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KAPITEL ZWEI

last update publish date: 2026-06-06 01:38:58

„Ich habe eine Überraschung für dich im Jet“, sagte Data Lawman mit singender Stimme zu ihrem Sohn, als sie gemeinsam die Wohnung verließen. Jetzt, da die angebliche Hochstaplerin verschwunden war, wirkte sie deutlich unbeschwerter.

Mrs. Lawman sah für ihre achtundvierzig Jahre bemerkenswert jung aus. Und als sie ihrem Sohn nun erleichtert zulächelte, wirkte sie sogar noch jünger, weicher und weit weniger einschüchternd.

„Was für eine Überraschung?“, fragte Derek. Nicht, weil es ihn wirklich interessierte, sondern weil er wusste, dass diese Frage von ihm erwartet wurde. Zu seiner eigenen Verwunderung kreisten seine Gedanken jedoch immer noch um Kayla.

Vielleicht lag es daran, dass dieses Kapitel seines Lebens so plötzlich beendet worden war, ohne ihm die Antworten zu geben, nach denen er gesucht hatte. War ihre Schwangerschaft tatsächlich ein Unfall gewesen? Oder hatte sie alles von Anfang an geplant?

Derek hatte durchaus Gründe zu glauben, dass seine Exfrau sich bewusst in sein Leben manövriert hatte. Wirkliche Beweise dafür besaß er allerdings nicht.

„Derek, hörst du mir überhaupt zu?“, fragte seine Mutter mit leichter Verärgerung.

Mit einem ehrlichen Lächeln beugte er sich zu ihr hinunter und küsste ihre blonden Locken.

„Natürlich höre ich zu, Mom. Und außerdem – ich habe dich wirklich vermisst.“

Für einen Moment wurden ihre Augen feucht, doch die Weichheit verschwand ebenso schnell wieder.

„Du hättest niemals zulassen dürfen, dass diese Emporkömmling zwischen unsere Familie gerät. Ich bin so froh, dass diese Farce einer Ehe endlich vorbei ist.“

Im Privatjet der Lawmans saß Lilian Chen und wartete auf ihn, makellos wie ein Gemälde.

Unwillkürlich erschien ein echtes Lächeln auf Dereks Gesicht.

Lilian war seit seinem fünfzehnten Lebensjahr seine Freundin gewesen. Und nun würde sie seine Frau werden.

„Lilian“, sagte er schlicht mit jener tiefen, verführerischen Stimme, die Frauenherzen regelmäßig aus dem Takt brachte. „Es ist schön, dich hier zu sehen.“

„Das Vergnügen liegt ganouz auf meiner Seite“, erwiderte sie mit einem etwas schüchternen Lächeln.

Es fühlte sich vollkommen natürlich an, sie in die Arme zu ziehen und sie zärtlich zu küssen.

Warum also verglich er ihre Leidenschaft unaufhörlich mit Kaylas?

Kayla hatte geküsst, als gäbe es kein Morgen.

Mit Feuer.

Mit Sehnsucht.

Mit etwas, das sich erschreckend echt nach Liebe angefühlt hatte.

Lilian hingegen war zurückhaltender. Kontrollierter. Höflicher.

Ihre Lippen vermochten nichts in ihm zu entfachen.

Derek schüttelte den Kopf, als könnte er die Vergleiche einfach abschütteln.

Das Letzte, was er tun sollte, war an seine Exfrau zu denken, während seine Verlobte in seinen Armen lag.

Doch selbst als er in Lilians kühle grüne Augen blickte, erschien vor seinem inneren Auge immer wieder das Bild seiner blauäugigen Exfrau.

Also tat Derek das Einzige, was ihm in diesem Moment halbwegs vernünftig erschien.

Er zog Lilian erneut an sich und küsste sie noch einmal, diesmal spielerischer und ausgelassener. Danach löste er sich sanft von ihr.

Nachdem er seiner Mutter einen weiteren Kuss auf den Scheitel gedrückt hatte, machte er sich mit dem Handy in der Hand auf den Weg zur Toilette.

Jack Smith, sein Privatdetektiv, nahm bereits nach dem ersten Klingeln ab.

„Ich brauche jemanden, den du für mich beobachtest“, sagte Derek ohne jede Einleitung.

„Schön, auch mal wieder von dir zu hören“, erwiderte Jack lachend.

Der Detektiv hatte sich längst an das gewöhnt, was er gern als „die Eigenheiten der Reichen“ bezeichnete. Höflichkeiten gegenüber Menschen auszutauschen, die sie für gesellschaftlich unter ihnen hielten, stand selten auf deren Prioritätenliste.

Derek musste unwillkürlich grinsen.

„Willst du wissen, wen du beobachten sollst, oder sollen wir stattdessen über Teekultur diskutieren?“

„Ich weiß bereits, wer es ist“, antwortete Jack mit hörbarer Missstimmung. „Deine Exfrau, richtig?“

Derek war nicht überrascht.

Smith war schließlich Privatdetektiv.

„Nachrichten verbreiten sich schnell, was?“

Für einen Augenblick herrschte Schweigen.

Dann sprach Jack wieder.

„Ich finde einfach, dass es schade ist, wie eure Ehe geendet hat. Kayla war etwas Besonderes. Eine von den Guten. Und sie hat dich mit ihrem ganzen Herzen geliebt.“

Derek stieß ein hörbares Schnauben aus.

Geliebt?

Nein.

Sie hatte ihn gewollt.

Und zwischen Liebe und Besitzanspruch bestand ein gewaltiger Unterschied.

Kayla hatte offensichtlich den Derek Lawman gewollt – den Erstgeborenen, den Erben eines Milliardenimperiums.

Wenn sie ihn wirklich geliebt hätte, hätte sie nicht versucht, ihn mit einer Schwangerschaft an sich zu binden.

„Behalte sie einfach im Auge, ja?“

Seine Stimme klang schärfer, als er beabsichtigt hatte.

Noch bevor Jack antworten konnte, legte er auf.

Der Rest der Reise zurück zum Familiensitz in Connecticut verlief angenehm.

In Lilians höflicher Zurückhaltung lag etwas Beruhigendes, fast Musikalisches.

Und als Derek schließlich zu Hause ankam, freute er sich aufrichtig darauf, seine entfremdete Familie wiederzusehen.

„Überraschung!“

Derek drehte sich um.

Ein kicherndes achtzehnjähriges Mädchen stürzte auf ihn zu, schlang ihm die Arme um den Hals und die Beine um die Taille.

Gerade erst war er aus dem Helikopter gestiegen, der direkt auf dem Anwesen der Familienvilla gelandet war.

„Kimberly“, sagte er liebevoll und grinste breit. „Ich dachte, wir hätten vereinbart, dass du mittlerweile zu groß dafür bist?“

„Beschwerst du dich etwa über mein Gewicht?“, fragte das Nesthäkchen der Familie Lawman und zugleich Dereks Lieblingsschwester mit gespieltem Stirnrunzeln.

„Vielleicht solltest du öfter ins Fitnessstudio gehen, wenn du mich nicht mehr problemlos tragen kannst.“

Sein Grinsen wurde noch breiter.

„Darum geht es doch gar nicht –“

„Doch, genau darum geht es nicht“, fiel sie ihm ins Wort. „Wichtig ist nur, dass ich dich vermisst habe – wir alle haben das. Und ich bin

so froh, dass diese Hochstaplerin Kayla endlich aus unserem Leben verschwunden ist. Jetzt kann endlich wieder alles normal werden.“

I've continued it in the same style and tone as the previous German translation, preserving the emotional subtext and narrative flow rather than translating literally.

Derek runzelte leicht die Stirn.

Kimberly hatte recht.

Kayla war nichts weiter als eine Hochstaplerin gewesen. Ein dunkles Kapitel seines Lebens, das endlich abgeschlossen war.

Warum zog sich dann sein Herz jedes Mal schmerzhaft zusammen, sobald ihr Name fiel?

„Hey, Bruderherz.“

Helen, das mittlere Kind der Familie, begrüßte ihn mit einem spielerischen Schlag gegen die Brust, kaum dass er das Haus betreten hatte. Im selben Moment erklangen aus allen Richtungen höfliche Stimmen.

„Überraschung!“

Auf Dereks Gesicht breitete sich ein müheloses Lächeln aus, doch sein Blick blieb auf seiner Schwester hängen – seiner langjährigen Komplizin.

„Ich sehe schon, Mom hat wirklich keine Mühen gescheut, um den verlorenen Sohn willkommen zu heißen.“

Helen warf ihm einen ernsten Blick zu.

„Dad war derjenige, der das angeordnet hat.“

Derek hielt inne.

Für einen Moment wusste er nicht, was er sagen sollte.

Sein Vater war der kühlste, unnahbarste Mensch, den er je kennengelernt hatte. Wenn der alte Mann offen zeigte, wie sehr er seinen Sohn zurückhaben wollte, musste ihn das Ganze stärker mitgenommen haben, als Derek angenommen hatte.

„Genug nachgedacht!“, fuhr Helen ihn an und stieß ihm dabei spielerisch den Ellbogen in den Arm. „Komm und begrüß den Rest dieses verrückten Haufens.“

„Onkel George!“

Derek begrüßte den rundlichen älteren Bruder seiner Mutter, klopfte seinen Onkeln auf den Rücken und küsste seinen Tanten sowie seinen Cousinen zur Begrüßung die Wange.

Die Feier kam schnell in Gang.

Es wurden Trinksprüche ausgesprochen, während ein kleines Live-Orchester dezent in einer Ecke des Ballsaals spielte.

Derek fühlte sich ein wenig eingerostet.

Sein plötzliches Zurückkehren in diese Welt hatte etwas Seltsames.

Er lächelte an den richtigen Stellen.

Stellte die passenden Fragen.

Küsste Babys auf die Stirn.

Und machte den Damen Komplimente über ihre Frisuren.

Alles verlief reibungslos.

Perfekt sogar.

Und dennoch konnte er das Gefühl nicht abschütteln, dass irgendetwas nicht stimmte.

Dann erhob sich sein Vater.

Sofort richteten sich sämtliche Blicke auf den Gründer und alleinigen Eigentümer von Lawman Enterprises.

Mit achtundsiebzig Jahren war er gut dreißig Jahre älter als seine Frau.

Ein großer, hagerer Mann mit leicht gebeugten Schultern.

Abgesehen von seiner offensichtlich teuren Kleidung hätte man ihn beinahe für einen gewöhnlichen alten Herrn halten können.

Bis man ihm in die Augen sah.

In diesen würdevollen grauen Augen lag noch immer jener eiserne Wille, mit dem er einst sein Imperium aufgebaut hatte.

Ein Blick genügte, und der gesamte Ballsaal hing an seinen Lippen.

„Ich möchte einen Toast aussprechen“, sagte er schließlich mit seiner tiefen, kraftvollen Stimme, die der seines Sohnes erstaunlich ähnlich war.

„Auf die Familie. Auf die Ehre. Auf Disziplin. Und vor allem auf das Glück. Denn Glück ist wichtig.“

Nach diesen unerwarteten Worten breitete sich Stille im Raum aus.

Erst als Mrs. Lawman ihr Glas gegen das ihrer Tochter Kimberly hob, löste sich die Spannung.

Derek spürte dieses unangenehme Ziehen in seiner Brust erneut.

Sein Vater hatte ihm direkt in die Augen gesehen, als er das Wort Glück ausgesprochen hatte.

Konnte er mit Lilian jemals glücklich werden?

So glücklich, wie er einst mit Kayla gewesen war?

Mr. Lawman stieß noch mit einigen Gästen an, bevor er zielstrebig auf seinen Sohn zuging.

„Komm. Wir rauchen draußen eine Zigarre.“

Seine Stimme klang rau.

Derek runzelte leicht die Stirn.

Die Gesundheit seines Vaters machte ihm plötzlich Sorgen.

Ohne ein weiteres Wort folgte er ihm nach draußen.

Zigarren rauchen.

Das war seit jeher der geheime Code seines Vaters für: Wir müssen reden.

Kaum waren sie allein, stellte der ältere Mann die Frage.

„Hast du sie geliebt?“

Derek erstarrte.

Natürlich meinte sein Vater Kayla.

Die Frage überraschte ihn.

Obwohl seine Mutter diejenige gewesen war, die ihn enterbt hätte, wenn er Kayla geheiratet hätte, war Derek immer davon ausgegangen, dass sein Vater seine Exfrau ebenso missbilligte.

„Ich vertraue ihr nicht“, antwortete er schließlich.

Ein schwaches, beinahe wehmütiges Lächeln erschien auf dem Gesicht seines Vaters.

Sein Blick verlor sich irgendwo in der Ferne.

„Manchmal ist das so, wenn ein Mann sich verliebt. Die Gefühle machen ihm Angst. Also beginnt er, der Frau zu misstrauen, die sie in ihm auslöst. Er redet sich ein, sie müsse ihn manipuliert haben. Anders kann er sich nicht erklären, warum sie so viel Macht über sein Herz besitzt.“

Derek zuckte innerlich zusammen.

Die Worte trafen gefährlich nah an die Wahrheit.

„Nein.“

Seine Antwort kam schärfer heraus, als beabsichtigt.

„Nein. Ich habe Kayla nie geliebt.“

Sein Vater nickte langsam.

„Das ist gut.“

Dann schwieg er einen Moment.

„Denn das Schlimmste, was ein Mann tun kann, ist die Frau zu verlieren, die er liebt, nur weil er die falschen Entscheidungen getroffen hat.“

Damit war das Gespräch für ihn beendet.

Der ältere Lawman drehte sich um und ging zurück ins Haus.

So einfach entließ er seinen Sohn.

Derek blieb noch lange draußen stehen.

Der warme Sommerwind spielte mit seinen Haaren.

Doch die Worte seines Vaters ließen ihn nicht los.

Hatte er sie geliebt?

Hatte er Kayla geliebt?

Das Klingeln seines Telefons riss ihn aus seinen Gedanken.

Jack Smith.

Schon bevor er abhob, schlug sein Herz unregelmäßig.

„Gibt es Neuigkeiten über Kayla?“

Am anderen Ende der Leitung herrschte einen Moment lang Schweigen.

Dann antwortete Jack mit hörbarem Mitgefühl in der Stimme.

„Sie ist tot. Sie hatte einen Autounfall. Sie hat es nicht geschafft.“

In diesem Augenblick, als die Nachricht sein Herz mit e

inem Schmerz durchbohrte, der alles übertraf, was er jemals empfunden hatte, begriff Derek die Wahrheit.

Er hatte nie aufgehört, Kayla zu lieben.

Doch jetzt war es zu spät.

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