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Author: Helsa
last update publish date: 2026-03-17 20:51:56

JANNAIS

„Ich lehne dieses Opfer ab.“

Ein kollektives Keuchen zerriss die Lichtung.

Die Wölfe erstarrten, Zähne blitzten auf. Die Hexen spannten sich an, ihre Augen weit vor Schock. Niemand hatte es je gewagt, sich dem Ritual so offen zu widersetzen.

Zeremonien, Rituale – all das hatte mir nichts bedeutet. Macht hielt mein Rudel am Leben, nicht Tradition. Sollten die Ahnen mich verfluchen – ich hatte mich noch nie vor Toten verbeugt.

Bis ich sie sah – Augen, die vor Gefahr brannten, nicht vor Angst.

Ihr Geruch traf mich wie ein Schlag: Stahl, kalte Magie und etwas Verbotenes. Mein Wolf knurrte leise, unruhig, und ich wusste nicht, ob er sie töten wollte – oder näher zu ihr hin.

Mein Wolf wurde still, aufmerksam auf eine Weise, die ich nur kannte, wenn er etwas wirklich Gefährliches witterte.

Warum?

Das Gesicht des Opfers verzog sich zu einer finsteren Miene. Ihre Finger zuckten an ihren Seiten. Sie versuchte, ruhig zu wirken, doch ihre Haltung verriet sie – angespannt, kontrolliert.

Sie war keine Beute.

In ihrer Haltung lag eine kalte Selbstsicherheit – die eines Menschen, der schon einmal getötet hatte.

Die meisten Wölfe hätten eine solche Entschlossenheit gefürchtet. Ich fand sie … interessant.

Mein Wolf spürte keine Schwäche in ihr. Er spürte einen Kampf.

Wir bewegten uns gleichzeitig – ich griff nach ihrer Kehle, während sie den Rock ihres Kleides aufriss. Ein metallisches Aufblitzen – eine Waffe. Noch bevor sie sie heben konnte, riss ich sie zu Boden.

Der Schuss fiel.

Sie kämpfte wie ein in die Enge getriebenes Tier. Ihr Ellenbogen krachte gegen meinen Kiefer, ein greller Schmerz schoss durch meinen Kopf. Noch bevor ich mich fangen konnte, schlangen sich ihre Beine um meine Hüfte und rissen mich hart zu Boden.

Plötzlich lag ich auf dem Rücken – und blickte direkt in den Lauf ihrer Waffe.

Schnell. Viel zu schnell für jemanden, der als Opfer gedacht war.

Das Klicken der Sicherung reichte mir. Ich packte die Waffe, drückte zu, bis das Metall unter meinen Fingern nachgab wie Papier, und schleuderte sie beiseite.

Sie war gut. Wäre ich nicht verletzt gewesen, hätte mich das vielleicht sogar gereizt.

Die meisten Frauen hätten längst geschrien. Sie versuchte, mich ein zweites Mal zu töten.

Sie riss sich los, doch ich hielt sie fest. Als sie sich drehte, folgte ich, blockte ihr Messer. Sie glitt unter mir hervor und war im nächsten Moment wieder auf den Beinen.

Sauberer Ausbruch. Kein Zögern.

„Du kämpfst, als wärst du dafür geboren worden“, keuchte ich, Blut auf der Zunge, während ich mich aufrichtete. „Nicht gerade das, was ich von einem Opfer erwartet hätte.“

„Es gibt für alles ein erstes Mal“, fauchte sie.

Die Klinge bohrte sich in meine Schulter.

Der Schmerz riss durch mich, heiß und brutal. Ich brüllte auf – und sie lächelte.

Dieses Lächeln war keine Angst. Es war Genugtuung.

Ich verdrehte ihr Handgelenk, bis das Messer klirrend zu Boden fiel – doch sie zögerte nicht. Mit einem Ruck schlug sie ihren Kopf gegen mein Gesicht.

Brutal. Effizient.

Bevor ich mich fangen konnte, traf mich ihr Stiefel hart zwischen den Beinen. Zu schnell, um es zu blocken.

„Scheiße!“, zischte ich.

Sie grinste nur schief und stürzte sich auf den Dolch.

Mein Wolf knurrte zustimmend. Er mochte Kämpfer.

„Komm schon“, zischte sie. „Blut für mich.“

„Ich überlege noch, ob ich dich langsam ausbluten lasse.“

„Ich hoffe, du schreist lauter als die anderen.“

Als sie erneut angriff, wich ich aus, packte eine Handvoll ihres Haars und riss sie zu mir. Eine Hand legte sich um ihre Kehle, und ich schleuderte sie gegen den nächstgelegenen Baum.

Der Aufprall schlug ihr den Dolch aus der Hand – und ihr den Atem aus der Brust.

Ihre Augen weiteten sich, als sich Panik in die Wut mischte.

Selbst in die Enge getrieben, rechnete sie noch.

Ich presste meine Zähne an ihre Kehle. Und biss zu.

In dem Moment, in dem meine Zähne ihre Haut berührten, wurde mein Wolf seltsam still.

Einen Herzschlag später erschlaffte das silberhaarige Mädchen in meinen Armen.

Ich sah auf sie hinab – auf die blutige Lippe, das zerrissene Kleid, das Feuer in ihr gedämpft, aber nicht erloschen.

Die meisten Feinde bettelten um Gnade. Sie hatte versucht, mir den Kopf abzureißen.

„Sie gehört nicht dem Rudel“, knurrte ich. „Sie hat versucht, mich zu töten – und lebt noch. Das macht sie zu meiner Angelegenheit, nicht zu eurer. Und ich entscheide, was als Nächstes passiert.“

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