홈 / Romantik / MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER / KAPITEL 4: DAS GEWICHT EINES RAUMES

공유

KAPITEL 4: DAS GEWICHT EINES RAUMES

작가: Zayden Noir
last update 게시일: 2026-06-23 07:05:21

Donnerstag kam mit der besonderen Grausamkeit von Fristen, was bedeutete: schneller als fair schien.

Noelle verbrachte Dienstag und Mittwoch damit, was sie immer tat, wenn sie wegen etwas nervoes war, naemlich bei allem anderen ausserordentlich kompetent zu sein. Sie raeumte ihren Korrespondenzrueckstand auf. Sie bereitete drei ergaenzende Analysedokumente fuer das Donnerstagabendessen vor, um die niemand gebeten hatte, die sie aber wusste, dass man sie brauchen wuerde. Sie reorganisierte das gemeinsame Ablagesystem auf eine Weise, die technisch in ihrem Aufgabenbereich lag und praktisch darueber hinausging. Sie ass das Mittagessen an beiden Tagen an ihrem Schreibtisch, was Petra laut bemerkte und was Noelle ablehnte, zu kommentieren.

Sie antwortete auch nicht auf Marcus Hales Nachricht.

Sie wich ihr nicht aus. Sie entschied darueber. Es gab einen bedeutsamen Unterschied, den sie stark fuehlte, auch wenn sie ihn in den Momenten, in denen sie ihn sich selbst zu erklaeren versuchte, nicht mit vollstaendiger Praezision artikulieren konnte.

Am Donnerstagmorgen kam sie um sieben Uhr neununddreissig an, drei Minuten frueher als gewoehnlich, was sie nicht zu genau untersuchen wuerde.

Sie trug das dunkelgruene Kleid.

Es war professionell. Es hatte einen Kragen und Aermel bis zum Ellbogen und fiel mit einer leichten Ausstellung, die elegant statt auffaellig war, bis zum Knie. Sie hatte es fuer einen anderen Anlass gekauft, ein Netzwerkabendessen, das sie bei einem frueheren Arbeitgeber besucht hatte, und es hatte ein Jahr in ihrem Kleiderschrank gehaengt, weil es nichts ausreichend Wichtiges gegeben hatte, es anzuziehen.

Ein Geschaeftsabendessen mit einem bedeutenden potenziellen Klienten war ausreichend wichtig. Das war der Grund, warum sie es anzog. Das war der einzige Grund.

Petra sah sie hereinkommen und legte beide Haende ueber den Mund.

"Kein Wort", sagte Noelle.

"Ich wollte nichts sagen", sagte Petra, sichtlich kaempfend.

"Gut."

"Nur dass du aussiehst wie..."

"Petra."

"...professionell", schloss Petra ab. "Du siehst sehr, sehr professionell aus."

* * *

Damian kam um acht Uhr zehn.

Das war ungewoehnlich. Er war fast immer vor ihr da, und sein spaeteres Erscheinen hatte den seltsamen Effekt, dass das Buero sich anfuehlte, als haette es den Atem angehalten und ihn gerade erst wieder freigegeben. Mehrere Personen schauten auf. Noelle nicht. Sie las den Meridian-Prospekt zum vierten Mal, sehr zielgerichtet.

Sie hoerte seine Schritte auf dem Boden. Sie schaute nicht hin.

Er passierte ihren Schreibtisch.

Er hielt inne.

"Sie tragen Gruen", sagte er.

Sie schaute dann doch auf. Sie konnte nicht anders.

Er war in seinem dunklen Marineanzug, demjenigen, der ihn noch beeindruckender wirken liess als sonst, was sie zuvor fuer unmoeoglich gehalten hatte. Er sah sie mit einem Ausdruck an, den sie nicht sofort benennen konnte.

"Es schien angemessen fuer ein Kundenabendessen", sagte sie.

Eine halbe Sekunde.

"Das ist es", sagte er.

Er ging weiter zu seinem Buero. Er schaute nicht zurueck.

Noelle kehrte zu ihrem Prospekt zurueck.

Sie las denselben Absatz viermal, bevor die Worte wieder Sinn ergaben.

* * *

Das Abendessen war im Schwarzstein, einem Restaurant in Sachsenhausen, von dem Noelle gehoert hatte, aber das sie nie besucht hatte, die Art Ort, der keine Speisekarte im Fenster auhaengen hatte, weil der Preis die Speisekarte war. Sie kam in einem Taxi mit Felix und zwei der Seniorpartner, Dieter und Anneliese, um zehn nach sieben an. Damian war vorausgegangen.

Er war bereits am Tisch, als sie hereinkamen, im Gespraech mit einem Mann, den Noelle von Fotos kannte.

Marcus Hale war in Person groesser. Er hatte die Art Ausstrahlung, die teure Anzuege und echtes Selbstvertrauen zusammen erzeugten, eine Waerme, die vollstaendig kalkuliert war, der es aber so gut gelang, dass es schwer war, ihr diese Kalkulation vorzuwerfen. Er sprach mit Damian, als sie hereinkamen, und Damian, seinem Verdienst nach, erwiderte nichts und dominierte das Gespraech doch irgendwie einfach durch seine Stille.

Dann schaute Marcus Hale auf und sah Noelle.

Etwas in seinem Ausdruck aenderte sich. Es war subtil. Sehr kontrolliert. Aber sie hatte zwei Jahre damit verbracht, subtil und kontrolliert zu lesen, und sie fing es auf.

Er wusste, wer sie war.

Sie hatte es vermutet. Der Detektiv, die Nachrichten, der sorgfaeltige Ansatz. Sie hatte es vermutet und hatte sich trotzdem entschieden zu kommen, weil sie nicht die Art Mensch war, die Dingen auswich, aber es in dem Moment seines Blicks bestaetigt zu bekommen, war etwas anderes als es zu vermuten.

Sie hielt ihr Gesicht angenehm und professionell und ueberquerte den Raum.

"Marcus", sagte Felix und reichte ihm die Hand. "Gut, dem E-Mails endlich ein Gesicht zuzuordnen."

"Felix, freut mich, Sie zu treffen." Marcus schuettelte rundum Haende, und als er zu Noelle kam, hielt er ihre Hand eine halbe Sekunde laenger als die anderen und sagte: "Frau Fischer. Ich habe mich darauf gefreut, Sie richtig kennenzulernen."

"Richtig?" sagte sie, angenehm.

Eine Pause. Ein Laecheln.

"Felix erwaehnte, dass Sie uns beitreten wuerden", sagte er glatt. "Ich meinte, ich habe viel ueber die Arbeit des Teams gehoert. Sie insbesondere werden sehr empfohlen."

Sie laechelte zurueck.

Keiner von ihnen erwaehnte irgendetwas, was per SMS oder durch Mittelsmanner gesagt worden war.

Sie setzte sich.

Gegenueber am Tisch beobachtete Damian diesen Austausch mit einem Ausdruck, den sie nicht lesen konnte, was nichts Neues war, ausser dass sie unter der unlesbaren Oberflaeche etwas spuerte, das eine Temperatur hatte.

Sie griff nach ihrem Wasserglas.

* * *

Das Abendessen war beruflich ein Erfolg. Marcus Hale war charmant und direkt und stellte Fragen, die zeigten, dass er ernsthaft Hausaufgaben ueber Wolff und Cranes Methoden gemacht hatte. Er bezog Felix und Dieter geschickt ein und behandelte Annelieses Punkte mit echtem Respekt, was Noelle als Pluspunkt in seiner Bilanz vermerkte. Er war nach jedem objektiven Massstab genau die Art Klient, den eine Firma wie ihre haben wollte.

Er tat auch, nach jedem subjektiven Massstab, den sie identifizieren konnte, etwas, das nicht ganz Flirten und nicht ganz professionell war und in dem unheimlichen Bereich dazwischen lebte. Er richtete Fragen an sie, die ihren formalen Status am Tisch leicht ueberstiegen. Er bat um ihre Perspektive zu Branchenveraenderungen auf eine Weise, die mehr als eine funktionale Antwort einlud. Er lachte ueber etwas, das sie sagte, und hielt dann einen Schlag zu lang ihren Blick.

Sie antwortete ihm jedes Mal klar und professionell.

Sie bemerkte auch, weil sie alles bemerkte, dass Damian jedes Mal, wenn Marcus direkt mit ihr sprach, das absetzte, was er in der Hand hatte. Besteck. Glas. Stift. Jedes Mal. Eine kleine, praezise, wahrscheinlich unwillkuerliche Geste, von der sie vermutete, dass er sich voellig unbewusst war.

Sie war sich sehr bewusst davon.

* * *

Nach dem Hauptgang entschuldigte sich Marcus fuer einen Anruf. Felix wandte sich Dieter mit einem Punkt ueber das Londoner Buero zu. Anneliese sprach mit dem Sommelier. Noelle fand sich kurz, unerwartet, am nahen Ende des Tisches allein mit Damian.

Er schaute auf sein Wasserglas.

"Er weiss, wer Sie sind", sagte Damian. Seine Stimme war leise und gleichmaessig.

Sie drehte sich, um ihn anzusehen.

"Ich weiss", sagte sie.

Eine Pause.

"Seit wann wissen Sie es?"

"Seit Dienstag."

Etwas bewegte sich in seinem Kiefer.

"Sie haben es mir nicht gesagt", sagte er.

"Es war kein Sicherheitsproblem", sagte sie. "Es war ein Rekrutierungsansatz. Ein unorthodoxer."

"Noelle..."

"Ich habe es gehandhabt", sagte sie. Ruhig. Nicht unfreundlich. "Ich bin faehig, mit Dingen umzugehen, Damian."

Die Verwendung seines Vornamens war nicht absichtlich. Sie hatte zwei Jahre lang darauf geachtet, Herr Wolff in professionellen Zusammenhaengen, kurzes Ausweichen ueberall sonst. Es rutschte heraus und sie konnte es nicht zuruecknehmen, und seine Augen kamen von dem Wasserglas hoch und fanden ihres mit einer Direktheit, die den ganzen ueberfuellten Raum sehr klein erscheinen liess.

"Das weiss ich", sagte er.

Eine Stille.

Eine andere Art Stille als die, die sie von ihm gewohnt war.

Marcus Hale kehrte von seinem Anruf zurueck, bevor einer von ihnen entscheiden konnte, was damit zu tun war.

* * *

Im Taxi nach Hause sass sie am Fenster und beobachtete, wie die beleuchteten Strassen vorbeiglitten, und dachte gleichzeitig an zwei Dinge.

Das erste war der Ausdruck auf Damians Gesicht, als sie seinen Namen gesagt hatte. Sie hatte in zwei Jahren viele Dinge auf diesem Gesicht gesehen, Praezision, Ungeduld, die gelegentliche trockene Belustigung, die er zu unterdruecken versuchte, die fokussierte Intensitaet, die er an alles herantrug. Das hatte sie nicht gesehen. Sie hatte kein Wort dafuer.

Das zweite war die Karte, die Marcus Hale ihr am Ende des Abends in die Hand gedrueckt hatte, als die Verabschiedungen stattfanden und das Laerm und die Bewegung einen kurzen privaten Moment geschaffen hatten. Er hatte sie in ihre Handflaehe gelegt und ihre Finger leicht darum geschlossen und sehr leise gesagt: "Ich meinte, was ich sagte. Ihnen ist etwas geschuldet. Denken Sie darueber nach."

Die Karte war noch in ihrer Hand.

Sie schaute nicht auf sie im Taxi. Sie musste nicht auf sie schauen.

Sie dachte daran, wie Damian jedes Mal sein Glas hinstellte, wenn Marcus mit ihr sprach.

Sie dachte an den Klang ihres eigenen Namens in seiner Stimme.

Sie dachte an zwei Jahre des Bis-fuenf-Zaehlens und des Nicht-Kuendigens und der kleinen Schubladenliste der Beinaheschreie und daran, wie er sie morgens in ihrem Kleid angeschaut hatte, mit vier leisen Silben, die ihm etwas gekostet hatten.

Das Taxi hielt vor ihrem Gebaeude.

Sie stieg aus.

Sie stand auf dem Gehsteig.

Dann nahm sie ihr Telefon heraus und oeffnete den Nachrichtenfaden mit Damian, den kargen, funktionalen Faden, den sie zwei Jahre lang ausgetauscht hatten, und tippte, bevor sie es sich anders ueberlegen konnte.

"Danke fuer heute Abend."

Sie drueckte auf Senden.

Sie ging hinein.

Sie war halb die Treppe hochgegangen, als seine Antwort kam.

Sie blieb auf dem Treppenabsatz stehen und oeffnete sie.

"Kommen Sie morgen frueh herein. Ich muss mit Ihnen ueber etwas sprechen, das nicht Arbeit ist."

Noelle stand auf dem Treppenabsatz in ihrem gruenen Kleid in der Dunkelheit des Treppenhauses und las diesen Satz, bis er aufhoerte, wie Woerter auszusehen.

Dann oeffnete sich die Tuer des Nachbarn oben und liess Licht die Treppe hinunterfluten, und Noelle fing wieder an zu gehen, ihr Herz schlug vollkommen gegen ihren Willen.

이 작품을 무료로 읽으실 수 있습니다
QR 코드를 스캔하여 앱을 다운로드하세요

최신 챕터

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 140: DER FRUEHLING DES FUENFTEN JAHRES

    Der Fruehjahr des fuenften Jahres kam mit Regen. Das war kein schlechter Anfang. Regen war das, was der Fruehjahr brauchte, bevor er sein konnte, was er sein wollte: das Licht und die Waerme und die Blaetter, die kamen. Aber zuerst kam der Regen, der die Erde aufbereitete, der die Erde vorbereiten musste fuer das, was folgte. Das war eine Lektion, die Noelle in diesem April erkannte: Zuerst der Regen. Das Schwere, das noetig ist. Dann das Licht. Das war die Reihenfolge. Man konnte sie nicht umkehren. Das war gut. Das zu wissen war gut. Im Buero begann im April ein neues Projekt, das groesste in fuenf Jahren, ein Mandat, das Wolff und Crane Consulting von einem grossen Industrieklienten erhalten hatte, fuer eine Restrukturierung, die zwei Jahre dauern wuerde und die alle Bereiche der Firma forderte. Das war das, wofuer man fuenf Jahre aufgebaut hatte. Nicht dieses Projekt spezifisch. Sondern die Kapazitaet, es anzunehmen. Die Firma, die funf Jahre lang schichtweise gewa

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 139: WAS PETRA SCHREIBT UND WAS NOELLE WEISS

    Petras Buch erschien im Maerz. Wirklich erschien, nicht als Manuskript, das man druckte und band, sondern als richtiges Buch, verlegt, mit einem Verlag in Berlin, der klein war und der genau die Art Buecher verlegte, die Petra geschrieben hatte: praezise, ehrlich, ohne die Ornamente, die Buecher manchmal hatten, weil die Verleger dachten, dass Ornamente Leser anzogen. Das Buch hatte eine gruene Einbandfarbe. Das hatte Petra selbst ausgesucht. "Warum gruen?" hatte Noelle gefragt. "Weil Gruen waechst," hatte Petra gesagt. "Und weil das Buch das beschreibt, was waechst, wenn man zuschaut." Das stimmte. Der Verlag hatte den Titel beibehalten: Was ich gesehen habe. Notizen einer Frau, die zuschaut. Das war die beste Entscheidung des Verlags. Der Titel war Petra, und Petra war der Titel. Das Buch lag an einem Freitagmorgen auf Noelles Schreibtisch. Petra hatte es hingelegt, ohne etwas zu sagen, und war an ihren eigenen Schreibtisch gegangen, weil das ihre Art war: Dinge hinlegen

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 138: DAS FUENFTE JAHR TRAEGT SICH SELBST

    Das fuenfte Jahr war das erste, das sich selbst trug. Das war kein kleines Ding. Das war das Groesste, das man ueber ein Jahr sagen konnte, das man ueber ein Leben sagen konnte, das man ueber alles sagen konnte, das man aufgebaut hatte: dass es angefangen hatte, sich selbst zu tragen, ohne dass man jeden Tag daran druecken und halten und stuetzen musste, weil die Struktur so gut geworden war, dass sie stand, weil das Fundament so tief war, dass es hielt. Noelle bemerkte das im Februar. Das war der Monat, der pruehte. Das war der Monat, in dem das Leichte schwer wurde und das Schwere noch schwerer. Und trotzdem war der Februar des fuenften Jahres nicht das Pruehen des ersten oder zweiten. Er war der Februar eines Jahres, das schon wusste, was es war. Sie kam montags ins Buero und kuentdigte nicht innerlich. Das war seit Jahren so. Aber im fuenften Jahr war es anders: Es war nicht mehr das Nicht-Kuendigen als Entscheidung. Es war das Nicht-Kuendigen als Zustand. Der Gedanke kam n

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 137: DAS NEUE JAHR UND WAS ES WEISS

    Das neue Jahr begann mit dem Stueck. Das war nicht geplant. Es war der erste Januar, kurz nach Mitternacht, und die Gaeste waren gegangen, Hanna zur Strassenbahn, Claudia zu ihrem Hotel, Renz zu seinem, weil Renz nachmittags angekuendigt hatte, dass er um Mitternacht gehen wuerde, egal was, und weil Renz seine Ankuendigungen hielt. Sie waren allein. Die Wohnung war still. Die Stadt draussen war laut, wie Silvester das hatte, das Feuerwerk, das jetzt abklang, die letzten Raketen, die hochgingen und verschwanden. Damian ging ins Schlafzimmer. Noelle blieb in der Kueche und raeumte ein wenig auf, weil Aufraeum nach einem Abend gut war, das Zurueckbringen von Ordnung in das, was Freude ungeordnet hinterlassen hatte. Dann hoerte sie die ersten Toene. Das Stueck. Um kurz nach Mitternacht. Im neuen Jahr. Sie stellte die Gabel hin, die sie in der Hand hatte. Sie ging ins Schlafzimmer. Damian sass am Klavier und spielte, und er hatte die Augen geoeffnet, was er manchmal tat und

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 136: DAS FUNFTE WEIHNACHTEN UND WAS ES BESCHLIESST

    Das fuenfte Weihnachten war in Frankfurt, in der Wohnung, mit allen, die dazugehoerten. Das war das Vollstaendigste. Hanna Fischer kam am zweiundzwanzigsten. Claudia Wolff am dreiundzwanzigsten. Renz, der die Reise gewagt hatte, entgegen dem Rat seiner Aerzte, am vierundzwanzigsten, dem Heiligabend selbst, mit der Begruendung, dass Weihnachten der einzige Tag war, an dem das medizinisch Unkluge das menschlich Richtige ueberwog. Seine Aerzte hatten protestiert. Renz hatte nicht nachgegeben. Das war Renz. Die Wohnung fasste alle. Das war erstaunlich, weil die Wohnung nicht gross war, aber sie fasste alle, weil Menschen sich in Raeume fanden, wenn der Wille da war, zusammen zu sein. Damian kochte. Das war sein Weihnachten: die Kueche, der Herd, der Geruch, der die Wohnung fuellte. Noelle half. Das war neu in diesem Jahr: dass sie half, wirklich half, nicht mit dem Gefuhl, dass sie eingriff, sondern mit dem Gefuehl, dass sie Teil des Kochens war. Hanna Fischer sass am Kuechen

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 135: RENZ' LETZER BRIEF

    Albrecht Renz schrieb im November des vierten Jahres. Das war kein ungewoehnliches Ereignis; Renz schrieb regelmaessig, immer handschriftlich, immer gescannt, immer prazise. Aber dieser Brief war anders als die anderen. Das merkte Noelle, als sie die erste Zeile las. Die erste Zeile lautete: Ich schreibe Ihnen, weil ich das Gefuehl habe, dass dieser Brief wichtig ist. Renz schrieb nie, dass etwas wichtig war. Das war sein unausgesprochenes Gesetz: alles, was er schrieb, war wichtig, weil er nur schrieb, was er sagen wollte, und was er sagen wollte, war immer wichtig. Aber dass er es sagte, war neu. Noelle sass und las weiter. Der Brief war vier Seiten lang, das Laengste, das Renz je geschrieben hatte. Er schrieb ueber das vergangene Jahr: die Aerztebesuche, die Spaziergaenge, die Ausdauer, mit der er das Aufrechtstehen uebte, weil Aufrichten ein Entschluss war und weil Entschluesse in seinen Augen das Mutigste waren, das man tat. Er schrieb ueber das Manuskript, das er gesc

더보기
좋은 소설을 무료로 찾아 읽어보세요
GoodNovel 앱에서 수많은 인기 소설을 무료로 즐기세요! 마음에 드는 작품을 다운로드하고, 언제 어디서나 편하게 읽을 수 있습니다
앱에서 작품을 무료로 읽어보세요
앱에서 읽으려면 QR 코드를 스캔하세요.
DMCA.com Protection Status