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Kapitel 3

Author: Glamor Pig
Es klingelte an der Tür.

Orion ging öffnen.

Draußen stand Natalie.

Sie trug ein weißes Kleid und hielt Orions Handy in der Hand. Sie hob es leicht an und winkte damit.

„Warum bist du hier?“

„Ich bringe dir dein Handy zurück. Deine Großmutter hat mich angerufen und gebeten, es vorbeizubringen.“

Orions Ton wurde leicht.

Seine Mundwinkel hoben sich. Sein Lächeln spiegelte beinahe ihres.

In nur drei Jahren wirkten sie bereits wie ein Paar.

Dabei war ich seine rechtmäßige Ehefrau.

Orions Blick fiel auf ihre nackten Schultern. Er runzelte die Stirn.

„Warte hier.“

Er ging an mir vorbei durchs Wohnzimmer und ins Gästezimmer.

Als er zurückkam, hielt er einen Schal in der Hand.

„Ich bringe sie zurück. Geh du schon schlafen“, sagte er zu mir.

„Kommst du wieder?“

„Natürlich.“

Mit geübter Selbstverständlichkeit breitete er den Schal aus und legte ihn Natalie um die Schultern.

Der warme gelbe Stoff war mit kleinen Blumen bedeckt.

Es war Natalies Lieblingsfarbe.

„Der ist schön.“

Natalie lächelte.

„Orion hat ihn gekauft. Er hat einen guten Geschmack. Wenn du das nächste Mal einkaufen gehst, solltest du ihn mitnehmen.“

„Hat er auch dein weißes Kleid ausgesucht?“

„Ja. Gefällt es dir?“

„Ja.“

Eine Woche bevor wir unsere Ehe eintragen ließen, hatte ich ihm gesagt, ich wolle ein weißes Kleid kaufen, und ihn gebeten mitzukommen.

Er hatte immer neue Ausreden gefunden und jedes Mal abgelehnt.

Als ich zu hartnäckig wurde, sagte er:

„Welcher Mann geht schon gern shoppen?“

Offenbar ging er nur für eine andere Frau mit.

Der Aufzug kam.

Orion ging mit Natalie.

Wieder blieb ich allein in der Wohnung zurück.

Nach einer Weile schrieb ich ihm:

[Komm früh nach Hause. Ich muss dir etwas sagen.]

[Was denn? Natalie hat Angst vor der Dunkelheit. Ich komme vielleicht spät zurück. Sag es mir einfach jetzt.]

[Liebst du Natalie?]

[Was redest du da? Sie ist nur eine Freundin.]

[Du gehst mit ihr einkaufen. Du nimmst sie mit zu deiner Großmutter. Aber du warst nie mit mir einkaufen, und du hast mich nie zu deiner Großmutter mitgenommen. Neben mir wirkt sie viel mehr wie deine Frau.]

Einige Sekunden später rief Orion an.

„Darum geht es? Missverstehst du uns wirklich wegen so etwas?“

„Das ist kein Missverständnis.“

„Es ist meine Schuld. Natalie hat mir schon früher gesagt, dass du dich unsicher fühlst. Wir waren drei Jahre getrennt. Ich nehme es dir nicht übel, dass du das falsch verstehst.“

„Das hat sie dir gesagt?“

„Das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass ich dich geheiratet habe. Wir haben noch sehr viel Zeit vor uns. Wir werden immer zusammen sein.“

Seine Stimme wurde dringlicher.

„Natalie hat gerade Essen gekauft. Wir müssen wirklich los.

Denk nicht zu viel darüber nach. Ich komme bald zurück.“

Sehr viel Zeit?

Waren drei Jahre etwa nicht lang?

Drei Jahre lang war er mit Natalie in South City gewesen.

Dieselben drei Jahre hatte ich allein in North City verbracht.

Ich ging allein nach Hause.

Ich arbeitete allein.

Ich kümmerte mich allein um seine Großmutter.

Leise sagte ich:

„Das war lang genug.“

In jener Nacht kam er nicht nach Hause.

Am nächsten Tag ging ich zur Arbeit und reichte meine Kündigung ein.

Orion kam von draußen herein.

„Du warst gestern Nacht nicht zu Hause?“

„Es wurde zu spät. Ich wollte dich nicht stören, also habe ich auf ihrem Sofa geschlafen. Du bist doch nicht böse, oder?“

„Nein.“

„Ach ja, heute hat meine Großmutter Geburtstag. Sie hat Natalie eingeladen. Das stört dich doch nicht, oder?“

„Nein.“

„Du bist wirklich großzügig.“

Ich war nicht großzügig.

Es war mir nur gleichgültig geworden.

Um sechs Uhr abends kam ich von der Arbeit nach Hause.

Ruby und Natalie waren bereits da.

Natalie saß neben Ruby, Orion auf der anderen Seite.

Für einen Augenblick blieb ich stehen.

Die Tür war noch offen. Kalter Wind strömte herein.

Orion runzelte die Stirn und legte Natalie seinen Mantel um die Schultern.

„Mach die Tür zu“, sagte er scharf.

Ich schloss sie und setzte mich so weit wie möglich von ihnen entfernt hin.

„Zwei Natalies?“

Rubys Gedächtnis begann wieder nachzulassen.

„Frau Young, ich bin Natalie.“

Natalie lächelte und korrigierte sie.

„Mein Gedächtnis wird wirklich schlechter. Natalie, endlich bist du zurück. Orion wartet schon sehr lange auf dich.“

„Ja. Ich bin wieder da.“

„Wann heiratet ihr beide? Ich habe euer Hochzeitsgeschenk schon vorbereitet.“

„Frau Young, Sie irren sich. Yvette ist Orions Frau.“

Natalie sprach jedes Wort deutlich und geduldig aus.

Trotzdem nahm Ruby ihre Hände und legte sie zusammen.

„Es wird spät. Ich koche. Was möchtet ihr essen?“

Orion stand auf.

Er fragte uns der Reihe nach, doch sein Blick blieb bei Natalie.

„Ich möchte Garnelen mit Knoblauch“, sagte Natalie.

Orions Gesicht verdunkelte sich.

Natalie hatte einen empfindlichen Magen und durfte keine Meeresfrüchte essen.

Sie zog leicht die Schultern ein und zwang sich zu einem sanften Lächeln.

„Was immer du kochst, esse ich.“

Orions Gesicht wurde wieder weicher.

Er warf ihr einen Blick zu, zugleich warnend und nachsichtig.

Ihr Austausch wirkte vollkommen selbstverständlich und vertraut.

Es fühlte sich an, als hätten sie diese Wohnung in North City längst zu ihrem Zuhause gemacht.

Natalie wandte sich an mich.

„Du hast Yvette noch gar nicht gefragt, was sie essen möchte.“

„Sie ist unkompliziert. Sie hat keine besonderen Vorlieben.“

Ich hatte keine besonderen Vorlieben?

Er hatte nur nie die Zeit gehabt herauszufinden, was ich mochte.

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