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Kapitel 3

Author: Clara Aven
Ich hatte die ganze Nacht Albträume. Als ich aufwachte, tastete ich wie gewohnt nach der Seite neben meinem Bett.

Ich wollte meine kleine Katze in die Arme nehmen. Doch meine Hand griff nur ins Leere.

Mein Herz sank schlagartig. Ich riss die Decke weg und sprang aus dem Bett.

Ich legte mich auf den Boden und suchte unter dem Bett. Dann durchwühlte ich den Balkon, den Kleiderschrank und den Platz hinter dem Sofa.

Schließlich entdeckte ich neben dem Mülleimer an der Tür ihr kleines Glöckchen.

Daran hafteten ein paar orangefarbene Katzenhaare.

Ich ging in die Hocke und hob es auf. Als ich wieder aufstand, wurde mir plötzlich schwindelig.

Mama kam aus der Küche. In ihrer Hand hielt sie noch den Pfannenwender.

„Such nicht weiter. Die Katze wurde weggebracht.“

Ihre Stimme war ganz ruhig.

„Sophie ist allergisch gegen Katzenhaare.“

„Sie kommt bald zurück. So etwas darf dann nicht mehr im Haus sein.“

Ich umklammerte das Glöckchen so fest, dass es eine Spur in meiner Handfläche hinterließ.

Ich öffnete den Mund, doch meine Stimme zitterte so sehr, dass sie sich nicht einmal wie meine eigene anhörte.

„Sie war sieben Jahre lang bei mir …“

„Sie ist ängstlich.“

„Ein neuer Ort würde ihr Angst machen.“

Der letzte Satz klang kaum mehr als ein Schluchzen.

Mama runzelte die Stirn.

„Anna, deine Schwester wird auch Angst haben.“

„Kannst du nicht einmal an andere denken und nicht immer nur an dich selbst?“

Plötzlich begann ich heftig nach Luft zu ringen, doch egal wie sehr ich einatmete, ich bekam einfach keinen Sauerstoff.

Ich stützte mich an der Wand ab, schloss die Augen und wartete lange, bis ich mich wieder beruhigt hatte.

Kaum war der schwarze Schleier vor meinen Augen verschwunden, stürmte ich nach draußen.

„Anna!“

Mama rief hinter mir her.

Ich sah nicht zurück.

Ich befragte den Wachmann, sprach mit den Nachbarn, suchte in der Hausgemeinschaftsgruppe nach Hinweisen und bat schließlich die Hausverwaltung um die Überwachungsaufnahmen.

Der Wachmann sagte: „Ich habe heute Morgen gesehen, wie jemand eine orangefarbene Katze hinausgetragen hat.“

Als ich den Hintereingang der Wohnanlage erreichte, gaben meine Beine bereits nach.

Der Schweiß lief mir in Wellen über den Rücken.

Trotzdem durchsuchte ich jeden einzelnen Mülleimer und jedes Gebüsch – ich konnte meine kleine Katze einfach nicht finden.

Am Abend erschien eine neue Nachricht in der Hausgemeinschaftsgruppe.

„Unter dem Vordach am Hintereingang sitzt eine orangefarbene Katze. Wem gehört sie?“

Als ich das Foto sah, begann mein ganzer Körper zu zittern.

Es war meine kleine Katze.

Sie kauerte neben einem Karton. Ihr Fell war großflächig durchnässt, doch ihre Augen blickten die ganze Zeit zum Eingang der Wohnanlage.

Ich riss meine Jacke an mich und rannte nach draußen.

Mama stellte sich mir in den Weg.

„Willst du sie immer noch zurückholen?“

In diesem Moment stürmte Papa aus seinem Arbeitszimmer.

„Anna, wie kannst du nur so grausam sein?“

„Deine Schwester ist noch nicht einmal zurück, und du fängst schon an, gegen sie vorzugehen!“

Seine Hand hob sich.

Ich blieb reglos stehen.

In diesem Moment dachte ich sogar, dass es vielleicht besser wäre, wenn er einfach zuschlagen würde.

Der Schmerz auf meiner Wange wäre leichter zu ertragen als dieses erstickende Gefühl in meiner Brust.

Doch Mama eilte herbei und hielt ihn zurück.

Sie sagte hastig:

„Hör auf!“

„Was ist, wenn du ihr Gesicht verletzt? Was soll Sophie machen, wenn sie zurückkommt?“

Papas Hand blieb mitten in der Luft stehen.

Ich sah, wie Mama sein Handgelenk umklammerte. Ein bitterer Geschmack von Blut stieg mir in den Hals.

Also gehörte selbst dieses Gesicht nicht mehr mir.

Als sie mich in mein Zimmer stießen, wehrte ich mich noch immer verzweifelt.

Papa löste meine Finger vom Türrahmen. Mama stellte sich mit aller Kraft vor die Tür.

Dann fiel die Tür direkt vor meinen Augen mit einem lauten Knall ins Schloss.

Ich stürzte darauf zu und riss am Türgriff, doch er ließ sich einfach nicht öffnen.

In der Nacht erschien erneut eine Nachricht aus der Hausgemeinschaftsgruppe.

Jemand hatte ein Foto geschickt.

Meine Katze lag am Straßenrand beim Hintereingang. Das Regenwasser unter ihrem Körper hatte sich langsam rot gefärbt.

„Sie wurde gerade von einem Auto angefahren. Als ich sie gefunden habe, war es bereits zu spät.“

„Sie hat die ganze Zeit zum Eingang der Wohnanlage geschaut. Egal, wie ich sie wegbringen wollte, sie ging einfach nicht fort. Es war, als würde sie auf jemanden warten.“

Ich starrte auf das Foto. Ich wollte ihren Namen laut hinausschreien.

Doch es fühlte sich an, als hätte jemand meine Brust gewaltsam aufgerissen. Alle Geräusche blieben darin gefangen.

Ich öffnete den Mund. Doch bevor ein Laut herauskam, fielen bereits meine Tränen.

Aus meiner Kehle kam nur ein gebrochenes, leises Schluchzen.

Ich ballte meine Hände so fest zu Fäusten, dass meine Nägel sich in meine Handflächen gruben. Doch ich spürte den Schmerz nicht einmal.

Erst als eine warme Flüssigkeit an meinen Fingern hinablief, bemerkte ich, dass der Rand des Glöckchens meine Handfläche längst aufgerieben hatte.

Ich kauerte auf dem Boden und weinte, bis mein ganzer Körper zitterte.

Sieben Jahre.

Sie war sieben Jahre lang bei mir gewesen.

Während alle anderen zu meiner Schwester eilten, war sie die Einzige, die jeden Tag an der Tür auf mich wartete.

Doch jetzt wurde selbst sie mir genommen.

Dabei hatte sie die ganze Zeit auf mich gewartet.

Das Glöckchen in meiner Hand klingelte leise.

Plötzlich leuchtete mein Handy auf.

„Möchten Sie Ihr letztes Widerrufsrecht nutzen und die Ersetzung beenden?“

Ich betrachtete das Foto mit dem völlig durchnässten Fell meiner kleinen Katze. Nach langer Zeit tippte ich auf „Nein“.

„Die Ersetzung wird fortgesetzt.“

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