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Nach dem Bruch ersetzt Inge seine Muse
Nach dem Bruch ersetzt Inge seine Muse
作者: Jan Schäfer

Kapitel 1

作者: Jan Schäfer
„Es tut mir leid, Frau Winter, aber Sie haben den optimalen Zeitpunkt für die Operation verpasst…“

Mit dem Befund in der Hand – Gebärmutterkrebs – stand Inge Winter lange wie versteinert da, bevor sie Kai Zauner, den Sekretär von Jannis Luther, anrief.

Das Telefon klingelte sehr lange, bis endlich jemand abhob. Seine Stimme klang wie immer nachlässig: „Frau Winter, was gibt es?“

Inge presste die steifen Finger um ihr Handy. „Wo ist Jannis Luther? Ich muss mit ihm sprechen.“

„Herr Luther kann im Moment nicht antworten“, sagte Kai Zauner.

„Kannst du ihm bitte sagen, er soll kurz drangehen…?“

Doch bevor er etwas erwidern konnte, hörte Inge eine sanfte Frauenstimme aus dem Hörer: „Jannis, was ist das denn für eine Überraschung? Warum so geheimnisvoll?“

„Heb den Kopf.“

Es war die tiefe, vertraute Stimme – doch die Zärtlichkeit darin war niemals für sie bestimmt gewesen.

Im nächsten Moment legte Kai Zauner entschlossen auf.

Zur gleichen Zeit.

Ein lauter Knall.

Der Knall kam von der anderen Seite des Hafens, und Inge hob mit blassem Gesicht den Kopf.

Buntes Feuerwerk stieg dort in den Himmel, Farben mischten sich über dem dunkelblauen Nachthimmel, schön wie in einer Geschichte.

Vor dem Haupteingang des Krankenhauses war es laut.

„Habt ihr’s gehört? Das Feuerwerk, das der Chef der Lansen AG für seine Freundin machen lassen hat – über zwei Millionen Euro nur für heute Nacht!“

„Natürlich, es ist doch Nea Sommer! Caltech-Doktorin, von Top-Unternehmen umworben –talentiert, hübsch und aus einer starken Familie! Und ihr Freund ist reich, einflussreich und ausgesprochen gut aussehend!“

„Kein Wunder, dass Herr Luther sie so liebt. Mit so einer Freundin kann man sich wirklich sehen lassen.“

Inge sah dem wunderschönen Feuerwerk lange zu. Dann löste sich langsam ihr Griff um den Befundzettel. Das dünne Papier glitt zu Boden.

Sie drehte sich um und ging.

Später in der Nacht.

Als Jannis Luther nach Hause kam, fand er Inge im Wohnzimmer, im Dunkeln sitzend.

Er schaltete das Licht an und runzelte die Stirn. „Warum schläfst du noch nicht?“

Inge sah zu ihm auf. Sein Mantel lag über seinem Arm, und seine dunklen Augen ruhten auf ihr – so kühl wie immer.

Früher hatte sie gedacht, dass er einfach ein Mensch mit einem kühlen Wesen sei. Doch heute verstand sie: Der Mann, der an ihrer Seite immer nur wie ein kalter Stein war, war für eine andere glühende Wärme.

„Ich konnte nicht schlafen“, sagte Inge leise. „Ich war heute im Krankenhaus.“

Jannis warf seinen Mantel auf das Sofa, sichtlich unbeteiligt. „Was hat der Arzt gesagt?“

Inge hatte in den vergangenen Wochen immer wieder über Beschwerden im Unterbauch geklagt.

Er hatte versprochen, sie zur Untersuchung zu begleiten – und es jedes Mal hinausgeschoben.

Entweder ging es um einen neuen Millionendeal der Lansen AG, oder ein Projekt war in Schwierigkeiten geraten.

Gestern hatte er Inge tatsächlich zugesagt, mit ihr ins Krankenhaus zu gehen.

Doch dann stellte sich heraus, dass Nea Sommer heimlich Geburtstag hatte.

Er war direkt von der Arbeit hingeeilt – gerade noch rechtzeitig, um ein Feuerwerk zu zünden.

Für Inge hatte er keine Zeit mehr.

„Nichts Besonderes. Ich soll einfach abwarten“, senkte Inge den Blick. „Warum bist du heute nach Hause gekommen?“

Jannis erstarrte für ein paar Sekunden, dann trat er näher.

Er zog Inge in seine Arme. Sein Atem strich stoßweise über ihren Hals, warm und schwer, und seine Stimme war heiser. „Du hast gerade Eisprung.“

„Du wolltest, dass die Familie Luther einen Erben bekommt. Wir haben vereinbart, in diesen Tagen jeden Monat miteinander zu schlafen. Hast du das vergessen?“

Der Duft von Damenparfüm an ihm war viel zu deutlich – wie ein Schlag, die Inges mühsam gehaltenen Stolz durchschlug.

Er hatte Recht. Drei Jahre Ehe – und Jannis war zu ihr immer kalt gewesen.

Nur wenn seine Großmutter mit dem „Die Familie Luther braucht Nachwuchs“ begann, kam er widerwillig zurück, um seine Pflicht zu erfüllen.

Sie war einen Moment lang wie benommen. Ein Kind bekommen? Kaum vorstellbar.

Inge hatte ein sanftes Wesen und war es gewohnt, sich zu fügen. Aber heute wollte sie plötzlich nicht mehr schweigen.

„Jannis Luther, hast du keine Angst, dass deine Freundin eifersüchtig wird, wenn du mit mir schläfst?“

Ihre Augen funkelten im Dunkeln – wie ein kleines Tier, das endlich die Zähne zeigte.

Jannis sah sie an. Als er merkte, dass sie es ernst meinte, wurde sein Blick kälter.

Nach einem Moment verzog er die Lippen zu einem dünnen Lächeln, das seine Augen nicht erreichte.

„Wovor sollte ich Angst haben? Unsere Ehe ist geheim. Du bist diejenige, die im Schatten lebt.“

„Wenn du dich schon für die Nebenrolle entschieden hast – meinst du, du hättest das Recht, Forderungen zu stellen?“
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