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Meine Brüder zogen meine Mörderin vor
Meine Brüder zogen meine Mörderin vor
Author: Cocojam

Kapitel 1

Author: Cocojam
Der sengende Schmerz der Sonne brannte noch tief in meinem Bewusstsein.

Ich öffnete die Augen. Ich schwebte in der großen Halle des Schlosses, direkt neben meinen drei Brüdern.

„Clara, wie geht es dir?“

Damiens sanfte Stimme drang zu mir herüber.

Ich blickte hinunter, und meine Seele zerbrach.

Mein kalter, stoischer ältester Bruder half Clara behutsam auf das Sofa. Diese Augen, die einst nur für mich Zärtlichkeit bewahrt hatten, blickten nun voller Schmerz auf ein anderes Mädchen.

Clara war blass, die Hand auf die Brust gelegt. So zerbrechlich, dass ein leichter Windstoß sie hätte umwerfen können.

„Viel besser, Damien.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Mein Herzleiden ist wieder aufgeflackert. Ein altes Problem. Ich hätte es euch allen längst sagen sollen.“

„Sag das nicht.“ Ethan kniete sofort neben ihr nieder und legte ihr die Hand auf die Stirn. „Es ist unsere Schuld. Wir haben dich nicht beschützt.“

Julian brachte ihr ein Glas Wasser von der Bar und hielt es ihr an die Lippen. „Langsam. Nicht hetzen.“

Meine Seele begann zu zittern, als ich zusah, wie meine drei Brüder Clara umhegten, so behutsam, so zärtlich.

Früher waren sie so mit mir gewesen.

„Meine Herren.“ Moses, der Butler, trat zitternd ein. „Frau Blackwood … Sie sitzt nun seit drei Tagen im Observatorium. Es ist kein einziger Laut zu hören.“

Damiens Miene wurde hart.

„Erwähnt diese Göre nicht. Sie kann da drin bleiben und über das nachdenken, was sie getan hat.“

Seine Worte waren Eisscherben, die sich in meine Seele bohrten.

Ich? Die Göre?

Damien, hattest du das vergessen?

Als du hohes Fieber hattest, war ich diejenige, die unbeholfen für dich sorgte und die ganze Nacht an deinem Bett wachte.

Du wachtest auf, lächeltest und strichst mir durchs Haar.

Du nanntest mich deine kleine Prinzessin und schwurst mir, mich für immer zu beschützen.

Für immer … Wie kurz das für immer sein kann.

„Aber … es sind nun drei Tage vergangen“, sagte Moses zögernd.

„Was spielt es für eine Rolle, ob es drei Tage sind?“ Julians Stimme war scharf vor Zorn. „Sie war schon immer verwöhnt, aber diesmal hat sie Clara wie ein Spielzeug behandelt und sie mit diesem widerlichen Zeug erschreckt! Claras Herz ist ohnehin schwach. Was, wenn etwas passiert wäre?“

Clara zitterte in Damiens Armen, Tränen stiegen ihr in die Augen. „Es ist alles meine Schuld. Ich wollte nur mit ihr reden. Das hat sie wohl wütend gemacht…“

„Das ist nicht deine Schuld.“ Ethan nahm ihre Hand, seine Stimme so sanft wie ich sie nie zuvor gehört hatte. „Lilith ist zu weit gegangen. Sie wusste, dass du ein zerbrechlicher Mensch bist, und hat dich trotzdem absichtlich mit Bestienblut in Angst und Schrecken versetzt.“

„Sie wird so wütend sein, wenn sie herauskommt.“ Claras Stimme zitterte. „Sie ist noch nie so lange eingesperrt gewesen. Sie wird rasend sein. Ich habe Angst…“

Damien zog sie in eine feste Umarmung. „Hab keine Angst. Nach dieser Erfahrung wird sie ihre Lektion gelernt haben. Sie wird es nicht wagen, dir wieder zu schaden. Das verspreche ich dir.“

„Genau“, sagte Ethan und strich ihr übers Haar. „Wir werden dich beschützen. Lilith war zu lange zu eigenwillig. Es wird Zeit, dass sie lernt, sich zurückzuhalten.“

Julian nickte. „Mach dir keine Sorgen, Clara. Sie wird keine Gelegenheit mehr bekommen, dich zu schikanieren.“

Da runzelte Damien die Stirn, als bemerkte er plötzlich etwas.

Ich dachte, er hat endlich begriffen, was mir passiert war.

„Seltsam.“ Er schüttelte leicht den Kopf. „Kein einziger mentaler Hilferuf von ihr. Das ist nicht ihre Art. Eigentlich sollte sie jetzt schon weinen und um Vergebung bitten.“

„Vielleicht schmollt sie noch?“, vermutete Ethan.

„Dann soll sie schmollen!“ Julian fuhr scharf dazwischen. „Sie hat Clara fast getötet und zeigt noch immer keine Spur von Reue!“

Clara hob ihr bleiches Gesicht. Ein Aufflackern von etwas – Triumph? – huschte durch ihre Augen, ehe sie es verbarg.

„Bitte seid nicht zu hart zu ihr. Vielleicht war sie nur wütend. Niemand hat sie je so lange eingesperrt…“

„Sie hat es verdient!“ Julians Stimme bebte vor Wut. „Solange sie nicht auf die Knie fällt und sich bei dir entschuldigt, lasse ich sie ein ganzes Jahr in diesem Observatorium!“

„Ein Jahr ist zu kurz.“ Damiens Ton war kalt wie Eis. „Sie muss lernen, dass du nicht ihr Spielzeug bist. Du bist ein Teil unserer Familie, und wir werden dich mit unserem Leben schützen.“

Ich schwebte dort, hörte ihnen zu, von einem Kummer erfüllt, der bis in die Knochen reichte.

Sie konnten mich weder sehen noch hören.

Nachdem unsere Eltern bei einem Unfall zu Asche geworden waren, hatten meine Brüder all ihre Liebe in mich gelegt.

Bis zu dem Tag, an dem ich Clara auf der Straße gefunden hatte.

Ein einsames Menschenmädchen, so klein und dünn, dass es mir das Herz zerriss.

Ich brachte sie nach Hause, gab ihr mein Lieblingszimmer und schenkte ihr den Schmuck, den unsere Mutter mir hinterlassen hatte.

Ich benahm mich sogar absichtlich noch verwöhnter, damit meine Brüder ihr noch mehr Zuwendung schenkten.

Ich dachte, es würde ihr helfen, in unserer Familie Fuß zu fassen.

Und nun…

Ich hatte Clara einen Platz in meinem Herzen gegeben. Sie hatte ihn benutzt, um mir die Liebe meiner Brüder zu stehlen.

Immer wieder hatte sie mich verleumdet und sie Tag für Tag gegen mich aufgebracht.

Auch dieses Mal. Sie hatten mich im Observatorium eingesperrt, ohne auch nur nach meiner Version der Geschichte zu fragen.

Sie wollten mir eine Lektion erteilen, mir meine Freiheit nehmen.

Was mich erwartete, war der Tod.

Ich hämmerte gegen die Tür und flehte, dass sie mir zuhörten.

Dann öffnete sich die Kuppel, die tödliche Sonne flutete herein, und meine Haut fing Feuer.

Ich versuchte, eine letzte mentale Botschaft um Hilfe zu senden – der Blutfluch jedoch, den Damien gewirkt hatte, blockierte alles.

Mir blieb nur, unter Qualen zu Asche zu verbrennen.

Und nun, als ich Claras falsches Lächeln sah, überkam mich eine neue Welle der Verzweiflung.

Wusstet ihr es?

Die Schwester, die euch mehr liebte als irgendjemand sonst auf der Welt … wurde von euren eigenen Händen getötet.

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