LOGINALEXANDER:
Ich war gerade dabei, dasselbe Dokument zum dritten Mal zu unterschreiben, als mir auffiel, dass ich es bereits zweimal unterschrieben hatte. Mein Stift erstarrte über dem Papier. Was zur Hölle stimmte nicht mit mir? Genervt schob ich die Akte von mir weg und lehnte mich in meinem Stuhl zurück. Die Glaswände meines Büros boten einen Blick über die gesamte Stadt, aber heute bedeutete mir diese Aussicht überhaupt nichts. Fast ein Jahr war vergangen, seit Harper gegangen war. Keine Anrufe. Keine dramatische Rückkehr. Gar nichts. Anfangs hatte ich gedacht, sie wolle mich bestrafen. Dass sie angekrochen kommen würde, sobald sie merkte, wie unmöglich das Leben ohne mein Geld, meinen Namen und meinen Schutz war. Doch inzwischen begann mich diese Stille zu beunruhigen. Nicht, dass ich das jemals zugeben würde. „Alexander“, riss mich Rowenas Stimme zurück in die Realität. „Du hast kein einziges Wort von dem gehört, was ich gesagt habe.“ Ich blickte auf. Sie saß mir gegenüber, die Beine übereinandergeschlagen, eine Hand auf ihrer Hüfte. Kein Schwangerschaftsbauch mehr. Sie hatte vor einigen Wochen entbunden. Einen Jungen. Meinen Sohn. „Wann geben wir unsere Verlobung bekannt?“, fragte sie. Ich unterdrückte ein Seufzen. „Noch nicht.“ Ihre Augen verengten sich. „Und wann genau ist 'noch nicht'?“ Ich rieb mir die Schläfe. Gott, ich war müde. Sie stand von ihrem Stuhl auf und ging um den Schreibtisch herum auf mich zu. Sofort erfüllte ihr Parfüm die Luft. Normalerweise mochte ich diesen Duft an ihr. Heute bereitete er mir Kopfschmerzen. Sie blieb neben mir stehen und legte eine Hand auf meine Schulter. „Du schiebst es immer weiter hinaus“, sagte sie leise. „Warum? Du hattest doch keine Beschwerden, als wir miteinander geschlafen haben.“ „Das war vorher.“ „Vor was?“ Ich antwortete nicht. Sie griff nach dem Revers meines Sakkos und drehte meinen Körper zu sich. Ich schluckte. „Ich habe dir einen Sohn geschenkt, Alexander. Einen Erben. Deine Mutter wird dir Banks Media endlich meinetwegen übergeben, und du zögerst?“ Mein Kiefer spannte sich an. Ich wusste nicht, wie ich ihr das erklären sollte. Meine Mutter war mit unserer Beziehung nicht einverstanden. Oder zumindest redete ich mir das ein. Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich wirklich schon bereit war, Rowena zu heiraten. „Ich habe gesagt, dass ich dich heiraten werde“, erwiderte ich. „Also hör auf, mich unter Druck zu setzen.“ Ihr Gesichtsausdruck verhärtete sich. „Wann?“ „Ich weiß es nicht“, sagte ich mit zusammengebissenem Kiefer. „Ich habe ein Unternehmen zu führen.“ „Und...“ Die Bürotüren öffneten sich und unterbrachen Rowena. James trat mit einem Tablet in der Hand ein. „Sir...“ Endlich. Eine Ablenkung. „Was gibt es?“, fragte ich sofort. Er warf Rowena einen kurzen Blick zu und sah dann wieder mich an. „Kann ich offen sprechen?“ Bevor ich antworten konnte, lächelte Rowena. „Natürlich. Ich werde bald Mrs. Banks sein. Zwischen uns gibt es keine Geheimnisse.“ Ich verdrehte die Augen. James sah mich fragend an. Ich war zu müde, um darüber zu diskutieren, also sagte ich nichts. „Wir haben sie gefunden“, sagte er. Sie. Harper. Ich fuhr ruckartig nach vorne. „Was?“ „Sie wurde gestern Nachmittag gesehen. In der Innenstadt. In der Nähe der Westbridge Avenue.“ Ich stand sofort auf. Auf der anderen Seite des Raumes wich sämtliche Farbe aus Rowenas Gesicht. „Du hast mir versprochen, dass du aufgehört hast, nach ihr zu suchen“, fauchte sie. Ich ignorierte sie. „Hol den Wagen.“ „Alexander!“, schrie Rowena, und ich drehte mich zu ihr um. „Du suchst immer noch nach ihr?“, flüsterte sie. „Natürlich tue ich das. Sie ist meine Frau.“ Die Worte kamen ganz selbstverständlich. Denn es war die Wahrheit. Harper gehörte zu mir. Scheidungspapiere hin oder her. Sie konnte nicht einfach ohne jede Erklärung verschwinden. Rowena kam schnell auf mich zu. „Du hast mir gesagt, dass du mit ihr abgeschlossen hast.“ Ich öffnete den Mund, um zu antworten, doch sie unterbrach mich. „Sie hat dich verlassen.“ „Und sie wird zurückkommen“, fuhr ich sie gereizt an. Rowena wirkte ehrlich erschüttert. „Sobald ich mit ihr gesprochen habe, hat dieser Unsinn ein Ende.“ Sie trat näher und senkte ihre Stimme. „Alex... warum tust du das? Du hast jetzt doch mich. Du hast deinen Sohn.“ Ich ballte die Fäuste. Sie würde es nicht verstehen. Dass Harper weggegangen war, ließ mich schwach aussehen. Es ließ mich schwach fühlen. Und ich hasste Schwäche. Sie murmelte noch irgendetwas, doch meine Geduld war bereits am Ende. Ich verließ das Büro. Ich nickte James zu. „Mach den Wagen fertig. Wir fahren zur Westbridge Avenue.“ Hoffnung brannte in meiner Brust, denn Harper hatte einen Fehler gemacht. Sie hatte zugelassen, dass man sie sah. Und jetzt? Jetzt würde ich sie finden.HARPER:„Steh auf.“Die Stimme ertönte von oben, dringlich und vertraut.„Steh auf!“Sagte die Person erneut und schüttelte meine Schulter. Ich stöhnte auf und rollte mich auf die andere Seite, aber bevor ich mich überhaupt ganz drehen konnte, drehte mich die Person auf die andere Seite.„Luisa!“Meine Augen schossen auf. Ich konnte nicht einmal richtig aufwachen, bevor eine große Hand mein Handgelenk umfasste und ich wie eine Stoffpuppe nach oben gerissen wurde.„Was …“ Ich stolperte, meine bloßen Füße scharrten über den kalten Boden, während er mich durch den Raum zog.Alexander antwortete nicht einmal, als sein Griff sich verstärkte und er mich hinter die dicken Baumwollvorhänge hinter dem Fenster schob. Ich verstand nicht, was los war, und Alexander erklärte es nicht.Ich hatte nicht die Gelegenheit, mich zu beschweren, und tat einfach, was er verlangte.„Bleib dort“, befahl er. „Beweg dich nicht.“Mein Hals war wund, aber ich zwang mich zu fragen: „Was tust du da?“ Mein Herz hämm
Alexander:„Papa, schlaf auch mit uns“, sagte Elias ahnungslos.„Hm?“, fragte ich und tat so, als hätte ich ihn nicht richtig verstanden, denn ich weigerte mich zu glauben, dass er mich gerade gebeten hatte, mit ihm und dem Kindermädchen ein Bett zu teilen – und nicht mit seiner Mutter.Ich starrte meinen Sohn an und er starrte zurück. Das Kindermädchen sah bei diesem Schlagabtausch aus, als wollte sie, dass der Boden aufreißt und sie verschlingt.„Elias …“„Nein“, unterbrach mich das Kindermädchen, bevor ich etwas sagen konnte, ihre Stimme scharf vor Verlegenheit. Sie wandte sich Elias zu. „Warum fragst du deinen Vater so etwas?“Elias blinzelte, unbeeindruckt. „Weil ich ihn hier haben will.“Dem Kindermädchen schoss die Röte ins Gesicht. Sie schüttelte den Kopf. „Das geht nicht …“Elias zeigte auf eine Seite des Bettes. „Frau Luisa ist hier.“ Dann zeigte er auf die andere Seite, als ob seine Demonstration Sinn ergeben würde. „Papa kommt hierhin.“Mein Kiefer verkrampfte sich.Das Ki
HARPER:Ich wickelte Elias in ein Handtuch. Meine Gedanken schweiften immer noch zu Liam zurück, besonders zu seiner Drohung. Ich war mir nicht ganz sicher, ob er seine Drohung wirklich wahr machen würde, aber es war kein Risiko, das ich eingehen konnte.Eine Woche. Das war alles, was er mir gegeben hatte. Eine Woche, um diese eine Akte zu finden, die er aus Alexanders Arbeitszimmer haben wollte. Mir drehte sich der Magen um. Das Arbeitszimmer hätte genauso gut ein Tresor sein können. Alexander lässt niemanden hinein, und selbst wenn ich es irgendwie durch die Tür schaffen würde, hatte Liam mir nie genau gesagt, wonach ich suchen sollte … außer, dass die Akte einen roten Umschlag hat.Die ganze Sache war unmöglich. Doch Liam klang überhaupt nicht besorgt, und dieses Selbstvertrauen beunruhigte mich noch mehr als die Drohung selbst.„Autsch“, schrie Elias und riss mich aus meinen Gedanken. Ich hatte die Handtücher zu fest um ihn gewickelt, ohne nachzudenken.„Tut mir so leid, Schatz“,
HARPER:Ich sollte gehen. Der Gedanke kam mir … das Einzige, was meine Füße an Ort und Stelle hielt, waren die Fragen, die sich in meinem Kopf wiederholten: Wer hatte Ethans Foto gemacht? Wer wagte es, meinen Sohn gegen mich zu verwenden?Dieses Foto war kein Zufall. Es war kein Zufall. Jemand hatte uns beobachtet … Ethan und mich, und bis ich wusste, wer und warum, würde ich nirgendwo hingehen.Nachdem ich stundenlang gewartet hatte und meine Gedanken mich zu ertränken schienen, beschloss ich, den Raum zu inspizieren. Das Wohnzimmer nahm den größten Teil des Raumes ein. Ein Bücherregal zog sich an der Wand entlang, mit einigen schief hängenden Gemälden.Mein Blick fiel auf einen Flur mit zwei Türen. Eine stand einen Spalt breit offen. Ich schob sie weiter auf und enthüllte ein Arbeitszimmer. Großer Eichenschreibtisch. Bücherregale von der Decke bis zum Boden … Ich ging weiter hinein, mein Blick schweifte über den Schreibtisch.„Was zum Teufel?“ keuchte ich.Auf der Ecke des Schreibti
HARPER:»Hallo?«, rief ich, als ich den Raum betrat. Es kam keine Antwort.»Ist hier jemand?«Wieder keine Antwort. Die Hütte war nicht groß. Ein kleiner Sitzbereich nahm den Großteil des Raumes ein, mit einem Holztisch, ein paar Stühlen und einem Kamin an einer Wand. Alles sah verdächtig normal aus.Mein Herz raste in meiner Brust. Was, wenn das tatsächlich eine Falle war? Ich machte einen Schritt vorwärts und noch einen. Du kannst immer noch zurückgehen, sagte ich mir.Der Raum schien leer, dann bemerkte ich eine Bewegung. Ich erstarrte. Ich drehte mich um, als eine Gestalt aus der schattigen Ecke neben dem Kamin trat.Die Luft blieb mir in der Kehle stecken.»James?«, schrie ich. Alexanders Assistent blickte von der Glasflasche in seiner Hand auf. Er schenkte sich Wein ein. Wie tatsächlich verdammten Wein für sich selbst einschenkte?»Was zur Hölle«, stolperten die Worte aus mir heraus. James' Augen trafen meine, seine Augen blitzten vor Bosheit. Der Mundwinkel verzog sich zu einem
HARPER:Verdammt. Warum war James hier? Woher wusste er, wo Daniel wohnte? Hatte er etwas über mich herausgefunden?War das das Ende?»Harper«, riss Daniels Stimme mich aus den rasenden Gedanken in meinem Kopf. »Wir müssen los.«Mein Herz begann schnell zu schlagen … viel zu schnell. Das durfte nicht passieren.»Oh, Götter«, flüsterte ich, die Worte entkamen mir, bevor ich sie aufhalten konnte.»Harper.«»Oh, Gott«, sagte ich noch einmal, diesmal lauter, mit Panik in der Stimme.»Harper.«»Ich habe dich beim ersten Mal gehört!«, fuhr ich ihn an. Daniel zog sich den Nasenrücken zusammen, eine Geste, die ich langsam als sein Tellermerkmal erkannte, das Zeichen dafür, dass ich ihn an den Rand seiner äußerst begrenzten Geduld brachte.Er trat auf mich zu, packte meine Sachen in meine Tasche und drückte sie mir in die Hände. »Es gibt einen Hinterausgang. Komm mit mir.«Ich war bereits in Bewegung, mein Körper reagierte, bevor mein Gehirn nachgekommen war. Daniel schob mich praktisch den Fl







