LOGIN"Rayla, was zum Teufel?!"
Ich knallte das leere Glas so fest auf den Tisch, dass es knackte. "Du bist so ein verdammtes Arschloch."
Dabei hatte Emilia wochenlang auf mich eingeredet, mich angefleht und mir ein schlechtes Gewissen gemacht, bis ich schließlich eingeknickt war und Jonas noch eine Chance gegeben hatte. Sie hatte uns beide zu diesem Doppeldate geschleppt – und kaum war ich auf der Toilette verschwunden, drehte er sich um und fing an, mit den vier Mädchen in der Sitzecke hinter uns zu flirten.
"Ich war nur freundlich", lachte er und wischte sich Wasser aus dem Gesicht, als wäre nichts gewesen.
Ich war schon auf dem Weg nach draußen.
"Mach's gut, Jonas."
Er rannte mir hinterher auf die Hauptstraße, seine Absätze klackerten auf dem Pflaster.
"Rayla, warte – komm schön, ich wollte nicht –"
Ich führ zu ihm herüm. "Du wolltest nicht den ganzen Sommer über so tun, als gäbe es mich nicht? Du wolltest nicht direkt mit anderen flirten, sobald ich vom Tisch aufstehe? Du wolltest nicht jede zweite Woche einen Rückzieher machen und mich dann verrückt nennen, weil ich das nicht okay finde? Welchen Teil meinst du genau, Jonas?"
Er griff nach meinem Arm.
Mein Absatz blieb in einer Fuge zwischen den Steinen hängen und brach glatt ab. Ich knallte auf die Knie. Sofort waren seine Hände bei mir und versuchten, mich hochzuziehen.
"Mann, entspann dich mal –"
"Fass mich nicht an!" Ich stieß ihn heftig weg. "Es ist aus. Diesmal wirklich."
Er trat zurück und hob die Hände, als wäre ich das Problem. "Bis du wieder anrufst und bettelst."
Was zum Teufel?
Ich blieb auf dem Boden sitzen, den abgebrochenen Absatz in der Faust, und sah zu, wie er die Stufen zum Restaurant hochjoggte, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Er hatte sich kein bisschen verändert.
Ich war fertig mit Jungs. Ich wollte einen Mann.
Bevor ich es mir ausreden konnte, zog ich mein Handy aus der Clutch und tippte die Nachricht.
"Irgendwie eine Mitfahrgelegenheit möglich?"
Keine Minute später kam die Antwort:
"Wo bist du?"
"Vor dem Kildare's."
Mein Handy piepste erneut.
"Bin gleich da."
Ich steckte das Handy weg, setzte mich auf den Bordstein und betrachtete meine blutenden Knie. Den kaputten Absatz hielt ich immer noch in der Hand. Als es zu nieseln begann, musste ich lächeln. Es fühlte sich an, als würden meine Fantasien endlich wahr werden.
Nach einigen Minuten nervösen Wartens rollte ein schwarzer Audi-Coupé neben mir heran.
Gott, sogar breast Auto war sexy.
Professor Laurent beugte sich hinüber und öffnete die Beifahrertür von innen.
Ich stieg ein und zog die Tür zu.
"Habe ich Sie geweckt?", fragte ich.
Er legte den Gang ein und führ los. Sein Haar war vom Regen glatt nach hinten gestrichen. Er trug eine dunkle Jeans und einen grauen Hoodie, dessen Reißverschluss nicht ganz zugezogen war. Darunter war eindeutig kein Shirt. Das Outfit ließ ihn noch jünger wirken.
Er konnte wirklich nicht viel älter sein als ich.
"Ja", antwortete er.
Der Regen wurde schnell stärker. In der Stille prasselten die Tropfen laut auf die Windschutzscheibe. Ich spürte, dass er ein wenig mürrisch war, weil ich ihn aus dem Schlaf gerissen hatte.
"Wohnen Sie hier in der Nähe?", fragte ich.
"Ja."
"Wo genau?"
An einer roten Ampel hielt der Wagen. Er lehnte sich über mich und öffnete das Handschuhfach. Ich schluckte, das Verlangen, ihn zu küssen, war fast übermächtig.
Er nahm ein Taschentuch heraus und tupfte es vorsichtig auf eines meiner aufgeschürften Knie.
"Möchten Sie darüber reden, was passiert ist?"
"Ich bin nur gestürzt, mehr nicht", flüsterte ich.
Sein Atem roch nach Minze. Er hatte sich tatsächlich die Zähne geputzt, obwohl ich ihn geweckt hatte.
Würde er mich jetzt küssen?
Er ließ das Taschentuch los und lehnte sich wieder zurück. Ich tupfte meine Knie ab.
"Mehr nicht?", fragte er und sah mich durchdringend an.
Ich hob den kaputten Stiletto von meinem Schoß und zuckte mit den Schultern. Als die Ampel auf Grün sprang, gab er Gas.
"Hat Ihnen Ihr Date wenigstens gefallen?"
"Nein."
Wieder führen wir schweigend, und bald waren wir fast bei meinem Wohnheim.
"War es das, was Sie hören wollten?", fügte ich hinzu.
"Ich wünsche mir nicht, dass Sie unglücklich sind, Frau Reinhardt."
"Warum haben Sie mir dann Ihre Nummer gegeben, Professor Laurent?"
Er hielt am Straßenrand vor meinem Wohnheim und stellte den Motor ab.
"Weil Sie offenbar ein Talent dafür haben, sich in gefährliche Situationen zu bringen."
Er warf einen kurzen Blick auf mein Outfit, stieg aus und lief durch den Regen zur Beifahrerseite. Dort öffnete er mir die Tür.
Ich stieg langsam aus, weil ich den Moment nicht enden lassen wollte. Wieder einmal hatte ich all meine Chancen bei ihm verspielt.
Statt mich zur Tür zu begleiten, blieb er einfach stehen und sah mich an. Es war, als wartete er auf etwas. Mir fiel der Traum ein, den er im Seminar erzählt hatte. Er wartete auf etwas Aufregendes. Und es goss inzwischen in Strömen.
"Professor Laurent..."
Da war wieder dieser Blick. Er raubte mir den Atem.
Und zum ersten Mal erkannte ich, was wirklich darin lag: Es war nicht nur Wut oder Hunger. Es war beides zugleich – und etwas Tieferes, das er mit aller Macht zu kontrollieren versuchte.
Er beugte sich zu mir herunter und stützte die Hände links und rechts von mir auf dem Wagen ab. Unsere Münder waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Er öffnete die Lippen leicht, als wollte er etwas sagen. Ich spürte die Wärme seines Atems im Regen. Er kam noch einen Hauch näher.
"Ich kann einfach nicht aufhören, an Sie zu denken", flüsterte ich.
Statt zu antworten, packte er plötzlich meinen Nacken und presste seine Lippen auf meine.
Sein Kuss war voller Leidenschaft – einer Leidenschaft, die er genauso lange zurückgehalten hatte wie ich. Er drückte seinen Körper gegen meinen und schob mich sanft zurück, bis ich mit dem Rücken an dem kalten, nassen Metall des Autos lehnte. Die Hitze seines Körpers und die Kälte des Wagens ließen einen Schauer durch mich hindurchfahren. Ich hatte noch nie jemanden so sehr gewollt.
Meine Hände schlüpften unter seinen Hoodie. Seine Haut war so weich. Seine Lippen lösten sich von meinen, und er stöhnte leise in mein Ohr.
"Rayla ... du musst versuchen, das sein zu lassen."
Er trat zurück, zog die Kapuze hoch und rieb sich die Stirn. Ein letzter, brennender Blick, dann stieg er ein und führ davon.
Ich stand im strömenden Regen, die Finger auf meinen geschwollenen Lippen, und schmeckte ihn noch immer.
Ich war mir nicht sicher, ob ich je wieder so tun könnte, als wollte ich nicht mehr ... Selbst wenn es uns beide zerstören würde.
„Wo steht Leon auf deiner Skala, Rayla? Jetzt bin ich echt neugierig.“Emilias Gesicht war knallrot. Ich hatte versucht, das zu vermeiden. Ich wollte nicht wieder mit ihr streiten. Der Abend war so gut gelaufen.„Ich weiß nicht. Es ist so lange her…“ „Gott, sag’s mir einfach.“„Unter Novan.“ Was hatte sie erwartet, dass ich sage? „Also ist er nicht so gut wie Novan? Du bist so eine Schlampe.“„Nein, Leon ist richtig gut im Bett. Ich… ich bin in Novan verliebt.“„Also findest du Leon super im Bett? Fantasierst du immer noch von ihm oder so? Du bist die schlechteste Freundin ever.“„Emilia.“ Ein erschöpfter Lacher entwich mir. „Was soll ich sagen? Ich habe vor fast drei Jahren einmal mit Leon Sex gehabt. Er war damals nicht dein Freund. Du hast ihn nicht mal gemocht. Du bist mit Anton zusammen gewesen. Und ich kann es nicht rückgängig machen. Es gibt nichts, was ich dagegen tun kann.“„Du kannst aufhören, mit ihm abzuhängen.“„Fein. Okay. Ich hänge nicht mehr mit ihm ab. Leon und ich si
Ich blickte auf die Karte und dann wieder zu ihm hoch, wissend, dass ich diese Nummer nie anrufen würde. „Danke.“„Wirklich Wasser?“, fragte Emilia, sobald er weg war.Ich lachte. „Er war nett. Ich wollte nicht, dass er eine ganze Runde bezahlt. Außerdem macht ihr mich total besoffen. Ich kann kaum noch geradeaus laufen.“ An diesem Punkt wahrscheinlich wirklich nicht.„Ist schon okay, es zählt trotzdem“, sagte Elke. „Außerdem“, sie schnappte mir die Visitenkarte aus der Hand. „Rayla hat gerade auch Nummer sieben abgehakt.“„Du hast seine Nummer bekommen?“ Jule klatschte in die Hände. „Oh mein Gott, der ist wie eine wandelnde Sexanzeige.“Ich lachte. „Wolltest du sie?“„Ja bitte.“ Sie riss Elke die Visitenkarte aus der Hand. „Ich wette, der ist unglaublich im Bett.“Marie rollte mit den Augen.„Apropos Sex“, sagte Jule. „Auf einer Skala von eins bis zehn, wie gut ist Novan im Bett?“„Eine Elf.“ Sie lachten alle.„Ich habe seit Jahren keinen Elfer mehr getroffen“, sagte Jule. „Ich glaub
„Der denkt schon, ich würde am Ende der Nacht mit ihm schlafen. Bitte zwingt mich nicht, nochmal mit ihm zu reden.“„Du wirst nicht reden. Du wirst tanzen“, sagte Emilia. „Und pass auf, dass du an dem Typen vorbeigehst, der uns später die Runde ausgeben soll.“„Soll ich ihm nebenbei noch einen Penis-Keks in den Mund stopfen?“„Das ist keine schlechte Idee. Ich kann das auf die Liste setzen“, sagte Marie und hob ihre Handtasche. „Lass mich nur einen Stift finden.“„Wage es nicht.“ Ich stand auf, bevor irgendeine von ihnen noch eine weitere dumme Sache hinzufügen konnte.„Einen ganzen Song, Rayla!“, rief eine von ihnen hinter mir her.Ich ging zu dem Typen, der mir den Whiskey ausgegeben hatte, und achtete darauf, an dem vorbeizugehen, der uns die Runde ausgeben sollte. Ich lächelte den Typen schüchtern an. Es sah aus, als dächte er, ich würde stehen bleiben und mit ihm reden. Ich bemerkte, wie er die Stirn runzelte, als ich mich an die Theke neben meinem zukünftigen Tanzpartner lehnte.
„Hipster finden es wahrscheinlich nicht cool, Penis-Kekse zu essen.“Elke lachte. „Ich gebe dir einen leichten. Hipster machen alles, um dazuzugehören. Sag ihm einfach, normal geformte Kekse seien so klischeehaft.“„Gut.“ Ich seufzte und rutschte vom Hocker. Gott, das war demütigend. Ich ging zu dem Hipster und setzte mich neben ihn auf die Couch.„Hey“, sagte er, sobald ich mich setzte. „Schöne Nacht?“ „Eigentlich war sie bisher peinlich.“Er lachte.„Könntest du diesen Keks essen?“Er zog die Augenbrauen zusammen. „Willst du mich dopen?“ „Nein, nein. Es ist einfach ein normaler Keks in Penisform.“ Er lachte wieder.Ich hielt ihn hoch, damit er ihn sehen konnte. „Oh, warte. Du meinst das ernst?“„Meine Freundinnen haben diese komische Liste mit Sachen, die ich machen muss. Eine ist, dass ein Typ diesen Keks isst. Ich verspreche, es ist nichts dran. Außerdem sind normal geformte Kekse so mainstream, findest du nicht?“Der Hipster starrte mich skeptisch an.„Ich mach’s.“ Jemand war auf
„Also, du musst einen zufälligen Typen fragen, ob er dir einen Drink ausgibt“, sagte Marie und blickte auf eine Liste.„Darf ich die mal sehen?“ Ich versuchte, sie ihr wegzuschnappen, aber sie zog sie zu schnell weg.„Wie wäre es mit dem da?“, sagte Jule und zeigte auf einen Typen an der Bar. Er trug Jeans und ein T-Shirt. Seine Haare waren strubbelig. Er sah aus, als gehöre er an den Strand und nicht in eine Bar in Berlin. Wahrscheinlich ein Tourist.Was bedeutete, dass er nicht für einen viel zu teuren Drink für ein Mädchen bezahlen wollte, das er nicht kannte.„Der sieht aus wie ein Tourist.“Emilia lachte. „Na und? Das heißt, er ist hier, um was abzubekommen. Der gibt dir auf jeden Fall einen Drink aus.“„Ich will ihn nicht reinlegen.“„Tust du nicht. Du trägst eine verdammte Schärpe, die sagt, dass du jeden Tag heiratest. Du bist fein raus. Geh und frag ihn.“Elke gab mir einen kleinen Schubs an die Schulter. „Du gehst nicht nach Hause, bevor du nicht alles auf der Liste erledigt
Auch wenn ich nicht mit Novan sprechen durfte, wusste ich zumindest, dass er in Sicherheit war. Das war der einzige Grund, warum ich zum Trump International gelaufen war. Und weil Elkes Handy direkt auf die Mailbox ging, als ich sie anrief.Ich blieb in der Lobby stehen und erinnerte mich an den Tag, an dem Novan mich hierhergebracht hatte, als er noch mein Professor war. Es war in jeder Hinsicht perfekt gewesen. Ich lachte leise vor mich hin. Hier hatte ich auch zum ersten Mal Mason getroffen. Ich erinnerte mich, wie sein Blick mich unbehaglich gemacht hatte. Fast so, als könnte er mich sehen. Wirklich sehen. Aber wahrscheinlich hatte er mich nur für sein Nebengeschäft eingeschätzt.Elke arbeitete hart. Sie war wahrscheinlich einfach früh vor dem Fernseher eingeschlafen oder so. Ich stieg in den Aufzug und hörte die edle Aufzugsmusik. Es war seltsam, dass Elke und Mason in einem Hotel wohnten. Aber sie hatten ihre Wohnung sehr gemütlich eingerichtet. Ich fühlte mich dort immer wohl.
Allein in Professor Laurents Büro zu sein, war ein Fehler. Das wusste ich in dem Moment, als die Tür hinter mir ins Schloss fiel.Es war zu spät, so zu tun, als hätte sich die Stimmung nicht schlagartig verändert, kaum dass wir eingeschlossen waren."Sie können den Pullover behalten", sagte Profess
Professor Laurents Nummer brannte wie eine Hochspannungsleitung in meinem Handy. Ein einziger Fehlgriff, und meine gesamte Zukunft konnte in Flammen aufgehen.Ich hatte dieselbe riskante Nachricht mindestens zwanzigmal getippt und wieder gelöscht: Ich habe unser erstes Date genossen. Aber heute has
"Vermisst du mich, Rayla?"Leon lümmelte in der hinteren linken Ecke, als gehörte ihm der Platz, mit diesem trägen Halblächeln, das mir früher Schmetterlinge im Bauch beschert hatte.Jetzt verursachte es mir nur noch eine Gänsehaut.Ich hatte mich noch nicht einmal hingesetzt, und schon war meine M
"Wag es ja nicht, mir zu folgen, du verdammter Psycho!"Ich knallte die Tür des Verbindungshauses so heftig zu, dass der Rahmen wackelte.Der kalte Regen prasselte auf mich nieder, machte mein winziges weißes Top durchsichtig und klebte es wie eine nutzlose zweite Haut an meinen Körper. Meine Brust







