Mag-log inAurea's Perspektive
Zwei Wochen. Das war genau der Zeitraum, den ich in den beängstigenden, erstickenden Mauern des Rossi-Anwesens zu überleben geschafft hatte, und entgegen allen bisherigen Wahrscheinlichkeiten war es mir tatsächlich gelungen, eine funktionierende Routine aufzubauen.
Vom ersten Tag an, genau in dem Moment, als die schweren eisernen Tore dieses Anwesens hinter mir ins Schloss fielen, hatte ich mir selbst strenge interne Regeln auferlegt. Es waren in Wahrheit Überlebenstaktiken: Den Kopf völlig unten halten, wie ein Schatten im Hintergrund verschwinden und alles tun, um Überschneidungen mit den Brüdern zu vermeiden. Bis jetzt lief alles genau nach meinem Plan. Ich hatte die ganze Woche über nicht einen einzigen, isolierten Blick auf einen von beiden erhascht. Die absolute Abwesenheit ihrer erdrückenden Präsenz machte es mir bedeutend leichter, tatsächlich durchzuatmen.
Ich verbrachte meine zermürbenden Tage damit, an der Seite des restlichen Hauspersonals zu arbeiten, endlose Reihen alter Bücher abzustauben, goldgerahmte Spiegel zu polieren und sicherzustellen, dass das Anwesen makellos aussah. Nebenbei hatte ich es sogar geschafft, ein paar Freunde zu finden, was das überwältigende Anwesen überraschenderweise eher wie ein Zuhause anstatt wie ein Gefängnis wirken ließ.
Meine absoluten Favoriten waren bei Weitem Rita, eine der scharfzüngigen älteren Dienstmädchen, die praktisch die oberen Etagen leitete, und Leo, mein wunderbar dramatischer Freund, der sich um die weitläufigen Gärten des Anwesens kümmerte. Leo besaß eine ansteckende Energie, die selbst die düstersten Tage augenblicklich aufzuhellen vermochte.
"Liebling, wenn du diesen Boden noch fester schrubbst, brichst du direkt durch den Marmor", gluckste Leo sanft und blickte direkt auf mich herab.
Er lehnte lässig auf dem Stiel seines Besens und beobachtete mich dabei, wie ich den makellosen Boden des großen Flurs aggressiv abwischte. Er warf sein stilvoll verstrubbeltes braunes Haar mit einer dramatischen Geste zurück und zwinkerte mir warm und spielerisch zu.
"Hol tief Luft, Mädchen", flüsterte er und blickte sich in dem leeren Korridor um. "Die Teufel sind heute nicht einmal in diesem Haus. Sie sind schon vor Stunden zu einem hochkarätigen Treffen nach Mailand geflogen."
Ich schaffte es, ein kleines Lächeln auf mein Gesicht zu zwingen, aber die Angstknoten, die sich fest in meinen Schultern verkrampften, wollten nicht völlig verschwinden. Ich wrang mein Tuch in dem seifigen Eimer aus, wobei das Plätschern in dem cavernösen Raum laut hallte.
"Ich will nur sicherstellen, dass alles absolut perfekt ist, Leo. Ich kann es nicht riskieren, diesen Ort zu verlieren. Ich habe sonst keinen Ort, an den ich gehen kann", gestand ich und hielt in meinen Bewegungen auf dem Boden für eine kurze, schwere Sekunde inne.
"Du wirst ihn nicht verlieren", seufzte er, während seine dramatische Rolle abfiel und sein Ausdruck sich mit echter, beschützender Fürsorge aufweichte. Er lehnte sich etwas näher heran, seine Stimme sank zu einem verschwörerischen Murmeln. "Aber ich würde an deiner Stelle auf meinen Rücken aufpassen. Sie hat den ganzen Morgen über absolute Löcher in deinen Hinterkopf gestarrt, diese dumme Schlampe." Er beendete seinen Satz mit einem zutiefst genervten, angewiderten Blick im Gesicht.
Ich folgte seinem Blick und schaute quer durch den weitläufigen Korridor zum anderen Ende, wo Lyra, ein anderes älteres Dienstmädchen, einen Wäsche schrank organisierte. Leo hatte nicht unrecht. Seit dem allerersten Tag, an dem ich angefangen hatte, hatte Lyra mich angesehen, als wäre ich buchstäblich ein Stück Müll, das man von den Bürgersteigen der Stadt gekratzt hatte. Ich wusste nicht, was ich getan hatte, um sie zu kränken, oder ob sie meine bloße Existenz aus Prinzip verachtete, aber ihre kalten, spöttischen Seitenblicke und feindseligen Murmeleien ließen meine Haut immer vor Unbehagen krabbeln.
Aber eine eifersüchtige Arbeitskollegin war nicht das Einzige, was mich in diesem Haus zunehmend unruhig machte.
Über die letzten Tage hinweg hatte ein seltsames, erstickendes Gefühl begonnen, mir auf Schritt und Tritt zu folgen. Egal ob ich die hohen Regale der großen Bibliothek abstaubte, Silber im Speisesaal polierte oder alleine durch den gepflasterten Innenhof ging, spürte ich häufig das schwere, intensive Gewicht von Augen, die sich in meinen Nacken brannten.
Doch wann immer ich mich schnell auf der Ferse umdrehte, um denjenigen zu erwischen, der mich anstarrte, waren die Flure völlig leer. Ich fand immer nichts als Schatten, was mich ängstlich fragen ließ, ob das Trauma aus meiner Vergangenheit mich einholte und ob ich einfach den Verstand verlor.
Als die Nacht schließlich einbrach, holte mich die reine körperliche und geistige Erschöpfung, diese ständige, schwache Angst mit mir herumzutragen, vollkommen ein. Nachdem ich Leo unten eine ruhige gute Nacht gewünscht hatte, kroch ich in mein kleines Schlafzimmer. Es war nichts Umwerfendes wie der Rest des Anwesens—nur ein kleiner, bescheidener Raum, versteckt in den normalen Dienstmädchenquartieren auf den unteren Ebenen. Es war einfach, es war völlig ruhig und am wichtigsten: Es fühlte sich sicher an. Ich beendete schnell meine kurze Abendroutine und glitt in einen schweren, unruhigen Schlaf, genau in der Sekunde, als mein erschöpfter Körper die Matratze berührte.
Ich wachte mitten in der Nacht auf, mein Herz raste und mein Hals war schmerzhaft, vollkommen trocken. Ich hatte einen schrecklichen Albtraum gehabt, in dem ich von zwei großen, gesichtslosen Männern durch ein Labyrinth aus pechschwarzen Schatten gejagt wurde.
„Was für ein Traum ist das?“, dachte ich mir und zitterte, während ich im Dunkeln blind nach dem Glas auf meinem Nachttisch griff. Meine Finger tippten gegen eine leere Kanne. Ich stellte plötzlich mit einem Stöhnen der Frustration fest, dass ich völlig vergessen hatte, mein Wasser vor dem Schlafengehen aufzufüllen. Es war kein einziger Tropfen mehr in meinem Zimmer.
Ich seufzte über meine eigene Vergesslichkeit, schlüpfte unter der warmen Bettdecke hervor und trat nur in meinem dünnen Schlafanzug in den kalten Flur. Sobald ich aus meinem Zimmer trat, strömte die kalte Luft gegen mein Gesicht. Ich holte tief Luft und begann, den Flur der Dienstmädchenquartiere entlangzugehen. Alles hier war pechschwarz, aber nach zwei Wochen Navigation durch diese Flure kannte ich meinen Weg perfekt. Das gesamte Anwesen schlief. Es bestand kein Risiko, Aufmerksamkeit zu erregen, also machte ich mir nicht einmal die Mühe, mich zu bedecken.
Ein leichtes Set, aber es bot absolut keinen Schutz gegen die Kälte des Hauses.
Ich ging leise durch die dunklen, stillen Korridore und steuerte mich rein durch das schwache, silbrige Mondlicht, das durch die hohen, gewölbten Fenster drang, bis ich schließlich die massive Küche erreichte.
Der riesige Raum war in tiefe, unheimliche Schatten getaucht. Ich machte mir nicht die Mühe, das Deckenlicht einzuschalten, da ich nicht riskieren wollte, jemanden vom Personal oder die in der Nähe des Flügels stationierten Wachen aufzuwecken. Rein nach Gefühl gehend, trat ich an die Marmortheke und griff in die Dunkelheit nach einem Glasbecher aus dem Abtropfgestell.
Meine Finger streiften den glatten Glasrand, aber mein Griff rutschte ab.
Klack.
Der Becher fiel von der Theke, sprang ein- oder zweimal auf dem weichen Läufer auf, bevor er über den harten, unbedeckten Fliesenboden rollte.
"Herrje", flüsterte ich in die ohrenbetäubende Stille, während meine Stimme in dem leeren Raum wie ein Schrei klang.
In Panik, dass das Geräusch einen Sicherheitsdienst anlocken könnte, bückte ich mich sofort und griff blind in die Dunkelheit, um nach dem Glas zu tasten, bevor es noch weiter über die Fliesen rollen konnte.
Aber meine Finger erstarrten einen Zentimeter vor dem Boden.
Die Luft in der Küche wurde plötzlich eiskalt. Die Haare auf meinen bloßen Armen stellten sich auf, als eine furchterregende, überwältigende Präsenz direkt hinter mir auftauchte und das schwache Mondlicht verdeckte. Bevor ich die Gefahr überhaupt verarbeiten oder mich wieder aufrichten konnte, griff eine große, warme Hand herab und packte mich.
Aureas SichtPlötzlich drückte sich ein sanftes Gewicht gegen meines.Zwei schlanke Arme schlangen sich um meine Taille und brachten mich aus dem Gleichgewicht. Ich stieß ein überraschtes Keuchen aus; meine Absätze schrammten über den polierten Boden, als mich die Person mit solcher Kraft umarmte, dass mir beinahe die Luft in den Lungen wegblieb.„Oh mein Gott! Ich kann es nicht glauben! Ich kann es wirklich nicht glauben!“, quietste eine vertraute, hohe Stimme direkt in mein Ohr.Die Person löste sich schließlich von meinem Körper und erlaubte mir, einen Atemzug zu nehmen. Ich blinzelte, und mein Kiefer klappte vor absoluter Überraschung herunter, als ich das Mädchen ansah, das vor mir stand.„Nina?!“, hauchte ich, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern gegen das Summen der Menge.Da stand sie, gekleidet in einem wunderschönen, schimmernden smaragdgrünen Cocktailkleid, das sie ganz anders aussehen ließ als das Mädchen, das ich aus Paris gekannt hatte. Ihr lockiges Haar war elegant h
Aureas SichtDie Karte glitt aus meinen Fingern und flatterte nutzlos auf den Boden. Ich trat einen Schritt zurück, meine Augen weit vor Entsetzen, als ich den lila Bären ansah.Sie waren in meinem Zimmer gewesen. Schon wieder. Die Erkenntnis, dass ich niemals wirklich sicher war, ließ mir einen kalten Schweißausbruch über die Wirbelsäule laufen.„Raus hier“, flüsterte ich, meine Stimme brach in dem stillen Raum. „Geht weg von mir.“Angetrieben von einer plötzlichen Welle manischer Energie stürzte ich nach vorne und packte das riesige Kuscheltier am plüschigen Arm. Es war unglaublich schwer, aber das war mir egal. Ich zog es über den Boden, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, und riss die Türen zu meinem begehbaren Kleiderschrank auf. Ich drängte mich an den Reihen von Designer-Kleidung vorbei und schob den lila Bären in die hinterste Ecke des Raumes, wo ich ihn hinter einem Stapel leerer Kofferboxen vergrub, damit ich sein Gesicht nicht mehr ansehen musste.Ich schlug die Schrankt
Aureas SichtMeine Finger schwebten über dem leuchtenden Bildschirm, während die Textnachricht Löcher in meine Sehschärfe brannte. Und mit einem scharfen, entschlossenen Druck meines Daumens tippte ich auf den Bildschirm, blockierte die Nummer und drückte auf Löschen. Der Verlauf verschwand von meinem Bildschirm im Nichts.Ich stieß einen langen, rauen Seufzer der Erleichterung aus; meine Schultern sackten nach unten, als ich das Telefon mit dem Display nach unten auf das Bett warf. „Nein“, flüsterte ich in den leeren, stillen Raum, meine Stimme zitternd, aber fest. „Ich werde nicht zulassen, dass sie mir das antun. Ich werde den Typen heiraten, von dem meine Eltern sprechen. Wer auch immer er ist, er muss besser sein als das hier. Ich werde ihn heiraten, ich werde zulassen, dass er mich beschützt, und ich werde diesen beängstigenden, monströsen Menschen ein für alle Mal entkommen.“Der Entschluss fühlte sich wie eine Rettungsleine an – eine verzweifelte Hoffnung, an die ich mich klam
Aureas Sicht„Geh nicht! Bitte, verlass mich nicht!“Ich schnappte nach Luft und meine Augen flogen auf, als ein verzweifelter Schrei die Stille des Zimmers zerriss. Mein Herz hämmerte wie ein gefangener Vogel gegen meine Rippen. Kalter Schweiß feuchtete meinen Haaransatz an. Für eine schreckliche Sekunde brannte sich das Bild meiner Pflege Mutter hinter meinen Augen ein – wie sie mir den Rücken kehrte und in einem wirbelnden, grauen Nebel verschwand.Ich blinzelte rasch und schüttelte den Kopf, als der Traum langsam zurückwich und mein Schlafzimmer zum Vorschein kam. Die vertrauten lilafarbenen Vorhänge waren zugezogen und ließen nur das sanfte, warme Leuchten des späten Nachmittags herein.„Oh, Liebling, atme. Es ist alles gut. Du bist sicher“, eilte eine sanfte, zitternde Stimme herbei, um mich zu trösten.Ich riss den Kopf zur Seite. Auf der Kante meiner Matratze saß meine Mutter; ihr Gesicht war blass und von überwältigender Sorge erfüllt. Neben ihr standen zwei Dienstmädchen, di
Aureas Sicht„Geh schlafen, June“, sagte Vincenzo leise, seine Stimme völlig ruhig, als hätte er nicht gerade komplett meinen Verstand erschüttert.Ohne ein weiteres Wort standen beide Brüder vom Bett auf und gingen aus meinem Schlafzimmer. Sie bewegten sich beiläufig und mühelos, als würde ihnen das gesamte Anwesen gehören und als hätten sie jedes Recht, durch die Korridore zu wandeln.Ich lag erstarrt in der Dunkelheit da, meine Brust hob und senkte sich schwer, während ich die geschlossene Tür anstarrte. Ich konnte für den Rest der Nacht kein einziges Auge zutun. Jedes kleine Geräusch riss mich hochschreckend aus dem Schlaf und zwang mich, mich aufzusetzen und die Dunkelheit zu mustern, um zu sehen, ob die Brüder zurückgekehrt waren.Als der Morgen endlich anbrach, hatte der schwere Regen aufgehört und einen matten, grauen Nebel hinterlassen, der die Skyline wie eine Decke einhüllte. Erschöpft schleppte ich mich aus dem Bett und ging ins Badezimmer.Als ich vor den großen Marmor-Wa
AureaMein Atem stockte. Die Härchen auf meinem Nacken stellten sich auf.Noch bevor sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnen konnten, sank die Matratze auf beiden Seiten neben mir tief ein.Innerhalb von Sekunden war mein Bett von den dunklen, hünenhaften Silhouetten von Vincenzo und Valerius überlagert. Mit einer furchterregenden Eleganz stiegen sie zu mir herauf und begruben mich unter ihrem schieren Gewicht.Valerius lag zu meiner Rechten, Vincenzo nahm die linke Seite ein. Gleichzeitig beugten sie sich hinab und vergruben ihre Gesichter tief in meiner empfindlichen Halsbeuge. Ihr heißer, schwerer Atem traf meine kühle Haut und schickte mir eine spürbare Gänsehaut über den Rücken. Der Duft von teurem Parfum und Regen umhüllte all meine Sinne.„Erschreck uns nie wieder so, kleiner Vogel“, flüsterte Valerius voller Besessenheit an meiner Haut. Seine tiefe Stimme vibrierte direkt an meinem Schlüsselbein, während seine Zähne sanft über meine Kieferlinie striffen.„Wenn dir irgendet







