LOGINAm dritten Tag in dieser Parallelwelt erhielt ich eine Verbindungsanfrage von meiner ursprünglichen Familie.Die App schwebte lautlos vor mir in der Luft.„Ihre Mutter, Ihr Vater und Lukas Weber beantragen eine Rückverbindung.“„Möchten Sie die Verbindung annehmen?“Ich saß am Fenster und hielt die neue orangefarbene Katze im Arm.Das Sonnenlicht fiel auf meinen Handrücken.Dort war nichts mehr durchsichtig. Kein Countdown lief.Lena schälte gerade einen Apfel für mich.Als sie die Anzeige sah, hielt sie nur kurz inne.„Anna, du entscheidest selbst.“Jonas kam mit einem Glas warmer Milch herein.„Wenn du sie sehen möchtest, bleiben wir bei dir.“„Wenn nicht, kann dich niemand dazu zwingen.“Ich senkte den Blick auf den Bildschirm. Ganz unten in der Anfrageliste stand noch ein weiterer Name: Sophie Schneider.Ich öffnete ihre Anfrage. Sie bat mich nicht darum, zurückzukommen.Dort standen nur ein paar Zeilen. „Anna, es tut mir leid.“„Ich werde ihnen sagen, dass wir beide keine Werkz
Als Papa endlich den Eingang zum Forschungszentrum für Parallelwelten fand, war es bereits tief in der Nacht.Mama saß vor dem Computer und starrte auf den Bildschirm. Ihre Augen waren erschreckend rot.Er gab meinen Namen ein.Anna Schneider.Die Seite lud eine lange Zeit.Schließlich erschienen rote Schriftzeichen.„Die familiäre Verbindung zur Ursprungswelt wurde aufgehoben.“„Die ersetzte Person hat freiwillig auf ihr Widerrufsrecht verzichtet.“„Keine Rückholung ist möglich.“Mama aktualisierte die Seite immer wieder.Ihre Finger hämmerten auf die Tastatur, bis die Geräusche den ganzen Raum erfüllten.„Unmöglich.“„Sie ist mein eigenes Kind.“„Wie kann sie nicht zurückgeholt werden?“Die App wiederholte ihre Antwort ohne jede Emotion.„Der familiäre Bindungspunkt ist abgebrochen.“„Die ursprüngliche Familie besitzt keine Berechtigung zur Antragstellung.】Papa drehte sich abrupt zu Lukas um.„Versuch es.“„Du bist der Mensch, der ihr am wichtigsten ist.“Lukas’ Hände zitterten so s
Schließlich erkannte die Familie Schneider, dass das Mädchen, das sie zurückgeholt hatten, nicht die Sophie war, die sie sich vorgestellt hatten.Sie würde kein weißes Kleid anziehen und für Fotos posieren.Sie würde nicht vor einer Torte sitzen und glücklich lächeln.Sie würde Lukas nicht „großer Bruder“ nennen und auch nicht brav die Mahlzeiten essen, die sie für sie vorbereitet hatten.Sie hatte Angst vor unerwarteten Umarmungen.Sie konnte den Geruch von Parfüm nicht ertragen.Die Vorhänge durften nicht vollständig geöffnet werden. Die Lautstärke des Fernsehers durfte zwanzig nicht überschreiten.Am Anfang versuchte Mama noch geduldig, sie zu beruhigen.„Sophie, Mama weiß, dass du dort drüben gelitten hast.“„Aber du musst dich auch langsam wieder daran gewöhnen.“Sophie hielt sich die Ohren zu und vergrub ihr Gesicht im Kissen. „Ich war schon immer so.“„Nur ihr habt euch nie an mich angepasst.“Mamas Gesicht erstarrte.Sie wollte widersprechen, doch dann erinnerte sie sich an di
Am dritten Tag nach Sophies Rückkehr konnte die Familie Schneider es nicht mehr aushalten.Sie weigerte sich, in meinem Bett zu schlafen.Sie sagte: „Der Geruch ist zu stark. Die Bettwäsche ist zu rosa. Das Licht ist zu hell.“Sobald Mama das Licht ausschaltete, kauerte sie sich zusammen und begann am ganzen Körper zu zittern.Papa verlor schließlich die Geduld und schaltete die Lampe im Wohnzimmer wieder ein.„Was willst du denn eigentlich noch?“Sophie kauerte in der Ecke und ihre Atmung wurde immer schneller.„Schrei nicht.“„Meine Ohren tun weh.“Mama begann vor Verzweiflung zu weinen.„Sophie, Mama hat dich nicht zurückgeholt, damit du alles so schwierig machst.“ Sophie hob den Kopf.„Ich mache das nicht absichtlich.“„Es geht mir schlecht.“Als diese Worte fielen, verstummte Mamas Weinen.Es war, als hätte sie diese Worte zum ersten Mal gehört.Beim Abendessen bereitete Mama Meeresfrüchte und Rindfleisch mit Koriander zu.„Das hast du als Kind doch immer gern gegessen.“Sobald S
Die Mutter aus der Parallelwelt hieß Lena Müller.Sie zog den Vorhang des Krankenzimmers nur halb zu, sodass das Sonnenlicht lediglich auf den Boden fiel und mein Gesicht nicht berührte.Bevor sie jedes Mal etwas sagte, sah sie mich zuerst an.„Ist diese Lautstärke in Ordnung?“„Soll ich das Licht noch etwas dimmen?“„Macht es dich nervös, wenn ich hier stehe?“Ich hielt den Rand der Decke fest. Meine Kehle war zugeschnürt.Sie versuchte nicht, sich vorsichtig meine Zuneigung zu verdienen.Sie wartete wirklich darauf, dass ich mich wohler fühlte.Der Vater hieß Jonas Müller.Er schöpfte den Reisbrei aus der Thermosbox und legte den Löffel an den Rand der Schüssel.„Er ist noch etwas heiß.“„Früher bekamst du Magenschmerzen, wenn du nervös warst. Iss erst einmal nur ein paar Löffel.“Ich nahm den Löffel in die Hand. Mein Handgelenk war so erschöpft, dass es leicht zitterte.Im Reisbrei war kein Koriander.Auf dem Tisch standen auch keine Meeresfrüchte.Ich nahm einen Schluck. Die Wärme
Mama starrte auf die wenigen Textzeilen. Ihre Lippen bebten heftig.„Sophie … bist du das?“Der Bildschirm flackerte erneut.„Die kleine Schwester ist kein Ersatz.“„Sie kann Schmerzen empfinden.“Papas Gesicht erstarrte.Lukas riss plötzlich den Blick zu mir.Ich stand vor der Kamera. Das Lächeln war noch nicht aus meinem Gesicht verschwunden, und meine Wangen schmerzten bereits vor Anspannung.Mama stürzte nach vorne und umklammerte das Handy mit beiden Händen.„Sophie … Mama hat dich einfach zu sehr vermisst.“„Mama hat so viele Jahre nach dir gesucht.“Langsam erschien eine neue Zeile auf dem Bildschirm.„Als ich klein war, habe ich euch gesagt, dass ich Angst vor Lärm habe, Licht nicht ertragen kann und es nicht mag, wenn mich jemand plötzlich berührt.“Mamas Schluchzen verstummte.Ich sah, wie sich Papas Finger kurz verkrampften.Sophie tippte weiter.„Der Arzt hat einmal gesagt, dass ich eine Autismus-Spektrum-Störung habe und eine sensorische Integrationsstörung aufweise.“„Abe