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RYDERS SICHT Er entdeckt sie sofort – seine Eltern, die am Empfangsschalter stehen, als gehöre ihnen die ganze Uni. Angesichts der üblichen geschäftsmäßigen Haltung seines Vaters könnte es genauso gut sein. Ryders Vater Austin trägt einen eleganten, anthrazitfarbenen Anzug, der an den Schultern etwas spannt, seine Haltung ist steif und gebieterisch. Und Ryders Mutter Angel, in eine Seidenbluse gehüllt, die ihre Kurven betont, mustert die Menge mit Augen, die schon immer zu viel und zu wenig zugleich gesehen haben. Ryder bleibt ein paar Schritte entfernt stehen, die Stirn so tief in Falten gelegt, dass ihm fast Kopfschmerzen kommen. Er sieht noch einmal auf sein Handy – keine verpassten Anrufe, keine Nachrichten. Nichts. Er schiebt das Gerät in die Tasche, die Lederhülle klatscht gegen seinen Oberschenkel. „Was macht ihr denn hier?“, fragt Ryder, seine Stimme durchdringt den Lärm der Umgebung. Er bewegt sich nicht, um sie zu umarmen, seine Hände bleiben geballt an seinen Seiten.
Ryders Sicht Das leise, kopfschmerzerregende Summen der Neonröhren im Hörsaal lässt Adrian es ignorieren. Seine Aufmerksamkeit gilt ganz der Tafel hinter ihm. Er schreibt eine Passage aus „Das Bildnis des Dorian Gray“. Das Quietschen des Filzstifts auf der Tafel ist für einen Moment das einzige Geräusch im Raum. Er fixiert den Text, weigert sich, die Sitzreihen zu mustern oder seinen Blick in die hinterste Ecke schweifen zu lassen, wo Ryder sitzt. Die Luft im Raum ist schwer, erfüllt vom Geruch alten Papiers und dem schwachen, anhaltenden Duft von Ryders Parfüm, den Adrian, wie er schwört, noch immer von der anderen Seite des Raumes wahrnehmen kann. Er dreht sich zur Klasse um und streicht die Vorderseite seines Tweed-Jacketts glatt. Seine Haltung ist steif, eine gezwungene Fassung, die den stechenden, pochenden Schmerz in seinem Hintern verbirgt. Jede noch so kleine Gewichtsverlagerung jagt ihm einen Schauer durch den Körper – eine schmerzhafte Erinnerung an die vergangene Nacht
Adrians Sicht Brutales, ungefiltertes Morgenlicht schneidet durch den Spalt der Jalousien und trifft Adrian mit der Wucht eines Schlags ins Gesicht. Er stöhnt auf, ein tiefes, gutturales Geräusch entfährt seiner Kehle, und reibt sich den Schlaf aus den Augen. Sein Kopf pocht, ein dumpfes, rhythmisches Pochen, das dem Schmerz entspricht, der sich tief in seinen Knochen festsetzt. Er versucht sich zu bewegen, sich von der Sonne wegzudrehen, die seine Lider reizt, aber sein Körper gehorcht ihm nicht. Ein schweres Gewicht drückt ihn auf die Matratze – ein Arm liegt besitzergreifend auf seiner Brust, ein muskulöses Bein ist mit seinem verschlungen. Die Ereignisse der vergangenen Nacht brechen über ihn herein, nicht wie ein vager Nebel, sondern wie eine lebhafte, hochauflösende Wiederholung. Der Geruch von altem Schweiß, moschusartigem Kölnischwasser und der unverkennbare, kupferfarbene Duft von Sex hängen schwer in der Luft. Adrian erstarrt, sein Atem stockt. Er weiß genau, wessen Arm
Ryder greift nach Adrians Handgelenk. Er reißt kräftig daran und zieht Adrian nach vorn. Adrian stolpert und fällt auf die Knie auf den Teppich zwischen Ryders gespreizten Beinen. Doch Ryder ist noch nicht fertig. Er zieht Adrian hoch und drückt ihn zurück, bis dessen Kniekehlen die Matratze berühren. Ryder drückt ihn nach unten und dreht ihn um, sodass er auf dem Rücken liegt und die Beine über die Bettkante hängen. Adrian ist verwirrt, sein Verstand noch benebelt von Lust. Er öffnet den Mund, um zu fragen, was Ryder da tut, doch die Worte bleiben ihm im Hals stecken. Er spürt es – heiße, feuchte Luft, die über seine intimsten Stellen streicht. Ryders Atem streift seine Öffnung, ein neckendes, unerträgliches Gefühl. Adrian hält den Atem an. Sein ganzer Körper erstarrt, seine Augen weiten sich vor Schreck. Er starrt zur Decke, sein Herz pocht wild gegen seine Rippen. Er ist schutzlos, verletzlich und Ryder völlig ausgeliefert. Ryders Gesicht ist auf Höhe von Adrians intimstem
ADRIANS SICHT Adrian steht am Bettrand, seine Finger ballen und öffnen sich wieder. Die Bitte liegt schwer und aufgeladen in der Luft. Ryder will, dass er der passive Part ist. Der Gedanke jagt Adrian einen Panikanfall durch die Brust und schnürt ihm die Kehle zu. Noch nie hat er jemanden in sich gelassen, noch nie diese Kontrolle abgegeben. Sein Körper war immer eine Waffe. Doch als Adrian Ryder jetzt ansieht und den rohen Hunger in seinen Augen erkennt, gerät sein Entschluss ins Wanken. Es ist nur Sex, redet er sich ein. Eine einmalige Berührung. Niemand muss wissen, dass es sein erstes Mal ist. „Kein Problem“, sagt Adrian mit ruhiger Stimme, trotz des Aufruhrs in seinem Kopf. Sein Gesichtsausdruck wirkt maskenhaft, er verbirgt die Unerfahrenheit, die sich wie ein Brandmal auf seiner Haut anfühlt. Ryder wartet nicht auf eine zweite Aufforderung. Er stürzt sich auf ihn, seine Hände schlagen mit solcher Wucht gegen Adrians Brust, dass ihm der Atem stockt. Adrian taumelt rückwärt
RYDERS SICHT Ryder steht wie erstarrt mitten in seiner Villa, den Blick fest auf den Mann neben der Tür gerichtet. Die Luft zwischen ihnen ist schwer, statisch aufgeladen, sodass sich Ryders Armhaare aufstellen. In seinem Kopf wird die Stille nicht durch das unangenehme Summen des Kühlschranks durchbrochen, sondern durch Adrians Stimme – tief, rau und ohne jede akademische Höflichkeit. „Ich bin nicht hier, um zu essen, Ryder. Ich bin hier, um zu ficken.“ Das Echo dieser Worte trifft Ryder wie ein Schlag in die Brust. Ihm stockt der Atem, sein Hals wird trocken, als er sich vorstellt, wie der Professor das sagt, sich die rohe Absicht hinter diesen stechenden Augen vorstellt. Das Bild ist so lebendig, so berauschend, dass ihm fast die Knie einknicken. Ein scharfes, rhythmisches Klopfen gegen seinen Unterarm reißt ihn zurück in die Realität. Die Fantasie löst sich auf, ersetzt durch die banale Besorgnis, die sich in Adrians Gesichtszügen spiegelt. „Ryder?“, fragt Adrian mit gerunzelt




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