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KAPITEL 5

Author: Red_Ink
last update publish date: 2026-09-24 15:47:19

KAPITEL 5

~CHLOE~

Ich presste die Lippen zusammen, bevor ich wieder etwas Falsches sagte. Mein Blick war fest auf den Boden gerichtet, und ich versuchte vergeblich, mich aus seinem Griff zu befreien. Seine Hände umschlossen meine Handgelenke wie ein eiserner Schraubstock.

„Lass mich los“, zischte ich, doch er rührte sich nicht.

„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet.“

„Was soll ich denn noch sagen? Du weißt genau, was ich bin“, erwiderte ich und sah ihm in die Augen. Jeder an der Schule wusste es, und sie verachteten mich deswegen.

„Ein Mensch?“ fragte er, und mein Herz setzte einen Schlag aus. Trotzdem versuchte ich, nicht in Panik zu geraten.

„Ist das irgendein kranker Scherz von dir, oder macht dir das wirklich Spaß? Du weißt, dass ich eine wolflose Omega bin – oder willst du mich das einfach nur laut sagen hören?“

Ich feuerte Frage um Frage auf ihn ab, doch er schenkte mir nur ein langsames Lächeln, das Angst und noch etwas anderes meinen Rücken hinunterjagte. Aus der Nähe bemerkte ich, wie perfekt seine Zähne waren – und wie spitz seine Eckzähne. Er sah aus, als wolle er mich gleich beißen.

Ich schluckte den Kloß der Anspannung in meinem Hals hinunter und fragte mich, was er jetzt mit mir vorhatte. Er beugte sich noch näher heran, und ich hielt den Atem an.

„Du wirst ganz schön feurig, wenn man dich in die Enge treibt, was?“

Er kniff mir mit Daumen und Zeigefinger in beide Wangen und hielt mein Gesicht fest. Sein Blick war intensiv, während er mein Gesicht musterte. Ich fühlte mich entblößt und hätte am liebsten die Kapuze meiner Jacke noch tiefer über den Kopf gezogen, um mich zu verstecken.

„Egal, wie ich dich ansehe – du wirkst für mich zu hundert Prozent menschlich“, sagte er und musterte mein Gesicht weiter.

„Dann schau eben genauer hin.“

Seine Lippen öffneten sich für eine Erwiderung, doch er verstummte, als sein Handy vibrierte. Er warf einen Blick auf seine Hosentasche und seufzte. In dem Moment, als er in die Tasche griff, lockerte sich sein Griff um mich – und ich sah meine einzige Chance zur Flucht.

Ohne ein zweites Mal nachzudenken, drehte ich mich heftig aus seinem Halt und riss mich los. Ich sprintete davon und hörte nicht, dass er mir nachlief.

„Egal, wo du dich versteckst – am Ende des Tages treffen wir uns wieder im Wohnheim“, rief er mir hinterher, doch in diesem Moment war mir das völlig egal.

Ich hörte nicht auf zu rennen. Ich hielt das Tempo bei, was sogar mich selbst überraschte. Adrenalinschübe ließen einen wohl verrückte Dinge tun – wie den ganzen Weg bis zum Wohnheim zu rennen, ohne müde zu werden.

Außer Atem brach ich fast vor der Tür zusammen, als ich zehn Minuten später ankam. Mit der Hand auf der Brust atmete ich gierig Luft ein und versuchte, wieder zu Atem zu kommen.  

Zum Glück war niemand in der Nähe, der mich so sehen konnte – sonst hätte es eine echte Tracht Prügel gesetzt. Ich hätte es keinem der Schüler zugetraut, denn es war sonnenklar, dass sie brutal gegen diejenigen vorgingen, die sie für schwächer hielten.

Als ich mich wieder ein wenig gefasst hatte, schloss ich die Tür auf und verriegelte sie sofort hinter mir. Asher war mir wirklich nicht gefolgt, und ich war froh, ein bisschen Zeit für mich zu haben. Mein Herz hämmerte immer noch in meiner Brust, und ich hätte ihn jetzt nicht ertragen können.

Mit dem Rücken an die Tür gelehnt, sank ich auf die Knie. Ich vergrub das Gesicht in den Händen und ließ einen langen, zittrigen Atemzug heraus.

Wie war es möglich, dass ich nach weniger als zwei Tagen an der Akademie schon fast entdeckt worden war? Ich vergrub die Hände in den Haaren und begann, mich auf den Knien vor- und zurückzuwiegen.

Welches verdammte Pech hatte dafür gesorgt, dass ich mir das Wohnheim mit Asher teilen musste? Warum konnte er nicht einfach seine verdammte Nase aus meinen Angelegenheiten halten?

Meine Gedanken drifteten zu Mutter, und ich versuchte, mich ihretwegen zusammenzureißen. Sie brauchte mich, also konnte ich es mir nicht leisten, jetzt zusammenzubrechen – vor allem nicht, wo ich gerade erst am Anfang stand.

In zwei Wochen würde ich das Geld bekommen, das sie brauchte. Ich konnte jetzt nicht aufgeben.

Minuten vergingen, bis ich mich endlich beruhigt hatte. Ich erhob mich auf wackligen Beinen und ging tiefer in den Raum. Nach allem, was passiert war, hatte sich eine Schwere über mich gelegt, und ich fühlte mich erschöpft.

Ich starrte auf das Bett, das plötzlich wie das Beste der Welt aussah. Am liebsten hätte ich mich hineinfallen lassen und unter den Decken vergraben, aber wer wusste schon, was Asher mit mir anstellen würde, wenn er mich auf seinem Bett ausgestreckt vorfand.

Ich riss den Blick weg, bevor ich den Gedanken, die immer wieder in meinem Kopf auftauchten, tatsächlich nachgab. Als ich ins Badezimmer ging, schaffte ich es irgendwie, zu duschen. Das hätte mich erfrischen sollen, doch es machte mich nur noch müder. Ich spürte regelrecht, wie die Erschöpfung tiefer in meine Knochen kroch.

Während ich mich fertigmachte, starrte ich ständig zur Tür, als würde Asher jeden Moment hereinplatzen und mich wieder beschuldigen, ein Mensch zu sein. Ich schob diese beunruhigenden Gedanken beiseite – sie würden mir nichts Gutes tun.

Ich rollte mich auf dem Sofa zusammen und ließ die Augen zufallen. Sie fühlten sich an, als wären Gewichte daran befestigt, und der Schlaf kam leicht.

~~~~

Mein Verstand zauberte Bilder von meiner Mama herbei – wach und lächelnd, wie sie auf mich herabblickte. Mein Kopf lag in ihrem Schoß, und sie streichelte mir sanft über den Kopf, während sie flüsterte, wie sehr sie mich liebte.

Ich wusste, dass das ein Traum war, und ich wollte nicht aufwachen. Tränen stachen mir in die Augen, als ich den Kopf tiefer in ihren Schoß vergrub. Sie streichelte weiter sanft meine Haare, und ich seufzte.

„Gefällt dir das?“, flüsterte sie, und ich summte zustimmend.

„Weißt du, wenn du mir die Wahrheit sagst, höre ich nicht auf, dir den Kopf zu streicheln“, sagte sie, und ich runzelte die Stirn.  

… Was meinte sie damit?

Ihre Streicheleinheiten wurden aggressiver, und ich riss die Augen auf. Ich lag immer noch auf jemandes Schoß – aber es war definitiv nicht der meiner Mama, denn die lag noch immer im Krankenhausbett.

Mein Herz sank in de Magengrube, als ich aufblickte.

„Hattest du einen schönen Nickerchen?“

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