INICIAR SESIÓNDie Fahrt zu Brodys Wohnung war ruhiger, als er erwartet hatte. Er erwischte sich immer wieder dabei, wie er ihr Profil im vorbeiziehenden Schein der Straßenlaternen beobachtete, die Art, wie sie so gefestigt in ihrem eigenen Raum wirkte, selbst in einer Stadt, die sie erst seit ein paar Stunden kannte. Er wollte noch etwas sagen, etwas, um diesen Faden der überraschenden Ehrlichkeit zwischen ihnen am Leben zu halten, aber er hielt den Mund. Er wusste ganz genau, wann er es cool angehen lassen musste.
Als er seinen F-150 schließlich vor dem Backsteinbau ihres Apartmentkomplexes abstellte, konnte Carter die Spannung bereits durch die Frontscheibe brodeln spüren. Brody wartete draußen am Eingang, die Arme vor der breiten Brust verschränkt. Er sah weniger wie ein professioneller Eishockeyspieler aus als wie ein Mann, der sich auf einen Showdown vorbereitete.
Carter parkte, stellte den schweren V8-Motor ab und drehte sich im gedämpften Licht der Armaturenbrett-Beleuchtung zu ihr um. "Dann mal los."
Er stieg aus, um ihr mit dem Gepäck zu helfen, und begleitete sie bis zur Tür. Mit jedem einzelnen Schritt spürte er Brodys brennenden Blick wie eine physische Wucht auf seinem Rücken. Als sie sich dem Eingang näherten, trat Brody einen Schritt vor, den Kiefer so fest angespannt, als wolle er Zahnschmelz mahlen.
„Du bist spät“, knurrte Brody. Seine dunklen Augen huschten jedoch zuerst besorgt zu Tessa, um sie akribisch auf jegliche Anzeichen von Unbehagen zu scannen. „Und du atmest noch. So viel rechne ich dir an.“
Sie bewegten sich zum Aufzug.
„Wir haben gegessen, Bro. Entspann dich“, sagte Carter und hob beide Hände in gespielter Kapitulation, obwohl seine Augen für einen Schlag zu lange auf Tessa hängen blieben. „Ihr geht’s gut. Besser als gut.“
Brody schoss seinem Abwehrpartner einen Blick zu, der unmissverständlich klarstellte: Ein falscher Schritt und du bist tot.
Der Fahrstuhl öffnete sich mit einem "Ping" und sie stiegen ein. Brody wandte sich an seine Schwester, wobei seine harte Stimme augenblicklich weicher wurde. „Alles klar bei dir? Hat er dich genervt? Hat er irgendwas von der Scheiße versucht, die er sonst abzieht?“
Carter blieb im Hintergrund. Er gab ihnen bewusst Raum, ging aber nicht sofort. Er beobachtete fasziniert, wie mühelos Tessa die beschützende, fast erschlagende Energie ihres Bruders navigierte.
Er trug den Koffer hinter Tessa her, Brody sperrte bereits die Tür auf und lies Tessa als erste eintreten. Carter schwenkte das Gepäckstück und folgte ihr. Er kannte diese Wohnung in- und auswendig – er hatte unzählige Nächte hier nach Siegen verbracht, auf der Couch gesessen und Bier getrunken, während sie Spielzüge analysierten –, aber den Raum durch ihre Augen zu sehen, veränderte die gesamte Geometrie der Umgebung. Er wusste, dass sie ab jetzt ihren eigenen Bereich hier hatte, ihr ganz persönliches Heiligtum innerhalb der Wände seines besten Freundes.
„Ich überlasse euch zwei mal euch selbst“, sagte Carter schließlich und stellte den Koffer am Ende des Eingangsflures ab. Noch einmal fing er Tessas Blick auf. „Versuch heute Nacht nichts zu Belastendes zu zeichnen, ja? Wir sehen uns, Callahan.“
„Ja, klar, du wirst mich sehen. Brody wird mich jede freie Minute mitschleppen. Ihr Jungs sitzt jetzt alle mit den Callahan-Geschwistern fest.“
Carter hielt mitten im Schritt inne, auf halbem Weg zur Tür, und drehte sich mit einem Schmunzeln um, das reine, ungezähmte Ausgelassenheit war. Die Vorstellung, fest mit ihnen zu verschmelzen – dass Tessa zu einer dauerhaften Größe in ihrer chaotischen, lauten, von Schweiß und Eis geprägten Welt wurde –, schickte einen unruhigen Funken direkt durch seine Brust.
„Mit euch festsitzen?“, wiederholte er und neigte den Kopf. „Ist das eine Drohung oder ein Versprechen, Tessa?“
Brody stieß ein tiefes, genervtes Stöhnen aus und rieb sich kräftig über die Schläfen. „Es ist ein Fluch, das ist es. Zwischen ihrer Einstellung und deinem Bullshit brauche ich nach dem Training definitiv mehr als nur Eisbäder.“
Carter ignorierte Brodys Jammern komplett, sein Fokus lag ungeteilt auf ihr. „Ich weiß nicht. Ich glaube, ich könnte verdammt gut damit umgehen. Obwohl ich das Gefühl habe, dass du diejenige sein wirst, die den Laden schmeißt.“
Er gab ihr einen lässigen Zwei-Finger-Salut an die Schläfe, seine Augen blieben einen Sekundenschlag zu lange an den ihren hängen, um noch als rein platonisch durchzugehen.
„Schlaf etwas, Callahan“, rief Carter ihrem Bruder noch zu, als der Aufzug seine Türen wieder öffnete. „Du hast eine lange Woche vor dir.“
Als er vom Parkplatz rollte und der V8 unter ihm brüllte, summte das Adrenalin der Nacht immer noch heiß unter seiner Haut. Er konnte das Bild von ihr in der roten Diner-Nische einfach nicht abschütteln. Carter wusste, er sollte im Kopf den Taktikplan für morgen durchgehen oder an sein Regenerationstraining denken, aber stattdessen fragte er sich bereits, ob sie ihn irgendwann einmal zeichnen würde.
Drinnen in der Wohnung veränderte sich die Atmosphäre augenblicklich. Die geladene Energie der Sportwelt verblasste.
Brody ließ seine schwere Sporttasche mit einem dumpfen Knall neben der Tür fallen und trat die Sneaker aus. Er drehte sich zu Tessa um, seine beschützende Haltung lockerte sich nur leicht, während er ihren Gesichtsausdruck eingehend musterte.
„Er war nicht so nervig?“, wiederholte Brody ungläubig, als er ihre Worte verarbeitete. Er warf spöttisch die Hände hoch und tigerte zur Kücheninsel. „Tessa, er ist die wandelnde Definition von nervig! Er ist eine einzige Ablenkung. Der Kerl flirtet sogar mit den Wasserflaschen auf der Bank, wenn sie ihn falsch ansehen.“
Er schnappte sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank, zischte den Deckel ab, nahm einen gierigen Schluck und deutete dann warnend auf sie. „Ich meine das todernst. Lass dich von dieser ‚netter Kerl‘-Nummer nicht täuschen. Er hat dieses... dieses blöde Grinsen, das die Leute glatt vergessen lässt, dass er eine absolute Gefahr ist.“
„Er war ein bisschen überrascht, dass ich überhaupt kein Interesse daran hatte, mich von ihm anflirten zu lassen“, meinte Tessa ruhig, während sie die ersten Taschen aufhob und in Richtung des Flurs trug. „Wann gehst du morgen zur Eishalle? Ich würde gerne als Erstes am Morgen eine Runde skaten, bevor ihr euch aufwärmt und dann gehe ich wieder." Sie wuchtete den Koffer in Richtung des Zimmers, das Brody für sie renoviert hatte. "Er war nett. Hat gesagt, ich bin nicht nur ein Nerd, und hat gefragt, was ich studiere. Nichts Wildes.“
Brody hielt mitten im Griff nach seinem Smartphone inne und erstarrte in der Bewegung. Er drehte sich langsam um und kniff argwöhnisch die Augen zusammen. „Er hat gefragt, was du studierst? Das ist... verdächtig normales Verhalten für Carter Vance. Bist du sicher, dass er im Training keine Gehirnerschütterung kassiert hat? Hat er sich den Kopf gestoßen?“
Er ging rüber zur Kücheninsel und lehnte sich mit den Unterarmen dagegen, während er beobachtete, wie sie sich in ihrem neuen Zimmer einrichtete. „Und seit wann gehst du vor dem Aufwärmen der Profis in die Eishalle?“, fragte er, obwohl sich ein unvermeidbarer Hauch von brüderlicher Zustimmung in seine Stimme stahl. „Die meisten normalen Menschen hassen den Geruch von eisiger Luft und abgestandenem Schweiß so früh am Morgen.“
Bei dem Wort ‚nett‘ stieß Brody ein kurzes Geräusch aus, das irgendwo zwischen einem Lachen und einem Schnauben lag. „Nett ist seine Standardeinstellung, wenn er versucht, dir was zu verkaufen, Tessa. Sei vorsichtig. Er ist in der Tat ein Verkäufer.“
Doch die scharfe, beschützende Spitze in seiner Stimme hatte sich bereits merklich abgenutzt. Wenn Carter tatsächlich versuchte, sich wie ein anständiger Mensch zu benehmen (selbst wenn es nur grundlegende Anstandsregeln waren), war das ein kleiner Sieg.
„Aber gut, geh skaten“, sagte Brody schließlich und winkte auf seinem Display abtippend ab. „Die Arena öffnet um sechs. Ich bin um 07:30 Uhr da zum Aufwärmen. Wenn du um die Zeit da bist, bist du wahrscheinlich allein mit den Eistechnikern. Da ist es normalerweise sehr ruhig.“
Er hielt inne und sah zu, wie sie im Flur zu ihrem neuen Zimmer verschwand. „Und hey“, rief er ihr hinterher, sein Tonfall wieder spürbar ernster. „Aber wenn du dahin gehst in der Hoffnung zu sehen, ob er tatsächlich so ‚interessant‘ ist, wie du denkst... denk einfach daran, wer dein Bruder ist.“
Er wartete geduldig, bis er das deutliche Klicken ihrer Zimmertür hörte, bevor er sich mit einem tiefen Seufzer auf die Couch fallen ließ. „Großartig.“
Die Fahrt zu Brodys Wohnung war ruhiger, als er erwartet hatte. Er erwischte sich immer wieder dabei, wie er ihr Profil im vorbeiziehenden Schein der Straßenlaternen beobachtete, die Art, wie sie so gefestigt in ihrem eigenen Raum wirkte, selbst in einer Stadt, die sie erst seit ein paar Stunden kannte. Er wollte noch etwas sagen, etwas, um diesen Faden der überraschenden Ehrlichkeit zwischen ihnen am Leben zu halten, aber er hielt den Mund. Er wusste ganz genau, wann er es cool angehen lassen musste.Als er seinen F-150 schließlich vor dem Backsteinbau ihres Apartmentkomplexes abstellte, konnte Carter die Spannung bereits durch die Frontscheibe brodeln spüren. Brody wartete draußen am Eingang, die Arme vor der breiten Brust verschränkt. Er sah weniger wie ein professioneller Eishockeyspieler aus als wie ein Mann, der sich auf einen Showdown vorbereitete.Carte
Er fing den Blick der Kellnerin ein, bedeutete ihr mit zwei Fingern, ihnen schon vorab Wasser zu bringen, bevor er sich wieder zu ihr drehte. „Und mach nicht dieses Ding, wo du es abtust. ‚Ich bin nur ein Nerd‘ sagen Leute, wenn sie Angst haben, dass jemand denkt, sie wären zu intensiv bei dem, was sie lieben.“Er stieß einen langsamen Atemzug aus. „Ich verstehe das eigentlich. Beim Eishockey denken die Leute, es sei nur im Kreis laufen und sich gegenseitig umhauen. Sie sehen nicht die Mechanik, das Timing, die Art, wie du die Körpersprache von jemandem lesen musst, bevor er überhaupt weiß, dass er einen Spielzug macht. Es ist technisch. Es ist präzise. Es ist... nun ja, es ist Kunst auf seine eigene, abgefuckte Art.“Er grinste, die Goldsprenkel in seinen Augen fingen das bernsteinfarbene Licht ein. „Außerdem, wenn du auf Animation und Manga stehst, hast du ein besseres Verständnis für visuelles Storytelling als die Hälfte der Leute, mit denen ich in der PR zusammenarbeite. Die krieg
„Ich bin überrascht, dass Brody dich gefragt hat. Danke für die Fahrt jedenfalls.“Carter entging die vorsichtige Distanz in ihrer Stimme nicht. Die Art, wie sie sich nicht auf die lockere Freundlichkeit einließ, die er ihr anbot. Die meisten Mädels hätten das Kompliment der Fahrt angenommen oder ihn zumindest gefragt, wie die Vorbereitung auf die Saison bei den Huskies lief. Sie klang, als würde sie eine geschäftliche Transaktion akzeptieren, um die sie nicht unbedingt gebeten hatte.Er spürte das Gespenst eines Lächelns an seinen Mundwinkeln zucken. Kein echtes Lächeln, sondern die Sorte, die er benutzte, wenn jemand seinen Bluff durchschaute.„Überrascht, huh?“, fragte er und führte sie durch die automatischen Schiebetüren. Die klirrende Kälte von Minneapolis schlug ihnen sofort entgegen, aber er behielt seinen entspannten Schritt bei und hetzte sie nicht. „Was dachtest du denn? Dass er dir eine Limousine mit einem Fahrer im Anzug schickt? Oder hatte er Angst, ich verliere dich im
Dienstag. 16:06 Uhr. Minneapolis International Airport. Ankunftsterminal.Carter Vance stand mitten im dicht gedrängten Terminal und hielt ein Stück Pappkarton in der Hand, auf dem Tessas Name stand. Die Handschrift war absolut schrecklich.Er kippte das Schild. Blinzelte. Kippte es in die andere Richtung.„Jep“, murmelte er. „Auf den Punkt getroffen.“Brodys Stimme dröhnte ihm noch von vor zwei Stunden im Kopf herum, dieser spezielle Tonfall, den sein Verteidigungspartner aufsetzte, wenn er etwas von einem wollte, einen aber gleichzeitig nicht bedrohen wollte.„Meine Schwester landet um vier. Kannst du sie abholen?“Carter hatte nur mit den Schultern gezuckt. „Klar. Wusste gar nicht, dass du eine Schwester hast.“Eine Pause, die einen Schlag zu lange gedauert hatte.„Sie ist jünger.“„Okay.“Noch eine Pause. Schwerer.Dann war Brodys Stimme in etwas abgeglitten, das Carter fast nie von ihm hörte. Todernst, ohne jede Wärme, ohne jeden Spielraum.„Carter.“„… Ja?“„Sie. Ist. Meine. Sch
EYOND THE RINK – Das Buch-Universum & Charakter-GuideHerzlich willkommen in der eiskalten, hochgradig kompetitiven Welt von Beyond the Rink!Dieses Info-Kapitel bietet dir eine komplette Übersicht über das Setting, das Franchise der Minnesota Huskies, die Spielregeln und alle wichtigen Charaktere, die in Band 1 (Thin Ice) und den folgenden Bänden den Ton angeben.❄️ Das Setting: Minneapolis & North State UniversityDie Stadt: Minneapolis, Minnesota („The State of Hockey“). Eiskalte, harte Winter mit eisigen Winden, Schneestürmen und Flutlichtatmosphäre.Die Arena: Das Liberty Ice Center – eine hochmoderne Multisport-Arena. Hier trainieren morgens um 06:00 Uhr die Eiskunstläuferinnen des Olympia-Kaders, bevor ab 07:00 Uhr die Profis der Minnesota Huskies das Eis übernehmen. Das Spielfeld hat die internationale Größe und ist rund 30 Meter breit und 61 Meter lang. Das College: Die North State University, eine Renommier-Uni für Spitzenathleten mit D1-Eishockey und Elite-Eiskunstlauf-Pro







