LOGINZAVIAN„Bitte, Alaric!“, schreit Mama, während sie mit den Beinen um sich tritt und schreit, als Dad sie an den Haaren den Flur entlang und an meinem Schlafzimmer vorbei schleift.Ich knalle meine Zimmertür zu und hasse es, dieses ständige Gebrülle zu hören. Es nimmt einfach kein Ende – niemals.Und so sehr ich Mama auch liebe, sie hat unsere Familie mit meinem Peewee-Footballtrainer betrogen. Sie hat ihr Leben mit uns für eine einzige Nacht mit diesem Kerl eingetauscht.Ich hasse sie dafür. Ich verabscheue sie regelrecht.Sie weiß genau, wie missbräuchlich Dad wird, und trotzdem lässt sie mich bei ihm zu Hause allein, um sich mit einem Versager aus dem Viertel am anderen Ende der Stadt zu vergnügen. Es ist egoistisch und abscheulich von ihr, und ich schäme mich fast, sie überhaupt noch Mutter zu nennen. Ich verachte sie dafür, was sie unserer Familie und mir angetan hat.„Denk an Zavian, denk an das Baby, bitte! Tu das nicht.“Ich balle meine Hände zu Fäusten, während mir eine Träne
NAIMADa ich wusste, dass Mama auch heute Morgen wieder krank werden würde – so wie in den letzten Tagen eigentlich jeden Morgen –, hatte ich mir den Wecker auf drei Uhr morgens gestellt. Leise schlich ich in den Flur, bevor ich Zavian hätte wecken können. Ich wollte auf keinen Fall, dass Mama allein im Badezimmer war, vor allem nicht, falls Alaric aufwachen und nach ihr suchen sollte. Wenn er das täte, würde er herausfinden, dass sie ihn bezüglich meiner Schwangerschaft belogen hatte. Wenn ich für diese ganze Sache meinen Schlaf opfern musste, dann tat ich das. Alles war besser, als zuzulassen, dass Mama etwas zustieß.Ich schlüpfte in das Badezimmer im Flur. Mama saß dort vor der Toilette, ihr flauschiger Morgenmantel war völlig mit Erbrochenem besudelt. Tränen liefen über ihr Gesicht, ihre Augen waren dick und gerötet. Ich schloss die Tür ab, reichte ihr ein paar getragene Kleidungsstücke aus dem Wäschekorb zum Wechseln und half ihr, den beschmutzten Bademantel auszuziehen.„Mama“,
NAIMA„Gute Arbeit heute, Naima“, sagte Herr Silbermann und drückte mir sanft auf die Schulter, als wir meinen ersten – anscheinend offiziellen – Tag bei dem Praktikum in seinem Unternehmen beendeten.Nachdem ich Dennis’ Bruder kennengelernt hatte, hatte Silbermann mir jeden Bereich der Firma gezeigt, von der Bio-Engineering-Abteilung bis hin zum Bereich für Maschinenbau, den sie gerade erst aufgebaut hatten.Mit der neuesten Technik und einigen der innovativsten Ingenieure des ganzen Landes war das genau der Ort, an dem ich vor dem College sein wollte. Es würde mir einen riesigen Vorsprung für eine Karriere im Bio-Bereich verschaffen und praktische Erfahrungen für meinen Lebenslauf bieten. Arbeitgeber liebten so etwas – erst recht, wenn ich jemanden hatte, der für mich bürgte, und wenn die Personalchefs wussten, dass dies die absolute Top-Adresse war.„Danke, Herr Silbermann.“ Ich zog den Reißverschluss meiner Jacke hoch, die Zavian mir gekauft hatte, und blieb zögernd an der Tür ste
ZAVIANNachdem ich Naima an ihrem Praktikumsplatz abgesetzt hatte, öffnete ich das Handschuhfach, um mich zu vergewissern, dass die Waffe, die ich dem Mörder meiner Mutter abgenommen hatte, noch da war. Dann fuhr ich zu Elfenbein. Ich musste Naima und ihre Mutter beschützen, und wenn das der Weg war, dann würde ich ihn gehen. Elfenbein musste verdammt noch mal in die Gänge kommen und Helenas Vater entweder hinter Gitter bringen oder ihn einfach umlegen.Das Chaos nach dem Tod von Schulleiter Weiss legte sich nur langsam, aber jeder fragte sich, wer als Nächstes dran sein würde. Die Jungs hatten im Laufe der Woche hier und da kleine Geheimnisse durchsickern lassen, aber nichts so Großes wie die Tatsache, dass der Polizeichef – der Mann, dem man am meisten vertrauen sollte – seine eigene Tochter missbrauchte und die Cheerleaderinnen zur Prostitution zwang.Mein Handy vibrierte.Dario: 8. Straße. In fünf Minuten. Alleine.Ich machte kehrt, fädelte mich auf den Highway in Richtung 8. Stra
NAIMA„Um wie viel Uhr soll ich dich abholen?“, fragte Zavian vom Fahrersitz seines Maseratis aus und warf einen Blick auf sein Handy, als eine Nachricht von Elian auf dem Display erschien.Ich drückte die Tür auf und sah finster auf sein Handy. Es war nicht so, dass ich Elfenbein nicht vertraute; es war nur so, dass ich wusste, dass sie Ärger bedeuteten. Ich wollte einfach, dass das alles ein Ende hatte, und sie waren die einzigen Menschen, denen wir vertrauen konnten. Jeder andere in dieser Stadt war das Letzte.„Ich glaube, um sieben.“„Willst du, dass ich dich reinbringe?“Ich lehnte mich vom Beifahrersitz zu ihm rüber und küsste ihn auf die Lippen. „Ich bin durchaus fähig, die paar Meter alleine zu laufen, aber danke.“„Ich will nicht, dass deinem Baby etwas passiert“, zwinkerte Zavian.Nachdem ich spielerisch mit den Augen gerollt hatte, beobachtete ich, wie eine weitere Nachricht reinkam, und sah Zavian eindringlich an. „Bitte, stell nichts Dummes an, während ich bei diesem Pra
NAIMA„Wo wart ihr beiden eigentlich?“, fragte Zariah, hob eine Augenbraue und stocherte in ihrem Truthahn-Sandwich herum, das ihr Vater ihr morgens meistens machte. Sie verdrehte die Augen und warf einen flüchtigen Blick auf ihre drei Lover. „Ich musste die meiste Zeit der Mittagspause mit diesen Arschlöchern verbringen.“„Das muss ja furchtbar gewesen sein“, sagte ich sarkastisch zu ihr und musste grinsen. „Besonders wenn Cillian nicht aufhören kann, dich unter dem Tisch anzufummeln.“Sie rümpfte die Nase, stieß Cillians Hand weg und fuhr ihn an, er solle damit aufhören, weil das hier jeder sehen könne. Winterhall war voller Leute, die nur darauf warteten, etwas zu sehen. Privatsphäre gab es hier nicht – erst recht nicht, wenn Elfenbein in der Nähe war.„Er hat mich nicht angefasst“, behauptete sie.„Ich nehme sie für mich in Anspruch“, stellte Cillian klar.Ich verdrehte die Augen und sah zu Zariah. „Und du denkst, wir“ – ich deutete auf Zavian und mich – „sind kompliziert? Du kann
NAIMA„Geh ins Bett.“ Yanis sackte auf einem der Küchenstühle zusammen, die er aus dem Erdgeschoss nach oben geholt hatte. Er zog an seinem Winterhall-Sweatshirt, schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken gegen die Wand.Ich hob eine Braue und warf ein Kissen nach ihm. Ich wusste nur zu gu
NAIMAIch umschlang meine Oberarme, wippte auf den Zehenspitzen auf und ab und starrte auf den Ozean, während ich am Overlook auf Zavian wartete. Das Cartier-Armband, das er mich letzte Nacht regelrecht angefleht hatte, für sein Spiel zu tragen, rutschte an meinem Finger hin und her. Ich hatte es a
NAIMASie raste vom Parkplatz, während ich wie angewurzelt dastand, völlig unter Schock. Nein, nein, nein. Ich durfte nicht wieder auf Zavians dumme kleine Spielchen hereingefallen sein. Ich durfte nicht. Ich … Mein Brustkorb schnürte sich so eng zusammen, dass ich kaum noch atmen konnte, bis ich d
NAIMAAls Yanis mich nach Hause brachte, stand ein überraschend schnittiger schwarzer Wagen in der Einfahrt. Er war zwar nicht so luxuriös wie ein Maserati oder einer der Wagen, die Alaric fuhr, aber er war definitiv eine Klasse besser als alles, was sich jemand aus dem sozialen Brennpunkt der Stad







