LOGINDer Oktober brachte eine Entscheidung, die Aurora und Darian schon seit Wochen mit sich herumtrugen. Elara war jetzt sieben Monate alt, ein kräftiges, neugieriges Baby, das die Welt mit großen silbernen Augen erkundete. Und obwohl die Bergwacht ihr Zuhause war, spürte Aurora, dass es Zeit war, ihre Tochter nach Blackthorn Hollow zu bringen — dorthin, wo alles begonnen hatte, wo ihre Wurzeln lagen, wo die Geschichte der Harlans geschrieben worden war.„Wir werden im Frühjahr zurück sein“, versprach Aurora, als sie sich von Kaelen und den Halbwölfen verabschiedete. „Die Schule ist in guten Händen. Runa und die älteren Schüler wissen, was zu tun ist.“„Die Bergwacht wird auf euch warten“, sagte Kaelen. „Und auf Elara. Sie ist unser aller Kind geworden.“Aurora lächelte und umarmte ihn. „Danke für alles, Kaelen. Du bist ein Freund, wie ich ihn mir nicht besser wünschen könnte.“„Und du bist die Anführerin, die wir gebraucht haben“, sagte Kaelen. „Komm gesund zurück. Und bring die Kleine m
Der September kam mit kühleren Nächten und den ersten goldenen Blättern, die von den Bäumen fielen. Die Berge trugen ihr herbstliches Kleid, und die Luft roch nach Holzrauch und reifen Beeren. Elara war jetzt sechs Monate alt und hatte begonnen, sich aufzusetzen und nach allem zu greifen, was in ihre Reichweite kam. Ihre silbernen Augen leuchteten vor Neugier, und ihr Lachen hallte durch die Hütte wie ein kleines Wunder.Doch dieser Herbst brachte nicht nur die Ernte, sondern auch ein Versprechen: die Hochzeit von Kael und Maya.Die Vorbereitungen liefen seit Wochen. Maya hatte in Falkenhorst einen Stoff aus silberner Seide gefunden, den sie für ihr Kleid verwenden wollte. Elara sollte ihr Blumenmädchen sein — auch wenn sie noch zu klein war, um zu laufen. Aurora würde sie tragen. Kael hatte Darian gebeten, sein Trauzeuge zu sein, und Darian hatte mit einem seltenen, strahlenden Lächeln zugesagt.„Weißt du, was ich an dir am meisten bewundere?", sagte Aurora eines Abends zu ihrem Brud
Der Sommer kam mit warmen Tagen und langen, goldenen Abenden. Die Berge standen in voller Blüte, und das Tal der Bergwacht war erfüllt vom Duft von Wildblumen und frisch gemähtem Gras. Elara wuchs schnell — sie war jetzt drei Monate alt, ein kräftiges Baby mit silbernen Augen, die immer neugieriger die Welt erkundeten, und einem Lachen, das jeden im Dorf zum Schmelzen brachte.Aurora hatte sich von der Geburt erholt und ihre Kräfte zurückgewonnen. Sie unterrichtete wieder in der Schule, wenn auch in reduziertem Umfang, und verbrachte jede freie Minute mit ihrer Tochter. Darian war ein hingebungsvoller Vater, der Elara überallhin mitnahm — zum Unterricht, zu den Halbwölfen, sogar zu den Bauprojekten am Rande des Dorfes, wo er sie in einer Trage auf dem Rücken trug, während er mit den Arbeitern sprach.„Sie wird einmal eine Alpha", sagte Kaelen eines Tages, als er Darian mit dem Baby auf dem Rücken sah. „Oder eine Heilerin. Oder eine Lehrerin. Was auch immer sie will."„Sie wird alles,
Die ersten Tage mit Elara waren ein Nebel aus Schlafmangel, Zärtlichkeit und einer Liebe, die Aurora nie für möglich gehalten hatte. Das Baby schlief in kurzen Intervallen, trank alle zwei Stunden und weinte, wenn es nicht sofort verstanden wurde. Aber jedes Mal, wenn Aurora ihr winziges Gesicht betrachtete, die silbernen Augen, die noch nicht ganz fokussieren konnten, die kleinen Finger, die sich um ihren Daumen schlossen, wusste sie, dass keine Anstrengung zu groß war.Lily war eine unschätzbare Hilfe. Sie übernahm die Nächte, wenn Aurora zu erschöpft war, sie kochte kräftige Suppen und Kräutertees, und sie zeigte Aurora, wie man ein Baby hielt, wiegte, beruhigte. „Du machst das instinktiv richtig", sagte sie. „Das habe ich damals auch gedacht. Als ob eine Stimme in mir spricht, die älter ist als ich selbst."„Ist das die Stimme der Silberwölfinnen?", fragte Aurora.„Vielleicht. Oder einfach die Stimme aller Mütter, die vor uns kamen." Lily lächelte. „Es ist egal, woher sie kommt. W
Der Morgen begann wie jeder andere. Aurora erwachte früh, noch bevor die Sonne über die Gipfel stieg, und spürte sofort, dass etwas anders war. Ein Ziehen im Rücken, tief und rhythmisch, das nicht nach den üblichen Schwangerschaftsbeschwerden klang. Sie blieb einen Moment liegen und atmete tief durch, während sie ihre Hand auf ihren Bauch legte.Dann kam die nächste Welle.„Darian", flüsterte sie und schüttelte sanft seine Schulter. „Wach auf. Es geht los."Darian war sofort hellwach. Seine goldenen Augen weiteten sich, als er ihren Gesichtsausdruck sah. „Bist du sicher?"„Ja. Hol Runa. Und meine Mutter."Er sprang aus dem Bett, zog sich in Rekordzeit an und rannte aus der Hütte. Aurora hörte, wie er über den Hof rief, und bald darauf erklangen Stimmen, Schritte, Türen. Das ganze Dorf schien zu erwachen.Lily kam als Erste. Sie trug ein warmes Kleid und hatte ihr Haar notdürftig zusammengebunden, aber ihre Augen waren wach und ruhig. „Wie fühlst du dich?"„Es tut weh", gab Aurora zu.
Die Wochen nach der Ankunft von Lily und Jake vergingen wie im Flug. Der Frühling erwachte mit Macht — die Wiesen färbten sich grün, die Bäume trugen Knospen, und der Schnee auf den Gipfeln schmolz unter der wärmer werdenden Sonne. Aurora verbrachte die Tage mit ihrer Mutter, die sie verwöhnte, wo sie konnte, und mit Darian, der jeden Moment mit ihr auskostete.Lily hatte sich vorgenommen, jeden Tag mit Aurora spazieren zu gehen — langsam, in Auroras Tempo, aber regelmäßig. Sie gingen zum See, der jetzt eisfrei war, und setzten sich auf die Bank, die Darian für Aurora gebaut hatte. Sie sprachen über alles: über die Kindheit, über die Zukunft, über die Ängste und Hoffnungen, die Aurora in sich trug.„Ich habe Angst vor der Geburt", gab Aurora eines Nachmittags zu. „Nicht vor dem Schmerz — den kann ich ertragen. Aber vor dem Moment danach. Wenn ich das Kind in den Armen halte und plötzlich für ein Leben verantwortlich bin. Für ein ganzes, neues Leben."„Das ist die Angst, die jede Mutte
Lily wachte auf, weil Sonnenlicht durch das Fenster fiel. Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war. Dann kamen die Erinnerungen zurück. Der Wald. Jake. Die Werwölfe. Das Dorf.Sie setzte sich im Bett auf und schaute sich um. Das Zimmer war schön. Holzwände, weiche Decken und ein großer Kleider
Lily saß noch lange im Wohnzimmer und starrte ins Feuer. Die Flammen tanzten ruhig, aber in ihrem Kopf drehte sich alles. Werwölfe. Gefährtenbund. Mond. Jake. Das alles klang wie eine verrückte Geschichte aus einem Buch. Aber sie war hier. In einem fremden Haus. In einem Dorf, das auf keiner Karte
Lily versuchte erneut, ihren Arm aus Jakes Griff zu befreien. Seine Finger waren warm und stark, aber sie taten ihr nicht weh. Trotzdem hatte sie große Angst. „Lass mich los!“, sagte sie laut. „Ich will nach Hause!“ Jake schaute sie nur an. Seine goldenen Augen leuchteten im Mondlicht. Er antwor
Der Regen fiel gleichmäßig in Blackthorn Hollow. Er kam leise und grau vom Himmel und machte die alten Bäume dunkel und nass. Lily Morgan hielt das Lenkrad fest, während sie die schmale Straße hinauf fuhr. Sie war sechsundzwanzig Jahre alt und kehrte nach sechs langen Jahren in die Hütte ihrer Groß







