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Kapitel 4

Author: Clara Aven
Nachdem ich auf „Nein“ getippt hatte, wurde mein Körper wider Erwarten ganz ruhig.

Ich lehnte still hinter der Tür.

Aus dem Wohnzimmer hörte ich, wie Mama mit gedämpfter Stimme fragte: „Warum ist noch ein ganzer Tag übrig?“

Papa antwortete: „Es geht doch schon sehr schnell.“

Mama seufzte.

„Trotzdem kommt es mir immer noch viel zu langsam vor.“

„Jede zusätzliche Minute, die Sophie dort warten muss, tut mir im Herzen weh.“

Seltsamerweise verspürte ich nicht einmal mehr Traurigkeit.

Der Stein, der die ganze Zeit auf meiner Brust gelastet hatte, schien sich langsam zu lösen.

Ich begann sogar ganz ruhig, die verbleibende Zeit herunterzuzählen.

Mama kam mit einem Tortenkatalog zu mir.

„Hilf Mama, eine auszuwählen.“

Ich zeigte auf die Torte mit dem weißen Spitzenrand.

Dann reichte sie mir eine Schachtel mit bunten Kerzen.

„Such auch die Kerzen aus.“

Ich nahm die Kerzen heraus, zählte sorgfältig acht Stück ab und legte sie ordentlich auf den Tisch.

Mama erstarrte.

Meine Schwester war mit acht Jahren gestorben.

Ihre Augen wurden leicht rot, und sie sah mich mit einem komplizierten Blick an.

Ich fragte ruhig: „Ist das eine Abschiedsfeier für mich oder eine Willkommensfeier für meine Schwester?“

Sie wandte schnell den Blick ab, doch ihre Finger zitterten leicht.

„Sag so etwas nicht.“

Am Nachmittag begann Papa, mein Zimmer aufzuräumen.

Meine Tagebücher, Fotokarten und Urkunden – alles wurde in schwarze Müllsäcke gesteckt.

Mama wechselte die Bettwäsche gegen eine hellrosa.

„Sophie mag diese Farbe.“

Mein Schreibtisch wurde hinausgetragen. Und an seiner Stelle wurde die alte Staffelei meiner Schwester hineingestellt.

Der Staub drang mir in die Nase, und ich musste husten, bis meine Brust schmerzte.

Mama sah zu mir.

„Atme nicht zu viel Staub ein.“

Sie hielt kurz inne und fügte hinzu:

„Werd bloß nicht krank.“

Ich zog ein Tagebuch aus dem Müllsack.

Mama legte sofort ihre Hand darauf.

„Lass das nicht hier.“

„Wenn sie zurückkommt und das sieht, wird es ihr unangenehm sein.“

Ich ließ los.

Der Aufkleber auf dem Einband wurde vom Rand des Müllsacks aufgerissen und gab ein leises Geräusch von sich.

Am Abend kam Lukas mit einem Notizbuch in der Hand.

„Anna, kannst du etwas über mich aufschreiben?“

Seine Stimme war etwas heiser.

„Zum Beispiel, dass mein Magen empfindlich ist und ich nichts Kaltes trinken darf. Dass ich es nicht mag, wenn andere meinen Computer anfassen.“

Meine Kehle war ebenfalls trocken und schmerzte.

„Willst du, dass sie dich dadurch kennenlernt? Dass sie meine Liebe zu dir ersetzt?“

Lukas’ Augen wurden leicht rot.

„Ich habe nur Angst, dass sie sich nicht daran gewöhnen wird.“

Ich nahm den Stift und schrieb Wort für Wort genau das auf, was er gesagt hatte.

Doch in meinem Herzen regte sich nicht die geringste Welle.

Papa brachte wieder meine Bankkarte.

„Wie viel Geld hast du noch gespart?“

Mama sagte leise: „Wenn Sophie zurückkommt, braucht sie neue Kleidung und muss viele Formalitäten erledigen … Es gibt vieles, wofür sie Geld braucht.“

Das Geld auf meiner Karte stammte aus Nebenjobs, Stipendien und dem Geld, das ich bei meinen Lebenshaltungskosten gespart hatte.

Ohne zu zögern überwies ich Mama das gesamte Geld auf meinem Konto.

Als die Bestätigung der Überweisung auf dem Bildschirm erschien, verließ ich die Seite sofort.

Mama sah die Benachrichtigung über den Zahlungseingang, und ihr Blick wurde für einen Moment weicher.

„Anna, du bist wirklich vernünftig geworden.“

Als nur noch zwei Stunden übrig waren, ließen sie mich erneut ein Video aufnehmen.

Papa reichte mir ein vorbereitetes Skript.

„Ich bin Anna Schneider.“

„Ich akzeptiere die Ersetzung freiwillig.“

„Niemand hat mich dazu gezwungen.“

„Bitte macht meiner Familie keine Vorwürfe.“

„Schwester, willkommen zu Hause.“

Mama hielt das Handy hoch.

„Lächel ein bisschen.“

„Lass die anderen nicht merken, dass etwas nicht stimmt.“

Lukas stand daneben. Sein Adamsapfel bewegte sich leicht.

„Ähm, vielleicht …“

Tränen liefen über Mamas Gesicht.

„Was sollen wir tun, wenn die Leute fragen, wohin Anna gegangen ist?“

„Willst du, dass Sophie gleich nach ihrer Rückkehr beschuldigt wird?“

Lukas schwieg wieder.

Ich sah in die Kamera und zog meine Mundwinkel nach oben.

Die Muskeln in meinem Gesicht waren so angespannt, dass sie schmerzten.

„Ich bin Anna Schneider.“

„Ich akzeptiere die Ersetzung freiwillig.“

„Bitte macht meiner Familie keine Vorwürfe.“

Ich hielt kurz inne.

„Schwester, willkommen zu Hause.“

„Aber diese Familie will ich nicht mehr.“

Mamas Gesichtsausdruck veränderte sich.

„Lösch das. Nimm es noch einmal auf.“

Im nächsten Moment leuchtete die App von selbst auf.

„Lass sie nicht aufnehmen.“

„Mama.“

„Ich will nicht so nach Hause kommen.“

Im Wohnzimmer herrschte Totenstille.

Langsam erschien eine weitere Zeile.

„Erinnert ihr euch wirklich noch daran, was für ein Mensch ich war?“

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