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Im Dunkeln beansprucht
Im Dunkeln beansprucht
Author: Ejeh

Kapitel 1: Die perfekte Vorstellung

Author: Ejeh
last update publish date: 2026-08-28 05:35:29

Die Küche roch nach Zimt und Kaffee. So roch es hier jeden einzelnen Morgen. Dafür hatte Aria seit drei Jahren gesorgt.

Sie arbeitete still, die Ärmel hochgekrempelt und das Haar zurückgebunden. Sie schob den letzten Pfannkuchen auf den Stapel. Sie goss Kaffee in Kais Lieblingstasse, die schwarze. Sie schnitt Obst für Leo und stellte es auf den Tisch. Ihre Hände wussten genau, was zu tun war. Das taten sie immer.

Sie hörte Schritte im Flur. Etwas in ihrer Brust hob sich — Hoffnung, klein und dumm, aber trotzdem da.

Leo kam in die Küche. Er war fünf, mit zerzausten Locken und schläfrigen Augen, und er hielt den Stoffwolf in der Hand, den sie ihm genäht hatte, als er noch ein Baby war. Als er sie sah, erhellte sich sein ganzes Gesicht.

„Morgen, Mama."

Diese Worte bedeuteten ihr immer noch alles. Aria beugte sich zu seiner Größe hinunter und lächelte. „Morgen, Schatz. Komm essen, bevor es kalt wird."

Er machte einen Schritt auf sie zu.

Dann schwang die Haustür auf. Kein Klopfen. Niemand klopfte mehr.

Lila Solace kam herein, als würde sie hierher gehören — denn mittlerweile tat sie das. Ihr blondes Haar war offen. Sie trug einen von Kais alten Hoodies, und er roch immer noch nach ihm.

„Leo!", rief sie, ihre Stimme warm und unbeschwert.

Leo wirbelte so schnell herum, dass er seinen Stoffwolf auf den Boden fallen ließ. Er vergaß das Frühstück völlig. Er vergaß, dass Aria überhaupt im Raum war. Er rannte geradewegs in Lilas Arme.

„Tante Lila!"

Aria blieb einen Moment zu lange hockend dort, den Blick auf die Stelle gerichtet, wo ihr Sohn eben noch gestanden hatte. Ihre Kehle fühlte sich eng an. Sie schluckte es hinunter, stand auf und ging zurück zum Herd, als wäre nichts geschehen.

Eine Minute später kam Kai herein, sein Haar noch feucht von der Dusche. Er roch nach Kiefer und nach Macht — dem Geruch eines Alphas. Er küsste zuerst Lilas Kopf. Dann kam er zu Aria und drückte ihr einen kurzen Kuss auf die Schläfe, während er schon nach seinem Kaffee griff.

„Riecht gut", sagte er.

Er sah sie dabei nicht einmal an. Er sah die Tasse an.

Aria richtete ihm den Teller so, wie er ihn mochte — zwei Pfannkuchen, Spiegeleier, kein Toast — und stellte ihn vor ihn hin. Dann setzte sie sich auf ihren eigenen Platz, den Platz am Ende des Tisches, der über die Jahre irgendwie zu ihrem geworden war. Nah genug, um allen zu servieren. Weit genug entfernt, dass niemand sie wirklich bemerkte.

Kai und Lila unterhielten sich über die bevorstehende Vollmond-Rangordnung. Leo lachte über etwas, das Lila zu ihm sagte. Aria aß kleine Bissen und sagte nichts. Der Zimt, den sie den ganzen Morgen gerochen hatte, schmeckte jetzt nach überhaupt nichts.

Sie dachte an die Zeit vor drei Jahren zurück, als Kai sie noch so angesehen hatte, wie er jetzt Lila ansah. Sie erinnerte sich an seine Hände in ihrem Haar und seine Stimme, die vor lauter Gewissheit gezittert hatte. Du gehörst mir, Aria. Meine Luna. Niemand sonst. Sie hatte jedes Wort davon geglaubt. Sie hatte ihm alles gegeben, was sie hatte.

Sie ließ sich nicht zu, diesen Gedanken zu Ende zu denken. Nicht hier, nicht jetzt.

Kais Handy summte. Er sah nach, und sein Gesicht wurde starr. „Die Späher sind zurück", sagte er und stand auf. „Ich muss den Bericht hören."

Er ging, ohne ihr noch etwas zu sagen. Lila folgte kurz darauf, Leo auf ihrer Hüfte, und versprach ihm schon, ihn später zum Trainingsgelände mitzunehmen. Und dann war die Küche wieder leer, und still, und Aria war allein darin.

Sie räumte die Teller ab. Wusch sie. Wischte die Arbeitsplatte ab, obwohl sie schon sauber war, nur um ihre Hände beschäftigt zu halten. Unter ihrer Haut lief ihre Wölfin unruhig hin und her, ruhelos und unglücklich, so wie sie es schon seit Langem war.

Sie stand noch immer am Spülbecken, als sie draußen vor dem Fenster zwei Späher reden hörte.

„Roman Black wurde wieder gesichtet. Diese Woche schon zum dritten Mal, drüben an der östlichen Grenze."

„Der Rogue?", sagte der andere. „Der Typ untersteht niemandem. Kein Rudel, keine Regeln. Nimmt sich, was er will, und brennt den Rest hinter sich nieder."

„Der Alpha wird sich bald mit ihm befassen müssen. Das Land gehört uns."

Ihre Stimmen verklangen, als sie weitergingen.

Aria stand einen Moment lang da, das Geschirrtuch noch in den Händen. Roman Black. Der Name bedeutete ihr nichts — nur ein weiteres Problem, mit dem sich das Rudel irgendwann befassen würde. Sie hatte genug eigene Probleme innerhalb dieser vier Wände.

Sie hängte das Handtuch auf und ging in den Flur hinaus, gerade als Kai wieder hereinkam. Sein Gesicht war verschlossen, so wie es immer wurde, wenn Rudel-Angelegenheiten schwer auf ihm lasteten. Lila stand neben ihm, eine Hand auf seinem Arm.

Kai sah zu Aria hinüber.

„Die Vollmond-Rangordnung ist in drei Nächten", sagte er. Seine Stimme war ruhig. Zu ruhig. „Diesmal wird es eine besondere Ehrung geben. Für Lila."

Aria fühlte sich, als hätte man ihr die Luft aus den Lungen geschlagen. Aber sie ließ es sich nicht anmerken. Sie war mittlerweile zu gut darin geworden, sich nichts anmerken zu lassen.

„Natürlich", sagte sie.

Kai nickte und wandte sich schon zum Gehen. Lila blickte über seine Schulter zurück zu Aria — nicht grausam, nicht überheblich, nur sicher, als wüsste sie bereits genau, wie das hier ausgehen würde.

Aria stand allein im Flur, nachdem die beiden gegangen waren. Sie wusste noch nicht, wie das enden würde.

Sie wusste nur, dass sie es leid war, diejenige zu sein, die verlor.

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