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4. Dezember – Lass sie es glauben

Author: Emmah
last update publish date: 2026-11-03 20:23:27

**Elowens Perspektive**

Ein falscher Kuss sollte die Öffentlichkeit überzeugen. Stattdessen überzeugte er mich davon, dass es die schwerste Lüge meines Lebens werden würde, so zu tun, als hasste ich Rhyden Vale.

Die Blitzlichter feuerten noch immer in meinen Augen, helle weiße Funken, die durch die kühle Nachmittagsluft auf dem Northvale Outdoor Christmas Market schnitten.

„Näher zusammen, ihr beiden!“, rief ein Fotograf vom *Daily Sports* und gestikulierte in unsere Richtung. „Haltet Händchen! Seht aus, als mögt ihr euch tatsächlich!“

Rhyden zögerte keine Sekunde. Seine großen, warmen Finger glitten in meine, sein Griff war fest und sicher. Er verschränkte unsere Finger, sein behandschuhter Daumen strich über meinen Handrücken, auf eine Art, die viel zu selbstverständlich und geübt wirkte.

„Entspann dich, Weihnachtsmädchen“, murmelte Rhyden und zog mich ein Stück näher, sodass meine Schulter gegen seinen schweren Wollmantel drückte. „Du bist steif wie ein Brett. Lächle, als wärst du wahnsinnig in mich verliebt.“

„Ich versuche, nicht zu würgen, Vale“, murmelte ich und schenkte den fünf Kameras, die auf uns gerichtet waren, ein strahlendes, falsches Lächeln. „Dein Daumen macht schon wieder dieses Ding.“

„Welches Ding?“, fragte Rhyden.

„Dieses ablenkende Streichel-Ding.“

„Das nennt man Schauspielern, Veyra“, flüsterte Rhyden, seine haselnussbraunen Augen verrieten sein Amüsement. „Obwohl … wenn es dich ablenkt, ist es vielleicht gar nicht gespielt.“

„In deinen Träumen“, flüsterte ich zurück.

„Küss sie!“, rief plötzlich ein Teenager-Mädchen in einem Frostwolves-Trikot hinter der Holzabsperrung. „Küss sie für die Kamera!“

Sofort erhob sich aus der Menge um die festlichen Holzbuden ein Chor aus Jubel und Sprechchören. „Kuss! Kuss! Kuss!“

Ich erstarrte. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel. Ich sah zu Rhyden auf und erwartete, dass er einen schnellen, sarkastischen Witz machen würde, um die Menge abzulenken.

Stattdessen wurde er vollkommen still.

Rhydens dunkle Augen suchten mein Gesicht ab, wanderten von meinen Augen zu meinen Wangen und sanken dann auf meine Lippen. Sein verspieltes Grinsen verschwand langsam und wich einer tiefen, schweren Stille.

„Elowen“, sagte Rhyden leise, seine Stimme so gesenkt, dass nur ich ihn hören konnte.

Rhyden packte mich nicht und drängte mich nicht. Er senkte sein Gesicht langsam und gab mir jede Sekunde, um zurückzuweichen, den Kopf wegzudrehen oder es einfach wegzulachen.

Ich rührte mich keinen Millimeter. Ich konnte nicht atmen.

Dann berührte sein Mund meinen.

Es sollte ein kurzes, höfliches Aufeinanderpressen der Lippen für die Presse sein. Ein fünfsekündiger Werbegag.

Das war es nicht.

In dem Moment, in dem seine Lippen meine streiften, fuhr ein elektrischer Schlag durch meinen ganzen Körper. Rhyden stieß einen leisen, rauen Atemzug gegen meinen Mund aus, sein Griff um meine Hand wurde fester, und seine andere Hand legte sich an meine Wange, seine warmen Finger zeichneten meine Kieferlinie nach.

Das Gebrüll der Menge verblasste zu völligem Rauschen. Die kalte Winterluft, der Duft gerösteter Maronen und die aufblitzenden Kameras verschwanden. Da war nur noch die Wärme seines Mundes, der sanfte Druck seiner Lippen und das gefährliche Gefühl eines Kusses, der drei Sekunden zu lange dauerte.

Als er sich schließlich zurückzog, ging sein Atem schnell, und seine haselnussbraunen Augen waren dunkel und unscharf.

Ich stand da, durcheinander, mein Gesicht brannte, und mein Herz wollte mir buchstäblich aus der Brust springen.

„Mach das nie wieder“, flüsterte ich, meine Stimme zitterte, obwohl ich mich bemühte, streng zu klingen.

Rhyden steckte die Hände in die Manteltaschen, doch das leichte Zittern seiner Finger verriet ihn. Er zwang sein übliches Grinsen zurück auf sein Gesicht. „Was denn?“, fragte er.

„Du weißt genau, was, Vale“, fauchte ich und wandte mich rasch ab, um die Röte zu verbergen, die mir den Hals hinaufkroch. „Das war nicht für die Kameras.“

„Red dir das ruhig weiter ein, Weihnachtsmädchen“, sagte Rhyden.

Zehn Minuten später, während sich der Rest des Teams an der riesigen Eisbahn versammelte, kam Rhyden zu mir zurück, als ich auf meinem Tablet das Rohmaterial durchsah. Er schob mir einen warmen Pappbecher in die freie Hand.

Ich sah hinab. Es war extra heiße Schokolade mit Hafermilch, doppelter Schlagsahne und einem Hauch Zimt.

Ich blinzelte überrascht und sah zu ihm auf. „Ich habe dir nie gesagt, wie ich meine heiße Schokolade trinke.“

„Musstest du auch nicht“, sagte er beiläufig und nahm einen Schluck aus seinem eigenen schwarzen Kaffee. „Ich passe auf.“

Mein Magen überschlug sich heftig. Mit einem kecken, arroganten Hockeystar kam ich klar. Ein Mann, der die winzigen Details bemerkte, wie ich mein Morgengetränk trank, war unendlich gefährlicher.

„Er spielt nicht, weißt du“, sagte Caelum mit tiefer Stimme neben mir.

Ich drehte mich um und sah Caelum Frost am Rand der Eisbahn stehen, die Arme vor der Brust verschränkt, seine scharfen Augen auf Rhyden gerichtet, der sich an der Kranzstation mit einer Gruppe von Fans unterhielt.

„Das ist nur PR, Caelum“, sagte ich und versuchte, gleichgültig zu klingen, während ich einen Schluck von der heißen Schokolade nahm. Sie war perfekt.

„Vielleicht hat es so angefangen“, erwiderte Caelum leise und lehnte sich an das hölzerne Geländer. „Aber ich kenne Rhyden seit sechs Jahren, Elowen. So sieht er PR nicht an. Sei einfach vorsichtig. Die Dinge in diesem Team sind nicht so simpel wie eine Weihnachtskampagne.“

Bevor ich fragen konnte, was er meinte, ging Caelum davon.

Ich bog um die Ecke des Seiteneingangs der Lodge, um unser zusätzliches Equipment im Transporter zu verstauen. Als ich an den schneebedeckten Kiefern vorbeiging, hörte ich leise, wütende Stimmen.

„Du hast versprochen, dass das begraben ist, Vale“, sagte ein älterer Mann in einem schweren grauen Mantel, seine Stimme voller Zorn. Er beugte sich nah zu Rhyden, das Gesicht vor Wut verzerrt. „Wenn dieses Mädchen weiter in den Lodge-Plänen herumstochert, fliegt alles auf.“

„Sie stochert in gar nichts herum“, sagte Rhyden zwischen zusammengebissenen Zähnen, der Kiefer angespannt, der Körper steif. „Geh zurück, Walsh.“

„Sorg dafür, dass sie in ihrer Spur bleibt“, warnte der Mann und stieß Rhyden einen Finger in die Brust. „Sonst sorge ich dafür, dass die Medien die wahre Geschichte von vor drei Jahren erfahren.“

Ich trat versehentlich auf einen trockenen Kiefernast. *Knack.*

Beide Männer fuhren zu mir herum. Rhydens Augen weiteten sich in kurzer Panik. Er stellte sich sofort vor den älteren Mann, nahm ihm die Sicht auf mich und gab sich rasch ruhig und entspannt.

„Wir sind hier fertig“, sagte Rhyden scharf zu dem Mann.

Der ältere Mann funkelte mich einmal an, dann drehte er sich um und verschwand den schneebedeckten Pfad hinunter.

Ich ging hinüber, mein Puls raste. „Wer war das?“, fragte ich Rhyden.

„Niemand“, sagte Rhyden glatt und steckte die Hände zurück in die Taschen. „Nur ein Sponsor, der sich über die Sitzordnung beim Charity-Spiel beschwert.“

„Er klang nicht wie ein Sponsor“, sagte ich, trat näher und suchte in seinen Augen. „Er klang, als würde er dich bedrohen. Er hat von vor drei Jahren gesprochen, Rhyden.“

Rhydens Miene verschloss sich vollständig, und eine kalte Mauer schien sich zwischen uns zu senken. „Lass es, Elowen. Es ist nichts“, sagte er.

„Es fühlt sich nicht nach nichts an“, erwiderte ich.

„Es ist nichts“, wiederholte Rhyden, seine Stimme scharf und endgültig. „Hol deine Taschen. Der Bus fährt ab.“

Um 23:00 Uhr war ich erschöpft. Ich schloss die Tür zu meinem Zimmer in der temporären Teamunterkunft auf, trat mir die Winterstiefel von den Füßen und warf meinen Schal auf den Stuhl.

Ich ging zum Bett, bereit, darauf zusammenzubrechen.

Dann blieb ich abrupt stehen.

Eine kleine, quadratische Schachtel, verpackt in glattes schwarzes Papier mit einer silbernen Schleife, lag mitten auf meinem weißen Kopfkissen.

Keine Karte, kein Name.

Mir stockte der Atem. Langsam näherte ich mich dem Bett, meine Hand zitterte, als ich nach dem Deckel griff und ihn anhob.

Darin, auf dunklem Samt gebettet, lag eine schwere silberne Weihnachtskugel in Form eines zerbrochenen Sterns.

Fünf Wörter waren in das glatte Metall eingraviert:

*Sie hätten wegbleiben sollen.*

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