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Kapitel 3

Author: Alyssa J
„Alpha, weiter! Wir wollen den Mörder sehen!“

Die Wölfe unter der Plattform brüllten wie ein Tsunami.

Sie schwangen ihre Fackeln hoch, Funken flogen bis auf die Richtplattform.

Damien hob kalt die Hand und nickte dem Seelenmagier zu.

„Erhöhe die Intensität der Seelensicht. Ich will die Erinnerungen aus jener Nacht im Schwarzkiefernwald sehen.“

Der Seelenmagier biss die Zähne zusammen und schob den Energiehebel nach vorn.

Die metallenen Nadeln bohrten sich plötzlich sieben Zentimeter tiefer in meinen Schädel.

Sie drangen direkt bis in den Kern meiner Seele vor.

Mein ganzer Körper verkrampfte sich heftig.

Ein Schrei riss mir die Kehle auf.

Die Seelenerschütterung fühlte sich an wie rasiermesserscharfe Klingen, die in meinem Gehirn mahlten.

Blutrotes Licht explodierte vor meinen Augen.

Erinnerungsfragmente flackerten über den Bildschirm.

Das Klassenzimmer.

Eine kleine Hütte, von Erdwällen umgeben.

In der Mitte brannte ein Lagerfeuer.

Sophia, Damien und ich saßen im Kreis.

Sie riss mit ihren Krallen das gebratene Hirschbein auseinander und legte mir das zarteste Stück in die Hände.

„Lina muss wachsen. Sie muss mehr essen.“

Ich blickte zu ihr auf und lächelte.

Sie lächelte zurück.

Das Bild wechselte.

Am Bach.

Ich rutschte aus und fiel ins eiskalte Wasser.

Die Kälte schnürte mir augenblicklich den Atem ab.

Sie hatte nicht einmal Zeit, sich in ihre Wolfsform zu verwandeln.

Sie sprang ins Wasser, packte meinen Kragen mit den Zähnen und zog mich mit purer Kraft ans Ufer.

Als wir den Rand erreichten, war sie vollkommen durchnässt.

Ihr Wolfsfell war von Eis überzogen.

Sie zitterte so stark, dass sie kaum stehen konnte.

Ich hielt sie fest und weinte.

Doch sie lachte nur und sagte: „Dumme kleine Schwester. Pass das nächste Mal besser auf, wo du hintrittst.“

Ein weiterer Wechsel.

In den Bergen.

Drei junge Wölfe standen vor der Statue des Berggottes.

Wir heulten gemeinsam unsere Wünsche in den Himmel.

Meine Stimme trug noch kindliche Unschuld: „Bitte, Berggott, lass mich für immer bei Sophia und Damien bleiben.“

Sie antworteten im Chor: „Zusammen leben, zusammen sterben. Uns niemals verraten.“

Unser Lachen hallte zwischen den Felswänden wider.

Dann zersplitterte das Bild abrupt.

Im nächsten Augenblick – der Eissee im Schwarzkiefernwald.

Sophias Körper wurde aus dem Wasser gezogen.

Aufgedunsen und bläulich verfärbt.

Ihr reinweißes Fell war mit Eissplittern verklebt.

Tiefe Bissspuren lagen an ihrem Hals, bis auf den Knochen sichtbar.

Jeder einzelne Werwolf verstummte.

Die Luft wurde erstickend.

An jenem Tag knieten Damien und ich am Seeufer.

Wir heulten, bis unsere Stimmbänder rissen.

Tränen, vermischt mit Schlamm, liefen uns in den Mund.

Unser weißes Fell war von Blut und Erde beschmiert.

Wir lagen neben ihrem Körper wie Opfergaben.

In der Erinnerung kehrte ich in meine Steinhöhle zurück.

Ich kauerte mich in eine Ecke.

Meine Krallen gruben sich verzweifelt in den Boden.

Meine Nägel splitterten und brachen einer nach dem anderen.

Ich biss mir die Hände auf, riss an meinem eigenen Fleisch.

Ich heulte und schlug immer wieder gegen die Steinwände.

„Sophia! Warum hast du dich umgebracht? Warum!“

Hier auf der Richtplattform konnte ich die Tränen nicht mehr stoppen.

Blut tropfte von meinen aufgerissenen Krallen.

Es sammelte sich auf dem Stein unter mir.

Der gesamte Platz versank in Stille.

Ein Wolf flüsterte leise: „Sie sieht aus ... als würde sie wirklich leiden.“

Ein anderer antwortete: „Aber sie spricht trotzdem nicht. Schon seit fünf Jahren. Sie lässt sich lieber selbst zugrunde gehen, als es uns zu sagen.“
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