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KAPITEL 7

Author: NEON ON LIGHT
last update Petsa ng paglalathala: 2026-09-25 08:17:33

Kapitel 7 – Näher als die Beichte**

Der Morgen kam viel zu schnell.

Ich hatte kaum geschlafen. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich Raphaels Gesicht im Türrahmen des Arbeitszimmers, ruhig und entschlossen, unser Geheimnis wie eine stille Klinge hütend. Als sich das Schloss an meiner Tür drehte, erwartete ich Mateo. Stattdessen war es einer der jüngeren Priester, der mir mitteilte, dass die Messe bald beginnen würde und dass Pater Mateo mich zum Dienst benötigte.

Ich fand sie bereits zusammen in der Sakristei.

Raphael stand neben Mateo am Seitenaltar, als wäre er schon immer dort gewesen. Er sprach mit leiser Stimme, den Kopf leicht zu Mateos Ohr geneigt. Er stand zu nah – so nah, dass sich ihre schwarzen Ärmel beinahe berührten. Als Mateo versuchte, einen Schritt zurückzutreten und dabei mit einem unverkennbaren Anflug von Anspannung sein Gewicht verlagerte, lächelte Raphael nur. Es war ein kleines, höfliches Lächeln, doch es verriet viel Wissen, und er blieb stehen.

Die Erinnerung bedurfte keiner Worte.

Ich spürte die Veränderung sofort, sie vibrierte in der stillen Luft der Kirche. Die absolute, erdrückende Macht, die einst allein Mateo gehört hatte, wurde nun geteilt, gebrochen durch einen Dritten, der die Oberhand hatte. Die Erkenntnis lag wie ein kalter, schwerer Kloß in meinem Magen und zog mich nach unten.

Ich hasste es. Ich hasste Raphaels Blick – nicht voller Furcht oder Ehrfurcht, sondern mit der stillen, gefährlichen Zuversicht eines Mannes, der wusste, dass er die Zügel in der Hand hielt.

Während der Messe begann die Prüfung.

Raphael streifte Mateo absichtlich, als er ihm die Kännchen reichte, seine Finger verweilten einen Augenblick zu lange. Später stand er während des stillen Gebets hinter ihm, so nah, dass Mateos Rücken fast seine Brust berührte. Mateos Kiefer spannte sich jedes Mal an. Der Muskel zuckte. Aber er stieß Raphael nicht weg. Er konnte nicht.

Ich senkte den Blick und mein Gesichtsausdruck blieb ausdruckslos, doch jede noch so kleine Berührung zwischen ihnen fühlte sich an wie ein privates Gespräch, das ich gezwungenermaßen mitansehen musste. Schwester Agnes warf uns einen kurzen, scharfen Blick zu. Pater Ruiz beobachtete uns länger. Felix stand neben dem Weihwasser und sagte nichts, doch sein Schweigen wirkte bedeutungsvoller als jede Frage. Er hatte es bemerkt. Natürlich hatte er es bemerkt.

Nach der Messe fand mich Raphael allein in dem schmalen Gang, der zum alten Garten führte.

Er drohte mir nicht mit erhobener Stimme oder grausamen Worten. Sein Ton war ruhig, fast freundlich.

„Ich meinte es ernst, was ich gestern Abend gesagt habe“, sagte er leise. „Ich werde das Geheimnis bewahren. Aber du solltest eines ganz klar verstehen.“ Er blickte einen Moment an mir vorbei, in die Richtung, in die Mateo gegangen war, dann wieder in mein Gesicht. „Ich hatte nie wirklich Interesse an dir. Du bist lediglich der Grund, warum ich endlich Zugang zu ihm habe. Solange ich besitze, was ich gesehen habe, kann er mich nicht wegschicken. Und ich habe nicht vor, weggeschickt zu werden.“

Die Worte waren sanft. Die Bedeutung war es nicht.

Er ließ mich dort stehen, mit dem Wissen, dass ich zu einer Ware geworden war. Etwas Nützliches. Etwas, das man ausgeben konnte.

In jener Nacht drehte sich das Schloss an meiner Tür erneut.

Mateo stand im Türrahmen, sein schwarzes Hemd zerknittert, der Kragen etwas locker, seine Augen gleichermaßen erschöpft und wütend. Er trat nicht ein. Er griff nicht nach mir. Er lehnte nur eine Schulter gegen den Rahmen und sah mich lange an, bevor er sprach.

„Er will mich“, sagte er mit tiefer, rauer Stimme. „Und solange er das, was er gesehen hat, noch in sich trägt, kann ich ihn nicht von mir fernhalten.“

Das Geständnis hing zwischen uns, roh und endgültig. Ich sah die Wahrheit darin, wie seine Schultern sanken, wie er meinen Blick mied. Der Mann, der mich einst in diesem Zimmer eingesperrt und mir gesagt hatte, ich gehöre ihm, war nun gezwungen, den Raum um sich herum mit jemand anderem zu teilen.

Ich wollte Raphael dafür hassen.

Ich wollte Mateo dafür hassen, dass er es zugelassen hatte.

Am meisten hasste ich den stillen, hilflosen Teil in mir, der ihn immer noch ansah und dieselbe gefährliche Anziehungskraft spürte.

Mateos Blick hob sich endlich zu meinem. Hinter dem Zorn lag etwas Verletzliches und Erschöpftes.

„Wenn ich ihn näher an mich heranlassen muss, um uns zu beschützen“, fragte er leise, „willst du dann noch, was von mir übrig ist?“

Die Frage lastete schwer auf dem kleinen Raum wie eine Last, mit der keiner von uns umgehen konnte.

Draußen schlief die Gemeinde. Drinnen hatte sich das Dreieck bereits zu schließen begonnen.

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