LOGINProfessor Laurents Nummer brannte wie eine Hochspannungsleitung in meinem Handy. Ein einziger Fehlgriff, und meine gesamte Zukunft konnte in Flammen aufgehen.
Ich hatte dieselbe riskante Nachricht mindestens zwanzigmal getippt und wieder gelöscht: Ich habe unser erstes Date genossen. Aber heute hast du mich versetzt.
Die Wohnheimtür flog so heftig auf, dass meine Coladose einen Satz machte.
„Du wirst nicht glauben, was ich gerade gehört habe“, platzte Emilia herein und strahlte, als hätte sie im Lotto gewonnen. „Dieser unmenschlich heiße Professor, in den du heimlich total verknallt bist?“
Ich verschluckte mich fast an meiner Cola.
Woher zur Hölle weiß sie das? Ich hatte nie ein Sterbenswörtchen gesagt.
„Bin ich gar nicht.“
„Klar bist du!“ Sie verdrehte die Augen. „Ach komm schon, Rayla. Du hast schließlich seinen Pullover behalten, um Himmels willen.“
„Ich wollte ihn diese Woche eigentlich zurückbringen.“
Das hatte ich wirklich vor. Aber eigentlich wollte ich ihn behalten.
„Hast du etwas über ihn rausgefunden oder wie?“
„Also erstens: Der Mann ist ein absoluter Traum. Ein Mädchen aus meinem Kurs hat von diesem megaheißen Professor geschwärmt – und rate mal, es ist derselbe. Du hast mir nicht erzählt, dass er aussieht wie ein Model.“
„Er ist wirklich sehr attraktiv.“
„Attraktiv? Der ist heiß wie die Hölle! Jedenfalls soll er an seiner letzten Uni rausgeflogen sein.“
„Warum?“ Ich versuchte, möglichst gleichgültig zu klingen, doch es fühlte sich an, als würde ich betteln.
„Das wusste sie nicht genau. Komisch, oder? Was muss ein Professor denn anstellen, um gefeuert zu werden? Dem Dekan eine reinhauen?“
„Du denkst dir da was aus.“
Aber ich wusste genau, wofür Professoren gefeuert werden konnten.
„Na ja, ist wahrscheinlich nur ein Gerücht.“ Emilia zuckte mit den Schultern. „Dachte nur, es interessiert dich. Ach so, und danach war ich noch mit dem süßen Typen von der Party letzten Donnerstag essen. Der ist echt ein Gentleman – hat mir sogar den Stuhl zurechtgerückt.“
„Schön für dich.“
Meine Gedanken waren längst woanders.
Es gab keinen Grund, gleich das Schlimmste anzunehmen. Vielleicht war er gar nicht gefeuert worden. Er sah so jung aus – wahrscheinlich war das hier seine erste Professur.
Vielleicht hatte Professor Laurent doch keine falsche Vorstellung von mir.
Nein, ich war kein böses Mädchen. Aber für ihn wollte ich eines sein. Machte mich das nicht trotzdem schlecht?
Ich wollte Dinge mit ihm, die ihn definitiv seinen Job kosten würden.
Ich schaute auf mein Handy. Ich könnte ihm jetzt schreiben. Er hatte mir schließlich seine Nummer gegeben. Er flirtete fast jeden Tag im Seminar mit mir. Wer weiß – vielleicht träumte er ja auch von mir.
Ich öffnete seinen Kontakt und tippte:
„Ich habe unser erstes Date genossen. Aber heute hast du mich versetzt.“
Ich lächelte still in mich hinein. Ob er das witzig finden würde? Egal. Ich würde es sowieso nicht abschicken.
Er hatte mir seine Nummer gegeben, weil er sich Sorgen um mich gemacht hatte. Ich war schließlich mitten in der Nacht halb nackt durch die Gegend gelaufen. Jeder vernünftige Erwachsene hätte sich Sorgen gemacht.
Ich sollte seine Nummer lieber löschen, bevor ich einen riesigen Fehler beging.
Mein Handy vibrierte. Ich ließ es fast fallen. Es gab ein leises Pling – Nachricht gesendet.
Fast hätte ich laut "NEIN!" geschrien.
Oh Gott, was habe ich getan?
"Entschuldigung, das sollte nicht gesendet werden", tippte ich hastig.
Ich wollte gerade abschicken, da plingte mein Handy erneut.
"Frau Reinhardt, das war nie meine Absicht."
Ich legte das Handy aufs Bett und starrte es an. Er hatte sofort geantwortet. Und er wusste, dass ich es war. Das bedeutete wahrscheinlich, dass er seine Nummer nicht jedem gab.
Ich löschte die ungesendete Entschuldigung.
Ich stellte mir vor, wie er in Jogginghose auf dem Sofa lag und gespannt auf meine nächste Nachricht wartete.
Ich würde mutig sein. Ich würde böse sein.
Ich schrieb zurück:
"Du hast von mir geträumt."
Eine Minute später kam seine Antwort:
"Ich kann meine Träume nicht kontrollieren, Frau Reinhardt."
„Hey, Rayla“, sagte Leon und ließ sich neben mich fallen.Mein Gesicht brannte bereits vor Verlegenheit. Dieses Gespräch war das Letzte, das ich gerade führen wollte. „Hey“, murmelte ich und starrte weiter auf meinen Tisch.„War der Kuss wirklich so schlimm?“ fragte Leon grinsend.„Leon.“ Ich schlug die Hände vors Gesicht. Mein Magen fühlte sich an wie ein einziger Knoten.„Rayla, schau mich an.“Langsam nahm ich die Hände runter. Leon trug Jeans und ein blaues T-Shirt, das seine Augen noch intensiver wirken ließ.Warum fühlte ich mich eigentlich immer zu Männern hingezogen, die kompliziert waren?„Es tut mir leid“, sagte ich schnell. „Ich wusste nicht, dass du eine Freundin hast. Wirklich nicht.“Leon fing an zu lachen. „Ich habe keine Freundin. Ich treffe mich erst seit Kurzem mit jemandem.“„Aber… willst du mit ihr zusammen sein?“Er zuckte leicht mit den Schultern. „Keine Ahnung. Kommt auf vieles an.“ Sein Blick blieb an mir hängen. „Und ehrlich gesagt dachte ich, genau das wollte
„Hey, Rayla“, sagte Leon mit einem breiten Grinsen im Gesicht.Ich holte tief Luft und lächelte zurück. Es fühlte sich erstaunlich gut an, überhaupt wieder lächeln zu können. Gemeinsam gingen wir ins Restaurant, wo uns die Bedienung zu einer kleinen Sitzecke führte.Leon setzte sich mir gegenüber und musterte mich aufmerksam. „Geht’s dir gut, Rayla?“„Was? Ja. Klar.“ Ich senkte den Blick auf den Tisch und strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr. Plötzlich machte mich seine Nähe nervös.„Und? Weißt du inzwischen, worüber du deine nächste Rede halten wirst?“„Tatsächlich ja.“ Er grinste. „Aber du musst bis zur Vorlesung warten.“Ich lachte leise. „Warum? Wird das wieder irgendeine peinliche Geschichte über mich?“„Du hältst dich echt für den Mittelpunkt der Welt.“ Er schüttelte lachend den Kopf. „Meine Rede hat diesmal nichts mit dir zu tun. Nur weil ich dich einmal erwähnt habe, heißt das noch lange nichts.“Dann musterte er mich gespielt nachdenklich. „Wobei… du wirst wirklich schnell
Professor Laurent zog sich das Shirt über den Kopf und sah auf mich hinunter. Seine gebräunte Haut, die klaren Konturen seiner Bauchmuskeln… augenblicklich jagte ein heißes Verlangen durch meinen Körper. Die ganze Spannung zwischen uns schien plötzlich zu zerreißen.Er beugte sich über mich, stützte sich mit den Armen rechts und links von mir ab. Ich wollte, dass er mich küsste. Warum tat er es nicht? Meine Finger glitten durch sein Haar.„Rayla.“ Mit dem Handrücken strich er sanft über meine Wange. „Du solltest mich nicht berühren“, murmelte er mit rauer Stimme. „Ich habe dir gesagt, dass das nur ein einziges Mal passieren darf.“Keuchend schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Selbst in meinen Träumen schaffte Professor Laurent es, mich völlig aus der Fassung zu bringen. Mein Herz raste noch immer.Er hatte mich gewarnt. Zumindest irgendwie. Für ihn sollte das zwischen uns etwas Einmaliges bleiben. Er hatte gesagt, er hoffte, mich vergessen zu können, wenn er der Versuchung einmal nachga
Mein Zorn war nicht verraucht. Ganz im Gegenteil: Den ganzen Tag Zeit zu haben, darüber nachzugrübeln, hatte alles nur noch schlimmer gemacht.Ich starrte weiter auf die Rosen auf meinem Schreibtisch. Diese verlogenen Arroganz-Rosen.Ich hätte irgendein Zeichen sehen müssen, aber da war absolut nichts gewesen. Professor Laurent war so verdammt charmant gewesen.Ich holte tief Luft. Zur Hölle mit ihm.Ich stand auf und hob die Vase vom Tisch.Es juckte mich in den Fingern, sie einfach in den Müll zu pfeffern, aber sie waren einfach zu schön. Stattdessen stellte ich sie in meinen Kleiderschrank und schlug die Tür zu.„Alles klar.“ Emilia hielt die beiden Tüten hoch und entzifferte die Handschrift darauf. „Ich glaube, das hier sind die gebratenen Nudeln. Das hier muss deins sein.“Sie reichte mir eine der Tüten und ließ sich auf ihr Bett fallen. Ich öffnete den Beutel und holte die Stäbchen und die hübsche kleine Pappschachtel heraus.Chinesisch war mein absolutes Soulfood. Und im Moment
Tränen verschleierten mir die Sicht.Wie konnte ich nur so naiv sein? Er war das Raubtier und ich die Beute.Und ich war bereitwillig in seine Falle getappt. Sein makelloser Körper und seine zweideutigen Worte hatten all meine Hemmungen weggespült.Ich stolperte über meine eigenen Füße und schlug auf seinem Küchenboden auf. Jede Faser meines Körpers wollte einfach dort liegen bleiben. Ich fühlte mich so unendlich schwach.Die Last meiner Taten drückte schwer auf meine Schultern. Ich war eine Geliebte.„Scheiße“, murmelte ich vor mich hin.Ich wischte mir erneut über die Augen und rappelte mich auf. Ich musste hier raus. Ich wollte keine Erklärungen hören.Die Schuldgefühle würden mich ohnehin für immer verfolgen.Es spielte keine Rolle, dass ich es zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst hatte.So oder so: Ich hatte mit einem verheirateten Mann geschlafen.Ich hatte zwar versucht, ihm Fragen zu stellen, aber er war den Antworten jedes Mal meisterhaft ausgewichen.Er war ein manipulatives Ar
In meiner Brust baute sich ein seltsamer Druck auf. Es fühlte sich an, als müsste ich jeden Moment losweinen. Warum verlor ich ausgerechnet hier die Fassung?Ich hatte alles, was ich mir von diesem Mann erträumt hatte. Aber das, was er gerade mit mir getan hatte... die Art, wie er mir das Gefühl gab, geliebt zu werden...Plötzlich fühlte sich alles viel zu real an.Ich setzte mich hastig auf und zog meine Beine an den Körper, um sie fest zu umschlingen. Das Engegefühl in meiner Brust wurde immer stärker. Es fühlte sich an, als würde ich ertrinken.Ich holte tief Luft, um mich zu beruhigen. Was ist bloß los mit mir?Professor Laurent setzte sich ebenfalls auf und nahm mein Kinn sanft in seine Hand.„Rayla, was ist los?“Seine Stirn lag in Falten.„Nichts.“Ich blinzelte heftig, um die Tränen zurückzuhalten, die mir in die Augen stiegen. Ich klammerte mich noch fester an meine Beine.Er strich mir mit dem Daumen über das Kinn, ohne ein Wort zu sagen. Er sah wirklich besorgt aus.„Es ist
Mein Kopf hob und senkte sich im Rhythmus seines Atems. Ich träumte wieder von Professor Laurent; träumte davon, wie ich in seinen starken Armen lag. Ich lauschte seinem langsamen, stetigen Herzschlag. In dieser Umarmung hätte ich ewig liegen bleiben können.Ich ließ meine Hand unter sein Shirt wan
Mein neuer Bikini hing bereits im Schrank.Eigentlich wusste ich schon längst, dass ich absagen würde. Aber die vorgetäuschte Vorfreude und der Einkaufsbummel mit Emilia sollten meine plötzlichen Magenprobleme hoffentlich glaubwürdiger erscheinen lassen.Es gefiel mir nicht, sie zu belügen, aber si
Ich lief auf den Eingang des Grottos zu und entdeckte Leon, der draußen an der Wand lehnte und auf sein Handy starrte.„Hey“, sagte ich.Er blickte lächelnd auf und schob sein Handy in die Tasche. Er hielt mir seinen Arm hin. Ich lachte, hakte mich bei ihm ein und er eskortierte mich in das Restaur
Am Mittwochmorgen war ich zwanzig Minuten zu früh im Kurs. Ungeduldig trommelte ich mit den Fingern auf die Tischplatte und wartete darauf, dass Professor Laurent endlich durch die Tür kam.Während die Uhr quälend langsam vorrückte, trudelten nach und nach die anderen Studenten ein.Leon setzte sic






