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Kapitel 2

Author: KarenW
Lenas Perspektive

Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich eingeschlafen war. Als ich aufwachte, war der Akku meines Handys schon leer.

Gerade als ich mich aufsetzen wollte, hörte ich Schritte, die den Flur entlangkamen.

„Lena?“ rief Calebs Stimme sanft. „Bist du noch wach?“

Er trat ins Zimmer und schaltete die Lampe ein. Warmes Licht erleuchtete das Bett, und sofort füllten sich seine Augen mit Sorge, als er mich ansah.

„Du bist doch gerade erst schwanger geworden“, sagte er sanft. „Hat der Arzt nicht gesagt, du solltest nicht so lange aufbleiben?“

„Ich bin gerade erst aufgewacht“, antwortete ich schnell, drehte den Kopf ein wenig zur Seite und wich dem Kuss aus, den er sich zu mir herunterbeugend geben wollte.

Calebs Lächeln verschwand kurz. Dann zogen sich seine Brauen zusammen. „Hast du geweint?“

Er beugte sich wieder näher zu mir.

In diesem Moment nahm ich den schwachen Duft von Parfüm wahr, der an ihm haftete.

Ich erkannte ihn sofort. Es war das Parfüm, das Caleb mir früher immer geschenkt hatte. Bis heute entdeckte ich, dass Ruby genau dasselbe besaß.

Ich hatte den Duft nie gemocht, deshalb trug ich es nur selten.

Das bedeutete, dass der Duft, der jetzt an Caleb haftete, nur von Ruby stammen konnte.

Er war gerade mit ihr zusammen gewesen.

Der Gedanke ließ mir den Magen umdrehen. Ich drehte den Kopf und würgte plötzlich.

„Was ist los?“, fragte Caleb sofort und musterte mein Gesicht.

Wenn ich die Wahrheit nicht gewusst hätte, hätte mich Calebs besorgter Blick vielleicht sogar berührt. Nur ein Würgen, und mein Don-Ehemann sah mich an, als war etwas Schreckliches passiert.

„Nichts“, sagte ich leise und wich seinem Blick aus. „Wo warst du die letzten Tage?“

Sein Lächeln flackerte wieder auf. „Habe ich dir das nicht erzählt? Ich bin nach Italien geflogen. Eines der Geschäfte ist dort schiefgegangen, und der Mafiaboss wollte mich persönlich treffen.“

Ich musterte sein Gesicht aufmerksam, auf der Suche nach dem kleinsten Anzeichen von Schwäche.

Aber ich fand nichts.

Ich wollte ihm sagen, dass ich alles wusste – dass er gar nicht nach Italien gegangen war, sondern hier in der gleichen Stadt geblieben war, nur zwanzig Minuten entfernt, und mit einer anderen Frau sein ungeborenes Kind gefeiert hatte, während ich zu Hause wartete.

Ich hatte nie bemerkt, wie gut Caleb lügen konnte.

Vielleicht machte ihn mein Schweigen verunsichert. Caleb richtete sich auf und lockerte seine Krawatte. „Ich bin total erschöpft“, sagte er. „Ich dusche kurz und komme dann zu dir ins Bett, in Ordnung?“

Einen Moment später hörte ich die Badezimmertür zufallen und das Wasser laufen.

Dann, nach ein paar Minuten, leuchtete Calebs Handy auf dem Nachttisch auf.

Ich zögerte nur einen Augenblick, bevor ich mich hinüberbeugte und es aufhob.

Eine Nachrichtbenachrichtigung erschien auf dem Bildschirm. Um sie zu lesen, musste ich das Handy entsperren.

Caleb zeigte mir einmal, dass er unser Jahrestagsdatum als Passwort benutzte. Ich probierte es zuerst. Falsch.

Dann sein Geburtstag. Mein Geburtstag. Keiner davon funktionierte.

Endlich tippte ich langsam Rubys Geburtstag ein. Das Handy entsperrte sich mit einem leisen Klick.

Jahrelang hatte ich Caleb vollkommen vertraut. Nie war es mir in den Sinn gekommen, sein Handy zu überprüfen. Ich hatte nie bemerkt, wie viele Dinge er heimlich verändert hatte.

Auch der Bildschirmschoner war geändert worden. Zwei ineinander verschlungene Hände. Rubys Hand – mit dem gleichen Ring, den ich heute früher an ihrem Finger gesehen hatte.

Meine Finger zitterten leicht, als ich die Nachricht öffnete.

Die neueste war von Ruby. „Vermisse dich schon. Kannst du jetzt zurückkommen?“

Direkt darüber stand Calebs Antwort. „Ich musste erst nach Hause, um sicherzustellen, dass sie keinen Verdacht schöpfte. Ich komme zurück, sobald sie schläft.“

Ich scrollte weiter durch ihren Chatverlauf, meine Brust schnürte sich zusammen. Leise zeichnete ich mit meinem eigenen Handy einige ihrer Nachrichten auf.

Dann legte ich Calebs Handy genau an den Platz zurück, wo es vorher gelegen hatte, als das Duschwasser aufhörte zu laufen.

Mein Herz raste jetzt. Ich konnte nicht glauben, dass mir all die Zeit über nichts aufgefallen war.

Wäre Ruby heute nicht aufgetaucht und hätte mir alles erzählt, würde ich immer noch in Calebs sorgfältig aufgebauter Lüge leben – im Glauben, dass er ein fürsorglicher Ehemann war, der einfach manchmal zu beschäftigt war.

Aber er war nie zu beschäftigt gewesen, zumindest nicht für die Person, die ihm wirklich am Herzen lag.

Als Caleb aus dem Badezimmer kam, lag ich bereits wieder im Bett.

Einen Moment später klingelte sein Handy. Er hob es auf und trat ein paar Schritte beiseite.

Ich konnte die Worte nicht klar hören, aber seine Stimme wurde sanfter. Er lachte sogar ein- oder zweimal.

Jedes Mal, wenn ich Caleb anrief, konnte er sich nicht einmal eine Minute Zeit nehmen, um mit mir zu reden. Diese Gespräche endeten immer gleich: „Schatz, ich bin gerade zu beschäftigt, um zu reden. Warte auf mich, wenn ich nach Hause komme, okay?“

Früher fühlte ich mich immer schuldig, im Gedanken, dass ich Caleb vielleicht mitten in etwas Wichtigem unterbrochen hatte.

Jetzt wurde mir klar, dass ich nie etwas falsch gemacht hatte. Ich hatte einfach Calebs Liebe nie bekommen – noch seine Aufmerksamkeit. Nicht einmal seine Zeit.

Nach ein paar Minuten kehrte Caleb ans Bett zurück.

„Tut mir leid“, sagte er, als er sein Handy wieder in die Tasche steckte. „Im Casino ist etwas aufgekommen. Ich kann heute Abend nicht zu Hause bleiben.“

Er warf mir einen kurzen Blick zu. „Falls irgendetwas passiert, ruf die Haushälterin. Okay?“

Ich wusste genau, wohin er wollte.

Zurück zu Ruby.

Bevor ich es merkte, hatte meine Hand schon nach ihm gegriffen und den Rand seines Hemdes gepackt. „Kannst du nicht einfach hierbleiben?“, fragte ich leise. „Du bist doch gerade erst zurückgekommen.“

Vielleicht wollte ein Teil von mir immer noch mehr Beweise. Diese Nachrichten … die Dinge, die Ruby gesagt hatte … Caleb und ich waren seit Jahren verheiratet. Er konnte doch unmöglich alles nur vorgetäuscht haben … oder?

Caleb runzelte nur die Stirn, seine Verärgerung war deutlich sichtbar. „Lena … nach all diesen Ehejahren weißt du doch, wie viel mir an dir und unserem Baby liegt. Und du weißt, wie wichtig dieses Casino für die Familie Stone ist.“

Seine Stimme wurde etwas härter. „Das ist nicht der richtige Moment, um mir kindische Forderungen zu stellen. Was ist nur mit dir los? Du hast mich nie aufgehalten, wenn ich dringende geschäftliche Angelegenheiten hatte.“

Bevor er etwas Ungewöhnliches bemerkte, zwang ich mir ein kleines Lächeln ab und ließ sein Hemd los. „Das sind nur die Hormone“, sagte ich leicht. „Geh nur und erledige deine Dinge.“

Caleb studierte mich einen Moment lang, dann wandte er sich ab. „Du solltest wissen, was jetzt wichtiger ist, Lena.“

Ja. Was jetzt wichtiger war, war Ruby – die in dem Haus auf ihn wartete, das er mit ihr teilte.

„Geh schlafen. Warte nicht auf mich.“

Die Tür schloss sich hinter Caleb.

Sobald ich hörte, dass sein Auto weggefahren war, stand ich aus dem Bett auf und ging direkt in die Garage.

Alles fühlte sich unwirklich an, als ich hinter dem Steuer saß und die Adresse eingab, die ich zuvor in Calebs Nachrichten an Ruby gesehen hatte.

Es war die Adresse ihres Hauses. Das Ziel war sogar näher, als ich erwartet hatte. Nur zehn Minuten Fahrt.

Ich kam genau in dem Moment an, als Calebs Auto vorfuhr.

Ich beobachtete, wie er ausstieg und zum Tor ging.

Einen Augenblick später öffnete sich die Tür. Ruby stürmte heraus und warf ihre Arme um ihn.

Im sanften Licht der Straßenlaterne küssten sie sich.

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