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5. Dezember – Willkommen in Everpine

Author: Emmah
last update Petsa ng paglalathala: 2026-11-03 20:25:42

**Elowens Perspektive**

Mein erster Instinkt war, meine Koffer zu packen und wegzurennen. Aber dann dachte ich an Leos Gesicht, als Rhyden ihm die Schlittschuhe schnürte, und an die hunderten Kinder, die auf diese Spendenaktion angewiesen waren. Ich drückte die Kugel in meiner Hand und biss die Zähne zusammen. Ich würde nicht klein beigeben.

Am nächsten Tag um die Mittagszeit rollte der Teambus durch die großen eisernen Tore der Everpine Lodge. Der Ort war atemberaubend. Eingebettet in schneebestäubte Kiefernberge, leuchtete die gewaltige Holzlodge unter tausenden warmer Lichterketten. Riesige Kränze hingen von jedem Balkon, Girlanden wanden sich um die Baumstammpfeiler, und der Duft von frischem Kiefernholz und Zimt erfüllte die klare Luft.

Für einen kurzen Moment vergaß ich die Drohung.

Dann kam die Rezeption.

„Was heißt das, uns fehlt ein Zimmer?“, fragte ich und starrte Vespera ungläubig an.

„Im Haupttrakt ist ein Rohr geplatzt“, sagte Vespera mit einem Seufzer und rieb sich die Schläfen. „Wir mussten umverteilen. Du bist in Suite 204.“

„Und wer ist in 203?“, fragte ich langsam.

Wie auf Stichwort legte sich ein schwerer Arm um meine Schulter und brachte den vertrauten Duft von Zedernholz und kalter Luft mit.

„Sieht aus, als wären wir Nachbarn, Weihnachtsmädchen“, sagte Rhyden, seine haselnussbraunen Augen blitzten vor Belustigung. „Versuch, nicht an meine Tür zu hämmern, wenn du mich nachts vermisst.“

Ich duckte mich unter seinem Arm weg und funkelte ihn an. „In deinen absoluten Träumen, Vale. Vespera, verlege mich auf den Dachboden. Verlege mich in den Abstellraum.“

„Geht nicht, Veyra“, sagte Rhyden mit einem Grinsen und lehnte sich an die hölzerne Rezeption. „Außerdem, als dein ergebener Fake-Freund sollte ich doch nah genug sein, um deine kostbare Ehre zu bewachen, oder?“

„Ich kann meine Ehre selbst bewachen, und einen Hockeyspieler, der mir gegenüber über den Flur schnarcht, brauche ich ganz sicher nicht“, sagte ich.

„Ich schnarche nicht“, widersprach Rhyden, trat näher, und seine Stimme sank in diesen glatten, leisen Ton. „Ich schnurre. Frag jeden.“

„Widerlich“, sagte ich, aber ein Lächeln verriet mich, als es mir in den Mundwinkel kroch. „Wenn ich auch nur einen Laut aus deinem Zimmer höre, sperre ich dich im Schnee aus.“

„Abgemacht“, sagte Rhyden. „Ich benutze dann einfach meinen Zweitschlüssel.“

An diesem Abend versammelte sich das gesamte Team in der großen Halle um einen zehn Meter hohen Weihnachtsbaum, behängt mit goldenen Lichtern und Glaskugeln. Soren Wilder, der größte Weihnachtsfan des Teams, stand auf einer Holzbank und hielt eine Messingschale.

„Herhören, Frostwolves!“, verkündete Soren fröhlich. „Es ist der fünfte Dezember! Zeit für die alljährliche Wichtelauslosung. Die Regeln sind simpel: fünfzig Dollar Limit, keine Scherzgeschenke, die die Personalabteilung auf den Plan rufen, und alles bleibt geheim bis Heiligabend.“

Wir stellten uns rund um den Weihnachtsbaum auf. Als ich an der Reihe war, griff ich in die Messingschale und zog einen der gefalteten Zettel heraus.

Ich faltete das Papier auf und sah den Namen, der darin stand.

*Rhyden Vale.*

Meine Augen weiteten sich. Ich hatte Rhydens Namen gezogen. Er war die Person, für die ich ein Wichtelgeschenk kaufen sollte.

Ich hielt den Atem an und faltete den Zettel schnell wieder zusammen.

„Wen hast du gezogen?“, flüsterte eine glatte Stimme direkt an meinem Ohr.

Ich zuckte zusammen und stopfte den Zettel in meine Manteltasche. Rhyden stand direkt hinter mir und hielt seinen eigenen Zettel, mit einem seltsamen, unlesbaren Ausdruck im Gesicht.

„Geht dich nichts an, Vale“, murmelte ich. „Wen hast du gezogen?“

Er sah auf seinen Zettel, dann zu mir hinab, seine Augen dunkel und intensiv. „Niemanden, um den du dir Sorgen machen musst“, sagte Rhyden.

„Du hast mich gezogen, stimmt's?“, beschuldigte ich ihn leise.

„Ich lüge nicht, Veyra“, sagte Rhyden. „Aber ich sage es dir nicht.“ Er beugte sich näher. „Lass uns abmachen, dass unsere Wichtel strikt unter uns bleiben.“

„Abgemacht“, sagte ich.

Später in der Nacht, gegen Mitternacht, konnte ich nicht schlafen. Die bedrohliche Kugel schoss mir immer wieder durch den Kopf. Fröstelnd in meinem schweren Wintermantel wanderte ich nach draußen, in Richtung der alten, ungenutzten Außeneisbahn der Lodge.

Eine einsame Gestalt stand an der Holzbande und starrte unter dem fahlen Mondlicht auf die gefrorene Fläche.

Es war Rhyden.

Ich stapfte durch den Schnee, meine Stiefel knirschten leise. „Du bist spät noch auf“, sagte ich.

Er drehte sich nicht um, aber seine Schultern spannten sich leicht an. „Konnte nicht schlafen“, erwiderte Rhyden.

„Rhyden“, sagte ich sanft und trat neben ihn ans Geländer. „Was ist hier vor drei Jahren eigentlich passiert? Warum schleicht jeder auf Zehenspitzen, sobald Everpine zur Sprache kommt?“

Er stieß einen langen Atemzug aus, und weißer Dampf stieg in die eisige Nachtluft. „Ich habe dir gesagt, du sollst es lassen, Elowen“, sagte Rhyden.

„Ich kann es nicht lassen!“, sagte ich und trat vor ihn, sodass er mich ansehen musste. „Jemand hinterlässt Nachrichten. Jemand versucht, diese Kampagne zu ruinieren. Sag mir die Wahrheit.“

Rhyden sah auf mich hinab, sein Kiefer angespannt, seine haselnussbraunen Augen erfüllt von einer rohen, dunklen Verletzlichkeit, die ich nie zuvor an ihm gesehen hatte. „Vor drei Jahren war dieses Team nicht nur ein Team. Wir waren eine Familie. Und jemand in dieser Lodge hat das zerstört. Geld ist verschwunden, Menschen wurden verletzt, und es gab eine Vertuschung, die beinahe die gesamte Franchise niedergebrannt hätte“, sagte Rhyden.

„Wer war es?“, flüsterte ich.

Bevor Rhyden antworten konnte, zerriss ein lautes, brutales KRACHEN von berstendem Glas die stille Nacht und hallte aus dem dunklen, verlassenen Eisbahnbüro hinter uns.

Rhyden zog mich augenblicklich hinter sich, sein Arm versperrte meinen Körper. „Bleib hinter mir“, befahl er.

„Rhyden, nein …“, sagte ich.

Er hörte nicht. Er stieß die knarrende Holztür auf und trat in das stockfinstere Büro. Ich folgte ihm dicht, zog mein Handy heraus und schaltete die Taschenlampe an.

Der Lichtstrahl schnitt durch die Dunkelheit und fiel auf eine zerschmetterte Glasvitrine mitten im Raum. Glasscherben bedeckten den staubigen Boden.

Ich trat näher, und der Strahl enthüllte ein gerahmtes Teamfoto, das zwischen den Scherben lag. Es war das Frostwolves-Mannschaftsporträt von vor drei Jahren.

Mein Blut gefror.

Ein Gesicht in der vorderen Reihe war mit einer schweren Klinge brutal zerkratzt worden und hatte tiefe Spuren im Fotopapier hinterlassen.

Rhyden ging in die Hocke und starrte auf das zerkratzte Gesicht. Ihm stockte der Atem scharf.

„Rhyden …“, flüsterte ich, meine Hand zitterte, während ich die Taschenlampe näher hielt. „Sieh dir die Haltung an. Sieh dir die Jacke an.“

Es war genau dieselbe Person, die auf dem körnigen Foto neben Rhyden stand, das ich in meinem Zimmer erhalten hatte. Es war der geheimnisvolle Mann von Everpine.

„Er ist zurück“, sagte Rhyden zwischen zusammengebissenen Zähnen, seine Stimme bebte in einer erschreckenden Mischung aus Wut und Angst.

Er stand auf und nahm mir das beschädigte Foto aus den Händen. Dann packte er meine Schultern und drehte mich um, bis ich ihm direkt in die Augen sehen musste.

„Du musst mir jetzt ganz genau zuhören, Elowen“, sagte Rhyden, sein Griff fest, seine Augen wild und intensiv. „Was auch immer hier geschieht, du kannst nicht jedem in dieser Lodge trauen. Verstehst du mich? Niemandem.“

Die Neonröhren an der Decke sprangen plötzlich surrend an und blendeten uns mit grellem weißem Licht.

„Was macht ihr beide hier drin?“, rief eine ruhige, kalte Stimme.

Wir fuhren beide herum.

Dorian Veyl stand in der offenen Tür, eingerahmt vom fallenden Schnee draußen. Er trug einen dunklen Trenchcoat, die Hände lässig in den Taschen, und er sah uns mit einem glatten, unlesbaren Lächeln an.

„Es ist sehr spät, um Dinge zu zerbrechen, Vale“, sagte Dorian leise. „Besonders Dinge aus der Vergangenheit.“

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