ログインDie Braut, die er niemals haben sollte Elara hatte nie damit gerechnet, eines Tages als Braut in ein fremdes Königreich geschickt zu werden. Doch als ihre jüngere Stiefschwester Sera sich weigert, den gefürchteten König Draven zu heiraten, wird Elara an ihrer Stelle geopfert. Sie betritt Dravens Schloss mit einem Geheimnis: Sie ist nicht die Frau, die er erwartet. Alle erzählen sich, König Draven sei kalt, grausam und verantwortlich für das Verschwinden früherer Bräute. Elara weiß, dass sie ihm niemals vertrauen darf. Doch je länger sie in seinem Schloss bleibt, desto mehr beginnt sie, hinter seine kalte Fassade zu blicken. Draven wiederum bemerkt schnell, dass mit seiner neuen Braut etwas nicht stimmt. Sie ist anders als die Frau, die ihm versprochen wurde. Mutiger. Geheimnisvoller. Und viel schwerer zu vergessen. Als Draven schließlich die Wahrheit entdeckt, steht Elara vor einer Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändern könnte. Denn was als politisches Opfer begann, entwickelt sich zu einer Verbindung, die keiner von beiden geplant hatte. Aber im Schloss liegen Geheimnisse, die niemals ans Licht kommen sollten. Wird Elara die Wahrheit über die verschwundenen Bräute erfahren? Und kann sie dem Mann vertrauen, den sie eigentlich niemals hätte heiraten sollen?
もっと見るDie Glocke läutete dreimal vor dem Abendessen. Das war das Zeichen für schlechte Nachrichten.
Elara stellte den Stapel Teller ab, den sie trug, und blickte zur Eingangshalle. Ihre Hände waren noch feucht vom Waschen. Sie wischte sie langsam an ihrer Schürze ab, denn ein Teil von ihr wusste bereits, dass ihr das, was als Nächstes kam, nicht gefallen würde.
Als Erstes durchschnitt die Stimme ihrer Stiefmutter die Stille des Hauses.
„Elara! Komm her!“
Elara ging in die Eingangshalle. Ihr Vater stand nahe der Tür, sein Gesicht blass. Ihre Stiefmutter, Lady Ines, stand neben ihm, die Arme verschränkt. Und hinter ihnen, halb verborgen, wie sie es in solchen Momenten immer war, stand Sera. Ihre Stiefschwester. Siebzehn Jahre alt, mit einem sanften Gesicht und in blauer Seide gekleidet, die wahrscheinlich mehr gekostet hatte als alles, was Elara in ihrem Schrank besaß.
Ein Mann in dunkler Rüstung stand direkt hinter der Tür. Ein königlicher Bote. Elara erkannte das Wappen auf seiner Brust – einen schwarzen Wolf auf rotem Grund. Das Zeichen von König Draven.
Ihr Magen verkrampfte sich.
„Was ist passiert?“, fragte Elara.
Ihr Vater antwortete nicht. Stattdessen sah er den Boten an, als hoffte er, der Mann würde diesmal etwas anderes sagen.
Der Bote blinzelte nicht. „König Draven hat seine Forderung übermittelt. Eine Braut von adligem Blut muss innerhalb von sieben Tagen zu seinem Schloss gebracht werden. Dies ist das letzte Jahr des Vertrages. Wird keine Braut geschickt, endet der Waffenstillstand und der Krieg beginnt erneut.“
Elara hatte ihr ganzes Leben davon gehört. Von der hundertjährigen Rivalität zwischen ihrem Königreich und Dravens Reich. Von dem alten Krieg, der beinahe beide Seiten zerstört hatte. Von dem Vertrag, der den Frieden bewahrte und alle zehn Jahre mit einer Braut aus einem Adelshaus bezahlt wurde.
Sie hatte nie gedacht, dass es einmal an ihre Tür kommen würde.
„Warum wir?“, fragte Lady Ines scharf. „Es gibt andere Adelsfamilien.“
„Euer Haus ist als Nächstes an der Reihe“, sagte der Bote. „Der König hat bereits drei Bräute in Säcken zurückschicken lassen. Vielleicht wählt Ihr diesmal eine Tochter, deren er nicht so schnell überdrüssig wird.“
Die Worte trafen wie eine Ohrfeige. Lady Ines zuckte zusammen. Sera stieß einen kleinen Laut aus und griff nach dem Ärmel ihrer Mutter.
„Er hat sie getötet“, flüsterte Sera. „Alle drei.“
„Niemand weiß das mit Sicherheit“, sagte ihr Vater, doch seine Stimme zitterte.
Elara stand dort, für einen Moment vergessen, so wie sie es in diesem Haus meistens war. Sie sah, wie der Blick ihrer Stiefmutter zu Sera wanderte und dann panisch wieder zur Seite wich. Sie sah, wie sich der Kiefer ihres Vaters anspannte.
Sie wusste bereits, was kommen würde. Sie hatte es gewusst, seit sie zwölf war und ihre leibliche Mutter gestorben war und ihr Vater innerhalb eines Jahres wieder geheiratet hatte. Sie hatte es jedes Mal gewusst, wenn sie beim Abendessen die kleinere Portion, das ältere Kleid oder das Zimmer am hinteren Ende des Hauses bekam, in das kaum Sonne fiel.
Sie war die Erstgeborene. Aber sie war nie diejenige gewesen, die zählte.
„Sera kann nicht gehen“, sagte Lady Ines leise, als würde sie laut denken. „Sie ist zu jung. Zu sanft. Sie würde mit einem Mann wie ihm keine Woche überleben.“
„Der Vertrag verlangt eine Tochter von adligem Blut“, sagte der Bote. „Er bestimmt nicht, welche.“
Stille legte sich über die Halle.
Elara spürte den Blick ihres Vaters auf sich. Dann den ihrer Stiefmutter. Sie sah, wie sich die Idee auf ihren Gesichtern formte, bevor einer von ihnen ein Wort sagte.
„Elara ist älter“, sagte Lady Ines langsam. „Stärker. Sie könnte … sie könnte an Sera Stelle gehen. Unter Seras Namen. Der König hat noch keine unserer beiden Töchter gesehen. Er würde den Unterschied nicht bemerken.“
„Ines …“, begann ihr Vater.
„Es ist der einzige Weg“, unterbrach sie ihn. „Wir können Sera nicht verlieren. Du weißt, dass wir das nicht können.“
Elara sah ihren Vater an und wartete darauf, dass er widersprach. Darauf, dass er sagte: Nein, nicht meine Tochter, keine meiner Töchter. Stattdessen sah er auf den Boden.
Das sagte ihr alles.
„Ich gehe“, sagte Elara.
Alle drehten sich zu ihr um, überrascht, als hätten sie vergessen, dass sie selbst sprechen konnte.
„Ich sagte, ich gehe“, wiederholte sie. „Als Sera. Unter ihrem Namen. Ihr müsst mich nicht zweimal fragen.“
Sie war nicht mutig. Nicht wirklich. Sie war müde. Müde davon, die Tochter zu sein, die niemand behalten wollte, die zuletzt aß und am wenigsten beachtet wurde. Wenn sie ohnehin fortgegeben werden sollte, wollte sie lieber selbst entscheiden als jemand anderen die Entscheidung überlassen.
Seras Augen füllten sich mit Tränen, doch Elara konnte nicht erkennen, ob es Erleichterung oder Schuld war. Vielleicht beides.
„Danke“, sagte Lady Ines, und für einen seltsamen Moment klang sie beinahe aufrichtig. „Du wirst es nicht bereuen, Elara.“
Elara bezweifelte das sehr. Aber sie nickte trotzdem, weil es nichts mehr zu sagen gab.
Die nächsten sieben Tage vergingen gleichzeitig schnell und langsam.
Schnell, weil so viel vorbereitet werden musste – ein neuer Satz Kleider in Seras Größe, die für Elara enger gemacht wurden, ein Crashkurs in Seras Gewohnheiten und Manierismen, eine Geschichte, die so lange eingeübt wurde, bis sie sich beinahe wahr anfühlte. Langsam, weil Elara jede Nacht wach lag und an die Decke starrte, während sie an die drei Bräute dachte, die nie nach Hause zurückgekehrt waren.
Niemand sprach wirklich darüber, wie sie gestorben waren. Nur geflüsterte Gerüchte. Eine war innerhalb eines Monats verschwunden. Eine andere war in den Schlossgärten gefunden worden, kalt und reglos, ohne eine sichtbare Verletzung. Die dritte, so hieß es, hatte versucht zu fliehen und war nicht einmal bis zu den Toren gekommen.
Elara war nicht töricht genug zu glauben, dass es bei ihr anders sein würde, nur weil sie überleben wollte. Aber sie war auch nicht der Mensch, der sich einfach zusammenrollte und aufgab, ohne es zu versuchen.
Am Morgen ihrer Abreise weinte niemand aus ihrer Familie. Ihr Vater umarmte sie steif an der Tür und sagte ihr, sie solle vorsichtig sein, als würde sie nur zum Markt gehen. Lady Ines drückte ihr einen kleinen Beutel mit Münzen in die Hand und sagte überhaupt nichts. Sera stand in der Nähe und rang die Hände.
Elara sah sich ein letztes Mal im Haus um – die abgenutzten Treppen, die Küche, in der sie mehr Stunden verbracht hatte als irgendwo sonst, das kleine Fenster in ihrem Zimmer, durch das kaum Licht fiel. Ihr ganzes Leben lang hatte sie sich hier wie ein Gast gefühlt, der zu lange geblieben war. Fortzugehen fühlte sich nicht wie ein Verlust an. Es fühlte sich an, als dürfe sie endlich eine Tür schließen, vor der sie jahrelang gestanden hatte.
„Es tut mir leid“, sagte Sera leise, als ihre Eltern sich abgewandt hatten. „Ich weiß, dass das nicht fair ist.“
„Nein“, stimmte Elara zu. „Das ist es nicht.“
„Hast du Angst?“
Elara dachte daran zu lügen. Sie tat es nicht. „Ja.“
Sera sagte nichts mehr. Es gab nichts mehr zu sagen.
Die Kutsche, die sie abholte, war schwarz und wurde von vier schwarzen Pferden gezogen. Auf der Tür war das Wolfwappen gemalt. Der Kutscher sprach kein Wort. Elara stieg allein ein und beobachtete durch das Fenster, wie das Haus ihrer Familie immer kleiner wurde, bis die Straße eine Kurve machte und es vollständig verschwand.
Sie atmete aus, als hätte sie sieben Tage lang die Luft angehalten.
Was auch immer als Nächstes geschehen würde, wenigstens würde es anders sein. Wenigstens würde sie dieses eine Mal jemand wirklich ansehen müssen.
Im Laufe der folgenden Monate kehrte das Königreich zu seinem gewohnten Alltag zurück. Edmunds stille Inhaftierung beendete die Piratenüberfälle an der Küste vollständig. Die Handelsrouten wurden wieder sicher, und die Kaufleute konnten erneut ohne Angst vor organisierten Angriffen reisen.Wren setzte ihre Ausbildung mit neuer Entschlossenheit fort. Pemberton nahm sie unter seine sorgfältige Anleitung und unterrichtete sie in Fragen des Handels und der Diplomatie. Elara und Draven vermittelten ihr weiterhin die umfassenderen Lektionen der Staatsführung, die man nur durch jahrelange Erfahrung wirklich verstehen konnte.Aldric, inzwischen neun Jahre alt, hatte endlich seinen lang ersehnten Schwertunterricht erhalten. Nach monatelangem, beharrlichem und charmantem Bitten hatte Hauptmann Reeve schließlich nachgegeben. Draven bestand jedoch darauf, die ersten Unterrichtsstunden persönlich zu überwachen. Er wollte die Sicherheit seines Sohnes nicht vollständig dem Urteil eines anderen überl
Edmunds Verhaftung verlief ruhig und ohne das öffentliche Aufsehen, das einst Cassians Sturz begleitet hatte. Draven und Elara waren sich einig, dass eine besonnene, private Lösung der anhaltenden Stabilität des Königreichs besser dienen würde als ein aufsehenerregender öffentlicher Prozess, der alte Wunden aus dem Thronfolgestreit wieder aufreißen könnte.„Er wird offiziell bestraft werden“, erklärte Draven dem Rat, nachdem Wrens Ermittlungen ordnungsgemäß abgeschlossen worden waren. „Ihm werden sein bescheidener Adelstitel und seine Besitztümer aberkannt. Außerdem wird er für einen Zeitraum inhaftiert, der dem angerichteten Schaden angemessen ist. Da die Angelegenheit Lord Pembertons Familie unmittelbar betrifft, werden wir jedoch mit der nötigen Zurückhaltung vorgehen.“Pemberton, der an der Ratsbesprechung teilnahm, wirkte sichtlich erleichtert über diesen maßvollen Ansatz.„Ich danke Euch für diese Rücksichtnahme“, sagte er. „Ich werde nicht so tun, als hätte Edmund keine Bestraf
Das Anwesen von Edmund Vane lag in einer ruhigen, unscheinbaren Ecke des Königreichs. Im Vergleich zu den prächtigen Besitzungen bedeutenderer Adliger war es eher bescheiden. Doch als sich ihre kleine Gruppe dem Anwesen näherte, bemerkte Wren einige unauffällige Anzeichen kürzlich durchgeführter Renovierungsarbeiten. Sie deuteten auf finanzielle Mittel hin, die weit über das hinausgingen, was die offiziellen Einkünfte des Anwesens vernünftigerweise hätten ermöglichen können.Sie fanden Edmund in seinem Arbeitszimmer. Er war ein schlanker Mann mit scharfen Augen und wies eine gewisse Ähnlichkeit mit Pemberton auf, obwohl ihre Beziehung offenbar seit Jahren von deutlicher Feindseligkeit geprägt war. Sein Gesichtsausdruck wechselte von höflicher Verwirrung zu vorsichtiger Beunruhigung, als er erkannte, welche Bedeutung die Delegation hatte, die vor seiner Tür erschienen war.„Cousin“, sagte er vorsichtig und erhob sich von seinem Schreibtisch. „Ich muss gestehen, dass mich dieser Besuch
Die Ermittlungen kamen in den folgenden Wochen nur langsam voran. Wren und Tomas arbeiteten sich systematisch durch die Unterlagen aller Adelsfamilien, die möglicherweise einen Groll gegen Pembertons Aussöhnung mit der Krone hegten. Gleichzeitig verglichen sie Finanzunterlagen miteinander und suchten nach ungewöhnlichen Ausgaben, die auf eine Finanzierung der bereits aufgedeckten Operation an der Küste hindeuten könnten.Schließlich war es Tomas, der die entscheidende Spur entdeckte. Es war spät am Abend im Archiv, als sein aufgeregter Ausruf Wren von ihrer eigenen sorgfältigen Durchsicht der Schiffsregister aufschrecken ließ.„Hier!“, sagte er und deutete auf einen alten Finanzbericht. „Ein Darlehen, das vor drei Jahren von Lord Pembertons jüngerem Cousin, Edmund Vane, aufgenommen wurde. Als Sicherheit dienten seine bescheidenen Ländereien. Die Summe entspricht fast genau dem Betrag, den wir für die Finanzierung der Operation an der Küste berechnet haben.“Wren betrachtete den Eintra











