LOGINDamiens SichtEr kam zwei Tage vor der Hochzeit an, früher als erwartet und ohne den üblichen Tross aus Assistenten.Ich empfing ihn persönlich am privaten Eingang des Hauses. Für einen kurzen Moment, als er in der Tür stand, sah er genauso aus wie immer: gefasst, mit silbernen Strähnen an den Schläfen und jener prüfenden Ruhe, die früher jeden Raum verstummen ließ, sobald er ihn betrat.Dann wanderte sein Blick an mir vorbei in den Flur, als würde er bereits nach einem Beweis suchen, dass all das tatsächlich geschah. Etwas in seinem Gesicht entspannte sich.„Du siehst müde aus“, sagte er.„Ich heirate“, antwortete ich. „Müdigkeit gehört inzwischen zum Grundzustand.“Ein kurzes, amüsiertes Schnauben entwich ihm. Er trat ein, reichte seinen Mantel ohne große Umstände weiter und musterte mich auf dieselbe Weise, wie er früher Bilanzen geprüft hatte: Er wollte wissen, was wirklich dahintersteckte, nicht nur, was nach außen hin präsentiert wurde.Was auch immer er dabei entdeckte, schien
Sophias SichtIch dachte, wir hätten uns auf eine ruhige Hochzeit geeinigt.Irgendwo zwischen unserem privaten Ja-Wort und dem ersten richtigen Planungstreffen war die Ruhe jedoch verschwunden. An ihre Stelle trat eine perfekt organisierte Maschinerie mit Geschmack, Geld und viel zu vielen Meinungen.Am Ende der ersten Woche hatte sich die Gästeliste verdreifacht. Bis zum Ende der zweiten Woche war daraus eine Veranstaltung mit einer ganz eigenen Bedeutung geworden: Geschäftsleute, die normalerweise niemals private Feiern besuchten, Verwandte, mit denen Damien seit Jahren keinen Kontakt mehr gehabt hatte, einige bekannte Persönlichkeiten, deren Anwesenheit als öffentliche Unterstützung gewertet werden würde, und genügend einflussreiche Familiennamen, um den Sicherheitsplan wie eine diplomatische Staatsveranstaltung aussehen zu lassen.„Das ist nicht das, worüber wir gesprochen haben“, sagte ich und starrte auf die überarbeitete Gästeliste auf dem Tablet.Austin machte sich nicht einma
### Sophias SichtEr tat es nicht in einem Restaurant und auch nicht unter geliehenem Scheinwerferlicht.Drei Tage nachdem ich ihm auf dem Balkon mein Ja gegeben hatte, brachte Damien mich zurück zu dem ruhigen Haus außerhalb der Stadt. Dem Haus mit den Bäumen, den hohen Fenstern und ohne Personal, das zufällig etwas mithören könnte. Dem Ort, an dem er zum ersten Mal aufgehört hatte, eine Rolle zu spielen, und mir erlaubt hatte, den echten Mann hinter seiner Fassade zu sehen.Wir traten in das Haus, während das schwache Abendlicht durch die Fenster fiel. Die Stille fühlte sich bewusst gewählt an und nicht leer.„Ich habe etwas für dich“, sagte er.Mein Herz schlug einmal heftig gegen meine Brust.Ich wusste bereits, worum es ging. Wir hatten uns längst füreinander entschieden. Trotzdem legte sich die Bedeutung dieses Augenblicks mit einem Gewicht über mich, das der vorläufige Ring niemals gehabt hatte.Er ging nicht auf ein Knie, als würde er eine Szene aus einem Film nachspielen. Er
### Sophias SichtDas Haus war auf jene besondere Weise still, wie es nur wurde, wenn etwas Großes endlich vorbei war.Keine weiteren Gerichtstermine. Keine Stellungnahmen mehr, die auf ihre Genehmigung warteten. Kein ständiges Warten auf Isabellas nächsten Schachzug. Das Urteil war gefallen. Die Kameras hatten sich irgendwann anderen Katastrophen zugewandt.In der Ruhe, die danach geblieben war, mussten Damien und ich erst wieder lernen, miteinander zu leben, ohne dass ein neuer Notfall uns zusammenhielt.An diesem Abend bat er mich, mich zu ihm auf den Balkon zu setzen. Die Stadt breitete sich unter dem dunklen Himmel aus, ihre gewöhnlichen Lichter funkelten in der Ferne. Ich ließ mich auf dem Stuhl neben ihm nieder und legte aus Gewohnheit eine Hand auf die Rundung meines Bauches. Es war weniger wegen irgendwelcher Beschwerden als vielmehr eine unbewusste Geste.Er beobachtete mich mit einem Ausdruck, an den ich mich noch immer nicht ganz gewöhnt hatte. Sanft, aufmerksam und für im
Sophias POVDie Türen des Gerichtsgebäudes öffneten sich direkt in eine Wand aus Lärm.Ich hatte mich den Kameras bereits einmal gestellt. Ich hatte bereits genau die Worte gesagt, die ich ihnen mitteilen wollte. Trotzdem traf mich die zweite Welle mit voller Wucht. Die Objektive richteten sich gleichzeitig auf mich, mein Name wurde aus drei verschiedenen Richtungen gerufen, und Fragen zum Urteil, zur Schwangerschaft und dazu, ob das nun eine Hochzeit bedeutete, überschlugen sich, bis sie nur noch ein einziges, unverständliches Geräusch ergaben.Damien trat neben mir nach draußen und blieb nicht stehen.Seine Hand fand meine, noch bevor der letzte Kamerablitz ganz verklungen war. Es war nicht diese vorsichtige, führende Berührung, die er bei anderen öffentlichen Auftritten benutzt hatte. Diesmal war es offen. Absichtlich. Seine Finger verschränkten sich vor den Augen sämtlicher Kameras auf den Stufen mit meinen. Er passte seinen Griff einmal an, fest und sicher, und ging weiter.Die V
### Sophias POVEleanor ließ mich noch lange nicht los, nachdem es im Haus ruhig geworden war.Wir saßen inzwischen auf dem Sofa in ihrem Wohnzimmer. Es war dasselbe Sofa, auf dem ich ihr zum ersten Mal erzählt hatte, dass ich schwanger war. Dasselbe Sofa, auf dem ich geweint hatte, als das Geheimnis zu schwer geworden war, um es länger allein mit mir herumzutragen.Die Zwillinge waren noch in der Schule. Der Fernseher war ausgeschaltet. Draußen ging der Tag weiter, völlig unbeeindruckt davon, dass mir ein Gerichtsverfahren gerade meinen Namen zurückgegeben hatte.„Du zitterst“, sagte Eleanor leise.„Ich weiß. Es kommt immer wieder in Wellen.“ Ich löste mich gerade weit genug von ihr, um sie ansehen zu können. „Ich habe ständig das Gefühl, dass gleich noch etwas passiert. Ein weiteres Foto. Eine neue Erklärung. Eine andere Version von mir, in der ich mich selbst nicht wiedererkenne.“„So ist das, wenn man wochenlang gejagt wird.“Sie strich mir die Haare aus dem Gesicht, so wie sie es







