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Ich schenkte ihm seine Freiheit

Ich schenkte ihm seine Freiheit

By:  Glamor PigCompleted
Language: Deutsch
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Am Tag der Scheidungsverhandlung stellte der Richter die üblichen Fragen. „Sie sind erst seit drei Jahren verheiratet. Sind Sie sicher, dass Ihre Ehe endgültig gescheitert ist?“ Ich zwang mich zu einem bitteren Lächeln, zog meinen Ehering ab und legte ihn auf den Tisch. „Wir waren drei Jahre verheiratet, doch in all diesen drei Jahren waren wir nie wirklich zusammen. Euer Ehren, was ist zwischen uns überhaupt noch übrig?“ Vor unserer Hochzeit waren wir fünf Jahre lang ein Paar gewesen. Mein Name stand ganz oben in seinem WhatsApp. Ich war seine Notfallkontaktperson. Sogar in seiner Lebensversicherung war ich als Begünstigte eingetragen. Ich hatte geglaubt, den richtigen Mann geheiratet zu haben. Doch an unserem Hochzeitstag erhielt er einen Anruf, und sein Gesicht wurde augenblicklich kreidebleich. Als ich ihn fragte, was passiert sei, sagte er nur, seine Mutter sei krank. Er ließ alles stehen und liegen und buchte sofort einen Flug zurück in seine Heimatstadt. In den folgenden drei Jahren schickte er mir jeden Tag Fotos von seinen drei Mahlzeiten. Doch auf keinem einzigen war seine Mutter zu sehen. Ich hatte Mitleid mit ihm. Ich bot ihm sogar an, meine Arbeit aufzugeben und mit ihm zurückzugehen, um mich um sie zu kümmern. Er lehnte ab und sagte sanft: „Ich kann nicht zulassen, dass du das für mich tust.“ Vor einem Monat stieß ich im Internet auf den Account einer Krebspatientin. In einem ihrer Vlogs tauchte Orion Young auf. Die Bildunterschrift klang rührend: [Wenn ich aufwache, ist er da. Bei jeder Mahlzeit ist er da. Und seine Hände sind immer da, wenn ich etwas zum Festhalten brauche.] Und was war dann ich? 1.095 Tage lang hatte ich nur mich selbst gehabt. Er hatte mich die ganze Zeit belogen. Der Richter schlug ein letztes Mal mit dem Hammer auf den Tisch und fragte: „Haben Sie Ihre Entscheidung getroffen?“ Entschlossen nickte ich. Das Gericht erklärte unsere Ehe offiziell für beendet. Als ich das Scheidungsurteil in meinen Händen betrachtete, liefen mir endlich die Tränen über das Gesicht. Ich dachte nur: „Orion, ich schenke dir deine Freiheit. Und mir selbst auch.“

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Chapter 1

Kapitel 1

„Ist es vorbei?“

Kaum war ich aus dem Gerichtsgebäude getreten, kam meine Mutter auf mich zu.

„Es ist vorbei.“

„Er ist immer noch nicht erschienen?“

„Nein.“

„Weiß er davon?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Das Gericht hat die öffentliche Bekanntmachung sechzig Tage lang laufen lassen. Niemand konnte ihn erreichen. Ich glaube nicht, dass er Zeit hatte, sie zu sehen.“

Die Stimme meiner Mutter zitterte.

„Alles wegen Natalie?“

„Ja. Damals wurde sie operiert. Sie schwebte zwischen Leben und Tod.“

Meine Mutter wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln.

„Und ... geht es ihr inzwischen besser?“

„Vielleicht.“

„Yvette, du liebst ihn noch immer, oder?“

„Drei Jahre lang hat er sich jeden Tag um jede einzelne ihrer Mahlzeiten gekümmert, ohne auch nur einen Tag auszulassen. Mama, vielleicht gibt es einen Platz für mich in seinem Herzen. Aber für sie gibt es dort ebenfalls einen.“

Die Traurigkeit im Gesicht meiner Mutter vertiefte sich. Sie sagte jedoch nichts mehr.

Vor fünf Jahren hatten wir uns im Krankenhaus kennengelernt.

Damals war Orion bereits der renommierteste Thoraxchirurg der gesamten Provinz.

Und ich war seine Patientin.

Jeden Morgen um acht Uhr führte er die anderen Ärzte bei der Visite an. Sein Blick blieb nie länger auf mir liegen.

Doch jedes Mal ließ er mir ein Bonbon zurück.

„Die Medizin ist ein wenig bitter. Mit einem Bonbon geht es leichter.“

Am Tag meiner Entlassung kam Orion Young allein in mein Zimmer.

„Du bist wieder gesund. Du musst nicht mehr zurückkommen.“

Ich konnte die Enttäuschung in meinen Augen nicht verbergen.

Dann sagte er etwas, das mir vollkommen die Sprache verschlug.

„Du bist jetzt nicht mehr meine Patientin. Darf ich dich zu einem Date einladen?“

Damals wusste jeder im Krankenhaus, dass Orion mich mochte.

Während des Monats, den ich dort verbrachte, tauschte er jeden möglichen Dienst, nur um mich ein weiteres Mal sehen zu können.

Tagelang arbeitete er Tag- und Nachtschicht direkt hintereinander, nur um mir eine einzige Frage stellen zu können:

„Wie fühlst du dich heute?“

Ding.

Die Aufzugtüren öffneten sich. Das Geräusch riss mich aus meinen Erinnerungen.

Als ich zu Hause ankam, leuchtete mein Handy auf. Es war Orion.

Er hatte mir ein Foto geschickt.

Ein Flugticket von South City nach North City.

Abflug: morgen.

Eine Sekunde später kam die nächste Nachricht.

[Schatz, ich komme bald nach Hause!]

Ich stand im Eingangsbereich und starrte lange auf diese Worte.

Im vergangenen Jahr hatte ich eine akute Blinddarmentzündung bekommen.

Auf dem Weg ins Krankenhaus hatte ich ihm eine beinahe identische Nachricht geschickt.

Der einzige Unterschied war, dass meine eine Frage gewesen war.

[Schatz, kannst du nach Hause kommen?]

Mein Handy war den ganzen Tag still geblieben.

Später sah ich ihn in einem der Vlogs von Natalie Sullivan.

Er wirkte angespannt. Die Kamera fuhr langsam zurück, und ich sah, wie er mit großer Sorgfalt Glasur auf einer Torte verteilte.

Er schrieb darauf:

[Alles Gute zum Geburtstag, Natalie. Ich wünsche dir Gesundheit und Glück.]

Drei Jahre.

Und ausgerechnet an dem Tag, an dem ich beschlossen hatte, ihn loszulassen, teilte er mir mit, dass er nach Hause kommen würde.

Ich öffnete die Tür, zog Hausschuhe an und sah mich in der Wohnung um.

Wohin ich auch blickte, überall fanden sich nur Spuren meines eigenen Lebens.

Das einzige Paar Herrenhausschuhe im Schuhschrank war nie aus der Verpackung genommen worden. Seit drei Jahren stand es dort.

Auf dem Balkon hing nur meine Kleidung.

Kaum etwas in dieser Wohnung gehörte ihm.

Und nichts gehörte uns beiden gemeinsam.

Ich öffnete Natalies angeheftetes Video. Es war zugleich ihr meistgeliktes.

Darin zeigte sie das Haus, in dem sie mit Orion in South City lebte.

Unter dem Schuhschrank standen ordentlich zwei Paar Hausschuhe. Eines rosa. Das andere blau.

Die Sohlen des blauen Paars waren bereits glattgelaufen.

Auf dem Balkon hing ihre Kleidung Seite an Seite.

Sie wirkten wie ein verheiratetes Paar.

Dann schwenkte die Kamera in den Garten. Leuchtende, farbenfrohe Blumen füllten den Bildschirm.

Natalie trat mit strahlendem Lächeln ins Bild und stellte sie eine nach der anderen vor.

Rosen, Gänseblümchen, Sonnenblumen und Bougainvillea.

Orion hatte sie alle für sie gepflanzt.

Er brauchte dafür keinen besonderen Anlass. Er wollte sie einfach glücklicher machen.

Im zweiten Jahr unserer Ehe begann auch ich, auf unserem Balkon Blumen zu pflanzen.

Doch er vergaß ständig, sie zu gießen.

Einmal fragte ich:

„Orion, kannst du dir dabei nicht ein bisschen mehr Mühe geben?“

Er antwortete:

„Es sind doch nur Blumen.“

Nur Blumen.

Diese beiden Worte galten offenbar nur mir.

Bei mir hatte es ihn schlicht nie genug interessiert.

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