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Kapitel 5

مؤلف: Janne Vellamour
last update تاريخ النشر: 2026-06-11 17:54:34

Kapitel 5

Er betrat den Raum, der in ein beängstigend einladendes Zwielicht getaucht war. Diese Stille war für Hector in diesem Moment einfach ein weiterer Ort des Trostes und der Ruhe, der perfekte Zufluchtsort für eine gequälte Seele.

Hector ging zu seinem massiven Ledersessel. Er ließ sich nieder, sein Körper sank leicht in das Leder ein, und nahm eine imposante Haltung ein, die reine Fassade war. Seine Ellbogen ruhten auf den Armlehnen, seine Fingerspitzen berührten sich unter seinem Kinn. Seine Augen, sonst so konzentriert und wach, starrten ins Leere; das gerahmte Porträt seiner Lieblingsbaseballmannschaft an der gegenüberliegenden Wand war nichts weiter als ein formloser Fleck.

„Was zum Teufel soll ich mit meinem Leben anfangen?“ Die Frage war ein heiseres Flüstern, erfüllt von einer Qual, die die Stille des Raumes aufzusaugen und zu verstärken schien. Wie sollte er mit diesem Verlangen umgehen, das wie ein unkontrolliertes Feuer in ihm wuchs? Wie sollte er seine jahrzehntelange Freundschaft mit Johan aufrechterhalten, während seine Gedanken von lüsternen und sündigen Fantasien über seine Tochter erfüllt waren? Er schloss die Augen, und da war sie: Theresa, mit ihrem Lächeln, das süß und trotzig zugleich war, ihren Augen, die all seine Abwehrmechanismen zu durchschauen schienen. Es war eine Qual, eine Versuchung, eine persönliche Hölle, die er selbst genährt hatte.

***

Theresa Michaels eilte. Die Uhr auf einem Bürogebäude bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen: Sie war zu spät zu ihrer Vorlesung in brasilianischer Literatur, dem einzigen Fach, dessen Professor ein wahrer Peiniger war.

„Wer hat dir bloß gesagt, dass du gestern Abend so lange aufbleiben und über so einen Idioten grübeln sollst?“, dachte sie und verfluchte sich innerlich, während sie einer Gruppe Touristen auswich. „Verdammt!“

Die Frustration hinterließ einen bitteren Nachgeschmack. Sie beschleunigte ihre Schritte, ihr Rucksack schlug bei jeder Bewegung gegen ihren Rücken. Sobald die Backsteinfassade des Collegegebäudes vor ihr auftauchte, machte ihr Herz einen Sprung, aber nicht wegen der Verzögerung. Dort, auf dem Bürgersteig, stand Ryan. Er hielt einen Strauß roter Rosen in der Hand, so riesig und künstlich perfekt, dass er eher wie eine Kulisse als eine aufrichtige Geste wirkte.

Theresa verdrehte die Augen, eine Mischung aus Wut und Müdigkeit. „Nein. Nicht heute“, beschloss sie innerlich, rückte den Riemen ihres Rucksacks zurecht und fixierte den oberen Teil der Treppe, die zum Haupteingang führte. Sie ging weiter, fest entschlossen, die Anwesenheit des Mannes, den sie einst geliebt zu haben glaubte und der sie bei der ersten Gelegenheit mit dem klischeehaftesten Verrat hintergangen hatte, völlig zu ignorieren.

„Ich liebe dich …“, sagte Ryan leise, als sie an ihm vorbeiging.

Sie blieb stehen. Dann drehte sie sich zu ihm um. Ihre Augen, sonst voller Wärme, waren eiskalt.

„Nenn mich nie wieder so“, sagte sie mit eisiger, schneidender Stimme. „Das bin ich nicht und war ich nie für dich. Vergiss dieses Wort.“

Ryan behielt sein aufgesetztes Lächeln bei, doch ein Anflug von Unbehagen huschte über sein Gesicht. Er hielt ihm den Blumenstrauß hin.

„Theresa, bitte. Die sind für dich. Du bist meine Liebe, das weißt du. Das warst du schon immer.“

„Bin ich nicht.“ Sie fixierte ihn mit ihren Augen und weigerte sich, die Rosen anzusehen. „Und weißt du, warum? Weil du nicht weißt, was Liebe ist. Liebe verschwindet nicht einfach so, sie schlüpft nicht in den erstbesten Rock, der dir ins Auge fällt.“

Ryans Gesicht wurde etwas blasser.

„Aber … Theresa, es war ein Fehler. Ein dummer Fehler. Ich war betrunken, sie bedeutete mir nichts …“

„Nein, Ryan.“ Sie unterbrach ihn und hob beschwichtigend die Hand. Ihre Geduld war am Ende. „Es gibt kein ‚Aber‘. Genau das hast du getan. Und das ist für mich unverzeihlich. Nichts kann diese Respektlosigkeit ungeschehen machen. Kein Alkohol der Welt kann einen Vertrauensbruch rechtfertigen.“ Er öffnete den Mund, um erneut zu protestieren, doch Theresa hatte sich bereits abgewandt. Mit neuem Entschluss stieg sie die Stufen hinauf und spürte seinen Blick im Rücken, aber auch eine seltsame Erleichterung. Sie hatte die Wahrheit gesagt. Sie hatte dieser Geschichte ein Ende gesetzt.

„Vergiss es, Ryan!“, rief sie über die Schulter, ohne sich umzudrehen. „Geh und biete deine Rosen dem Nächsten an. Ich bin sicher, du findest einen anderen, der dir deine Schmeicheleien abnimmt. Ich gehöre nicht mehr dazu.“

Die Glastür des Colleges schloss sich hinter ihr und beendete die peinliche Szene endgültig. Ryan stand allein auf dem Bürgersteig, der groteske Blumenstrauß wirkte nun wie ein Gespött. Er ließ die Arme sinken, die Rosen verwelkten symbolisch in der unerbittlichen Sonne.

In der kühlen Lobby hielt Theresa einen Moment inne und lehnte sich an eine kalte Wand. Sie atmete tief durch und versuchte, ihr rasendes Herz zu beruhigen. Wut wich einer tiefen Erschöpfung. Das Gespräch mit Ryan hatte sie zwar ausgelaugt, aber es hatte sie auch von einer Last befreit, die sie wochenlang mit sich herumgetragen hatte. Ein Kapitel war endgültig abgeschlossen.

Auf dem Weg zum Unterricht, während sie sich innerlich schon die Ausrede für die Lehrerin zurechtlegte, schweiften ihre Gedanken heimtückisch von ihrem oberflächlichen Ex-Freund zu dem komplexen und intensiven Mann ab, der sie am Abend zuvor mit nach Hause genommen hatte. Hector. Die Erinnerung an seine Anwesenheit, die bedrückende Stille zwischen ihnen, die Art, wie er sie beobachtete – all das beunruhigte sie auf eine ganz andere Weise. Auf eine Weise, die, wie sie vermutete, weitaus gefährlicher war.

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