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Author: Helsa
last update publish date: 2026-05-11 23:39:44

Allein in Professor Laurents Büro zu sein, war ein Fehler. Das wusste ich in dem Moment, als die Tür hinter mir ins Schloss fiel.

Es war zu spät, so zu tun, als hätte sich die Stimmung nicht schlagartig verändert, kaum dass wir eingeschlossen waren.

"Sie können den Pullover behalten", sagte Professor Laurent.

Seine Finger schlossen sich um meine, bevor ich zurückweichen konnte, und hielten den grauen Stoff zwischen unseren Händen gefangen, als würde er längst dorthin gehören.

"Er gehört Ihnen", brachte ich heraus. "Ich bin nur gekommen, um ihn zurückzugeben."

Aber ich zog meine Hand nicht weg.

Er trat näher, griff um mich herum und nahm den Pullover. Dann fasste er meine Hand und legte ihn mir in die Handfläche. Seine Hand blieb auf meiner liegen, während er auf mich herabsah.

Das hatte ich nicht erwartet.

Es war viel besser.

"Es ist ein Geschenk, Rayla."

"Ich mag es, wenn Sie mich Rayla nennen."

Breast Atem ging schwer. "Frau Reinhardt, Sie sollten jetzt besser gehen."

Ich wollte seine Krawatte packen und ihn zu mir ziehen.

Aber er hatte mich gerade wieder "Frau Reinhardt" genannt statt Rayla. Wollte er mich überhaupt?

Ich klammerte mich mit der freien Hand am Schreibtisch fest, damit sie nicht zitterte. Eine Welle seines Dufts traf mich. Es fiel mir schwer zu atmen.

Ein Klopfen an der Bürotür.

Sofort ließ Professor Laurent meine Hand los und trat einen Schritt zurück. Er schaute kurz zu Boden, führ sich mit den Fingern durch die Haare. Mit der Hand noch im Haar hob er langsam den Kopf und sah mich unter seinen dichten Augenbrauen hervor an.

Dieser Hunger.

Dann fiel sein Blick wieder auf den Pullover. Ich schlückte schwer, nahm meinen Rücksack und stopfte ihn hinein. Er ging betont lässig zur Tür und öffnete sie, während ich meinen Rucksack schloss und über die Schulter warf.

Eine Frau kam herein. Sie trug einen anthrazitfarbenen Bleistiftrock mit passendem Blazer. Ihre hohen Absätze machten sie fast so groß wie Professor Laurent. Dazu leuchtend roter Lippenstift.

"Fertig, Novan?", fragte sie, entdeckte mich und schaute auf ihre Uhr. "Entschuldigung, ich dachte, die Sprechstunde wäre vorbei. Ich warte draußen."

"Wir sind gerade fertig", sagte er zu der Unbekannten. "Ich bin bereit."

Während er seine Krawatte straff zog, drehte er sich noch einmal zu mir um. "Bis morgen, Frau Reinhardt." Er sagte es, ohne mich richtig anzusehen.

Ich ging zu den beiden.

"Danke für Ihre Hilfe, Professor Laurent", sagte ich und verließ das Büro.

Wer zur Hölle war das?

Ich warf noch einen Blick zurück. Sie lachte über irgendetwas und berührte seinen Arm.

Mir wurde übel.

Das war keine Studentin, das war eine richtige Frau. Und offensichtlich seine Freundin. Beide waren für ein elegantes Date gekleidet.

Mein Herz sackte in die Tiefe.

Den ganzen Tag konnte ich an nichts anderes denken als an diese mysteriöse Frau aus Professor Laurents Büro. Dabei gab es eigentlich keinen echten Beweis, dass sie zusammen waren. Vielleicht war es nur ein Date.

Konnte ich mit ihr mithalten? Wollte ich das überhaupt?

Sie war so elegant gewesen. Hatte sogar Strumpfhosen getragen. Ich verdrehte innerlich die Augen. Ja, sie war elegant – aber das hieß nicht, dass ich es auch sein musste.

Zu Hause zog ich den Pullover aus dem Rucksack. Zum Glück schlief Emilia schon tief und fest, sonst hätte sie mich sicher verurteilt.

Draußen goss es in Strömen, deshalb schlüpfte ich in meine roten Gummistiefel und nahm den passenden roten Regenschirm.

Er hatte schließlich angedeutet, dass ihm der Pullover an mir besser gefiel.

Ich atmete tief durch und verließ das Wohnheim.

Als ich in den Seminarraum kam, saß Leon schon am Platz neben meinem.

"Geht's dir heute besser?", fragte ich, als ich mich setzte.

"Ich war nicht krank. Ich brauchte einfach einen Tag Pause."

"Wir haben doch gerade erst angefangen", lachte ich.

"Na ja, ich brauchte eine Ausrede, um dich zu treffen und deine Mitschrift abzuschreiben." Er lehnte sich über die Kante seines Tisches und sah mich ziemlich verführerisch an.

Ich lachte wieder.

"Professor Laurent hat gerade das Wort 'Emotion' erklärt. Man soll sein Publikum etwas fühlen lassen, wenn man einen Vortrag hält. Ich habe keine Notizen gemacht."

"Rayla, du machst es einem echt schwer. Hast du am Wochenende schon was vor?"

Irgendwie war seine Art liebenswert. Selbstbewusst und zugleich hoffnungsvoll.

Ich seufzte.

„Meine Mitbewohnerin zwingt mich zu diesem seltsamen Doppeldate mit ihr.“ Hoffentlich klang das harmlos. Und es stimmte – ich hatte überhaupt keine Lust.

Leon grinste. „Wenn du es schwänzen willst, lade ich dich zum Essen ein.“

„Wenn du Emilia kennen würdest, wüsstest du, dass das keine Option ist. Tut mir leid, Leon.“ Ich lächelte ihn an.

„Die Abfuhr tut weh“, sagte er theatralisch, legte beide Hände aufs Herz und ließ den Kopf nach hinten fallen, als hätte ich ihn tödlich getroffen.

„Ach komm“, lachte ich und stupste seine Schulter. „Etwas dramatischer geht’s nicht, oder?“

„Regencheck?“

Ich nickte.

In diesem Moment betrat Professor Laurent den Raum. Er trug eine Brille, sein Haar war sexy verstrubbelt. Ein enges schwarzes T-Shirt und helle Jeans ließen ihn lässig und nahbar wirken. Ich versuchte, nicht daran zu denken, dass er vielleicht deshalb so casual gekleidet war, weil er lange mit dieser Frau unterwegs gewesen war.

Es fiel mir schwer, ihm zu folgen. Ich trug seinen Pullover, der immer noch nach ihm roch, und fühlte mich wie in Trance. Ob er bemerkte, dass ich ihn anhatte?

Heute sollten wir über unsere Wochenendpläne sprechen.

Als Leon dran war, sah er mich direkt an: „Ich werde das Wochenende in meinem Zimmer verbringen und Trübsal blasen, weil das Mädchen, in das ich verknallt bin, keine Zeit für mich hat.“

„Oh mein Gott“, formte ich lautlos mit den Lippen.

„Rayla Reinhardt“, rief Professor Laurent.

Als ich aufstand, klappte ihm kurz der Mund auf. Er schloss ihn schnell wieder und schaute auf seine Unterlagen.

Ich wollte ihn eifersüchtig machen. Leon hatte mir die perfekte Vorlage geliefert.

„An diesem Wochenende gehe ich mit meiner Mitbewohnerin und ihrem neuen Freund auf ein Doppeldate.“

Professor Laurent zückte sichtlich zusammen, als ich "Date" sagte. Schnell fügte ich hinzu: "Aber ich habe absolut keine Lust darauf", und setzte mich wieder. Im Spiel "schwer zu kriegen" war ich wirklich schlecht.

Leon beugte sich zu mir. "Ich wünschte auch, du müsstest nicht hingehen", flüsterte er.

Professor Laurent rief den nächsten Namen auf, ohne mich noch einmal anzusehen.

Nachdem alle fertig waren, ging er zur Tafel und schrieb in großen Buchstaben:

LUST.

"Ihr wollt, dass euer Publikum an jedem Wort hängt, das aus eurem Mund kommt. Das ist ein bisschen wie in einer Beziehung. Ihr wollt diese spontane Lust, die einen manchmal überkommt."

Ich bezweifelte, dass es den anderen auffiel, aber während er sprach, starrte er ganz unverhohlen in meine Richtung.

"Ich meine das nicht unbedingt sexuel. Obwohl – es gibt einen Grund, warum Sex verkauft." Ein paar Mädchen kicherten.

"Ihr wollt die Aufmerksamkeit eures Publikums fesseln. Ihr wollt, dass sie sich nach mehr sehnen. Und das, finde ich, ist das Schwierigste an einem wirklich guten Vortrag. Denn Lust kann man nicht erzwingen. Sie muss echt sein."

Erzwinge ich es? Für mich fühlte es sich nicht erzwungen an.

"Denkt mal drüber nach übers Wochenende. Die Stunde ist zu Ende."

"Ich seh dich dann Montag. Falls du es dir anders überlegst – du hast meine Nummer." Leon zwinkerte mir zu.

Ich lächelte zurück, als er ging.

Seinen Pullover in die Vorlesung anzuziehen, hatte schon viel Mut gekostet. Aber jetzt kam der schwerste Teil. Ich versuchte, so verführerisch wie möglich in meinen Gummistiefeln zu laufen, und wurde langsamer, als ich an seinem Pult vorbeikam, damit er mich bemerkte.

"Frau Reinhardt, hätten Sie einen Moment Zeit?"

Ich erstarrte. Er hatte es bemerkt. Nach gestern hatte ich eigentlich nicht erwartet, dass er noch mit mir sprechen würde.

"Sie tragen meinen Pullover."

"Man hat mir gesagt, er steht mir gut."

Er schwieg einen Augenblick.

"Sie haben am Wochenende also ein Date", sagte er beiläufig. Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. In seiner Stimme lag ein Hauch von Ärger.

Ich schluckte. Das ging ihn eigentlich nichts an. Besonders nicht, solange er eine Freundin hatte.

"Und wie war Ihres gestern Abend?", schoss ich zurück.

Er zog eine Augenbraue hoch. "Hmm?"

Ich drehte mich zur Tür. "Ich habe noch eine andere Vorlesung."

"Ich auch."

"Rayla?" Seine Fingerspitzen streiften meinen Handrücken und blieben dort liegen.

Ich sah zu ihm zurück. Meine Haut brannte unter seiner Berührung. Mir wurde klar, dass ich ihn nicht aufhalten würde, wenn er mich jetzt näher zu sich ziehen würde – selbst wenn wir erwischt würden und alles meinetwegen zusammenbrach.

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