Share

3

Author: Helsa
last update publish date: 2026-05-11 23:39:38

Professor Laurents Nummer brannte wie eine Hochspannungsleitung in meinem Handy. Ein einziger Fehlgriff, und meine gesamte Zukunft konnte in Flammen aufgehen.

Ich hatte dieselbe riskante Nachricht mindestens zwanzigmal getippt und wieder gelöscht: Ich habe unser erstes Date genossen. Aber heute hast du mich versetzt.

Die Wohnheimtür flog so heftig auf, dass meine Coladose einen Satz machte.

„Du wirst nicht glauben, was ich gerade gehört habe“, platzte Emilia herein und strahlte, als hätte sie im Lotto gewonnen. „Dieser unmenschlich heiße Professor, in den du heimlich total verknallt bist?“

Ich verschluckte mich fast an meiner Cola.

Woher zur Hölle weiß sie das? Ich hatte nie ein Sterbenswörtchen gesagt.

„Bin ich gar nicht.“

„Klar bist du!“ Sie verdrehte die Augen. „Ach komm schon, Rayla. Du hast schließlich seinen Pullover behalten, um Himmels willen.“

„Ich wollte ihn diese Woche eigentlich zurückbringen.“

Das hatte ich wirklich vor. Aber eigentlich wollte ich ihn behalten.

„Hast du etwas über ihn rausgefunden oder wie?“

„Also erstens: Der Mann ist ein absoluter Traum. Ein Mädchen aus meinem Kurs hat von diesem megaheißen Professor geschwärmt – und rate mal, es ist derselbe. Du hast mir nicht erzählt, dass er aussieht wie ein Model.“

„Er ist wirklich sehr attraktiv.“

„Attraktiv? Der ist heiß wie die Hölle! Jedenfalls soll er an seiner letzten Uni rausgeflogen sein.“

„Warum?“ Ich versuchte, möglichst gleichgültig zu klingen, doch es fühlte sich an, als würde ich betteln.

„Das wusste sie nicht genau. Komisch, oder? Was muss ein Professor denn anstellen, um gefeuert zu werden? Dem Dekan eine reinhauen?“

„Du denkst dir da was aus.“

Aber ich wusste genau, wofür Professoren gefeuert werden konnten.

„Na ja, ist wahrscheinlich nur ein Gerücht.“ Emilia zuckte mit den Schultern. „Dachte nur, es interessiert dich. Ach so, und danach war ich noch mit dem süßen Typen von der Party letzten Donnerstag essen. Der ist echt ein Gentleman – hat mir sogar den Stuhl zurechtgerückt.“

„Schön für dich.“

Meine Gedanken waren längst woanders.

Es gab keinen Grund, gleich das Schlimmste anzunehmen. Vielleicht war er gar nicht gefeuert worden. Er sah so jung aus – wahrscheinlich war das hier seine erste Professur.

Vielleicht hatte Professor Laurent doch keine falsche Vorstellung von mir.

Nein, ich war kein böses Mädchen. Aber für ihn wollte ich eines sein. Machte mich das nicht trotzdem schlecht?

Ich wollte Dinge mit ihm, die ihn definitiv seinen Job kosten würden.

Ich schaute auf mein Handy. Ich könnte ihm jetzt schreiben. Er hatte mir schließlich seine Nummer gegeben. Er flirtete fast jeden Tag im Seminar mit mir. Wer weiß – vielleicht träumte er ja auch von mir.

Ich öffnete seinen Kontakt und tippte:

„Ich habe unser erstes Date genossen. Aber heute hast du mich versetzt.“

Ich lächelte still in mich hinein. Ob er das witzig finden würde? Egal. Ich würde es sowieso nicht abschicken.

Er hatte mir seine Nummer gegeben, weil er sich Sorgen um mich gemacht hatte. Ich war schließlich mitten in der Nacht halb nackt durch die Gegend gelaufen. Jeder vernünftige Erwachsene hätte sich Sorgen gemacht.

Ich sollte seine Nummer lieber löschen, bevor ich einen riesigen Fehler beging.

Mein Handy vibrierte. Ich ließ es fast fallen. Es gab ein leises Pling – Nachricht gesendet.

Fast hätte ich laut "NEIN!" geschrien.

Oh Gott, was habe ich getan?

"Entschuldigung, das sollte nicht gesendet werden", tippte ich hastig.

Ich wollte gerade abschicken, da plingte mein Handy erneut.

"Frau Reinhardt, das war nie meine Absicht."

Ich legte das Handy aufs Bett und starrte es an. Er hatte sofort geantwortet. Und er wusste, dass ich es war. Das bedeutete wahrscheinlich, dass er seine Nummer nicht jedem gab.

Ich löschte die ungesendete Entschuldigung.

Ich stellte mir vor, wie er in Jogginghose auf dem Sofa lag und gespannt auf meine nächste Nachricht wartete.

Ich würde mutig sein. Ich würde böse sein.

Ich schrieb zurück:

"Du hast von mir geträumt."

Eine Minute später kam seine Antwort:

"Ich kann meine Träume nicht kontrollieren, Frau Reinhardt."

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • NUR EINMAL, PROFESSOR LAURENT   198

    „Wo steht Leon auf deiner Skala, Rayla? Jetzt bin ich echt neugierig.“Emilias Gesicht war knallrot. Ich hatte versucht, das zu vermeiden. Ich wollte nicht wieder mit ihr streiten. Der Abend war so gut gelaufen.„Ich weiß nicht. Es ist so lange her…“ „Gott, sag’s mir einfach.“„Unter Novan.“ Was hatte sie erwartet, dass ich sage? „Also ist er nicht so gut wie Novan? Du bist so eine Schlampe.“„Nein, Leon ist richtig gut im Bett. Ich… ich bin in Novan verliebt.“„Also findest du Leon super im Bett? Fantasierst du immer noch von ihm oder so? Du bist die schlechteste Freundin ever.“„Emilia.“ Ein erschöpfter Lacher entwich mir. „Was soll ich sagen? Ich habe vor fast drei Jahren einmal mit Leon Sex gehabt. Er war damals nicht dein Freund. Du hast ihn nicht mal gemocht. Du bist mit Anton zusammen gewesen. Und ich kann es nicht rückgängig machen. Es gibt nichts, was ich dagegen tun kann.“„Du kannst aufhören, mit ihm abzuhängen.“„Fein. Okay. Ich hänge nicht mehr mit ihm ab. Leon und ich si

  • NUR EINMAL, PROFESSOR LAURENT   197

    Ich blickte auf die Karte und dann wieder zu ihm hoch, wissend, dass ich diese Nummer nie anrufen würde. „Danke.“„Wirklich Wasser?“, fragte Emilia, sobald er weg war.Ich lachte. „Er war nett. Ich wollte nicht, dass er eine ganze Runde bezahlt. Außerdem macht ihr mich total besoffen. Ich kann kaum noch geradeaus laufen.“ An diesem Punkt wahrscheinlich wirklich nicht.„Ist schon okay, es zählt trotzdem“, sagte Elke. „Außerdem“, sie schnappte mir die Visitenkarte aus der Hand. „Rayla hat gerade auch Nummer sieben abgehakt.“„Du hast seine Nummer bekommen?“ Jule klatschte in die Hände. „Oh mein Gott, der ist wie eine wandelnde Sexanzeige.“Ich lachte. „Wolltest du sie?“„Ja bitte.“ Sie riss Elke die Visitenkarte aus der Hand. „Ich wette, der ist unglaublich im Bett.“Marie rollte mit den Augen.„Apropos Sex“, sagte Jule. „Auf einer Skala von eins bis zehn, wie gut ist Novan im Bett?“„Eine Elf.“ Sie lachten alle.„Ich habe seit Jahren keinen Elfer mehr getroffen“, sagte Jule. „Ich glaub

  • NUR EINMAL, PROFESSOR LAURENT   196

    „Der denkt schon, ich würde am Ende der Nacht mit ihm schlafen. Bitte zwingt mich nicht, nochmal mit ihm zu reden.“„Du wirst nicht reden. Du wirst tanzen“, sagte Emilia. „Und pass auf, dass du an dem Typen vorbeigehst, der uns später die Runde ausgeben soll.“„Soll ich ihm nebenbei noch einen Penis-Keks in den Mund stopfen?“„Das ist keine schlechte Idee. Ich kann das auf die Liste setzen“, sagte Marie und hob ihre Handtasche. „Lass mich nur einen Stift finden.“„Wage es nicht.“ Ich stand auf, bevor irgendeine von ihnen noch eine weitere dumme Sache hinzufügen konnte.„Einen ganzen Song, Rayla!“, rief eine von ihnen hinter mir her.Ich ging zu dem Typen, der mir den Whiskey ausgegeben hatte, und achtete darauf, an dem vorbeizugehen, der uns die Runde ausgeben sollte. Ich lächelte den Typen schüchtern an. Es sah aus, als dächte er, ich würde stehen bleiben und mit ihm reden. Ich bemerkte, wie er die Stirn runzelte, als ich mich an die Theke neben meinem zukünftigen Tanzpartner lehnte.

  • NUR EINMAL, PROFESSOR LAURENT   195

    „Hipster finden es wahrscheinlich nicht cool, Penis-Kekse zu essen.“Elke lachte. „Ich gebe dir einen leichten. Hipster machen alles, um dazuzugehören. Sag ihm einfach, normal geformte Kekse seien so klischeehaft.“„Gut.“ Ich seufzte und rutschte vom Hocker. Gott, das war demütigend. Ich ging zu dem Hipster und setzte mich neben ihn auf die Couch.„Hey“, sagte er, sobald ich mich setzte. „Schöne Nacht?“ „Eigentlich war sie bisher peinlich.“Er lachte.„Könntest du diesen Keks essen?“Er zog die Augenbrauen zusammen. „Willst du mich dopen?“ „Nein, nein. Es ist einfach ein normaler Keks in Penisform.“ Er lachte wieder.Ich hielt ihn hoch, damit er ihn sehen konnte. „Oh, warte. Du meinst das ernst?“„Meine Freundinnen haben diese komische Liste mit Sachen, die ich machen muss. Eine ist, dass ein Typ diesen Keks isst. Ich verspreche, es ist nichts dran. Außerdem sind normal geformte Kekse so mainstream, findest du nicht?“Der Hipster starrte mich skeptisch an.„Ich mach’s.“ Jemand war auf

  • NUR EINMAL, PROFESSOR LAURENT   194

    „Also, du musst einen zufälligen Typen fragen, ob er dir einen Drink ausgibt“, sagte Marie und blickte auf eine Liste.„Darf ich die mal sehen?“ Ich versuchte, sie ihr wegzuschnappen, aber sie zog sie zu schnell weg.„Wie wäre es mit dem da?“, sagte Jule und zeigte auf einen Typen an der Bar. Er trug Jeans und ein T-Shirt. Seine Haare waren strubbelig. Er sah aus, als gehöre er an den Strand und nicht in eine Bar in Berlin. Wahrscheinlich ein Tourist.Was bedeutete, dass er nicht für einen viel zu teuren Drink für ein Mädchen bezahlen wollte, das er nicht kannte.„Der sieht aus wie ein Tourist.“Emilia lachte. „Na und? Das heißt, er ist hier, um was abzubekommen. Der gibt dir auf jeden Fall einen Drink aus.“„Ich will ihn nicht reinlegen.“„Tust du nicht. Du trägst eine verdammte Schärpe, die sagt, dass du jeden Tag heiratest. Du bist fein raus. Geh und frag ihn.“Elke gab mir einen kleinen Schubs an die Schulter. „Du gehst nicht nach Hause, bevor du nicht alles auf der Liste erledigt

  • NUR EINMAL, PROFESSOR LAURENT   193

    Auch wenn ich nicht mit Novan sprechen durfte, wusste ich zumindest, dass er in Sicherheit war. Das war der einzige Grund, warum ich zum Trump International gelaufen war. Und weil Elkes Handy direkt auf die Mailbox ging, als ich sie anrief.Ich blieb in der Lobby stehen und erinnerte mich an den Tag, an dem Novan mich hierhergebracht hatte, als er noch mein Professor war. Es war in jeder Hinsicht perfekt gewesen. Ich lachte leise vor mich hin. Hier hatte ich auch zum ersten Mal Mason getroffen. Ich erinnerte mich, wie sein Blick mich unbehaglich gemacht hatte. Fast so, als könnte er mich sehen. Wirklich sehen. Aber wahrscheinlich hatte er mich nur für sein Nebengeschäft eingeschätzt.Elke arbeitete hart. Sie war wahrscheinlich einfach früh vor dem Fernseher eingeschlafen oder so. Ich stieg in den Aufzug und hörte die edle Aufzugsmusik. Es war seltsam, dass Elke und Mason in einem Hotel wohnten. Aber sie hatten ihre Wohnung sehr gemütlich eingerichtet. Ich fühlte mich dort immer wohl.

  • NUR EINMAL, PROFESSOR LAURENT   2

    "Vermisst du mich, Rayla?"Leon lümmelte in der hinteren linken Ecke, als gehörte ihm der Platz, mit diesem trägen Halblächeln, das mir früher Schmetterlinge im Bauch beschert hatte.Jetzt verursachte es mir nur noch eine Gänsehaut.Ich hatte mich noch nicht einmal hingesetzt, und schon war meine M

  • NUR EINMAL, PROFESSOR LAURENT   1

    "Wag es ja nicht, mir zu folgen, du verdammter Psycho!"Ich knallte die Tür des Verbindungshauses so heftig zu, dass der Rahmen wackelte.Der kalte Regen prasselte auf mich nieder, machte mein winziges weißes Top durchsichtig und klebte es wie eine nutzlose zweite Haut an meinen Körper. Meine Brust

  • NUR EINMAL, PROFESSOR LAURENT   5

    "Rayla, was zum Teufel?!"Ich knallte das leere Glas so fest auf den Tisch, dass es knackte. "Du bist so ein verdammtes Arschloch."Dabei hatte Emilia wochenlang auf mich eingeredet, mich angefleht und mir ein schlechtes Gewissen gemacht, bis ich schließlich eingeknickt war und Jonas noch eine Chan

  • NUR EINMAL, PROFESSOR LAURENT   4

    Allein in Professor Laurents Büro zu sein, war ein Fehler. Das wusste ich in dem Moment, als die Tür hinter mir ins Schloss fiel.Es war zu spät, so zu tun, als hätte sich die Stimmung nicht schlagartig verändert, kaum dass wir eingeschlossen waren."Sie können den Pullover behalten", sagte Profess

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status