diesmal war er nicht so kalt wie sonst. Als würde der Mann über etwas nachdenken, das ihm noch nie zuvor in den Sinn gekommen war.Stille erfüllte das Auto. Der Motor summte leise vor sich hin, während durch die Scheibe allmählich die Lichter von Manhattan näher rückten.Schließlich brach Maximilian das Schweigen. „Du willst nicht reden. Du willst streiten.“Ich hob mein Kinn. „Das ist der Job einer Ehefrau, falls du das nicht wusstest.“Die Antwort entwich mir, bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte.Ich weiß nicht, seit wann ich zu jemandem geworden war, der ihm immer das letzte Wort geben musste. Vielleicht stimmte es wirklich, vielleicht wollte ich einfach nur mit ihm streiten. Weil das das Einzige war, was mir noch geblieben war.Maximilian hatte mir meine Freiheit genommen, mich in die Ehe gezwungen und sogar entschieden, wo ich zu leben hatte. Wiederworte zu geben war das Einzige, was ich tu
„Was ist passiert? Wer ist das Crimson-Syndikat?“Die Worte entwichen meinem Mund direkt nachdem Maximilian sein Telefonat beendet hatte.Das Auto schnitt sich noch immer seinen Weg über die Straße Richtung Flughafen, während die Luft in der Kabine kälter und kälter wurde.Maximilian warf mir einen kurzen Blick zu.„Das musst du nicht wissen“, antwortete er knapp.Der Mann erklärte gar nichts. Er trug auch einen Ausdruck im Gesicht, als wäre es mir strengstens untersagt, weiter nachzufragen. Ich konnte Maximilian nur für ein paar Sekunden anstarren, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder seinem Handy widmote.Ohne Zeit zu verschwenden, wählte er eine andere Nummer.„Das Ölfeld, das das Crimson-Syndikat derzeit hält – übernehmt es. Brennt auch ihre Marihuanafelder nieder“, befahl Maximilian mit unbewegter Miene.Seine Stimme klang kalt. Selbst ich, die neben ihm saß, spürte die Wirkung davon. Die feinen Härchen in meinem Nacken schienen sich aufzustellen.Ich schluckte.„Stellt sicher, d
„Was kannst du mit diesen zitternden Händen schon ausrichten?“, fragte Maximilian. Seine tiefe Stimme klang leise und triefte vor spöttischer Belustigung. „Wenn du es nicht ertragen kannst hinzusehen, schließ einfach die Augen, Süße. Ich werde schon nicht schreien.“Er hatte recht. Ich konnte die Augen schließen. Bevor er noch etwas Schlimmeres anstellte, drückte ich meine Augen so fest zu, wie ich nur konnte.Sein leises, heiseres Lachen hallte durch das schwach beleuchtete Auto und schickte Vibrationen direkt durch meinen ohnehin schon angespannten Körper. Ich schloss nicht nur die Augen, sondern presste auch beide Hände auf meine Ohren und wappnete mich für den Fall, dass er plötzlich vor Schmerz aufstöhnte.Momente später durchschnitt seine ruhige, samtige Stimme die Dunkelheit. „Es ist fertig. Du kannst die Augen wieder öffnen.“Ich öffnete sie langsam und wandte mich ihm zu. Die Wunde an seinem Arm war versorgt worden, aber der Verband war schlampig und schief. Ich schluckte ner







