ログインKapitel 3
Peter Blohm schaut gebannt auf den Monitor, auf dem eine Nachricht zusehen ist, die er über das Radioteleskop empfangen hatte. »Simone, das hier musst du dir ansehen!«, ruft er aufgeregt in den leeren Observationsraum hinein. »Ich komme«, tönt es dumpf aus der Maschinenhalle. Dann geht die Tür auf, das Geräusch von Elektromotoren schwillt kurz an und ebbt gleich wieder ab. Eine kleine, korpulente Frau, Mitte dreißig, eilt auf flinken Beinen heran, nimmt den gelben Schutzhelm ab, woraufhin rotes Haar zum Vorschein kommt: »Was ist los?« Ihr Kollege, Ende zwanzig, schlank, schwarzes Haar antwortet: »Wir haben gerade eine Nachricht von den Vorboten erhalten.«
Simone: »Etwa von Tau-Ceti?« Peter: »Das Radioteleskop war in den letzten Stunden auf das Tau-Ceti-System ausgerichtet« Simone: »Was suchen Sie da? Bist du sicher, dass es die Vorboten sind?« Peter: »Wie viele Menschen kennst du, die bis nach Tau-Ceti geflogen sind?« Simone: »Nicht eine Person!« Peter: »Ich habe die Nachricht durch Übersetzer laufen lassen und einen nahezu lückenlos übersetzten Text erhalten.« Simone: »Was schreiben sie?« Peter: »Sie schlagen ein Treffen vor. Sie schreiben, dass sie Raumfahrzeuge zu einem Planeten entsandt haben, der aus einem benachbarten Sonnensystem, von dem ihrigem, geschleudert worden ist.« Simone blickt ungläubig drein und sagt: »Die müssen mindestens vierhundert Jahre unterwegs gewesen sein, wenn sie vom Rand des Andromedanebels bis in das Tau-Ceti-System der Milchstraße gelangt sind.« Peter: »Das ist nicht unmöglich, denn wie du ja weißt, ist das vorletzte Radiosignal vor etwa vierhundertdreißig Jahren bei uns eingegangen. Die enormen Distanzen machen es selbst bei Lichtgeschwindigkeit schw …« »Ich weiß«, unterbricht sie ihn ungeduldig. »Aber wie kann es sein, dass der Geisterplanet ausgerechnet zu uns, in die lokale Gruppe, herüber schwebt?«, fragt Simone Nielsen mehr sich selber als Peter Blohm und der antwortet fast zeitgleich: »Das haben die Andromedaen nicht herüber gefunkt.« Simone: »Lade die Datei in die Cloud hoch. Ich verifiziere den Inhalt der Nachricht in der S-Bahn.« Peter: »Fährst du nach Rønne? Fährst du ins Ministerium?« »Ja, ich muss das sofort melden«, lautet die knappe Antwort und Simone eilt zur Tür heraus. »Simone, gerade triff ein zweites Datenpaket ein«, ruft ihr Peter hinterher, aber sie hört ihn nicht.Kapitel 4Inma Carlson und Martin Baker sitzen sich im Büro gegenüber. Die brünette Pilotin hat sich einen schlichten Stuhl aus Kiefernholz genommen, um es sich vor dem Schreibtisch des Übersetzers bequem zu machen. Der Übersetzer, mit dem graumelierten Haar, sitzt, nach vorn gebeugt, an seinem kiefern hölzernen Schreibtisch und beäugt eine Skizze. Er macht ein skeptisches Gesicht und fragt: »Und das ist die normale Prozedur, um ein Raumschiff abzubremsen?«
Die dreißig irgendwas-jährige Frau antwortet mit einem Grinsen im Gesicht: »Das ist die Methode, wenn man keinen Treibstoff vergeuden möchte.« Martin: »Und die Aliens haben gesagt, dass Sie uns mit einem Spiegel bremsen wollen?« Inma: »Ja, das müssen Sie tun, denn sonst müssten wir den Treibstoff, den wir zum Verzögern bräuchten, von der Erde mitnehmen. Diese zusätzliche Masse, müsste auch erstmal beschleunigt werden, was dazu führen würde, dass wir auch zusätzlichen Treibstoff für den Start bräuchten.« Martin: »Dann brächten wir sicherlich ein riesiges Raumschiff.« Inma: »Ja, das wäre ein fünfstufiges Raumfahrtzeug mit zweiunddreißig Feststoffraketen als initiale Brennstufe, acht Flüssigkeitsraketen als zweite Stufe und noch drei weiteren Stufen mit je einer Flüssigkeitsrakete respektive Ionenantrieb.« Martin: »Eine dreistufige Rakete ist wirtschaftlicher.« Inma: »Die Verwendung von drei Stufen anstelle von fünf, senkt vor allem das Risiko beim Start zu explodieren!« Martin: »Aber Spiegel?« Inma: »Wir statten das Schiff mit Sonnensegeln aus, peilen mit einem gebündelten Lichtstrahl, von der Erde aus, den Geisterplaneten an, wo eine Crew von Andromedaen, am Boden des Planeten, einen Verbund aus Linsen und Spiegeln dann so ausrichtet, dass das Lichtbündel auf den Bug unseres Raumfahrtzeugs ausgerichtet ist.« Martin: »Kurz gesagt zielen wir mit einem Laser auf einen Spiegel, der auf der Planetenoberfläche angebracht ist, worauf der Lichtstrahl in Richtung unseres Raumschiffes umgeleitet wird.« Inma: »Genau und durch den Strahlungsdruck wird unser Raumschiff allmählich abgebremst.« Martin: »Was ist, wenn die Crew von Andromedaen die Spiegel nicht ordnungsgemäß ausrichtet oder einfach nicht ausrichten wollen?« Inma: »Alle früheren Kommunikationsversuche mit den Andromedaen haben belegt, dass sie über ein ausreichendes technisches Verständnis verfügen, um Lösungen für komplexe technische Fragestellungen zu finden. Das Aufstellen und Ausrichten von Spiegeln ist ihnen zuzutrauen.« Martin: »In der Nachricht, die die Astronomen empfingen, teilten die Aliens ihr Vorhaben mit, eine Flotte von Handelsschiffen zur Erde entsenden zu wollen.« Inma: »Ja und aus diesem Grund werden sie uns sicherlich nicht enttäuschen wollen.« Martin: »Hoffentlich!« Inma: »Außerdem stehen wir mit den Andromedaen seit 800 Jahren in Verbindung und der sechsunddreißigjährige Flug zum Tau-Ceti, wird das erste Aufeinandertreffen zweier galaktischer Spezies seit 400.000 Jahren ermöglichen. Das wird großartig!«Kapitel 35Missionstag 57, Therapietag 47: Martin verabreicht sich die dritte und letzte Impfung seines Therapieplans. Die Luft an Bord schmeckt abgestanden, denn die CO₂-Wäscher stehen kurz vor der Kapazitätsgrenze. Die Nahrungsvorräte sind erschöpft. Die Wasservorräte sind noch ausreichend, aber leicht verschmutzt. Die treu arbeitende Wasseraufbereitungsanlage hält die Situation stabil. Martin setzt einen Notruf zur Erde ab und stellt auf die Not-Luftversorgung um. Seine Therapie zeigt Wirkung: Der Körperscan bestätigt die Verkleinerung der Metastase im Rippenbogen. Doch die Impfung forciert ein Fieber. Er handelt entschlossen. Injeziert sich Tocilizumab. Kann man sich mit Fieber in Kryostase begeben? Seine Gedanken sind wirr, sein Verstand getrübt. Mit letzter Kraft kehrt er in die Kryostase zurück – bevor er noch mehr Sauerstoff verbraucht, bevor er noch mehr CO₂ erzeugt. Die Wochen der Isolation finden ein Ende. Martin gesellt sich zu Inma und Horst in den Kryoschlaf. Ja
Kapitel 32An disem Tag isoliert Martin Baker die RNA der T-Zellen. Unter sterilen Bedingungen verändert er ihr Erbgut so, dass diese im Stande sind spezifisch Claudin-6-exprimierende Tumorzellen anzugreifen. Er züchtet die genetisch modifizierten Immunzellen, pausiert zwischendurch, ruht sich aus, isst. Gedanken über die Erde und die Andromedaen streifen seinen Verstand. Am fünften, sechsten, siebenten Tag injiziert er sich die Chemotherapeutika. Die Nebenwirkungen setzen schnell ein. Er verliert den Appetit, rasiert sich den Kopf. Fieber. Übelkeit. Ein Rest von Schmerz kriecht durch seinen Körper. Eine Infusion mit Glukose hält ihn bei Kräften. Zehn Tage nach der Apharese holt er die modifizierten Lymphozyten, sogenannte CAR-T-Zellen, aus dem Kryolager und injiziert sie in seinen Blutkreislauf. Sein Körper reagiert heftig. Das Cytokin-Freisetzungssyndrom trifft ihn mit voller Wucht. Interleukin-6 steigt auf alarmierende Werte. Tocilizumab. Er injiziert sich das Medikament gege
Kapitel 30Annika Nilson lag angeschnallt in ihrer Sitzschale, die Hände fest um die Armlehnen geklammert. Der Countdown lief unaufhaltsam herunter. In wenigen Sekunden würden die chemischen Triebwerke der "Fourmi-2" zünden und sie mit brachialer Kraft von der Oberfläche des Zwergplaneten Charon ins All katapultieren. Annika saß im Cockpit des Raumfrachters "Fourmi-2", der mit der Raumstation "Fourmilière" gekoppelt war – einer modularen Konstruktion, die den kühnen Ambitionen des interstellaren Projekts Tau-Ceti Nexus entsprungen war. Ihr Ziel war klar: Die "Fourmilière" in eine stark elliptische Umlaufbahn um die Sonne zu bringen. Diese elliptische Bahn war präzise berechnet worden, sodass der von der Sonne abgewandte Abschnitt exakt in Richtung des Sternensystems Tau Ceti wies – genau in jenem Moment, wenn die "Lilienthal" auf ihrer langen Rückreise vom Tau-Ceti-System die Umlaufbahn kreuzen würde. Es war eine anspruchsvolle Mission, bei der nichts schiefgehen durfte. Kurz be
Kapitel 27Ein grelles Licht flackert auf. Ein leises Surren, dann ein Alarmton. Die Kryokapsel öffnet sich. Martin blinzelt, seine Gedanken sind noch träge, sein Herzschlag langsam. Ein Protokoll der Bord-KI flimmert vor seinen Augen. Medizinischer Notfall erkannt. Anomalie im Zellwachstum. Diagnose: Maligne Tumorbildung. Martin starrt auf die Worte. Sein Atem beschleunigt sich. Er weiß, was das bedeutet und zieht sich langsam aus der Kryokammer; seine Muskeln protestieren. Schwerelos schwebt er zum Medi-Pult hinüber. Mit zitternden Fingern aktiviert er den Monitor. Das Ergebnis ist eindeutig: Hodenkrebs. Er aktiviert die Protokolle für medizinische Notfälle und erweckt Horst, den Missionsbiologen. Gemeinsam analysieren sie die Lage. Eine Chemotherapie ist die einzige Option. Nachdem der Therapieplan erstellt ist, begibt sich Horst zurück in die Kryostase. Die Vorräte an Luft, Wasser und Nahrung sind nur begrenzt im All. Es ist ein riskantes Unterfangen, doch es gibt keine Al
Kapitel 25»Da ist er ja wieder«, stellt Horst fest, als Martin, der in seiner Koje liegt, die Augen aufschlägt. Horst, »Kannst du sprechen?« Martin, der sich räuspert, antwortet mit schwacher Stimme: »Ja, ich denke, es geht.« Horst: »Du weißt sicher noch, dass du dich in den Raumanzug hinein übergeben hast.« Martin: »Als ich mit T'Mahan dort über dem Tau-Ceti schwebte, habe ich die Wolkendecke unter mir wegziehen sehen. Unterschiedliche Farbtöne und Schattierungen. Irgendwann ist mir schlecht geworden.« Horst, in fragendem Tonfall: »Das war hypnotisch?« Martin: »Ja, ich habe gespuckt und danach habe ich durch das Visier kaum was erkennen können, meine Nase war blockiert und ich habe geröchelt. Als ich mich ein zweites Mal übergab, war auch die Mundatmung nicht mehr möglich, aber da hatte mich T'Mahan schon längst gepackt.« Horst: »Er hat sie durch die Außenluke ins Schiff hinein gestoßen.« Martin: »Da war ein Aufprall, danach …« Horst: »Danach war ein Zischen. Das w
Kapitel 23Pip-Pip-Pip – Pip-Pip-Pip. Der Annäherungsalarm mischt sich mit den Geräuschen der Aggregate des Raumanzugs. Das Display des digitalen Helmvisiers zeigt die Entfernung zum Andromedaen an. Zahl und Einheit schweben, in Grün, neben dem Raumanzug des Andromedaen.Vierhundert Meter. Die Umrisse des Helms sind deutlich erkennbar. Das Gesicht des Aliens ist noch nicht zu erkennen.Zweihundertfünfzig Meter. Torso mit Helm, zwei Ärmeln und zwei Hosenbeinen. Humanoide Gestalt. Arme, Beine, Kopf knüpfen an den gleichen Stellen des Rumpfes an, wie auch beim Menschen.Zweihundert Meter. Weiße, kegelförmige Abgasfahnen gehen vom Anzug des Aliens ab. Verdickungen am rechten Bein des Andromedaen. Seltsam, denkt sich Martin.Achtzig Meter. Ein breiter Nasenrücken zeichnet sich ab. Die Verdickungen scheinen ein Schlauch zu sein, der sich spiralförmig um das rechte Bein der Aliens windet.Sechzig Meter. Schlauch wickelt sich vom Bein ab! Eine Waffe? Zu spät, um umzudrehen, denkt