Share

KAPITEL 4

Author: Red_Ink
last update publish date: 2026-09-23 19:59:00

~CHLOE~

Ich stand wie erstarrt da und sah zu, wie die Menge der Mädchen schrie und sich an ihn warf, während ich nur ungläubig starren konnte.

Er.

Der arrogante Idiot, der mich fröhlich aufs Sofa verbannt hatte?

Derjenige, der mich eine Nervensäge genannt hatte?

Genau derselbe war der Schwarm dieser Schule?

Ich zuckte noch stärker zusammen.

„Oh mein Gott, er kommt hierher!“  

„Ich liebe dich, Asher!“  

„Du hast so gut auf dem Eis gespielt!“  

„Kann ich deine Nummer haben?“  

„Ich bin super in Mathe – wir sollten mal eine Lernsession machen!“

Ich schauderte vor Ekel bei ihrem Gequieke, aber ich hielt den Blick auf den Boden gerichtet. Alles, was die Menge davon ablenkte, mich zu bemerken, war in meinen Augen ein Sieg.

Genau in diesem Moment spürte ich einen intensiven, schweren Blick, der sich auf mich richtete.

Ich sah auf und traf seine Augen – denselben eisigen grauen Blick, den ich über die Hockeybahn hinweg gesehen hatte. Dieselben Augen, die mich in unserem Dormitorium mit blankem Ekel angesehen hatten.

Asher Blackthorn. Mein Mitbewohner.

Instinktiv trat ich hinter ein größeres Mädchen und benutzte sie als Schutzschild. Der gesamte Flur drehte sich, als Asher vorbeiging, und seine Aufmerksamkeit verweilte einen Moment in meine Richtung.

Gut. Ich bin sicher.

Ich schickte ihm still einen wütenden Blick aus dem Schutz meines menschlichen Schildes.

Er starrte einen Bruchteil einer Sekunde in unsere Richtung, dann streifte er direkt vorbei. Jedes Mädchen in der Menge drehte sich um und beneidete das Mädchen vor mir, in der Annahme, er hätte sie angesehen. Die Hälfte des Flurs löste sich in begeistertes Geflüster auf, während der Rest eifersüchtig auf das Mädchen starrte, an dem er vorbeigegangen war.

Ich atmete leise aus. Wenigstens war ich es nicht.

Ich schlüpfte aus der Menge und eilte zum Unterricht, kam gerade rechtzeitig an. Ich setzte mich an einen Tisch in der hintersten Reihe und war bereit, unsichtbar zu bleiben.  

Genau in diesem Moment flog die Tür auf – und mein schlimmster Albtraum trat ein.

Asher.

Diesmal betrachtete ich ihn richtig. Er trug eine dunkle Jeansjacke über einem schwarzen, eng anliegenden Shirt, betont durch einen silbernen Anhänger auf seiner Brust. Sein dunkles Haar war zurückgeworfen, sodass ein paar lose Strähnen kunstvoll ins Gesicht fielen. Ein silberner Creolen-Ohrring blitzte unter dem Klassenlicht.

Unbestreitbar war er umwerfend gutaussehend. Aber das bedeutete nicht, dass ich auf die Knie fallen und wegen seines Aussehens ohnmächtig werden würde wie alle anderen.

Er setzte sich an den Tisch direkt neben mir. Sofort drehte ich mich weg und vergrub das Gesicht in meinem Notizbuch.

Der brennende Ärger, den ich für ihn empfand, wuchs mit jeder Sekunde.

Der Unterricht begann, und trotz meines Stresses fand ich den Stoff faszinierend. Ich hatte die Highschool nach dem Unfall meiner Mutter abgebrochen und nie die SATs abgelegt oder wieder in einem richtigen Klassenzimmer gesessen. Vielleicht – nur vielleicht – war das meine zweite Chance.  

Plötzlich schwang die Klassenzimmertür auf, und der Schulleiter trat ein, gekleidet in einen scharfen, polierten schwarzen Anzug.

„Guten Morgen, Schüler.“

Keine Antwort kam aus der Klasse, aber das schien ihn nicht zu stören. Er fuhr einfach fort: „Ich möchte einen Moment nutzen, um euch unsere neueste Schülerin vorzustellen.“

Mein Herz sank in den Magen.

Nein … nein, bitte nicht …

Seine Augen musterten den Raum und landeten direkt auf mir – der einen Person, die verzweifelt versuchte, in den Schatten zu verschwinden.

„Komm nach vorne, Liebes.“

Alle Augen richteten sich sofort auf die hintere Reihe. Ich spürte die Feindseligkeit, die von der Klasse ausging, ihre Blicke durchbohrten mich wie Dolche im Dunkeln.

Ich zwang mich aufzustehen, umklammerte den Saum meines Hoodies und machte mich auf den Weg nach vorne.

Ich stand neben dem Schulleiter, meine Hände zitterten, während er mit der Vorstellung begann.

„Das ist Chloe Harper. Sie ist zwanzig Jahre alt. Sie ist genau wie wir alle, hat aber tragischerweise ihren inneren Wolf bei einem Unfall verloren. Mit unserer Hilfe und eurer Freundlichkeit werden wir sie in unsere Gemeinschaft aufnehmen.“

Ich hörte das gedämpfte, grausame Geflüster, das durch die Reihen wallte.

„Wolflos … Sie ist nicht eine von uns.“  

„Sie sieht aus wie ein Lumpen.“  

„Ihr Modebewusstsein muss gestorben sein, bevor ihr Wolf es tat.“  

„Warum versteckt sie ihr Gesicht unter diesem riesigen Hoodie?“  

„Sie muss ein hässlicher Freak sein.“

„Nun, bitte seid alle willkommen heißend“, drängte der Schulleiter sanft, bevor er sich zu mir wandte.  

„Stell dich vor, Liebes.“

„Hallo … ich bin Chloe Harper. Ich bin—“

„Ein Freak!“ rief eine Stimme, und die gesamte Klasse brach in grausames, hallendes Gelächter aus.

„Ich bin … froh, hier zu sein“, beendete ich leise und bewahrte die Fassung, während ich zu meinem Platz zurückging.

Der Schulleiter sagte noch ein paar Worte darüber, einander mit Respekt zu behandeln, und erinnerte sie daran, dass Gewalt nicht geduldet werde, bevor er ging. Die Lehrerin setzte den Unterricht fort, aber für den Rest der Stunde fühlte sich der Raum feindselig an. Beleidigungen wurden unter dem Atem geflüstert, Papierschnipsel auf meinen Tisch geworfen, und Asher hörte keinen Moment auf, mich mit seinem scharfen, undurchsichtigen Blick anzustarren.

Ich ertrug alles mit angespanntem Kiefer.

Diese zwei Wochen zu überleben, wird härter, als ich dachte.

Den Rest des Tages versuchte ich, unsichtbar zu bleiben – ertrug Schulterstöße, schmutzige Blicke und endlose Vorlesungen. Am Abend war ich erschöpft, gestresst und fürchtete den Gedanken, in Ashers Dormitorium zurückzukehren. Ich wusste, wenn man mich dabei erwischte, wie ich in sein Zimmer ging, würden sie mich zerreißen.

Ich konnte mir keinen Fehler leisten.

Ich irrte durch die stillen Korridore, verweilte, während die Stunden vergingen und die Flure leerer wurden. Ich machte mich durch die Halle auf den Weg zum Ausgang.

Plötzlich schlugen ein Paar schwere Hände auf beiden Seiten meines Kopfes gegen die Wand und schlossen mich ein.

Bevor ich überhaupt schreien konnte, pinte ein großer Körper mich an die kalte Wand.

Ich erstarrte, meine Augen weiteten sich bei seinem Anblick.

„Du!“ keuchte ich.

„Ja, ich“, höhnte Asher und beugte sich nah heran. Seine Nähe ließ mein Herz aus allen falschen Gründen rasen. „Du bist wolflos.“ Es war keine Frage – es war eine Anschuldigung. „Wie genau hast du deinen Wolf verloren?“

„Ein … ein Unfall“, stammelte ich und versuchte, Stand zu halten.

Seine grauen Augen verengten sich nachdenklich. „Wann hast du deinen Wolf zum ersten Mal manifestiert?“

„Als ich sechs war.“

Seine Lippen verzogen sich zu einem langsamen, gefährlichen Lächeln. „Das durchschnittliche Alter für das Erwachen eines Wolfes ist zwölf.“

Ich versteifte mich, Terror ergriff meine Kehle.

„Du lügst“, flüsterte er, seine Stimme sank in ein dunkles, unheilvolles Schnurren, während er sich noch näher beugte und sein Blick mich festnagelte.  

„Was bist du wirklich … meine kleine Beute?“

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Mitbewohner mit dem Lycan-Hockey Kapitän   KAPITEL 7  

    KAPITEL 7 ~CHLOE~Die Menge der Schüler teilte sich wie das Rote Meer, sobald andere über den „wolflosen Freak“ zu flüstern begannen. Jetzt panickte ich wirklich und musste mir schnell etwas einfallen lassen.Entschuldige dich, flüsterte mein Verstand, und ich sah keine andere Möglichkeit.„Ich habe Sie nicht gesehen. Es tut mir leid“, sagte ich und behielt den Blick gesenkt.„Sieht aus, als wüsste die Freak, wo ihr Platz ist“, rief jemand aus der Menge, und ein paar Kicherlaute folgten.Immer noch mit dem Blick fest auf den Boden gerichtet, wollte ich an ihr vorbeigehen, doch sie packte meinen Arm und stieß mich zurück. Ich zischte bei der Kraft, die sie einsetzte, und rieb die inzwischen empfindliche Haut meines Arms. Die Stärke einer Wölfin war kein Scherz.„Habe ich gesagt, dass du gehen darfst?“, fauchte sie, doch ich antwortete nicht.„Schau mich an, wenn ich mit dir rede“, fügte sie hinzu und klang noch wütender. Ich hatte keine andere Wahl, als ihrem Blick zu begegnen, der m

  • Mitbewohner mit dem Lycan-Hockey Kapitän   KAPITEL 6

    KAPITEL 6~CHLOE~Scheiße. Scheiße. Scheiße.Ich schoss von Ashers Schoß hoch, als hätte er mich verbrannt. Sekunden später stand ich auf den Beinen und wich mehrere schwankende Schritte zurück.„Warum siehst du so erschrocken aus? Gerade eben hast du dich noch in meiner Gesellschaft wohlgefühlt“, sagte der Idiot und hatte die Frechheit, mich anzulächeln.„Was zum Teufel ist mit dir los?!“„So redest du mit jemandem, der dich gerade in den Schlaf gewiegt hat?“, fragte er in einem Ton, den man bei einem ungezogenen Kind verwenden würde. Ich starrte ihn wütend an, und er lächelte zurück.Er hatte mir beinahe einen Herzinfarkt beschert, und doch saß er da und lächelte wie der Herzensbrecher aus einer Romcom. Wie lange war er eigentlich schon da? Ich hatte keinerlei Zeitgefühl.Ich suchte nach meinem Handy und entdeckte es neben Asher auf dem Sofa. Ich riss es an mich und checkte die Uhrzeit.… Drei Stunden?!Ich stürzte zum Fenster und bemerkte endlich, wie spät es geworden war. Ich war

  • Mitbewohner mit dem Lycan-Hockey Kapitän   KAPITEL 5

    KAPITEL 5~CHLOE~Ich presste die Lippen zusammen, bevor ich wieder etwas Falsches sagte. Mein Blick war fest auf den Boden gerichtet, und ich versuchte vergeblich, mich aus seinem Griff zu befreien. Seine Hände umschlossen meine Handgelenke wie ein eiserner Schraubstock.„Lass mich los“, zischte ich, doch er rührte sich nicht.„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet.“„Was soll ich denn noch sagen? Du weißt genau, was ich bin“, erwiderte ich und sah ihm in die Augen. Jeder an der Schule wusste es, und sie verachteten mich deswegen.„Ein Mensch?“ fragte er, und mein Herz setzte einen Schlag aus. Trotzdem versuchte ich, nicht in Panik zu geraten.„Ist das irgendein kranker Scherz von dir, oder macht dir das wirklich Spaß? Du weißt, dass ich eine wolflose Omega bin – oder willst du mich das einfach nur laut sagen hören?“Ich feuerte Frage um Frage auf ihn ab, doch er schenkte mir nur ein langsames Lächeln, das Angst und noch etwas anderes meinen Rücken hinunterjagte. Aus der Nähe be

  • Mitbewohner mit dem Lycan-Hockey Kapitän    KAPITEL 4

    ~CHLOE~Ich stand wie erstarrt da und sah zu, wie die Menge der Mädchen schrie und sich an ihn warf, während ich nur ungläubig starren konnte.Er.Der arrogante Idiot, der mich fröhlich aufs Sofa verbannt hatte?Derjenige, der mich eine Nervensäge genannt hatte?Genau derselbe war der Schwarm dieser Schule?Ich zuckte noch stärker zusammen.„Oh mein Gott, er kommt hierher!“ „Ich liebe dich, Asher!“ „Du hast so gut auf dem Eis gespielt!“ „Kann ich deine Nummer haben?“ „Ich bin super in Mathe – wir sollten mal eine Lernsession machen!“Ich schauderte vor Ekel bei ihrem Gequieke, aber ich hielt den Blick auf den Boden gerichtet. Alles, was die Menge davon ablenkte, mich zu bemerken, war in meinen Augen ein Sieg.Genau in diesem Moment spürte ich einen intensiven, schweren Blick, der sich auf mich richtete.Ich sah auf und traf seine Augen – denselben eisigen grauen Blick, den ich über die Hockeybahn hinweg gesehen hatte. Dieselben Augen, die mich in unserem Dormitorium mit blanke

  • Mitbewohner mit dem Lycan-Hockey Kapitän    KAPITEL 3

    ~CHLOE~Mein lauter Schrei hallte von den Wänden wider. Sofort schlug ich mir die Hände über die Augen, aber es war zu spät – ich hatte den Fremden vor mir bereits vollständig gesehen. Der absolute Schock über das, was ich gerade gesehen hatte, ließ mich taumeln.Was zum Teufel tat er in meinem Zimmer?!Warum war er nackt?!Und warum zum Teufel war er so riesig?!Ich schüttelte den Kopf wie wild. Es kam überhaupt nicht infrage, dass ich wegen dem Schwanz meines potenziellen Mörders den Verstand verlor.„Wer bist du?!“ schrie ich, die Augen fest geschlossen, während ich blind mit dem Hockeyschläger in der Luft herumfuchtelte. „Was willst du?! Hey, hör zu! Ich warne dich – ich kann Karate!“„Als Erstes mach verdammt noch mal die Augen auf“, schnitt eine kalte, metallische Stimme durch die Luft und jagte einen scharfen Schauer direkt durch meine Brust.„Du Perverser! Wag es nicht—“Er griff nach dem Schläger, und ich erstarrte. Zwischen meinen Fingern peilte ich hinunter auf seinen Unter

  • Mitbewohner mit dem Lycan-Hockey Kapitän   KAPITEL 2

    ~CHLOE~Meine Augen weiteten sich, als ich das Gebäude anstarrte. Im Gegensatz zu dem, was ich mir vorgestellt hatte, war diese Schule riesig – in einem edlen Schatten von Lila und Schwarz, der eine unheimliche und zugleich verlockende Aura ausstrahlte.Mein Fahrer holte mein Gepäck heraus, stieg wieder ins Auto und fuhr davon, sodass ich allein vor dem massiven Bauwerk stand. Mein Blick schweifte über die anderen Schüler. Jeder einzelne von ihnen besaß eine atemberaubende Schönheit, die ethereal wirkte.Nicht menschlich.Die Erkenntnis traf mich hart – hier gab es nur Wölfe.Ich schluckte schwer.Es gab ein entscheidendes Detail, das ich nicht vergessen hatte zu erwähnen: Menschen waren an der Silvermoon Akademie nicht erlaubt. Die Strafe war der Tod – die schlimmste Art von Tod. Ich hatte Geschichten gehört von kalten, leblosen Körpern, die zurück ins Menschenreich geschickt wurden, mit Warnzetteln daran geheftet.Mein Selbstvertrauen wankte, aber ich blieb fest auf der Stelle stehe

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status