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MEIN VERPUCKTES WEIHNACHTEN
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Author: Emmah

1. Dezember – Der Mann, der Weihnachten hasste

Author: Emmah
last update publish date: 2026-11-03 20:16:26

**Kapitel 1: 1. Dezember – Der Mann, der Weihnachten hasste**

**Elowens Perspektive**

In der Eingangshalle des Hauptquartiers der Northvale Frostwolves roch es nach teurem Bodenwachs, feuchter Wolle und drohendem Karriere-Selbstmord.

Ich hob den schweren Pappkarton höher an meine Hüfte, die Knöchel weiß, so fest klammerte ich mich an das Klebeband. Obenauf lag ein wirres Knäuel aus Lametta, zwei batteriebetriebenen Lichterketten und einem übergroßen Strickpullover mit einem Rentier, dessen Nase rot blinkte.

Direkt gegenüber vom Aufzug, eingerahmt von turmhohen Glaswänden, hing ein sechs Meter langes Werbebanner.

24 TAGE BIS WEIHNACHTEN, stand dort in geschwungener Goldfolie.

Direkt unter den Buchstaben prangte ein riesiges, gestochen scharfes Foto von Rhyden Vale.

Er starrte geradewegs in die Kamera, das dunkle Haar leicht zerzaust, der Kiefer scharf geschnitten, mit einem Ausdruck, als würde er lieber zerbrochene Glühbirnen essen, als in die festliche Stimmung einzustimmen.

*Dieser Mann wird mein Leben ruinieren*, dachte ich. *Oder zumindest meine Karriere.*

„Elowen Veyra?“

Ich fuhr herum und ließ beinahe den Karton fallen. Eine Frau mit glattem, blondem Bob und einem scharf geschnittenen Blazer kam auf mich zu, ihre Absätze knallten wie Schüsse auf dem Marmorboden. In einer Hand hielt sie einen Eiskaffee, in der anderen ein iPad.

„Vespera Quinn, PR-Direktorin“, sagte sie mit einem knappen, effizienten Lächeln. „Du bist zu spät.“

„Mir wurde halb neun gesagt“, erwiderte ich und rückte den Karton in meinem Griff zurecht. „Es ist zwei vor halb.“

„In Northvale-PR-Zeit sind zwei vor halb zwei Minuten nach der Panik“, entgegnete Vespera und drehte sich auf dem Absatz um. „Komm mit.“

Ich lief neben ihr her und versuchte, nicht wie eine Frau auszusehen, die die letzten drei Nächte damit verbracht hatte, auf ihren Kontostand zu starren und um ein Wunder zu beten. Diese Kampagne, *Christmas for Every Kid*, war mein goldenes Ticket. Wenn ich es schaffte, vierundzwanzig Tage lang makellosen, herzerwärmenden, viralen Social-Media-Content für ein Eishockeyteam zu liefern, das gerade drei PR-Albträume hintereinander hinter sich hatte, gehörte die feste Stelle als Lead Creative Strategist mir.

„Die Vorgabe von oben ist simpel“, sagte Vespera, während wir durch ein Labyrinth aus Milchglasbüros gingen. „Wir brauchen Wohlanständigkeit. Wir brauchen Familienfreundlichkeit. Wir brauchen die Öffentlichkeit, die vergisst, dass unsere Verteidiger im September bei einem Charity-Golfturnier eine Prügelei mit bloßen Fäusten angefangen haben. Die Kinder brauchen Winterjacken, und wir brauchen Wiedergutmachung.“

„Ich habe den gesamten Content-Kalender durchgeplant“, sagte ich und hielt meine Stimme ruhig. „Tägliche Countdowns, Player-Takeovers, Behind-the-Scenes-Material aus der Lodge …“

„Klingt hübsch“, unterbrach mich Vespera und blieb vor Studio B stehen. Sie drehte sich zu mir um, die Augen schmal. „Hast du schon mal mit Profisportlern gearbeitet, Elowen?“

„Ich habe die Social-Strategie für prominente Kunden betreut“, sagte ich gelassen. „Egos machen mir keine Angst.“

Vespera lachte kurz und scharf auf. „Gut. Denn du wirst gleich den Endgegner unter den Egos treffen. Er hat diese Woche schon drei Weihnachtskampagnen auf dem Gewissen.“

Sie deutete auf die Studiotüren. „Rhyden Vale ist da drin. Viel Glück.“

Bevor ich nach einem Strategie-Briefing fragen konnte, tippte sie auf ihr iPad und rauschte davon.

Ich holte tief Luft, drückte die schweren Türen auf und betrat Studio B.

Das Studio war komplett mit festlichen Requisiten dekoriert. In der Ecke stand eine drei Meter hohe Balsamtanne, behängt mit silbernen Glaskugeln. Softboxen tauchten eine Kulisse in Licht, die aussah wie eine gemütliche Winterhütte.

Rhyden Vale stand mitten auf dem Set und wirkte vollkommen fehl am Platz.

Er trug nicht den Team-Weihnachtspullover, den ich vor zwei Stunden in seinen Spind hatte legen lassen. Stattdessen hatte er ein enges schwarzes Langarmshirt an, dazu dunkle Jeans und einen Ausdruck purer Langeweile.

„Du stehst in meinem Licht“, sagte Rhyden, ohne mich anzusehen. Seine Stimme war ein tiefer, rauer Bariton, der mir sofort auf die Nerven ging.

„Und du trägst den Pullover nicht“, erwiderte ich und knallte den Karton mit einem dumpfen Schlag auf einen Klapptisch.

Rhyden drehte sich langsam um. Aus der Nähe war der Star-Flügelspieler noch ärgerlicher attraktiv, als er auf dem Banner draußen gewirkt hatte. Breite Schultern, scharfe Wangenknochen und dunkle haselnussbraune Augen, die sich mit träger Gleichgültigkeit in meine bohrten.

„Ich trage keine Pullover“, sagte Rhyden und verschränkte die Arme vor einer Brust, die aus Granit gemeißelt zu sein schien. „Schon gar keine mit leuchtender Nase.“

„Der ist für eine Stiftung, die Winterjacken für Kinder kauft, Vale“, sagte ich und ging auf ihn zu, den übergroßen rot-grünen Strick ausgestreckt. „Zieh ihn an.“

Er rührte sich keinen Millimeter. Er sah nur auf den Pullover hinab, dann zurück zu mir, während sich ein langsames, unerträgliches Grinsen auf seinen Lippen ausbreitete.

„Ich bin allergisch gegen synthetische Wolle“, log er glatt. „Und Rot steht mir nicht.“

„Deine Teamfarben sind Marineblau und Karminrot“, hielt ich dagegen und trat noch einen Schritt näher. „Du trägst jeden Samstagabend Rot vor achtzehntausend Menschen.“

„Das ist hochleistungsfähige Sportbekleidung“, konterte Rhyden und lehnte sich gegen den hölzernen Requisiten-Kaminsims. „Das hier sieht aus, als wäre ein Rentier auf einem Teppich explodiert. Passe.“

Ich atmete durch und erinnerte mich daran, dass ein Gefängnisaufenthalt wegen Körperverletzung an einem Profisportler meine Kreditwürdigkeit ruinieren würde.

„Hör zu“, sagte ich und ließ den Kundenservice-Ton komplett fallen. „Ich habe vierundzwanzig Tage, um dieses Team aussehen zu lassen wie den persönlichen Chor des Weihnachtsmanns. Du hast drei Minuten, um den Pullover anzuziehen, bevor ich Vespera erzähle, dass du aktiv eine Kinder-Wohltätigkeitsaktion sabotierst.“

Rhydens Grinsen verblasste nicht. Im Gegenteil, es wurde breiter. Er machte bewusst einen Schritt nach vorn und verkürzte den Abstand zwischen uns, bis ich das Kinn heben musste, um seinem Blick standzuhalten. Der schwache Duft von Zedernholz, kalter Luft und teurem Parfüm schlug mir augenblicklich entgegen.

„Glaubst du ernsthaft, du kannst mich kontrollieren, Weihnachtsmädchen?“, murmelte Rhyden, seine Stimme sank um eine Oktave.

Ich wich nicht zurück. Ich hielt seinem Blick stand und hielt Schritt für Schritt mit seiner Haltung.

„Ich muss dich nicht kontrollieren, Vale“, sagte ich leise. „Ich brauche nur, dass du deinen Job machst.“

Für den Bruchteil einer Sekunde verschwand die träge Belustigung aus seinen Augen. Etwas Dunkleres, Schärferes, gefährlich Intensives trat an ihre Stelle. Er sah mich an, sah mich wirklich an, nahm mein zerzaustes dunkles Haar in sich auf, die leichte Röte auf meinen Wangen und die völlige Furchtlosigkeit in meinen Augen.

Eine schwere, statisch aufgeladene Stille legte sich über das Studio. Mein Herz tat einen ungebetenen, höchst verräterischen Schlag gegen meine Rippen.

Ohne den Blickkontakt zu brechen, streckte Rhyden die Hand aus und riss mir den Pullover aus den Händen.

„Zehn Sekunden“, knurrte er. „Mach das Foto, und dann bin ich weg.“

Er zog das lächerliche Wollungetüm über den Kopf. Es war zwei Nummern zu klein für seine Brust, spannte über seinen Schultern und ließ ihn absurd breit und vollkommen lächerlich aussehen.

„Lächeln“, sagte ich und hob meine Kamera.

Er lächelte nicht. Er schenkte mir ein halbes Grinsen, verschränkte die Arme und lehnte sich lässig an die hölzerne Schlitten-Requisite. Der Auslöser klickte.

Das Bild leuchtete auf meinem Monitor auf. Es war, ärgerlicherweise, absolute Perfektion. Der Kontrast zwischen seiner gefährlichen, brütenden Kante und dem albernen Rentierpullover war sofort Social-Media-Gold.

„Zufrieden?“, fragte Rhyden und zog sich den Pullover schon wieder aus, um ihn auf den Tisch zu werfen.

„Wird gehen“, log ich.

Er schnappte sich seine Jacke von einem Klappstuhl und schob die Arme in die Ärmel. Als er sich zum Gehen wandte, zog ich mein Tablet hervor, um den Zeitplan zu prüfen.

„Nächste Woche ziehen wir in die Everpine Lodge um“, sagte ich beiläufig und wischte durch die Produktionsnotizen. „Dort oben drehen wir die Outdoor-Winterwochenmarkt-Serie.“

Rhyden erstarrte.

Die lässige, arrogante Energie wich in einem Augenblick aus ihm. Seine Schultern spannten sich. Als er sich wieder zu mir umdrehte, war sein Gesicht vollkommen unlesbar, und seine Augen waren kalt.

„Was hast du gesagt?“, fragte Rhyden.

„Everpine Lodge“, wiederholte ich und sah vom Bildschirm auf. „Das Bergresort? Das Team verbringt die zweite Dezemberhälfte jedes Jahr dort für die Spendenaktion.“

„Wir fahren nicht nach Everpine“, sagte Rhyden tonlos.

„Es steht im Masterplan, Vale“, sagte ich und runzelte die Stirn. „Von der Unternehmensführung genehmigt.“

„Sag es ab.“

„Ich kann kein zweiwöchiges Broadcast-Event absagen, nur weil dir die Bergluft nicht gefällt“, sagte ich, verwirrt von dem plötzlichen Stimmungsumschwung. „Was ist denn mit der Lodge?“

Rhyden starrte mich lange, schwer an. Der flirtende, sarkastische Spieler von vor zwei Minuten war völlig verschwunden. An seiner Stelle stand ein Mann, der Wache hielt vor einem dunklen Raum.

„Lass den Lodge-Content fallen, Elowen“, sagte Rhyden, seine Stimme tödlich leise. „Du weißt nicht, womit du dich da anlegst.“

Bevor ich antworten konnte, drehte er sich auf dem Absatz um und stieß die schweren Flügeltüren auf. Das Studio blieb in totaler Stille zurück.

Einen Moment lang stand ich da, mein Puls summte. Kopfschüttelnd ging ich zum Haupt-Laptop auf dem Studiotisch, um die Rohdateien der Kamera auf das gemeinsame Team-Laufwerk hochzuladen. Das System summte, während die Übertragung durchlief.

Dann blinkte ein rotes Benachrichtigungssymbol in der Ecke des Bildschirms auf.

Auf dem internen Kampagnenaccount war eine Nachricht eingegangen.

Ich klickte sie auf, in der Erwartung eines aktualisierten Zeitplans von Vespera oder einer Notiz von der Grafikabteilung.

Stattdessen füllte eine einzige Textzeile den Bildschirm:

*Nehmen Sie die Weihnachtskampagne nicht mit nach Everpine.*

Mein Blut gefror.

Ich bewegte den Cursor über das Absenderprofil, in der Annahme, es sei ein Streich eines der Spieler, die die Neue aus der Fassung bringen wollten.

Die Systemmetadaten erschienen in einem kleinen grauen Feld am unteren Bildschirmrand:

*Absender: Internal Security Node – Admin-Zugriff erforderlich.*

Die Nachricht stammte nicht von einem anonymen Fan oder einem externen Troll.

Sie war aus den Chefetagen der Frostwolves-Organisation verschickt worden.

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