Mag-log inDie drei Tage vor dem Vollmond vergingen nicht wirklich — sie sickerten dahin, langsam und grau, wie Wasser, das sich seinen Weg durch einen Riss im Stein sucht.
Aria wachte jeden Morgen vor ihrem Wecker auf, so wie sie es mittlerweile immer tat, und lag ein paar Sekunden still im Dunkeln, während sie das tat, was sie ungewollt zur Gewohnheit gemacht hatte — sich selbst zu überprüfen. Ihr Gesicht zu überprüfen, ihren Atem, die Muskeln um ihren Mund, um sicherzugehen, dass alles bereits in die richtige Form gebracht war, bevor sie es bei irgendjemandem einsetzen musste. Bis sie aus dem Bett stieg, war sie bereits Luna Aria. Nicht einfach nur Aria. Ein Nur-Aria hatte es schon lange nicht mehr gegeben.
Man hatte ihr die Vollmond-Vorbereitungen übertragen. Niemand hatte sie gefragt, ob sie diese Aufgabe wollte. Sie war einfach immer schon ihre gewesen, so wie der Platz am äußersten Ende des Tisches immer schon ihrer gewesen war, so wie die frühen Morgen und die gefaltete Wäsche und das überspielte Schweigen immer schon ihre gewesen waren. Die Arbeit selbst störte sie nicht. Was sie störte, war das, was aus der Arbeit geworden war.
Am zweiten Tag konnte sie nicht mehr von der Küche zum Versammlungsplatz gehen, ohne dass jemand sie aufhielt.
„Luna, möchte Lila die weißen Lilien oder die goldenen für die Plattform?"
„Luna, sollen wir die zweite Bank höher stellen, für Lilas Ehrung?"
„Luna—"
Immer Lila. Nie was denkst du, Aria. Nie wie geht es dir. Sie beantwortete jede Frage in derselben Stimme, flach und freundlich und nützlich, wie ein Werkzeug, das sprechen gelernt hatte. Irgendwo unter dieser Stimme, in dem Teil ihrer Brust, in dem die Wölfin lebte, lief etwas auf steifen Beinen hin und her, tief am Boden, die Ohren angelegt. Es hatte sich seit Wochen nicht mehr richtig beruhigt. Sie hatte begonnen sich zu fragen, ob es das jemals wieder tun würde.
Am zweiten Nachmittag fand sie sich in der Vorratshütte wieder, ohne sich wirklich bewusst entschieden zu haben, dorthin zu gehen. Dort wurden die Ersatzlaternen aufbewahrt, staubige Glaslaternen, die niemand außer beim Vollmond benutzte, und sie redete sich ein, sie würde sie auf Risse überprüfen. In Wahrheit wollte sie nur fünf Minuten, in denen niemand etwas von ihr brauchte. Die Hütte roch nach Staub und altem Lampenöl und, ganz leicht, nach den Zedernregalen, die Kai vor Jahren mit seinen eigenen Händen gebaut hatte, bevor es Lila gab, bevor all das hier war. Sie fuhr mit dem Daumen am Rand einer Laterne entlang und erlaubte sich, zum ersten Mal an diesem Tag durchzuatmen.
Die Tür ging auf. Sie kannte die Schritte, bevor sie sich umdrehte.
Lily trat ein und zog die Tür hinter sich zu, lehnte sich mit dem Rücken dagegen, als wolle sie den Weg nach draußen versperren. Ihre Arme waren verschränkt. Ihre Augen taten das, was sie in letzter Zeit immer taten — weich an den Rändern, aber scharf darunter, als würde sie versuchen, gleichzeitig sanft und wütend zu sein, und noch nicht herausgefunden hätte, wie das beides zusammen ginge.
„Du machst es schon wieder", sagte Lily.
Aria hielt den Blick auf die Laterne in ihren Händen gerichtet. „Was mache ich."
„Du tust so, als wäre das hier normal." Lilys Stimme war nicht laut, aber sie füllte den kleinen Raum trotzdem. „Sie geben ihr eine offizielle Ehrung. Unter dem Vollmond. Vor dem gesamten Rudel, Aria. Und du bist hier drin, allein, und sorgst dafür, dass die Laternen dafür poliert sind."
Aria stellte die Laterne auf das Regal zurück. Ihre Hände, bemerkte sie, waren vollkommen ruhig. Darin war sie mittlerweile sehr gut geworden.
„Irgendjemand muss es tun", sagte sie.
„Nein." Lily durchquerte den Raum in drei Schritten und blieb nah genug stehen, dass Aria zu ihr aufblicken musste. „Niemand muss. Das ist genau der Punkt. Du tust immer so, als gäbe es keine Version davon, in der du nein sagst. Die gibt es. Du hast es dir nur nie erlaubt, das zu sehen."
Für einen Moment sagte keine von beiden etwas. Irgendwo draußen war ein Hammer zu hören — jemand baute die zweite Plattform, die für Lila. Jeder Schlag landete ein wenig zu deutlich in der Stille der Hütte.
„Du hast drei Jahre damit verbracht, zu nehmen, was auch immer er dir übrig lässt", sagte Lily, jetzt leiser. „Krümel. Genau das ist das hier, Aria. Du hast früher für mehr als Krümel gekämpft."
Etwas in Arias Brust gab nach, nur ein wenig, wie eine Naht, die sich löst. Für eine ungeschützte Sekunde tat ihr Gesicht seine Arbeit nicht mehr — sie spürte, wie es rutschte, spürte, wie die Erschöpfung darunter durchschien, roh und unverstellt — und sie sah, wie Lily es bemerkte. Dann fing sie sich wieder und sah zurück auf die Laternen hinunter.
„Ich habe einen Sohn", sagte sie. Ihre Stimme klang kleiner, als sie beabsichtigt hatte. „Ich habe hier einen Platz. Verstehst du, was es bedeuten würde, einfach — davon wegzugehen? Für mich ist das nicht so einfach. Für Leo ist das nicht so einfach."
„Ich weiß." Lilys Arme lösten sich. Sie entschuldigte sich nicht, aber ihre Stimme verlor ihre Schärfe. „Ich sage nicht, dass du heute Nacht gehen sollst. Ich sage — lass nicht zu, dass das hier die Arbeit vollendet, dich auszulöschen. Denn genau das tut es. Ich habe drei Jahre lang zugesehen, wie es passiert, und ich werde nicht so tun, als hätte ich das nicht."
Aria antwortete darauf nicht. Stattdessen nahm sie die Laterne wieder auf, drehte sie in ihren Händen, als gäbe es noch etwas zu überprüfen.
„Verschwinde nur nicht ganz da drin", sagte Lily und nickte in Richtung Tür, in Richtung der Anlage, in Richtung der ganzen Form des Lebens, das draußen wartete. „Ich bin noch hier. Was auch immer du entscheidest."
Aria sah sie einen langen Moment lang an. Dann nickte sie, einmal. Es war kein Versprechen, nicht wirklich. Es war das Nächste, was sie noch zu geben hatte.
An jenem Abend, nachdem Leo den Flur hinunter zu Lilas Zimmer gegangen war — „Kann ich wieder bei Tante Lila bleiben, Mama?", hatte er gefragt, schon halb aus der Tür, bevor sie überhaupt fertig gewesen war, ja zu sagen —, fand sich Aria draußen auf der hinteren Veranda des Alpha-Hauses wieder, allein, so wie sie es um diese Uhrzeit gewöhnlich war.
Die Nachtluft war kalt genug, um beim Einatmen ein wenig zu stechen. Sie schlang die Arme um sich und blickte hinaus zur dunklen Baumgrenze, ohne sie wirklich zu sehen. Aus Gewohnheit, so wie eine Zunge immer wieder zu einem wunden Zahn zurückkehrt, tastete sie nach innen nach der Gefährtenbindung.
Früher hatte es sich wie Wärme angefühlt. Ein leises Summen, immer da, immer ihres. Jetzt, als sie danach griff, fand sie etwas Dünnes und Kaltes, fast bis zum Zerreißen gespannt, wie ein Draht, straff gezogen im Winter. Sie presste die Handfläche flach gegen ihr Brustbein, genau über die Stelle, an der es lebte, als könnte allein der Druck es zusammenhalten.
Eine Erinnerung stieg auf, bevor sie sie aufhalten konnte. Sie hatte sie nicht eingeladen. Sie kam einfach, so wie die schlimmsten Erinnerungen immer kamen.
Leos Geburt. Sie konnte die Erschöpfung noch in ihren Knochen spüren, wenn sie es zuließ, das dumpfe Ziehen tief in ihrem Körper, das besondere warme Gewicht eines Neugeborenen an ihrer Brust zum ersten Mal. Kai war in die Heilhöhle gekommen und hatte sie angesehen — beide — mit einem Ausdruck, den sie seither nicht mehr an ihm gesehen hatte. Etwas Weiches. Etwas, das damals wie Liebe ausgesehen hatte.
Dann war Lila in der Tür erschienen, und sein Gesicht hatte sich verändert. Nicht dramatisch. Nur eine kleine Verschiebung, eine Neuausrichtung, wie eine Kompassnadel, die den wahren Norden findet. Er war zuerst zu Lila hinübergegangen. Hatte seine Stirn an ihre gepresst. Erleichterung, das hatte sein ganzer Körper gesagt, und Aria hatte es vom Bett aus mit ihrem Sohn im Arm beobachtet und sich eingeredet, es bedeute nichts.
Er liebt dich auf seine eigene Art, hatte sie sich in jener Nacht gesagt, und hundert Nächte danach. Die Bindung reicht. Sie muss reichen.
Jetzt, drei Jahre später, auf der Veranda stehend, verstand sie, dass sie sich selbst in jener Heilhöhle belogen hatte, und jede Nacht seither. Die Bindung reichte nicht. Sie hatte schon lange nicht mehr gereicht. Sie hatte sich nur nie erlaubt, es laut auszusprechen, nicht einmal in ihrem eigenen Kopf, bis genau jetzt.
Ihre Wölfin knurrte, tief in ihrer Brust, unglücklich und wach. Zum ersten Mal versuchte sie nicht, sie zum Schweigen zu bringen.
Meilenweit entfernt, an der östlichen Grenze des Riven-Rudel-Landes, stand Roman Black regungslos im Schatten der Baumgrenze und beobachtete, wie die fernen Lichter der Anlage durch die Äste flackerten.
Er kam nun schon seit Wochen zu diesem Bergkamm, auch wenn er nicht genau hätte sagen können warum, hätte sich jemand die Mühe gemacht, ihn zu fragen. Rogues erklärten sich nicht. Das war der ganze Sinn daran, einer zu sein.
Als er es das erste Mal wahrgenommen hatte, vor Wochen, war es schwach gewesen — ein Geruchsfaden, getragen auf dem falschen Wind, leicht zu übersehen, wenn man nicht wusste, wonach man roch. Eine Gefährtenbindung, dünn geworden. Ausgehungert. Die Art von Geruch, die von jemandem ausging, der einmal richtig beansprucht worden war, und seither dem Verkümmern überlassen wurde. Er kannte diesen Geruch so, wie ein Jäger die Spur eines verwundeten Tieres kennt — nicht weil ihm das Tier etwas bedeutete, sondern weil eine solche Wunde einem Dinge verriet. Verriet einem, wo das Rudel schwach war. Verriet einem, was niemand beschützte.
Er redete sich ein, das sei der einzige Grund, warum er immer wieder zurückkam.
Heute Nacht war der Geruch stärker. Schärfer an den Rändern. Es lag jetzt etwas darin, das vorher nicht da gewesen war — Ruhelosigkeit, vielleicht, oder der erste Riss von etwas, das kurz davor stand, vollständig nachzugeben. Roman neigte den Kopf und ließ den Wind an sich vorbeiziehen, geduldig, unberührt von der Kälte.
Der Vollmond war noch zwei Nächte entfernt. Was auch immer hinter diesen Mauern gerade zerbrach, vermutete er, würde bald zu Ende brechen.
Er hatte es nicht eilig.
Er konnte warten.
Die Nacht des Vollmonds brach klar und bitterkalt an, der Himmel von Wolken freigefegt, die Sterne scharf wie Glas darüber.
Aria stand am Rand des Versammlungsplatzes und beobachtete, wie sich das Rudel um sie herum füllte, Fackeln fingen Feuer und warfen langes, orangefarbenes Licht über die Lichtung. Die Rangordnungssteine waren poliert worden — sie hatte das selbst überwacht — und jetzt fingen sie das aufsteigende Mondlicht ein und hielten es fest, bleich schimmernd gegen das dunkle Gras. Sie trug das formelle dunkle Kleid, das man von einer Luna erwartete, ihr Haar so straff zurückgeflochten, dass es an ihren Schläfen leicht schmerzte, ihr Gesicht in seine übliche sorgfältige Ausdruckslosigkeit gelegt.
Sie hatte dieses Gesicht drei Jahre lang geübt. Heute Nacht, mehr als an jedem anderen Abend, würde sie es brauchen.
Oben auf der zentralen Plattform stand Kai mit Lila neben sich, nah genug, dass sich ihre Schultern fast berührten. Leo saß auf einer niedrigen Bank in der Nähe, ließ die Beine baumeln, ruhelos, wie Fünfjährige immer waren, seine Augen folgten Lila mehr als irgendjemand anderem auf der Lichtung — mehr, bemerkte Aria mit einem kleinen, stillen Schmerz, als sie ihr folgten.
Ihre Wölfin drückte hart von innen gegen ihre Rippen, schmerzend, wollte hinaus, wollte rennen, wollte irgendetwas anderes, als hier in diesem Kleid mit diesem Gesicht zu stehen und zu warten.
Der Mond stieg höher, kalt und voll und gleichgültig.
Kai erhob seine Stimme, und die Lichtung wurde ruhig um ihn herum, und die Zeremonie begann.
Aria blieb genau dort, wo sie war, am Rand der Menge, die Hände so fest vor sich gefaltet, dass ihre Knöchel weiß geworden waren, und wappnete sich für den Moment, von dem sie, irgendwo unter allem anderen, immer gewusst hatte, dass er kommen würde.
Roman behielt sie am Fluss, nachdem die Bindung zerbrochen war. Er brachte sie nicht sofort zurück zum Haus. Er stand mit leicht gespreizten Füßen, die Arme locker an den Seiten, doch seine Augen hörten nie auf, über den Waldrand zu wandern, suchten die Dunkelheit nach allem ab, das dort nicht hingehörte. Der Himmel war noch dunkel, ein tiefes Kohlegrau, das sich noch nicht aufzuhellen begonnen hatte, als die Ersten seiner Leute eintrafen. Holt kam mit sechs anderen, ihre Stiefel lautlos auf dem festgetretenen Boden. Sie blieben in einiger Entfernung stehen und warteten, ohne zu sprechen, ohne sich zu bewegen. Ihre Blicke gingen zuerst zu dem Mal an Arias Hals, verweilten dort einen Herzschlag zu lange, dann wanderten sie zu Leo, der wach war und dicht an ihrer Seite saß, seine kleine Schulter an ihren Arm gepresst.Leo rieb sich mit einer kleinen Hand über die Brust, die Finger flach über sein Hemd gespreizt, als könnte er das fremde Gefühl damit wieder zurückdrücken.„Das schlechte
Roman fuhr schweigend. Seine Hände lagen fest um das Lenkrad, und sein Blick wanderte immer wieder zum Rückspiegel, um die Straße hinter ihnen zu prüfen. Leo schlief zwischen ihnen auf der Rückbank, den Kopf an Arias Seite gelehnt. Seine kleine Brust hob und senkte sich langsam. Die Lichter des Geländes verblassten hinter ihnen, wurden kleiner und kleiner, bis sie verschwanden. Kein Auto folgte.Aria beobachtete, wie die Bäume vorbeizogen. Ihr Körper schmerzte noch immer vom Kampf. Ihre Arme fühlten sich steif an, und ein dumpfer Schmerz saß tief in ihren Schultern. Der kalte Zug unter ihren Rippen war jetzt schwächer, aber er war noch da, wie ein dünner Faden, der von irgendwoher aus der Ferne zog. Jedes Mal, wenn er zog, bewegte sich Leo im Schlaf, seine kleine Hand ballte sich zur Faust an Arias Arm.Sie bogen auf eine Privatstraße ein. Bewegungsmelder-Lichter gingen eines nach dem anderen an, als der Wagen vorbeifuhr, und warfen fleckige Helligkeit in die Dunkelheit. Ein hoher Zau
Der Stuhl unter dem Türgriff kratzte noch einen weiteren Zentimeter über den Boden. Aria hielt Leo fest an ihrer Seite auf dem Bett. Sein kleiner Körper war steif wie ein Brett geworden. Draußen vor den geschützten Zimmern schlugen Stiefel hart auf den Flurboden, mehr Füße als die zwei Wachen des Rates, die dort stehen sollten. Ein falscher Geruch drang unter der Tür hindurch. Nicht Riven. Nichts, was sie kannte.Roman stand zwischen ihnen und der Tür, sein Rücken gerade. Er sah sie nicht an.„Bleibt hinter mir", sagte er. „Beide."Die Tür flog nach innen auf. Der Stuhl flog durch die Luft und krachte gegen die Wand. Vier Männer stürmten schnell herein. Dunkle Jacken. Jeans. Keine Rudel-Abzeichen. Ihre Gesichter waren ausdruckslos, der flache Blick bezahlter Männer bei einem einfachen Auftrag. Einer hielt einen kurzen Metallschlagstock. Die anderen hatten ihre Krallen bereits ausgefahren, gekrümmt und scharf.Die Wachen des Rates waren nicht im Flur. Das war das Erste, was falsch war.
Sie gingen direkt zu den Heilräumen, liefen schnell den Flur entlang.Mare lag auf einem schmalen Bett. Ihr Gesicht war geschwollen und dunkel von blauen Flecken, ein Auge zugeschwollen, sodass es sich nicht ganz öffnen ließ. Verbände wickelten sich eng um ihre Rippen. Unter der dünnen Decke sah sie klein aus, fast wie ein Kind.Als sie Aria sah, versuchte sie, sich auf die Ellbogen zu stützen. Der Schmerz traf sie hart, und sie sank mit einem scharfen Keuchen zurück auf das Kissen.Aria trat schnell an die Seite des Bettes. Roman blieb nahe der Tür, seine Augen auf den Flur draußen gerichtet. Leo hielt sich fest an Arias Hand und starrte die verletzte Frau mit weit aufgerissenen, ängstlichen Augen an.„Du bist gekommen", flüsterte Mare. Ihre Stimme klang zerrissen, als würde das Sprechen wehtun.„Ich bin gekommen", sagte Aria und setzte sich auf den Bettrand. „Jake hat gesagt, du hättest noch mehr zu sagen."Mares gutes Auge huschte zur Tür, dann zurück zu Arias Gesicht.„Der Angriff
Die große Halle war bereits voll, als sie eintraten.Wölfe drängten sich an den Seiten des Raums, Schulter an Schulter. Der gesamte Rat saß hinter einem langen Tisch vorne. Kai saß bereits auf seinem Platz, Lila neben ihm. Seine Augen richteten sich sofort auf Aria, glitten dann zum Mal an ihrem Hals, dann zu Leo in ihren Armen.Roman blieb dicht an ihrer rechten Seite. Mehrere Wölfe nahe der Tür sahen noch immer erschüttert aus, blass im Gesicht vom Echo des Mals, das sie draußen gespürt hatten. Einige von ihnen berührten immer wieder ihren eigenen Nacken, als würden sie nach etwas suchen, das nicht da war.Aria ging zu dem offenen Platz vor dem Rat und blieb stehen. Sie setzte sich nicht. Leo blieb still an ihrer Brust, seine kleinen Hände umklammerten ihr Hemd.Die ältere Ratsfrau stand auf, ihr Stuhl kratzte über den Boden.„Wir sind hier, um das Sorgerecht für das Kind Leo zu entscheiden, und um den Angriff auf die Späherin Mare sowie die Anschuldigung gegen Lila Solace zu behand
Die Nacht blieb nur für kurze Zeit ruhig.Aria saß auf dem Bett, Leo schlief an ihrer Seite, seine kleine Brust hob und senkte sich. Roman stand wieder am Fenster und beobachtete den dunklen Hof unten. Seine Schultern waren steif, fest verkrampft. Er hatte sich kein einziges Mal hingesetzt, seit Jake gegangen war.Aria beobachtete ihn eine lange Weile.„Du bist wütend", sagte sie.Roman drehte sich nicht um.„Ich bin es leid, in einem Zimmer eingesperrt zu sein, während Leute, die schon versucht haben, uns zu verbrennen, und ein Mädchen halb totgeschlagen haben, immer noch frei draußen herumlaufen."„Der Rat hat die Regeln festgelegt."„Der Rat bewegt sich zu langsam." Romans Stimme blieb tief, aber sie hatte jetzt einen härteren Klang. „Morgen werden sie reden. Sie werden Fragen stellen. In der Zwischenzeit sind die, die den Jungen wollen, immer noch innerhalb dieser Mauern, atmen dieselbe Luft wie wir. Ich kann dich nicht richtig beschützen, hinter einer verschlossenen Tür."Aria ho







