MasukALEXANDER:
„Fahr schneller!“, durchschnitt meine Stimme die Stille im Wagen. James umklammerte das Lenkrad sofort fester. „Ja, Sir.“ „Wie lange noch?“ „Zehn Minuten, Sir.“ Ich nickte. Mein Blick glitt zurück auf die Straßen der Stadt, und bevor ich es verhindern konnte, drängten sich wieder Erinnerungen in meinen Kopf. Vor drei Jahren. Das Büro meines Vaters. „Du wirst heiraten“, sagte mein Vater in dem Moment, als ich mich ihm gegenüber setzte. Meine Hände ballten sich an meinen Seiten zu Fäusten. „Nein. Ich habe Ihnen doch gesagt...“ Samuel Banks blickte kaum von den Unterlagen vor sich auf. „Ich habe das Mädchen bereits ausgesucht.“ Ich schüttelte den Kopf, während Wut in mir aufstieg. „Ich habe Nein gesagt.“ Mein Vater schlug mit der Hand auf den Tisch. „Du hast nicht das Recht, Nein zu sagen.“ „Zum letzten Mal. Ich werde Rowena heiraten.“ Ich erinnerte mich noch genau an das Engegefühl in meiner Brust, wann immer ich damals ihren Namen aussprach. Rowena. Schön. Elegant. Meine. Oder zumindest war sie es gewesen, bis sie verschwand und mich vor allen Leuten demütigte. Aber selbst nach dieser Demütigung liebte ich sie immer noch, weil ich wusste, dass etwas passiert sein musste. Sie würde mich nicht einfach so verlassen. Nicht nach neun gemeinsamen Jahren. Mein Vater lehnte sich langsam in seinem Stuhl zurück. „Wenn du die Kontrolle über mein Imperium willst, wirst du das Mädchen heiraten, das ich ausgesucht habe. Hör auf, diese Familie zu blamieren. Es wird Zeit, dass du sie vergisst.“ Mein Kiefer spannte sich so fest an, dass es schmerzte. In diesem Moment öffnete sich die Bürotür, und Harper trat ein. Sanfte karamellfarbene Haut. Langes dunkelbraunes Haar. Große haselnussbraune Augen. An diesem Tag wirkte sie viel zu hell für meine Stimmung. Zu lebendig. Als würde sie noch daran glauben, dass die Welt ein freundlicher Ort war. Ich konnte sie auf Anhieb nicht leiden. Sie lächelte, sobald sie mich sah. „Hallo.“ Ich wandte den Blick von ihr ab und sagte nichts. Ihr Lächeln verblasste unbeholfen. Gut. Vielleicht würde sie schnell merken, dass diese ganze Vereinbarung ein Fehler war. Doch sie blieb einfach dort stehen und verdrehte nervös ihre Finger ineinander, während mein Vater uns einander vorstellte, als würde es um eine Geschäftsübernahme und nicht um eine Ehe gehen. „Das ist Harper Campbell.“ Ich warf ihr kaum einen Blick zu. „Und das“, fuhr mein Vater fort und deutete auf mich, „ist mein Sohn Alexander.“ Harper nickte und wandte sich mir zu. „Es freut mich, Sie kennenzulernen.“ Wieder antwortete ich nicht. Was hätte ich auch sagen sollen? Hallo, danke, dass Sie meinem Vater dabei helfen, mein Leben zu ruinieren? Dann legte mein Vater zwei Ringkästchen und einen dicken Ordner auf den Schreibtisch. „Unterschreibt.“ Ich runzelte die Stirn. „Was ist in dem Ordner?“ Mein Vater begann irgendetwas über Vereinbarungen, familiäre Verpflichtungen und den Schutz des Erbes zu erklären... Ich hörte schon nach der Hälfte nicht mehr zu. Ich war wütend. Müde. Und hatte dieses ganze Gespräch satt. Also nahm ich den Stift und unterschrieb die Unterlagen, ohne sie richtig zu lesen. Komisch. Anscheinend war das eine Angewohnheit von mir. Dann schob ich den Ordner zu Harper. „Unterschreib.“ Sie blinzelte mich nervös an. „Sollte ich ihn nicht zuerst lesen?“ „Lass uns das einfach hinter uns bringen“, fuhr ich sie an. Mein Ton klang schärfer, als ich beabsichtigt hatte. Sie schluckte sichtbar. Trotzdem unterschrieb sie. Verzweifelt. Natürlich. Die meisten Menschen würden alles tun, um den Namen Banks tragen zu dürfen. Dann reichte mein Vater uns die Ringe. Keine Hochzeitsgäste. Keine Ehegelübde. Keine Blumen. Nur wir drei standen in seinem Büro, während Harper mir mit zitternden Händen den Ring an den Finger steckte. Während des Ringtausches berührte ich sie kaum. Denn schon damals fühlte sie sich für mich wie etwas Vorübergehendes an. Danach sah mein Vater Harper direkt an und sagte ruhig: „Die Krankenhausrechnungen Ihrer Mutter werden weiterhin bezahlt. Auch die Schulden Ihrer Familie verschwinden wie vereinbart.“ Ein leises Lachen entfuhr mir. Geld. Ich schüttelte den Kopf. Wie jede andere Frau. Sie heiratete mich, weil sie etwas brauchte. Denn niemand liebte Alexander Banks, den Menschen. Sie liebten das Geld. Die Macht. Den Namen. Nur Rowena hatte mich geliebt, bevor all das wichtig wurde. Plötzlich machte das Auto einen heftigen Ruck. Ich wurde augenblicklich in die Gegenwart zurückgerissen. „Was zur Hölle war das?“ „Verdammt“, fluchte James leise. „Sir... ich glaube, wir haben ein Problem mit dem Motor.“ „Du glaubst?“ Leichter Rauch stieg aus der Motorhaube auf. Meine Gereiztheit explodierte sofort. „Das kann doch nicht euer Ernst sein.“ James lenkte den Wagen rasch an den Straßenrand. Ich stieß die Tür auf und stieg aus. Der kalte Wind traf mein Gesicht. James sprang ebenfalls aus dem Wagen. „Ich rufe sofort ein anderes Fahrzeug.“ Ich fuhr mir mit beiden Händen durchs Haar. Es würde bestimmt zwanzig Minuten dauern, bis einer der Fahrer mit einem Ersatzwagen hier war. Auf keinen Fall. Ich blickte auf die belebten Straßen vor uns. Die Westbridge Avenue war nicht mehr weit entfernt. Zu Fuß wäre ich schneller dort als mit einem neuen Wagen. Ohne ein weiteres Wort setzte ich mich in Bewegung. „Sir?“, rief James erschrocken und eilte hinter mir her. Was, wenn Harper wieder verschwand? Was, wenn das meine einzige Chance war? Der Gedanke ließ etwas Hässliches in meiner Brust zusammenziehen. „Sie muss mir eine Erklärung geben“, murmelte ich mehr zu mir selbst als zu irgendjemand anderem. James hatte Mühe, mit mir Schritt zu halten. „Ich habe darüber nachgedacht... vielleicht hat sie es herausgefunden...“, sagte James und riss mich aus meinen Gedanken. „Was herausgefunden?“ „Von Ihnen und Rowena“, antwortete er mit leiser Stimme. Ich blieb abrupt stehen. Die Menschen strömten auf dem Gehweg an uns vorbei, während ich ihn fassungslos anstarrte. „Was genau willst du damit andeuten?“ Sein Gesicht wurde kreidebleich. „Nein, Sir... ich meinte nicht...“, stammelte James. „Ich wollte nur sagen, dass sie die Situation vielleicht missverstanden hat.“ Missverstanden? Da gab es nichts misszuverstehen. Ja. Ich hatte mit Rowena geschlafen. Aber Harper war trotzdem noch meine Ehefrau. Männer in meiner Position hatten ständig Affären. Das bedeutete noch lange nicht, dass ihre Ehefrauen über Nacht verschwanden. Und Harper wusste ganz genau, wer ich war, bevor sie mich heiratete. Warum also tat sie jetzt so überrascht? Ich ging weiter. Schneller als zuvor. Danach lastete schweres Schweigen zwischen uns. Mein Assistent entschied sich klugerweise, nichts mehr zu sagen. Gut. Denn ich war ohnehin schon gereizt genug. Als wir schließlich die Westbridge Avenue erreichten, pulsierte die Frustration durch meinen ganzen Körper. „Durchsucht alles“, befahl ich sofort. Sie durchsuchten jedes Geschäft. Jede Seitenstraße. Jedes Hotel. Nichts. Keine Harper. Stunden vergingen. Immer noch nichts. James kam auf mich zugerannt. „Vielleicht sollten wir für heute Schluss machen.“ „Nein.“ „Wir können morgen weitersuchen.“ „Ich sagte nein.“ Doch selbst während ich antwortete, lastete die Realität schwer auf mir. Harper war wieder verschwunden. Schweigend blickte ich über die belebte Straße, während ein kalter Wind gegen mein Sakko drückte. Dann plötzlich... „Wartet!“, rief ich James zu. „Stellt die Suche ein.“ James zog die Augenbrauen zusammen. „Sir?“ Ich drehte mich ruhig zu ihm um. „Bereite eine öffentliche Bekanntmachung vor.“ „Wofür?“ „Für meine Verlobung.“ Sofort erschien Erkenntnis in seinem Gesicht. „Mit Miss Rowena?“ „Ja.“ Das Wort schmeckte seltsam in meinem Mund. Aber nützlich. Sehr nützlich. Denn Harper war emotional. Sie hasste Rowena. Das hatte sie schon immer. Und sobald sie die Schlagzeilen über meine Verlobung sah... Sobald sie sah, dass eine andere Frau dauerhaft ihren Platz einnahm... Würde sie zurückkommen. Ich lächelte. Natürlich würde sie das. Harper liebte mich viel zu sehr, um es nicht zu tun.HARPER:„Steh auf.“Die Stimme ertönte von oben, dringlich und vertraut.„Steh auf!“Sagte die Person erneut und schüttelte meine Schulter. Ich stöhnte auf und rollte mich auf die andere Seite, aber bevor ich mich überhaupt ganz drehen konnte, drehte mich die Person auf die andere Seite.„Luisa!“Meine Augen schossen auf. Ich konnte nicht einmal richtig aufwachen, bevor eine große Hand mein Handgelenk umfasste und ich wie eine Stoffpuppe nach oben gerissen wurde.„Was …“ Ich stolperte, meine bloßen Füße scharrten über den kalten Boden, während er mich durch den Raum zog.Alexander antwortete nicht einmal, als sein Griff sich verstärkte und er mich hinter die dicken Baumwollvorhänge hinter dem Fenster schob. Ich verstand nicht, was los war, und Alexander erklärte es nicht.Ich hatte nicht die Gelegenheit, mich zu beschweren, und tat einfach, was er verlangte.„Bleib dort“, befahl er. „Beweg dich nicht.“Mein Hals war wund, aber ich zwang mich zu fragen: „Was tust du da?“ Mein Herz hämm
Alexander:„Papa, schlaf auch mit uns“, sagte Elias ahnungslos.„Hm?“, fragte ich und tat so, als hätte ich ihn nicht richtig verstanden, denn ich weigerte mich zu glauben, dass er mich gerade gebeten hatte, mit ihm und dem Kindermädchen ein Bett zu teilen – und nicht mit seiner Mutter.Ich starrte meinen Sohn an und er starrte zurück. Das Kindermädchen sah bei diesem Schlagabtausch aus, als wollte sie, dass der Boden aufreißt und sie verschlingt.„Elias …“„Nein“, unterbrach mich das Kindermädchen, bevor ich etwas sagen konnte, ihre Stimme scharf vor Verlegenheit. Sie wandte sich Elias zu. „Warum fragst du deinen Vater so etwas?“Elias blinzelte, unbeeindruckt. „Weil ich ihn hier haben will.“Dem Kindermädchen schoss die Röte ins Gesicht. Sie schüttelte den Kopf. „Das geht nicht …“Elias zeigte auf eine Seite des Bettes. „Frau Luisa ist hier.“ Dann zeigte er auf die andere Seite, als ob seine Demonstration Sinn ergeben würde. „Papa kommt hierhin.“Mein Kiefer verkrampfte sich.Das Ki
HARPER:Ich wickelte Elias in ein Handtuch. Meine Gedanken schweiften immer noch zu Liam zurück, besonders zu seiner Drohung. Ich war mir nicht ganz sicher, ob er seine Drohung wirklich wahr machen würde, aber es war kein Risiko, das ich eingehen konnte.Eine Woche. Das war alles, was er mir gegeben hatte. Eine Woche, um diese eine Akte zu finden, die er aus Alexanders Arbeitszimmer haben wollte. Mir drehte sich der Magen um. Das Arbeitszimmer hätte genauso gut ein Tresor sein können. Alexander lässt niemanden hinein, und selbst wenn ich es irgendwie durch die Tür schaffen würde, hatte Liam mir nie genau gesagt, wonach ich suchen sollte … außer, dass die Akte einen roten Umschlag hat.Die ganze Sache war unmöglich. Doch Liam klang überhaupt nicht besorgt, und dieses Selbstvertrauen beunruhigte mich noch mehr als die Drohung selbst.„Autsch“, schrie Elias und riss mich aus meinen Gedanken. Ich hatte die Handtücher zu fest um ihn gewickelt, ohne nachzudenken.„Tut mir so leid, Schatz“,
HARPER:Ich sollte gehen. Der Gedanke kam mir … das Einzige, was meine Füße an Ort und Stelle hielt, waren die Fragen, die sich in meinem Kopf wiederholten: Wer hatte Ethans Foto gemacht? Wer wagte es, meinen Sohn gegen mich zu verwenden?Dieses Foto war kein Zufall. Es war kein Zufall. Jemand hatte uns beobachtet … Ethan und mich, und bis ich wusste, wer und warum, würde ich nirgendwo hingehen.Nachdem ich stundenlang gewartet hatte und meine Gedanken mich zu ertränken schienen, beschloss ich, den Raum zu inspizieren. Das Wohnzimmer nahm den größten Teil des Raumes ein. Ein Bücherregal zog sich an der Wand entlang, mit einigen schief hängenden Gemälden.Mein Blick fiel auf einen Flur mit zwei Türen. Eine stand einen Spalt breit offen. Ich schob sie weiter auf und enthüllte ein Arbeitszimmer. Großer Eichenschreibtisch. Bücherregale von der Decke bis zum Boden … Ich ging weiter hinein, mein Blick schweifte über den Schreibtisch.„Was zum Teufel?“ keuchte ich.Auf der Ecke des Schreibti
HARPER:»Hallo?«, rief ich, als ich den Raum betrat. Es kam keine Antwort.»Ist hier jemand?«Wieder keine Antwort. Die Hütte war nicht groß. Ein kleiner Sitzbereich nahm den Großteil des Raumes ein, mit einem Holztisch, ein paar Stühlen und einem Kamin an einer Wand. Alles sah verdächtig normal aus.Mein Herz raste in meiner Brust. Was, wenn das tatsächlich eine Falle war? Ich machte einen Schritt vorwärts und noch einen. Du kannst immer noch zurückgehen, sagte ich mir.Der Raum schien leer, dann bemerkte ich eine Bewegung. Ich erstarrte. Ich drehte mich um, als eine Gestalt aus der schattigen Ecke neben dem Kamin trat.Die Luft blieb mir in der Kehle stecken.»James?«, schrie ich. Alexanders Assistent blickte von der Glasflasche in seiner Hand auf. Er schenkte sich Wein ein. Wie tatsächlich verdammten Wein für sich selbst einschenkte?»Was zur Hölle«, stolperten die Worte aus mir heraus. James' Augen trafen meine, seine Augen blitzten vor Bosheit. Der Mundwinkel verzog sich zu einem
HARPER:Verdammt. Warum war James hier? Woher wusste er, wo Daniel wohnte? Hatte er etwas über mich herausgefunden?War das das Ende?»Harper«, riss Daniels Stimme mich aus den rasenden Gedanken in meinem Kopf. »Wir müssen los.«Mein Herz begann schnell zu schlagen … viel zu schnell. Das durfte nicht passieren.»Oh, Götter«, flüsterte ich, die Worte entkamen mir, bevor ich sie aufhalten konnte.»Harper.«»Oh, Gott«, sagte ich noch einmal, diesmal lauter, mit Panik in der Stimme.»Harper.«»Ich habe dich beim ersten Mal gehört!«, fuhr ich ihn an. Daniel zog sich den Nasenrücken zusammen, eine Geste, die ich langsam als sein Tellermerkmal erkannte, das Zeichen dafür, dass ich ihn an den Rand seiner äußerst begrenzten Geduld brachte.Er trat auf mich zu, packte meine Sachen in meine Tasche und drückte sie mir in die Hände. »Es gibt einen Hinterausgang. Komm mit mir.«Ich war bereits in Bewegung, mein Körper reagierte, bevor mein Gehirn nachgekommen war. Daniel schob mich praktisch den Fl







