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Kapitel 265

Auteur: Chloe Laurent
Rosalies Perspektive

Plötzlich fühlte sich der Oktober erreichbar an.

In den Wochen nach dem Ultraschalltermin fiel mir das immer wieder auf. Leicht wurde das Leben deshalb nicht. Ich war bis in die Knochen müde. In mir wuchs ein Mensch. Gleichzeitig leitete ich eine Galerie, zog drei Kinder groß und kümmerte mich um alles, was ein voller Alltag mit sich brachte. Trotzdem war der Oktober jetzt mehr als ein ferner Gedanke. Zuerst war die Schwangerschaft ein Geheimnis. Dann kamen Spannungen, Gespr
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  • Geheimes Baby von Bruders bestem Freund   Kapitel 350

    Rosalies PerspektiveSeit November arbeitete ich an der großen Leinwand.Fast fünf Monate lang entzog sich mir etwas.Das Aussehen kannte ich. Aufbau. Silhouette. Lichtquelle. Farben. Ich konnte das Bild beschreiben.Seine Bedeutung verstand ich nicht.Das passierte selten. Meistens wusste ich zuerst, was ich ausdrücken wollte. Das Motiv entstand daraus.Hier war es umgekehrt.Seit November wartete ich darauf, dass ich begriff, was längst auf der Leinwand stand.Ein Dienstag Ende März. Drei Wochen vor unserem Hochzeitstag.Aiden brachte die Kinder weg. Die Wohnung war still. Nicht leer. Unser Alltag machte nur Pause.Seit halb sieben war ich im Atelier.Kleine Aufgaben. Rückfragen zu Aufträgen. Nachrichten mit dem Büro der Kuratorin über den Zeitplan der Retrospektive.Dazwischen zog es mich immer wieder zur großen Leinwand.Ich sah hin und wartete auf Verständnis.Um Viertel nach acht legte ich den kleinen Pinsel ab. Nahm den größeren für dieses Bild.Stellte mich davor.Sah die Frau

  • Geheimes Baby von Bruders bestem Freund   Kapitel 349

    Aidens Perspektive„Wir erneuern unser Versprechen. Im Garten hinter dem Haus. Wie damals. Aber man soll auch sehen, dass zehn Jahre dazwischenliegen.“Sie musterte mich.„Wer weiß es?“„Jeffery. Du. Dein Opa erfährt es, wenn wir nach den Blumen fragen.“Sie nickte.„Alessandro sage ich nichts. Innerhalb von achtundvierzig Stunden weiß Mama alles.“„Deshalb lasse ich ihn vorerst raus.“„Mila kann es wissen. Sie verrät nichts. Dafür redet sie noch nicht genug.“„Sie gehört natürlich dazu.“„Gut. Das mag sie.“Lucy sah auf den Tisch. Dachte bereits nach.„Meine Aufgabe?“„Wie soll es sich für Mama anfühlen? Du kennst sie seit zehn Jahren. Du weißt, was ihr wichtig ist.“Sie schwieg.Keine vorbereitete Antwort.Sie überlegte wirklich.„Nicht zu groß. Mama mag echte Dinge. Eine Kleinigkeit, die stimmt, bedeutet ihr mehr als zehn beeindruckende Überraschungen.“Sie sah auf.„Opas Blumen. Keine großen Gestecke. So, wie er sie pflückt und zusammenbindet.“„Ja.“„Die alten Lichterketten.“„Jef

  • Geheimes Baby von Bruders bestem Freund   Kapitel 348

    Aidens PerspektiveAn einem Sonntagabend im Januar rief ich Jeffery an.Rosie malte. Die Kinder schliefen. Ich war auf diese besondere Weise allein, bei der alle da waren und sich nur in anderen Zimmern aufhielten.Er nahm beim zweiten Klingeln ab.„Ich brauche dich für eine Planung.“Eine Pause.„Wofür?“„Im April sind wir zehn Jahre verheiratet. Ich möchte unser Versprechen erneuern. Im Garten. Derselbe wie damals. Wenn möglich dieselben Lichterketten. Ich brauche jemanden, der alles organisiert, ohne dass Rosie es merkt.“Stille.„Dann rufst du genau den Richtigen an.“Er klang, als wartete er längst auf diese Bitte.„Wie viel Zeit?“„Drei Monate.“„Reicht. Wenn wir jetzt anfangen.“„Deshalb rufe ich an.“Vierzig Minuten.Jeffery hatte Vorstellungen vom Licht. Die Ketten fand er wieder, davon war er überzeugt. Auf einem Foto von Lucys siebtem Geburtstag waren sie zu sehen. Damit konnte er suchen.Beim Essen war er ebenfalls entschieden.Einfach. Selbst gemacht. Kein Catering.Wir ri

  • Geheimes Baby von Bruders bestem Freund   Kapitel 347

    Rosalies PerspektiveDann war sie zufrieden.Sie holte ihre Hausaufgaben, legte sie auf den Tisch und begann.Ich nahm den Tee.Mila stieß ihre Ringe um. Überrascht betrachtete sie das Ergebnis. Dann untersuchte sie das neue Durcheinander genauso gründlich wie vorher den fertigen Turm.Ich atmete tief durch.Nicht aus Panik.Es kostete Kraft, so unerwartet eine alte Erinnerung zu spüren. Unter den Augen eines Menschen, der mich gut kannte. Der dieselbe Sache gerade auf etwas ganz Einfaches zurückführte.„Ein Mädchen aus meiner Schule.“Früher genügte der Name.Die Kälte war sofort da.Ein Wort brachte alles mit.Jahrelang lernte ich zu unterscheiden. Warnte mein Gefühl vor etwas Gegenwärtigem? Oder erinnerte sich nur ein alter Teil von mir?Inzwischen erkannte ich den Unterschied besser.Trotzdem kam die Kälte manchmal zurück.Heute zum Beispiel.Lucy betrachtete das Ganze und sagte im Grunde:„Das ist ein Mädchen aus meiner Schule. Nicht damals. Jetzt.“Mit zehneinhalb. Ohne zu ahnen,

  • Geheimes Baby von Bruders bestem Freund   Kapitel 346

    Rosalies PerspektiveAn einem Donnerstagnachmittag im Oktober kam Lucy vom Debattiertraining. Schon die Art, wie sie die Tasche abstellte, verriet mir, dass sie etwas erzählen musste.Ich saß mit Tee am Küchentisch. Mila beschäftigte sich zu meinen Füßen mit Stapelringen. Seit zwanzig Minuten erforschte sie die Angelegenheit. Alessandro war in seinem Zimmer. Aiden noch bei der Arbeit.Lucy hielt im Flur kurz inne.Kaum merklich. Aber sie blieb sonst nie ziellos irgendwo stehen. Sie wusste, wohin sie wollte.Da war etwas.Sie setzte sich mir gegenüber.„Ich muss dir etwas sagen.“Ich stellte die Tasse ab. „Erzähl.“„Wir haben ein neues Mädchen in der Debattiergruppe. Seit letzter Woche. Sie ist gut. Besser als die meisten. Klare Argumente. Und bei Nachfragen bleibt sie ruhig.“Ich wartete.Lucy sah mich an.„Sie heißt Elena.“Ich versuchte, neutral zu bleiben.Das übte ich seit Jahren. Besonders vor Lucy. Sie las mein Gesicht, kaum dass sie alt genug war, meine Stimmung wahrzunehmen.Se

  • Geheimes Baby von Bruders bestem Freund   Kapitel 345

    Aidens PerspektiveEr sah mich an.„Beim nächsten Mal kommst du früher. Solange es noch eine kleine Sache ist. Bevor du glaubst, dass sie sich kaum noch ansprechen lässt.“Er starrte mich an.„Mehr nicht?“„Mehr nicht.“Er sah auf den Schreibtisch. Wieder zu mir.„Ich habe mit Schlimmerem gerechnet.“„Ich weiß. So wird es, wenn man zu lange allein darüber nachdenkt. Irgendwann ist das Problem im Kopf größer als in Wirklichkeit.“Sein Gesicht zeigte, dass die Worte etwas trafen.Ich ließ es dabei.Darüber musste er selbst nachdenken.Ich ging.Um sechs saß ich noch im geparkten Auto und rief Dr. Garrett an.Ich erzählte von Ortega. Vom Gespräch. Meiner Entscheidung.Auch die Stunde davor ließ ich nicht aus. Regeln und Verfahren, bis Rosie mich mit ihrer Frage in eine andere Richtung brachte.Er hörte zu.Dann sagte er: „Du bist so vorgegangen, wie du heute mit Schwierigkeiten umgehst.“„Ja.“„Vor drei Jahren war das anders.“„Ich hätte das Gespräch geführt, das ich schon vorbereitet hat

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