LOGINFast ein Jahr lang hat Claire in einem luxuriösen Herrenhaus gelebt, mit einem Ehemann, der ihre Existenz kaum wahrnimmt. Sie erinnert sich nicht an ihre Vergangenheit. Sie weiß nicht, wo ihre Familie ist. Sie weiß nicht einmal, warum Damian Sleek, der kalte Mann, der sie rettete, als sie verloren war, zugestimmt hat, sie zu heiraten. Für alle anderen ist sie Damians Ehefrau. Doch innerhalb des Herrenhauses ist sie nicht mehr als ein Schatten. Damian weigert sich, sie zu berühren, weigert sich, ihr zu sagen, wer sie wirklich ist, und hält sie vor der Außenwelt verborgen. Dann beginnt sich alles zu ändern. Zum ersten Mal darf Claire das Herrenhaus verlassen. Und während eines einfachen Ausflugs zu einem Modehaus erwacht etwas in ihr. Eine Stärke, von der sie nie wusste, dass sie sie besitzt. Eine Stärke, mächtig genug, um einen Fremden zu erschrecken. Dann, auf dem großen Ball von Damians Großmutter, hört Claire einen Namen, der für sie keinen Sinn ergibt. Die Tigerin-Kriegerin. Eine Frau, von der man glaubte, sie sei längst verschwunden. Doch warum reagiert jemand so seltsam, nachdem er Claire berührt hat? Und als gefährliche Männer plötzlich Damian angreifen, findet sich Claire dabei wieder, mit einer Kraft zu kämpfen, die sie nicht versteht.
View MoreDie Tür glitt mit einem leisen Klicken auf. Durch die Schatten erkannte ich die Umrisse seiner großen Gestalt und seines dunklen, verschwitzten Gesichts.
Was macht er schon wieder hier?, dachte ich entsetzt und zog verzweifelt das Bettlaken über meinen halbnackten Körper.
Damian trat näher, beugte sich hinab, bis sein Atem meine Wange streifte. Seine Hand glitt in mein Haar, griff so sanft hinein, dass ich für einen Sekundenbruchteil zu hoffen wagte. Ich dachte, er würde mich endlich als die Frau sehen, die er lieben sollte.
Stattdessen richtete er sich gerade auf, seine dunklen Augen glitzerten im schwachen Licht. Ohne ein Wort drehte er sich um, ging zur Tür und schlüpfte hinaus, wobei er die Tür leise hinter sich schloss.
„Was für ein absoluter Sonderling", murmelte ich zu mir selbst und zog das Laken fester gegen meine Brust.
Bald strömte Morgenlicht durch das Fenster und kündigte die Ankunft eines neuen Tages an. Ein weiterer Tag als eingesperrte Schattenehefrau von Damian Sleek.
Wie üblich hatte ich nichts zu tun. Meine Routine war einfach: aufstehen, mein billiges Kleid überziehen und im riesigen Haus umherwandern, um einen Blick von dem Mann zu erflehen, der so tat, als würde es mich nicht geben.
Während ich das Bett machte, hing noch immer der reiche, berauschende Duft seines Parfüms schwer auf den Kissen. Ich schnaubte und trat in den Flur, wobei ich fast mit unserer Haushälterin zusammenstieß.
„Nun, ich sehe, du hattest eine gute Nacht", neckte mich Frau Rosie und lächelte warm. „Dein befleckt aussehendes Gesicht sieht heute Morgen hübsch aus."
„Tut es das?" Panisch eilte ich zum Flurspiegel.
Frau Rosie brach hinter mir in Gelächter aus. „Ich mache nur Spaß, Liebes. Aber merk dir meine Worte, eines Tages wirst du strahlen wie die Prinzessin, die du wirklich bist."
Ihre sanfte Zuversicht war das Einzige, was mich bei Verstand hielt. Wenigstens sah Frau Rosie mich, anders als die übrigen kalten Seelen in diesem Haus.
Bevor ich antworten konnte, legte sich plötzlich ein kräftiger Arm um meine Taille und wirbelte mich herum. Damian zog mich fest gegen seine Brust, sein Gesicht schwebte nur wenige Zentimeter von meinem entfernt.
Die Haustür schwang auf, und Frau Alex trat ein. Ihre Augen huschten für einen kurzen Moment über uns, bevor ein leises Glucksen ihren Lippen entwich.
Ein scharfer Stich traf meine Brust. Natürlich. Damian spielte den aufmerksamen Ehemann nur, wenn seine Großmutter zusah.
Während er seine Hand fest auf meiner Taille ruhen ließ, wandte er sich ihr zu. Frau Alex näherte sich uns mit ihrem typischen sanften Lächeln.
„Ich sehe, ihr beiden kommt viel besser miteinander aus als neulich", bemerkte sie erfreut. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf ihn. „Damian, hast du in Erwägung gezogen, sie zur Schule gehen zu lassen?"
Ich hielt den Atem an und wappnete mich für seine übliche schnelle Zurückweisung, die kalte Erinnerung daran, dass ich eingesperrt und verborgen bleiben sollte, weil er sich zu sehr für die Frau schämte, die er zu heiraten gezwungen worden war.
„Sie kann zur Schule gehen", sagte Damian glatt. „Ich halte sie nicht zurück."
Mein ganzer Körper erstarrte. Hatte er gerade … zugestimmt?
„Du hast gesagt, du willst gehen", sagte Damian und sah mit einem trügerisch liebevollen Blick auf mich hinab. „Warum siehst du so schockiert aus, Schatz?"
„J-Ja, Frau Alex", stolperte ich über meine Worte und versuchte mitzuspielen. „Ich will es wirklich."
„Wunderbar! Nächste Woche regeln wir alles", verkündete Frau Alex und strahlte vor Freude.
In dem Moment, in dem Frau Alex sich umdrehte und den Flur entlangging, ließ Damian seinen Arm fallen, als wäre mein Körper Gift.
„Willst du dieses Spiel wirklich spielen?", zischte er, seine Augen kalt und gefährlich. „Denk an die Regel: Außerhalb dieser Tür wagst du es nicht, so zu tun, als würdest du mich kennen. Bis ich die endgültige Entscheidung über deine Schulbildung treffe, bleibst du drinnen."
„Warum hast du mich dann überhaupt geheiratet?", platzte es aus mir heraus, während der Groll überkochte. „Du hast mich gerettet, als ich meinen Weg verloren hatte, eine Nacht, an die ich mich immer noch nicht einmal erinnern kann! Aber seitdem weigerst du dich, mich gehen zu lassen, und du weigerst dich, mir zu sagen, wer ich bin!"
„Du solltest einfach dankbar sein", spuckte Damian aus, drehte sich auf dem Absatz um und ging davon.
Ich starrte auf seinen sich entfernenden Rücken. Was hätte ich sonst tun können? Fast ein Jahr lang hatte ich unter seinem Dach gelebt, gebunden an einen Ehemann, der jeden Atemzug verachtete, den ich nahm.
Frau Rosie eilte herbei und nahm meine Hände in ihre, sobald er außer Sicht war. „Gehst du wirklich zur Schule? Oh, ich freue mich so für dich!"
Ich stieß ein bitteres Lachen aus. Tief in meinem Inneren wusste ich, warum ich durch diese Türen nach draußen treten wollte. Ich musste herausfinden, wer meine Familie war. Wer war ich? Und warum hatte niemand je nach mir gesucht?
Wenn ich Damians kalte Art betrachtete, wusste ich, dass er mir nie helfen würde. Er kümmerte sich nur um sich selbst und seinen makellosen Ruf. Er hatte mich im vergangenen Jahr kaum länger als fünf Minuten am Stück angesehen, es sei denn, seine Großmutter war in der Nähe.
„Meine Liebe", Frau Alex' Stimme durchbrach meine Gedanken, als sie in den Raum zurücktrat und sanft meine Hand nahm. „Ich veranstalte bald einen großen Ball. Ich habe Damian gerade gesagt, er soll mit dir shoppen gehen für ein schönes Kleid und deine Haare machen lassen."
Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. „Hat … hat er Ja gesagt?"
Frau Alex runzelte leicht die Stirn. „Warum siehst du jedes Mal so ängstlich aus, wenn ich deinen Ehemann erwähne? Stimmt etwas nicht?"
„Nein! Nein, natürlich nicht", log ich schnell und zwang mir ein Lächeln ab. „Ich bin nur … überrascht, dass er mich ausführt."
„Du solltest inzwischen wissen, dass Damian eine gut gekleidete Frau zu schätzen weiß", sagte Frau Alex sanft, bevor sie sich zu ihren Gemächern wandte.
Fein gekleidet? Werde ich tatsächlich zum allerersten Mal in Damians Auto mitfahren?
Über ein Jahr lang waren wir nie Seite an Seite gegangen. Er hatte mich nie irgendwohin mitgenommen. Mein Kopf raste, während Angst und Neugier sich ineinander verstrickten. Würde er das wirklich durchziehen, oder würde er mich es später büßen lassen?
„Zieh dich an", unterbrach eine scharfe Stimme meine sich überschlagenden Gedanken.
Damian stand am Ende des Korridors, die Schlüssel in der Hand, und funkelte mich an. „Großmutter hat gesagt, ich muss dich mitnehmen. Du hast zwei Minuten. Ich warte im Auto."
Er schluckte den Rest seiner Worte hinunter und wandte sich zur Garage, doch ich wusste bereits, was er als Nächstes sagen würde.
Sprich mit niemandem. Halt dich von mir fern. Verhalte dich wie ein Geist.
Nach Frau Alex' Aussage konnte ich das seltsame, beunruhigende Gefühl in meiner Brust nicht abschütteln.Damian beschützen? Den kalten Teufel?Damian hasste mich. Er hasste es sogar, mein Gesicht anzusehen. Seit ich mit ihm verheiratet war, hatte er mich nie berührt, geküsst oder mir auch nur einen einfachen Kuss auf die Wange gegeben. Ich hatte seine eisige Distanz längst als mein Normal akzeptiert.„Du musst aufhören, an Damian zu denken, und dich darauf konzentrieren, wie die Schule nächstes Wochenende wird", klang Rias Stimme durch das Telefon und riss mich aus meinen sich überschlagenden Gedanken.Ich schnaubte in den Hörer. „Schule? Bist du sicher? Mit meiner billigen Garderobe kann ich niemals mithalten mit dem, was diese Schüler tragen."„Hey, hör auf damit! Vertrau mir, ich werde immer an deiner Seite sein, erinnerst du dich?", sagte Ria, ihr Ton so verspielt wie immer. Obwohl sie sich kürzlich von ihrem Freund getrennt hatte, hatte sie sich davon nicht unterkriegen lassen.„
Während der Fahrt nach Hause wollte ich Damian so verzweifelt von dem erzählen, was im Modehaus geschehen war. Doch wie immer gab er mir keine Öffnung, sein Ausdruck war eine Mauer aus Stein, die die Worte in meiner Kehle zum Schweigen brachte. Während ich sein scharfes Seitenprofil im Rückspiegel betrachtete, fragte ich mich zum hundertsten Mal, was für ein Mann er unter diesem Eis wirklich war.„Halt an", durchschnitt seine Stimme die Stille.Der Fahrer gehorchte sofort und brachte den Wagen sanft zum Stehen. Ohne aufzublicken, schob Damian mir erneut seine Kreditkarte zu.„Du musst etwas mit deinen Haaren machen. Ich will nicht, dass Oma wieder eine ihrer Predigten anfängt. Ich habe es verdammt satt."Da bemerkte ich, dass wir vor einem der exklusivsten Friseursalons der Stadt geparkt hatten.Als ich die Karte aus seinen Fingern nahm, hielt ich inne. Sein Gesicht war immer noch auf sein Handy gerichtet, doch trotz all seiner Mühe, so zu tun, als kümmere es ihn nicht, erhaschte ich
In dem, was wie das feinste Kleid aussah, das ich je gesehen hatte, warf ich einen letzten, verweilenden Blick auf mein Spiegelbild.Ich atmete scharf aus und versuchte, das hektische Pochen in meiner Brust zu beruhigen. Endlich, nach einer Ewigkeit des Verborgenseins, würde ich mit meinem … nach draußen gehen.Ich schnaubte. Das Wort Ehemann schmeckte bitter auf meiner Zunge.Als ich aus dem Haus trat, entdeckte ich Damian bereits auf dem Rücksitz des schnittigen Wagens sitzend, seine Augen auf sein Handy geheftet. Ich öffnete die hintere Tür, um mich zu ihm zu setzen, doch er warf mir einen so eiskalten Blick zu, dass mir das Blut in den Adern erstarrte. Ich verstand die stumme Warnung sofort, schloss die Tür, eilte nach vorne und schlüpfte auf den Beifahrersitz neben dem Fahrer.Zwanzig Minuten später hielten wir vor dem prächtigsten, atemberaubendsten Modehaus, das ich je gesehen hatte. Damian hatte während der gesamten Fahrt kein einziges Wort gesagt.Während der Motor lief, saß
Die Tür glitt mit einem leisen Klicken auf. Durch die Schatten erkannte ich die Umrisse seiner großen Gestalt und seines dunklen, verschwitzten Gesichts.Was macht er schon wieder hier?, dachte ich entsetzt und zog verzweifelt das Bettlaken über meinen halbnackten Körper.Damian trat näher, beugte sich hinab, bis sein Atem meine Wange streifte. Seine Hand glitt in mein Haar, griff so sanft hinein, dass ich für einen Sekundenbruchteil zu hoffen wagte. Ich dachte, er würde mich endlich als die Frau sehen, die er lieben sollte.Stattdessen richtete er sich gerade auf, seine dunklen Augen glitzerten im schwachen Licht. Ohne ein Wort drehte er sich um, ging zur Tür und schlüpfte hinaus, wobei er die Tür leise hinter sich schloss.„Was für ein absoluter Sonderling", murmelte ich zu mir selbst und zog das Laken fester gegen meine Brust.Bald strömte Morgenlicht durch das Fenster und kündigte die Ankunft eines neuen Tages an. Ein weiterer Tag als eingesperrte Schattenehefrau von Damian Sleek.





