Mag-log inDie nächsten achtundvierzig Stunden gehörten ganz ihr, und sie hatte keine Ahnung, was sie damit anfangen sollte.
Sie wusste nicht, wie man so etwas überleben sollte, ohne dass Maybel körperlich neben ihr saß – ohne die Couch, die Takeaway-Behälter, das Ritual, durch Herzschmerz gesprochen zu werden von jemandem, der sie seit ihrem vierzehnten Lebensjahr kannte. Aber Maybel war einen Ozean entfernt, und Sarah stellte fest, dass sie seltsam unwillig war, nach ihrem Handy zu greifen und die Worte laut werden zu lassen.
Sie ging geradewegs zurück zum Hotel, das sie für sie beide gebucht hatte – für sie und Sam, für die Version dieser Reise, die nur in ihrem Kopf existiert hatte – und checkte wieder in dasselbe Zimmer ein. Dasselbe große Fenster. Derselbe Blick auf nasse Dächer, der vor weniger als einem Tag romantisch gewirkt hatte und sich jetzt einfach nur nach Regen anfühlte.
Als Erstes schaltete sie ihr Handy aus. Komplett.
Keine Maybel. Kein Mason. Kein Sam. Niemand.
Nur sie, ihre Enttäuschung und eine Stadt, für die sie um die halbe Welt geflogen war, um sich zu verlieben, und die stattdessen nur still zugesehen hatte, wie sie auseinanderfiel.
Sie setzte sich an den Rand des Bettes und ließ sich endlich die Frage stellen, der sie seit der Straße vor Sams Gebäude ausgewichen war. Was habe ich mir überhaupt gedacht? Eine ganze Woche frei. Flüge. Ein Hotel, das in ihrem Kopf unter beiden Namen gebucht war, auch wenn nicht auf dem Papier. Alles – für einen Geburtstag, den sie mit einem Anruf und einem Kurierpaket hätte begehen können, so wie jede vernünftige Freundin. Stattdessen hatte sie eine ganze Pilgerreise um einen Mann herum gebaut, der, wie sich herausstellte, überhaupt nicht an sie gedacht hatte.
Sie dachte an die silberne Uhr, die unberührt in ihrem Samtkästchen lag. An die Karte, die sie so verbissen vor Maybels neugierigen Augen gehütet hatte und die sich jetzt weniger wie ein Geheimnis anfühlte und mehr wie ein Beweis dafür, wie weit sie sich hatte gehen lassen.
Am zweiten Morgen siegte der Hunger über den Herzschmerz, und sie zwang sich, zu duschen, sich anzuziehen und runterzugehen zum Frühstück, das sie das Hotel für zwei hatte vorbereiten lassen. Sie aß allein an einem Tisch, der für Gesellschaft gedacht war, stochte in lauwarm gewordenen Eiern herum und traf irgendwo zwischen dem Toast und der zweiten Tasse Tee eine Entscheidung: Sie würde die volle Woche nicht bleiben.
Es gab keine Version dieser Reise, die noch Sinn ergab. Sie war für eine Überraschung gekommen und hatte eine bekommen – nur nicht die Art, die sie geplant hatte.
Am Nachmittag schaltete sie ihr Handy wieder ein und ließ die Benachrichtigungen auf einmal hereinströmen – Dutzende Texte von Maybel, die von Neugier über Besorgnis bis hin zu etwas, das der Panik nahekam, eskalierten, drei verpasste Anrufe von Mason wegen des Rose-Kontos und, dazwischen versteckt, eine einzige Nachricht von Sam. Sie starrte eine lange Weile auf seinen Namen, bevor sie sie öffnete.
Sam: Hey! Danke für die Geburtstagsnachricht. Sorry, war ein bisschen abgetaucht, habe Rose fürs Wochenende mitgenommen, brauchte die Pause. Reden wir, wenn ich zurück bin?
Rose. Nicht seine Schwester. Nicht eine Cousine. Die Freundin, die die Nachbarin erwähnt hatte, hatte jetzt einen Namen, hatte Gewicht. Sarah las die Nachricht zweimal und fühlte sich seltsam ruhig, so wie Menschen das Auge eines Sturms beschreiben – still, aber nur, weil das Schlimmste noch nicht aufgeholt hatte.
Sie antwortete nicht. Noch nicht. Stattdessen rief sie Maybel an, und in dem Moment, als sie die Stimme ihrer besten Freundin am anderen Ende der Leitung vor Sorge brechen hörte, gab etwas in ihrer Brust endlich nach.
„Er hat eine Freundin“, sagte Sarah, und dann weinte sie – richtig weinte, so wie sie es sich auf der Straße vor seinem Gebäude verweigert hatte. Maybel stellte keine Fragen. Sie blieb einfach in der Leitung, still und präsent, und ließ Sarah alles in Stücken herauslassen, die keine Reihenfolge brauchten.
„Komm nach Hause“, sagte Maybel schließlich. „Vergiss den Rest der Woche. Komm nach Hause, und wir finden heraus, was als Nächstes kommt.“
Sarah sah sich im Zimmer um – den Anzug, der noch in seiner Hülle lag, die Uhr, die Karte, die sie jetzt wegwerfen statt zustellen wollte – und spürte, wie etwas in ihr still und entschlossen wurde.
„Ja“, sagte sie leise. „Ich komme nach Hause.“
Am Abend änderte sie ihren Flug, vorverlegte ihn um vier Tage, und verbrachte ihre letzte Nacht in London mit etwas, das sie überhaupt nicht geplant hatte: nichts. Kein Sightseeing, kein erzwungenes Abschließen, keine dramatische Geste, um das Ende einer Beziehung zu markieren, die, wie sie langsam begriff, vielleicht schon länger zu Ende ging, als sie sich eingestehen wollte.
Sie saß einfach am Fenster, sah zu, wie London tat, was es am besten konnte – weitermachen, gleichgültig und grau und auf seine eigene müde Art schön – und ließ sich zum ersten Mal seit längerem, als sie sich erinnern konnte, eine Version ihres Lebens vorstellen, in der Sam nirgendwo vorkam.
Richards Restaurant war endlich da; die offizielle Eröffnung. Maybel hatte Sarah persönlich als ihre besondere Gästin eingeladen, doch Mason hatte andere Pläne für sie.Sie hatte keine Ahnung, dass Richards Team ihre Firma eingeladen hatte, als Gastgeber aufzutreten und die Zeitschrift zu betreuen – die Erzählung davon, wie die Veranstaltung aussah, für all jene, die gerne dabei gewesen wären, aber nicht jeder war eingeladen. Genau hier kam Masons Verlagshaus ins Spiel und brachte die Magie direkt vor die Haustür. Und Sarah war diejenige, die das Ganze handhabte.„Also kommst du nicht mit mir … oder?“„Maybelline!“„Sarah!“, „Du weißt, was mein Job verlangt, und außerdem treffen wir uns am selben Ort, also entspann dich.“„Okay, Schätzchen, ich habe Frühstück gemacht; Pfannkuchen, falls du magst. Und ich muss zuerst ins Studio, um Anweisungen zu geben“, sagte Maybelline auf dem Weg hinaus zu Sarah.„Okay, tschüss“, sagte Sarah, während sich die beiden Mädchen seitlich küssten.„Guten
„Hey Baby“, überraschte Maybelline Sarah bei ihrer Ankunft. „Oh wow, ich hätte fast vergessen, dass ich eine Mitbewohnerin habe“, sagte Sarah scherzhaft und half Maybel dabei, die Dinge abzustellen, die sie trug. „Ich hoffe aufrichtig, dass die Sachen hier etwas sind, an dem ich knabbern kann, denn ich verhungere, May.“„Und wann genau habe ich jemals daran gedacht, dass du kochst, wenn ich nach Hause komme? Ich würde meinen Magen nicht für dich riskieren, Babes.“ Das fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht für Sarah, aber natürlich war es ihre beste Freundin – sie war es gewohnt, dass Maybel einfach Maybel war. „Nun, wenigstens tue ich nicht so, als könnte ich nicht kochen“, sagte Sarah und rollte mit den Augen.Beide Mädchen aßen still am Esstisch. Sarah machte einige Komplimente über das Essen und fragte sich, wo Maybel das Take-away her hatte. „Das ist wirklich gut, wo hast du das her? Es schmeckt wie dein gegrilltes Hähnchen. Ich wusste nicht, dass Mac and Cheese so gut zu Zwie
Sarah wachte auf, bevor der Wecker klingelte, was seit Wochen nicht mehr vorgekommen war.Einen Moment lang lag sie still da und wartete darauf, dass sich das vertraute Gewicht auf ihre Brust legte. Der tiefe, schleppende Schmerz, der sie jeden Morgen seit Sam begrüßt hatte. Er kam nicht. Nicht ganz verschwunden, aber leiser, wie ein Radio, das man heruntergedreht hatte, statt es auszuschalten.Sie setzte sich auf und blickte sich in der Wohnung um. Mays Tür war geschlossen; sie blieb immer länger im Atelier, manchmal kam sie gar nicht mehr nach Hause. Die Stille hätte einsam wirken müssen. Stattdessen merkte Sarah, dass es ihr nichts ausmachte.Sie kochte Kaffee, stand mit der Tasse in den Händen am Fenster und gab sich ein Versprechen, das sie vorher nie ganz gewagt hatte: Ich warte nicht länger darauf, dass jemand anderes mein Leben bedeutsam macht.Es war nicht dramatisch. Kein Weinen, keine große Erklärung. Nur eine stille, hartnäckige Entscheidung – die Art, von der sie vermutet
Die Nacht zuvor war auf die schlimmste Art still gewesen. Sarah hatte sich in den Schlaf geweint, ohne jemals genau zu sagen, warum, und Maybel – bei all ihren Scherzen, all ihrem Gerede – hatte es besser gewusst, als zu fragen. Sie hatte einfach festgehalten, Sarahs Atem gegen ihre Schulter gleichmäßig werden lassen und geblieben, bis der Schlaf ihre Freundin endlich hinunterzog. Manche Dinge brauchten nicht ausgesprochen zu werden, um verstanden zu werden. Maybel kannte Sarah gut genug, um zu wissen, dass Drängen sie nirgendwohin bringen würde; wenn Sarah reden wollte, würde sie reden, wenn sie bereit war, und keinen Moment früher.Der Dienstagmorgen kam mit seinen üblichen Anforderungen, und Sarah stand bereits vor dem Spiegel und richtete ihren Kragen, als Maybel in der Tür erschien, die Arme verschränkt, und sie mit offener Besorgnis beobachtete.„Du weißt, dass du dir irgendeine Ausrede für Mason ausdenken kannst, oder?“, sagte Maybel. „Nimm den Tag frei. Ruh dich ein bisschen a
Texas empfing sie mit einer Hitze, die Londons Nieselregen wie einen Fiebertraum wirken ließ. Sarah stieg vier Tage früher aus dem Flugzeug, Sonnenbrille auf, den Koffer ratternd hinter sich her, und spürte die besondere Erschöpfung jemandes, der achttausend Meilen geflogen war, um sich das Herz brechen zu lassen, und dann direkt zurück.Maybel wartete bei den Ankünften, und in dem Moment, als sie Sarah erblickte, sagte sie kein Wort – sie überquerte einfach den Abstand zwischen ihnen und schloss sie in eine Umarmung, die fest genug war, um alles zu sagen, was sie nicht in Worte fasste. Sarah ließ sich einen langen Moment halten, mitten im Terminal, unbeeindruckt von den Menschen, die um sie herumtraten.„Ich habe Snacks fürs Auto mitgebracht“, murmelte Maybel in ihr Haar. „Und ich habe schon meine ganze Woche freigehalten. Wir machen das richtig.“„Was genau machen wir richtig?“„Dir dein Leben zurückgeben“, sagte Maybel und löste sich gerade weit genug, um sie anzusehen. „Schritt fü
Die nächsten achtundvierzig Stunden gehörten ganz ihr, und sie hatte keine Ahnung, was sie damit anfangen sollte.Sie wusste nicht, wie man so etwas überleben sollte, ohne dass Maybel körperlich neben ihr saß – ohne die Couch, die Takeaway-Behälter, das Ritual, durch Herzschmerz gesprochen zu werden von jemandem, der sie seit ihrem vierzehnten Lebensjahr kannte. Aber Maybel war einen Ozean entfernt, und Sarah stellte fest, dass sie seltsam unwillig war, nach ihrem Handy zu greifen und die Worte laut werden zu lassen.Sie ging geradewegs zurück zum Hotel, das sie für sie beide gebucht hatte – für sie und Sam, für die Version dieser Reise, die nur in ihrem Kopf existiert hatte – und checkte wieder in dasselbe Zimmer ein. Dasselbe große Fenster. Derselbe Blick auf nasse Dächer, der vor weniger als einem Tag romantisch gewirkt hatte und sich jetzt einfach nur nach Regen anfühlte.Als Erstes schaltete sie ihr Handy aus. Komplett.Keine Maybel. Kein Mason. Kein Sam. Niemand.Nur sie, ihre E







