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Kapitel 3

Autor: Warmwort
Zoe stand mit ihrem Reisekoffer vor der Wohnung ihrer besten Freundin Hanna Bauer.

Sie hob die Hand, klopfte leise an die Tür und trat dann beiseite, um schweigend zu warten.

Sowohl Hanna als auch sie waren Waisen und zusammen im Waisenhaus aufgewachsen – man konnte sagen, sie waren einander wie Schwestern.

Sie erinnerte sich daran, wie Hanna zu ihr gesagt hatte, als sie damals von Leo abgeholt wurde: „Zoe, wenn er dich eines Tages nicht mehr will, vergiss nicht, dass du hierher zurückkommen kannst.“

Erst diese Worte hatten Zoe den nötigen Mut gegeben, Leos Haus nicht anzunehmen.

Hanna öffnete schnell die Tür. Als sie Zoe erkannte, brach sofort ein Strahlen über ihr Gesicht.

„Zoe, was machst du denn hier?“

Zoes Griff um den Teleskopgriff des Koffers verstärkte sich, und sie sagte etwas verlegen: „Hanna, ich bin hier, um bei dir unterzukommen.“

Erst jetzt bemerkte Hanna den Koffer in ihrer Hand, und ihr Lächeln erstarrte augenblicklich. „Was ist passiert?“

Zoe tat so, als wäre nichts, und lächelte gleichmütig: „Ich habe mich von ihm getrennt.“

Hanna stockte kurz und blickte zu Zoe, die mühsam ihr Lächeln aufrechterhielt.

Ihr gesicht, nicht größer als eine Handfläche, war so abgemagert, dass sich ihre Augenhöhlen vertieft hatten und ihre Haut fahl wirkte.

Und ihre Gestalt, die in dem kalten Wind stand, wirkte so schutzlos wie ein Blatt Papier.

Als Hanna Zoe so sah, durchzuckte sie ein Stich im Herzen.

Sie zog Zoe sofort fest an sich und umarmte sie. „Sei nicht traurig, du hast immer noch mich.“

Bei diesen Worten füllten sich Zoes Augen sofort mit Tränen.

Sie erwiderte Hannas Umarmung und klopfte ihr sanft auf den Rücken. „Mir geht's gut, mach dir keine Sorgen.“

Hanna wusste, dass sie sie nur beruhigen wollte.

Wie sehr Zoe Leo geliebt hatte, das hatte sie doch mit eigenen Augen gesehen.

In den letzten fünf Jahren hatte Zoe wie besessen gearbeitet, um die eine Million Euro zusammenzubekommen und Leo zurückzahlen zu können.

Töricht glaubte sie, sie könnte so Leos Eindruck von ihr ändern.

Am Ende war sie doch von Leo erbarmungslos verlassen worden.

Plötzlich erinnerte Hanna sich an jene regnerische Nacht vor fünf Jahren...

Hätte Zoe sich nicht für Paul Lehmann verkauft, hätte sie Leo nie kennengelernt.

Dann würde ihre Zoe heute sicherlich ein glückliches Leben führen.

Doch leider ließ sich nichts mehr rückgängig machen...

Zoe wollte nicht, dass Hanna sich mit ihr leiden sollte, schob sie deshalb sanft von sich, lächelte ihr zart zu und sagte: „Willst du mich denn gar nicht bei dir aufnehmen? Lässt mich die ganze Zeit hier draußen im kalten Wind stehen, ich erfriere ja fast!“

Als Hanna sah, dass Zoe immer noch so stark war wie eh und je, beruhigte sie sich allmählich.

Sie war überzeugt, dass Zoe rasch darüber hinwegkommen würde. Für Kinder wie sie, die niemand wollte, gehörte Verlassenwerden schon fast zum Alltag.

Solange man am Leben blieb, gab es nichts, was man nicht überwinden konnte.

Bei diesem Gedanken fühlte Hanna sich etwas besser. Sie nahm Zoes Koffer und zog sie mit in die Wohnung. „Von nun an sagst du nie wieder so etwas wie unterkommen! Das hier ist dein Zuhause, du bleibst so lange du willst!“

Danach drehte sie sich um, holte einen sauberen Schlafanzug und reichte ihn Zoe. „Geh duschen, ich mache dir was Leckeres zu essen. Danach schläfst du dich richtig aus. Und an nichts anderes denkst du, klar?“

Zoe nahm den Schlafanzug entgegen und nickte gehorsam. „Okay.“

Hanna war immer so zu ihr, bedingungslos gut, wie ein Lichtstrahl, der ihr Leben erwärmte.

Nur leider würde das Endstadium ihrer Herzschwäche ihr bald schon das Leben nehmen.

Wenn Hanna wüsste, dass sie bald diese Welt verlassen würde, würde sie sicherlich weinen.

So eine gutherzige, sanfte Seele – sie wollte nicht, dass sie weinte.

Sie blickte zu der geschäftigen Silhouette in der Küche, ging langsam auf sie zu und sagte: „Hanna, ich will kündigen.“

Hanna nickte zustimmend: „Du hast dir die Pause verdient. In den letzten Jahren hast du dich für ein bisschen Überstundenlohn völlig verausgabt. Kündige sofort und ruhe dich hier zu Hause richtig aus. In Zukunft übernehme ich das Geldverdienen!“

Zoe war ergriffen und erwiderte leise „Gut“, bevor sie sich mit tränen in den Augen zum Badezimmer ging.

Das Schicksal hatte sie noch nie begünstigt.

Da der Abschied nun einmal unvermeidlich war, wollte sie diese letzten drei Monate an Hannas Seite verbringen.

Am nächsten Morgen schminkte sie sich sorgfältig, überdeckte ihre blasse Gesichtsfarbe mit einer dicken Schicht Puder und machte sich auf den Weg zur Firma, um zu kündigen.

Kaum hatte sie an ihrem Arbeitsplatz gesetzt und wollte gerade den Kündigungsantrag schreiben, da rollte ihre Kollegin Lina Vogt schon auf ihrem Stuhl heran.

„Zoe, hast du schon die E-Mails gesehen?“

Zoe schüttelte den Kopf. Am Wochenende war sie von Leo abgeholt worden, da hatte sie keine Zeit für E-Mails gehabt.

Lina informierte sie eilig: „Frau Emilia Roth hat eine Ernennungsmitteilung verschickt. Angeblich wird die Tochter des Aufsichtsratsvorsitzenden heute die Position der CEO übernehmen.“

Zoe hatte keinerlei Eindruck von der Tochter des Aufsichtsratsvorsitzenden und interessierte sich folglich nicht dafür. Sie würde ja kündigen, da war ihr gleichgültig, wer die neue Position bekam.

Lina hingegen schien sehr interessiert und mit Klatsch gesättigt: „Sie sei gerade erst aus dem Ausland zurückgekehrt. Obwohl sie einen Doktor in Betriebswirtschaftslehre habe, fehle es ihr an praktischer Erfahrung. Gleich als CEO anzufangen – habe sie keine Angst vor Lästereien?“

Sophie Kramer, die neben Lina saß, schnaubte verächtlich. „Wer sollte es wagen, über sie zu lästern? Sie ist doch Herr Brandts erste Liebe.“

Bei den Worten „Herr Brandt“ stockte Zoes Finger, der gerade die Maus hielt.
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  • Herr Brandt, lass Frau Engel los   Kapitel 30

    Hanna wollte Zoe daran hindern, den Koffer zu schließen, doch Zoe schob ihre Hand beiseite.„Zoe, warum bist du nur so stur?“, seufzte Hanna resigniert.Nachdem Zoe den Koffer verriegelt hatte, drehte sie sich um, schlang den Arm um Hanna und schmiegte sich mit kindlicher Vertrautheit an sie:„Du hast dich immer um mich gekümmert, und ich konnte dir nie etwas zurückgeben. Sieh es einfach als den aufrichtigen Wunsch deiner kleinen Schwester an.“Hanna war immer noch nicht einverstanden. Zoe lebte selbst in schwierigen Verhältnissen – wie konnte sie nur ihr Geld annehmen?Doch Zoe bestand darauf. Schließlich nahm Hanna die Karte widerstrebend an – in dem stillen Entschluss, sie vor ihrem Auszug heimlich zurückzulegen.Dieses mühsam ersparte Geld konnte sie einfach nicht behalten.Später lagen sie gemeinsam in einem Zimmer, in einem Bett, so wie in ihrer Jugend.Mit Gesichtsmasken träumten sie – wie einst – von der Zukunft.Hanna sprach über Zoes Zukunft und meinte, die Trennung von Leo s

  • Herr Brandt, lass Frau Engel los   Kapitel 29

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  • Herr Brandt, lass Frau Engel los   Kapitel 27

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