Share

KAPITEL 4

Author: NEON ON LIGHT
last update publish date: 2026-09-20 09:42:14

Kapitel 4 – Risse im Kragen

Die Tage nach der Messe wurden zu einer anderen Art von Gefängnis.

Mateo schickte nicht mehr die jungen Priester zu mir. Er kam selbst. Jeden Morgen. Jeden Nachmittag. Längere „Unterweisungen“ in seinem Arbeitszimmer, dessen schwere Eichentüren die Außenwelt draußen hielten. Strengere Regeln, wo ich hingehen, wann ich sprechen und wie ich stehen musste. Mehr Zeit allein mit ihm als mit irgendjemand anderem in der Gemeinde.

Er erhob nie die Stimme. Er musste es nicht. Die Kontrolle lag in der strengen Art, wie er mich beobachtete, in seinen stillen, unmissverständlichen Anweisungen und darin, wie er stets dafür sorgte, dass ich in seiner Nähe war.

Als ich ihm in diesem stillen, erdrückenden Raum gegenübersaß, begann mich der Kern meines Kampfes zu erdrücken. Mir wurde bewusst, wie mächtig er hier wirklich war. In dieser Gemeinde war Mateo nicht nur ein Mann mit einer dunklen Vergangenheit; er war eine unantastbare Autorität. Die Kirche vertraute ihm blind, die Gemeinde verehrte ihn, und die anderen Priester suchten bei ihm Rat.  Wenn ich rebellieren würde, wenn ich etwas Dummes täte, wie die Wahrheit ans Licht zu bringen, würde das System ihn schützen und mich vernichten. Ich würde alles verlieren – meine Freiheit, meinen Verstand und jeden letzten Rest Glaubwürdigkeit.

Und die Falle schloss sich noch enger, als ich meinen Stiefbruder Felix ansah. Einst hatte ich Felix für jemanden gehalten, den ich manipulieren, bezwingen oder vor dem ich mich sogar retten könnte. Doch als ich Felix jetzt ansah, gefangen unter demselben erdrückenden Dach, erkannte ich die verdrehte Realität. Felix wollte mich nicht retten; er wollte mich genauso sehr unter sich haben wie eh und je.

Als die Schatten länger wurden und die Gemeinde still wurde, zerbrach die Illusion meines Widerstands. In den dunklen Stunden, unter dem Gewicht der Hände meines Stiefbruders gefangen, schmolz all meine stürmische Entschlossenheit zu hilfloser Verzweiflung.  Er wusste, wie er mich brechen konnte, bis mein Widerstand zu Asche zerfiel, mir Schreie entlockte und mich seinen Namen immer lauter schreien ließ, gefangen in einem Teufelskreis aus Verlangen und Angst, in dem ich jede einzelne Schlacht verlor.

Ich spürte die Last stündlich in meiner Brust.

Schwester Agnes' Blick folgte uns nun offener. Pater Ruiz hatte begonnen, mir höfliche, zurückhaltende Fragen zu meinem Fortschritt zu stellen. Die Schlinge zog sich immer enger um mich, und der Einzige, der die Gefahr zu begreifen schien, war der Mann, der sie herbeiführte.

Am vierten Nachmittag behielt er mich nach dem Gebet zurück. Die Tür zum Arbeitszimmer schloss sich mit einem leisen, letzten Klicken hinter uns. Regen klopfte gegen das Fenster. Der Rest des Pfarrhauses schien in weiter Ferne.

Ich konnte es nicht länger aushalten.

„Wie machen Sie das?“, fragte ich.

Mateo stand am Schreibtisch und nahm sich mit langsamen, präzisen Bewegungen die Handschellen ab. Er sah nicht auf. „Was?“

 „Stell dich an den Altar. Sprich die Worte. Lass sie dich ansehen, als wärst du heilig … nach dem, was wir in jener Nacht getan haben.“

Seine Hände erstarrten.

Ich fuhr fort, meine Stimme leise und zitternd von all dem, was ich heruntergeschluckt hatte. „Du hast mich zum Weinen gebracht. Du hast mich festgehalten und bist so tief in mich eingedrungen, dass ich keine Luft mehr bekam. Du hast deinen Mund auf mich gepresst, als ob du verhungern würdest, und nicht aufgehört, bis ich zitternd und völlig fertig war. Und jetzt trägst du dieses Halsband und tust so, als wäre nichts geschehen. Wie kannst du das nur?“

Stille breitete sich aus.

Als er sich schließlich umdrehte, war die ruhige Maske verschwunden. Was an ihre Stelle getreten war, war dunkler, roher, fast hässlich vor Ehrlichkeit.

„Ich tue nicht so“, sagte er. „Ich erinnere mich an jede Sekunde. Wie du geklungen hast. Wie du dich angefühlt hast. Wie du mich angesehen hast, als du zusammengebrochen bist. Ich trage es in jede Messe. In jedes Gebet. Jedes Mal, wenn ich dieses Halsband anlege.“

Mein Puls hämmerte mir gegen die Kehle.

Er kam einen Schritt näher. Dann noch einen. Bis fast kein Platz mehr zwischen uns war.

„Ich habe nicht aufgehört, dich zu begehren“, sagte er, nun leiser.  „Das ist es, was mich am meisten anwidert. Nicht die Sünde an sich. Sondern die Tatsache, dass ich es immer noch will. Dass ich dich beim Beten ansehe und daran denke, dich aus dieser Kirche zu zerren und das zu vollenden, was wir angefangen haben.“

Das Geständnis hing wie Rauch in der Luft.

Ich hätte zurückweichen sollen. Ich hätte die Worte als Waffe einsetzen sollen. Stattdessen stand ich da, atmete zu schnell und sah zu, wie der Riss in ihm immer größer wurde.

Er griff nach meiner Taille – fest, besitzergreifend, genau wie in jener Nacht. Mein Rücken stieß gegen die Tischkante. Seine andere Hand legte sich um meinen Hals, der Daumen ruhte auf meinem Puls.

„Sag mir, ich soll aufhören“, sagte er.

Ich tat es nicht.

Sein Mund schwebte über meinem, so nah, dass ich seinen heißen Atem spürte. Unsere Nasen berührten sich. Meine Hände hatten irgendwie sein Hemd gefunden, meine Finger krallten sich in den schwarzen Stoff. Er drückte sich näher an mich, bis ich spürte, wie fest er schon an meiner Hüfte war. Ein Laut entfuhr mir – leise, hilflos, bedürftig. 

Einen kurzen Augenblick lang dachte ich, er würde die Distanz verringern.

Dann riss er sich los.

Er wich so schnell zurück, dass ich beinahe nach vorn stürzte. Seine Brust hob und senkte sich heftig. Eine Hand fuhr ihm durchs Haar. Er wirkte erschüttert wie nie zuvor – als wäre ihm die Kontrolle, die er sonst immer an den Tag legte, endlich entglitten und er sich vor dem fürchtete, was darunter lauerte.

Wir schwiegen lange.

Schließlich ging er zur Tür, schloss sie auf und hielt sie offen. Seine Stimme, als sie kam, war rau, tief und ohne jede Verteidigung.

„Noch einen Tag. Danach höre ich auf, so zu tun, als könnte ich mich von dir fernhalten. Entscheide, was du mit diesem Wissen anfangen willst.“

Ich ging mit wackeligen Beinen an ihm vorbei, die Hitze seines Körpers brannte noch immer auf meiner Haut, die Schwere seines Geständnisses lastete schwer auf meiner Brust.

Hinter mir blieb die Tür offen.

Aber nichts davon fühlte sich nach Freiheit an.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Orgie-Nacht mit dem Priester   KAPITEL 6

    Kapitel 6 – Der Preis des Schweigens**Pater Raphael stand wie erstarrt in der Tür, sein Brustkorb hob und senkte sich in flachen, stockenden Atemzügen. Seine Augen weiteten sich vor purem, unverfälschtem Schock und spiegelten das matte, bernsteinfarbene Licht des Arbeitszimmers wider. Direkt vor ihm kniete Pater Mateo – die verehrteste, unantastbare Säule der gesamten Gemeinde, ein Mann von makelloser Frömmigkeit und öffentlicher Würde – auf dem kalten Boden. Mateos Gesicht lag noch immer zwischen meinen Schenkeln, sein Mund bewegte sich mit ungerührter, rhythmischer Selbstsicherheit, als wäre die Tür nie geöffnet worden und die ganze Welt draußen nicht existent.Niemand rührte sich. Niemand wagte zu sprechen. Die Luft im Arbeitszimmer fühlte sich an wie ausgesaugt, dick, schwer und erstickend. Das einzige Geräusch, das die Totenstille durchbrach, war mein eigenes keuchendes, verzweifeltes Atmen und der stille, vernichtende Beweis dessen, was Mateo eine Sekunde zuvor getan hatte. Da

  • Orgie-Nacht mit dem Priester   KAPITEL 5

    Kapitel 5 – ErwischtDie Nacht war bereits über die Gemeinde hereingebrochen, als sich das Schloss an meiner Tür drehte.Mateo stand in der Tür, sein schwarzes Hemd am Kragen offen, seine Augen dunkel und unentschlossen. Er sagte nichts. Er streckte mir nur die Hand entgegen. Ich ergriff sie. Er führte mich durch das stille Pfarrhaus, vorbei am leeren Flur, in die Sakristei und schließlich in den schmalen Abstellraum dahinter – den einzigen Ort ohne Fenster und mit einem funktionierenden Schloss.Die Tür fiel ins Schloss. Das Schloss klickte.Einen Augenblick lang starrten wir uns im fahlen Licht der einzelnen Glühbirne an. Die ganze ungelöste Spannung aus dem Arbeitszimmer, all die Worte, die wir uns an den Kopf geworfen hatten, all die Beinahe-Treffen, lag schwer in der Luft zwischen uns.„Du hättest fliehen sollen, als ich dir die Chance gab“, sagte er leise.„Du hättest mich nicht gelassen.“Etwas in ihm zerbrach. Er überbrückte den schmalen Raum mit zwei Schritten, packte meine

  • Orgie-Nacht mit dem Priester   KAPITEL 4

    Kapitel 4 – Risse im KragenDie Tage nach der Messe wurden zu einer anderen Art von Gefängnis.Mateo schickte nicht mehr die jungen Priester zu mir. Er kam selbst. Jeden Morgen. Jeden Nachmittag. Längere „Unterweisungen“ in seinem Arbeitszimmer, dessen schwere Eichentüren die Außenwelt draußen hielten. Strengere Regeln, wo ich hingehen, wann ich sprechen und wie ich stehen musste. Mehr Zeit allein mit ihm als mit irgendjemand anderem in der Gemeinde.Er erhob nie die Stimme. Er musste es nicht. Die Kontrolle lag in der strengen Art, wie er mich beobachtete, in seinen stillen, unmissverständlichen Anweisungen und darin, wie er stets dafür sorgte, dass ich in seiner Nähe war.Als ich ihm in diesem stillen, erdrückenden Raum gegenübersaß, begann mich der Kern meines Kampfes zu erdrücken. Mir wurde bewusst, wie mächtig er hier wirklich war. In dieser Gemeinde war Mateo nicht nur ein Mann mit einer dunklen Vergangenheit; er war eine unantastbare Autorität. Die Kirche vertraute ihm blind, d

  • Orgie-Nacht mit dem Priester   KAPITEL 3

    Kapitel 3 – Die Last des SchweigensMorgenlicht fiel durch die Buntglasfenster, als ich Mateo in die Kirche folgte.Er war selbst gekommen, um mich abzuholen. Diesmal kein junger Priester. Nur er, stand mit demselben undurchschaubaren Gesicht in meiner Tür und sagte mir, ich würde neben ihm die Messe und die anschließenden Gebete verrichten. Ich hatte keine Wahl. Ich zog die einfachen Kleider an, die man mir hingelegt hatte, und folgte ihm schweigend.Die Kirche war bereits halb voll. Leises Gemurmel. Der Geruch von Wachs und altem Stein. Schwester Agnes ging zum Seitenaltar und arrangierte mit scharfen, präzisen Händen Kerzen. Pater Ruiz stand mit gefalteten Händen am Beichtstuhl, sein Blick schweifte über alles.Dann kam mein Stiefbruder mit dem Weihwassergefäß herein, seine Schritte bedächtig und zielstrebig. Als sein Blick über meine hinweghuschte und sich in meinen heftete, durchfuhr mich ein kalter Schauer. Schnell verbarg ich das plötzliche Erkennen und tat so, als sei ich völl

  • Orgie-Nacht mit dem Priester   KAPITEL 2

    Kapitel 2 – Der Mann hinter dem KragenIch erwachte vor Sonnenaufgang. Das Bett war hart, und das Zimmer war kälter als in der Nacht zuvor. Einen Moment lang vergaß ich, wo ich war – dann erinnerten mich das vergitterte Fenster und die verschlossene Tür daran. Die Stimmen meiner Eltern hallten noch immer in meinem Kopf wider. *Dreckiges kleines Luder. Die werden dich schon richten.* Ich lächelte und zischte das Lächeln weg.Es klopfte an der Tür. Nicht leise. Einer der jungen Priester von letzter Nacht öffnete sie und bedeutete mir ohne Erklärung, ihm zu folgen. Ich hatte kaum Zeit, mir die Schuhe anzuziehen, da ging er schon vor mir den dunklen Flur entlang.Wir blieben vor einer schweren Tür stehen. Er klopfte einmal, wartete kurz und drückte sie auf, bedeutete mir einzutreten. Ich trat ein, und mir gefror das Blut in den Adern.Er stand am hohen Fenster, den Rücken halb abgewandt, in einem schlichten schwarzen Hemd und einem weißen Kragen. Groß, mit breiten Schultern. Genau die gl

  • Orgie-Nacht mit dem Priester   KAPITEL 1

    Kapitel 1 – Sie werden dich heilenDas Auto roch nach dem Parfüm meiner Mutter und dem Zorn meines Vaters. Nachdem sie beschlossen hatten, dass ich verflucht sei – Gott sei Dank hatte ich es nicht ernst genommen –, wollten sie mich heilen und „reparieren“.„Du dreckige kleine Schlampe“, sagte meine Mutter vom Beifahrersitz mit einer Stimme, die schneiden konnte. „Hast du überhaupt eine Ahnung, was du dieser Familie angetan hast? Die Scham. Das Getuschel. Wir können uns nicht einmal mehr in der Messe blicken lassen.“Ich wollte lächeln, denn alles an mir war wie ein Witz. Gleichzeitig beruhigte ich mich und dachte an den wahren Schmerz, den ich meinen Eltern zugefügt hatte. Nun hatten sie ihre endgültige Entscheidung getroffen.Auf dem Weg zu dem Ort, wo ich „repariert“ werden sollte, starrte ich aus dem Fenster. Bäume verschwammen in der Dunkelheit.Mein Vater umklammerte das Lenkrad, als wollte er es zerbrechen. „Die werden dich schon wieder in Ordnung bringen. Dafür ist die Kirche

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status