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第四章

Schnecke
Mein Kopf war wie leer gefegt, und am ganzen Körper überkam mich ein Gefühl, als wäre ich in eiskaltes Wasser getaucht worden.

Sophie lachte auf.

„Wie fühlt es sich an, der eigenen Tochter beim Sterben zuzusehen? Gib dir selbst die Schuld – du hast meinen Platz gestohlen, du hast mich dazu gebracht, einen Mann zu heiraten, der nicht zu mir passt ... Es ist jetzt zu spät für Worte. Genieß es, alles zu verlieren!“

Damit rauschte sie unbekümmert davon. Die Leibwächter hatten Dr. Braun längst mitgenommen und waren im Korridor verschwunden.

Ich wollte ihnen nach – die aufgeregte kleine Krankenschwester hielt mich jedoch zurück, ihre Stimme zitterte.

„Frau Krieg, Herr Krieg hat alle Ärzte des Hauses wegbeordert ... Sie müssen sich schnell etwas einfallen lassen! Die Patientin kann nicht mehr lange warten!“

Ich unterdrückte die Panik mit aller Kraft und wählte Maximilians Nummer immer und immer wieder – niemand hob ab.

Mein ganzer Körper zitterte. Aus dem OP drang der Alarmton immer durchdringender heraus.

„Piep – piep – piep –“

Die Schwester war dem Weinen nahe.

„Frau Krieg, der Zustand der Patientin duldet keinen Aufschub mehr! Wenn nicht sofort jemand hineingeht, passiert etwas!“

Mein Kopf war ein einziges Chaos. Maximilian nahm nicht ab, Dr. Hess ließ sich nicht blicken, und fast alle Ärzte auf dieser Etage waren in die Notaufnahme abkommandiert worden.

Es fühlte sich an, als hätte mich die ganze Welt auf einmal verlassen.

Am Ende wählte ich mit zitternden Händen Sophies Nummer.

„Sophie ... ich flehe dich an. Meine Tochter liegt gerade im OP – es steht schlecht um sie.“

„Schick bitte wenigstens einen Arzt zurück, irgendeinen ... Wenn meine Tochter in Sicherheit ist, nehme ich sie sofort mit und verlasse diese Stadt. Ich werde euch nie wieder unter die Augen treten.“

Nachdem ich die Nachricht abgeschickt hatte, sackten mir alle Kräfte weg. Ich ließ mich auf dem kalten Boden nieder.

Sekunden später vibrierte das Handy – nicht Sophie, sondern Maximilian.

Meine Augen leuchteten auf. Ich nahm sofort ab.

Im nächsten Moment traf mich seine eisige, rasende Stimme wie ein Schlag.

„Lena, bist du endlich fertig mit deinen Spielchen?!“

Ich erstarrte.

„Maximilian, unsere Tochter –“

Er schnitt mir das Wort ab.

„Ich habe nur Dr. Braun weggeholt! Es gibt genug andere Ärzte im Krankenhaus. Glaubst du wirklich, ohne ihn kann keiner operieren? Willst du mir erzählen, du erfindest so eine Lüge, nur um Sophie die Schuld zuzuschieben?“

Mir wich alle Farbe aus dem Gesicht.

„Ich lüge nicht ... Mia geht es wirklich schlecht ...“

Aus dem Hörer klang Sophies schluchzende Stimme.

„Maximilian, sei nicht böse auf Lena ... Es ist alles meine Schuld. Wenn Leon nicht plötzlich diese allergische Reaktion gehabt hätte, würde sie mich nicht so hassen.“

Ihre Stimme klang gekränkt und beherrscht zugleich – als hätte sie wirklich unermessliches Unrecht erlitten.

Maximilian wurde noch kälter.

„Lena, wie konnte ich so lange nicht merken, wie böse du bist? Leon liegt noch in der Notaufnahme, und du erschreckst Sophie absichtlich? Weißt du, dass sie eben vollkommen zusammengebrochen ist?“

Ich öffnete den Mund – und brachte keinen ganzen Satz heraus.

Im OP wurde der Alarm plötzlich schrill und gellend. Die Schwester war dem Weinen nahe.

„Frau Krieg! Der Blutdruck der Patientin ist auf einen kritischen Wert gefallen! Wenn jetzt niemand operiert, überlebt das Kind das nicht!“

Da brach ich zusammen. Schreiend rief ich in das Telefon.

„Maximilian! Das da drin ist deine leibliche Tochter! Sie wird sterben –!“

Am anderen Ende herrschte einen Moment lang Stille. Dann drang Sophies leises Schluchzen herüber.

„Maximilian ... ich habe Angst ... Leon bekommt schon wieder keine Luft ...“

Eine Sekunde später legte Maximilian ohne Zögern auf.

Das Luxus-Notfallzimmer im obersten Stockwerk war unnatürlich still, und in der Luft hing der Duft teurer Raumparfüms. Maximilian saß am Krankenbett, die Stirn in tiefe Falten gelegt.

Während er meine bebende, gebrochene Stimme noch im Ohr hatte, stieg in ihm eine vage, unerklärliche Unruhe auf.

Leon lehnte im Bett an den Kissen und aß Obst. Abgesehen von einem leicht blassen Gesicht war keinerlei Anzeichen von Gefahr zu erkennen.

Maximilian stand auf und wollte hinausgehen – doch Sophie griff sofort nach seinem Arm.

„Maximilian. Wenn du jetzt hingehst, sagst du Lena damit doch, dass ihre Szene gewirkt hat. Außerdem sind bei Mia so viele Ärzte und Schwestern – da passiert nichts. Lena übertreibt einfach immer.“

Diese Worte genügten. Das leise Schwanken in Maximilian verschwand im nächsten Moment unter einer Welle aus Wut.

Besonders als er an mein hysterisches Schreien am Telefon dachte, wurde sein Gesicht eisig.

„Sie wird immer unerträglicher. Sogar die Operation ihrer Tochter nutzt sie als Druckmittel. Es ist wirklich an der Zeit, ihr eine Lektion zu erteilen.“

Nachdem das Gespräch abgebrochen war, kniete ich starr vor der OP-Tür. Im Ohr hatte ich nur noch den gellenden Alarm.

Schwestern und Assistenzärzte stürmten hin und her.

„Der Sauerstoffgehalt fällt weiter! Ruft die Anästhesie!“

„Die Patientin hat Kammerflimmern!“

Auf der gesamten Etage fand sich jedoch niemand mehr, der die Operation hätte übernehmen können.

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